Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXI (1916)
- Issue
- Heft 43 (27.10.1916)
- Date
- 1916-10-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 356 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nf. 43 Eine große Trauerrede wurde vom Cliicf-Rnbbi Dr. J. L. Landau gehalten, der am 12. Todestage Hcrzl's daran erinnerte, daß man jetzt das zwanzigjiihrige Jubiläum von Hcrzl’s ״Judcnsta.it“ begebe. Niemals zuvor sei die Kraft, die Hcrzl’s Botschaft innewohnt, und ihre 'prophetische Wahrheit überzeugender demonstriert worden, als jetzt durch die traurigen Ereignisse der letzten zwei Jahre. Der zionistische Verein in Bethal vcranstaltetc eine Mcrzl-Oedenkfcier in der Synagoge. Der Präsident der Bethal Hcbrcw-Congrcgatiou Herr T. Festen stein stellte der Versammlung die i lerrcn Benzion S. Herscli und J. Janower vor, die von der Süd-Afrikanisdicn Zionistischen Föderation entsandt worden waren, um bei der Versammlung zu sprechen. Herr Hersel) hielt eine zu Herzen gehende Rede über Hcrzl, und Herr Janower. gab in seinen Ausführungen einen warmen Appell für Einigkeit und Organisierung, damit ״die Leitung im gegebenen Augenblicke wirklich imstande sei, im Namen der organisierten Judenheit mit den Nationen Europas zu unterhandeln‘'. Die zionistische Ortsgruppe in B loe m fo n t e i 11 hielt ebenfalls eine 1 ierzl-Cicdcnkfeier ab, bei der Rev. Z. Lawrence sprach. I lerr J u d c I o w i t z aus Johannesburg folgte einer Einladung der Bloemfontein Ozrci Zion-Society zu einem Propaganda- Vortrag. Alan hofft, daß durdi diesen Vortrag die ins Stocken geratene Aktivität des Vereins wieder lebhafter werden wird. ln Oradock und Koster haben sich im Anschluß an Propaganda-Reden des Herrn A, M. Abrahams zionistisdie Vereine gebildet. Ueberhanpt darf man die größere Intensität des südafrikanischen zionistischen Lebens auf die häuligen Tournees aktiver Zionisten zurückfuTircn, die dadurch für die Wintersaison das zionistische Leben der kleineren Orte neu angeregt haben. Ein engerer Zusammenschluß der Vereins-Mitglieder wurde auch durdi große Versammlungen am Tischa Be’ ah erzielt. Gerade in dieser Periode wiedererwachter zionistischer Aktivität macht sich der Verlust, den die südafrikanischen Zionisten durch den Tod eines ihrer eifrigsten Mitarbeiter, des Herrn Harry Jos sc Iowitz, zu beklagen haben, doppelt schmerzlich fühlbar. Der verstorbene Harry Josselowitz war vor einigen Jahren in den Nationalfond-Klub eingetreten und war seit dieser Zeit nicht nur ein treuer und ergebener Anhänger der zionistischen Bewegung, sondem auch ein energischer und disziplinierter Arbeiter für alles, was Jiidisdi ist. Einige Monate vor seinem Tode wurde er Mitglied des Exekutiv- Komitees der Süd-Afrikanischen Zionistcn-Födcrntion und beschloß, alle seine Energie in noch erhöhtem Maße der gemeinsamen Sadie zu widmen. Die südafrikanisdien Zionisten planen, sein Andenken durch Schaffung eines seinen Namen tragenden Fonds zu ehren, dessen Zinsen ein Stipendium für einen Schiiler des hebräischen Gymnasiums in Jaffa bilden sollen. M. Krinski Nach einer kurzen Krankheit verschied a1״ Hoschana Raba in Warschau der bekannte jüdische Pädagoge und Schriftsteller M. Krinski, der I lerausgeber einer Reihe Lehrbücher und Cbrestoinatliicn, wertvoller belletristischer und poptilär-wisscnschaftlichcr Bücher in hebräischer und jidischer Sprache, der Gründer und Direktor der jüdischen Hamidsschulen für Knaben und Mädchen und der Handclskursc für Erwachsene.. Die jüdische Handelsschule, die der Verstorbene iin Jahre 100'J in Warschau eröffnefe, war die erste jüdische Mittelschule in Rußland. Er gründete auch den hebräischen Vorlag 1־1״ aor“ und den jidischcn Verlag ״Bücher für Alle“, schuf das seinerzeit sehr beliebte hebräischc Jugendjournal 11״ a s c h a c 11 a r“ wie auch die Wochenschrift ״R o m a n - Z e i t u 11 g". Er war auch einer der Herausgeber der Tageszeitung ״Moment". Der Verstorbene war 57 Jahre alt. Eine große Menge begleitete die Balire des Toten. Eine Anzahl jüdischer Schulen, philnntropischor Gc- Seilschaften, Turnvereine, zionistischer Verbindungen, literarischer und sonstiger Kulturvereine sandten ihre Delegationen. Infolge des Feiertags wurden am Grabe keine Reden gehalten. Desto eindrucksvoller waren die Trauer-Versammlungen, die am 22. Oktober vormittags und abends in den Räumen der vom Verstorbenen gegründeten und geleiteten Schulen stattfanden, ln wirkungsvollen Reden schilderten der Direktor dieser Schulen, Herr W o 111 m a n n (polnisch) und die Lehrer Lac ho wer (hebräisch), El bäum (polnisch) und Handelsalz (hebräisch) die Persönlichkeit des Dahingeschiedenen. Außerdem sprachen noch (jidisch) die Herren J. M. Proß, Sadoweky, Frank, Dr. Hindes u. a. m. LITERARISCHE CHRONIK 111 der ״Europäischen Staats- und W i r t s cli a f t s z c i t u 11 g" Nummer 26/27 vom '10. September 1016, hat Davis Tri et sch unter dem Titel ״Das Ostjuden-Problcm und die f rage seiner Lösung durch den Zionismus“ einen Aufsatz veröffentlicht, tler eine Ergänzung zu den kürzlich in der gleidien Zeitschrift erschienenen Ausführungen des Herrn Professor Bai Io d über dieses Problem darstellt. « Unter dem Titel ״Jewish E 111 a n c I p a t i o n Bulletin“ werden in New-York Dokumente und Nachricnteu über die Lage der unterdrückten Juden (Reports and noticcs 011 llie condition of tlie oppressed jews“) systematisch veröffentlicht. Nr. 1 'S dieser ״Bulletins liegen nunmehr vor. Die gesammelten Dokumente beziehen sich hauptsächlich auf die Bedriickiing der russischen uml rumänischen Juden, Als ,Manuskript gedruckt, wie diese Bulletins, ist auch eine kleine Schrift in New-York erschienen, die das Thema ״Die Beziehungen zwlsehen den Vereinigten Staaten und Rußland und die Juden frage" behandelt. 1111 Verlag ״Kultur“, Warschau, erschien ein literarisches Sammclhüchlcin in jidischer Sprache ״I n schweren Zeiten". Die Sammlung enthält Er- Zählungen und Skizzen von J. II e f t m an n, J. Mas tbaiini, A. R o s c 11 f cl d Gedichte von David K a ss e I, Ahron Z e i 11 i 11, Ncchama Kowalski, A. G ra f m a n 11 einen Aufsatz über das jüdische Theater von D.!)ruck u. a. AUS ALLER WELT Aus Frankreich. Die Redaktion der in Paris erscheinenden zionistischei! Zeitschrift ״La Renaissance J 11 i v c“ teilt den Pariser Zeitungen mit, daß die ganze Auf- Inge ihrer letzten Nummer, die der Frage der E 111 a 11 - z. i p a t i o 11 d c r J u d e n 111 R u m ä n i c 11 gewidmet war, von der!ran/ösisehen Zensur 11 e schlagnahmt wurde. Auch die übrige jüdische Presse wird von der Zensur stark gekürzt. So finden sich in jeder Nummer tler .,Archiv es Israülites“ kleinere und größere Lücken, tlie durch tfeu Zensor veranlaßt sind. Aus Russisch-Polen. (Vortlen j ü d i s e 11 c n G c 111 e i 11 d e w a 11 I e ״ in W arsc 11 a 11.) 111 den nationalen jüdischen Arbcitcrkrciscn wird• das Interesse zu den bevorstehenden Geiiieiiiilewalilen geweckt. 1111 ״Arbeiterheim“ sprach auf cint ui von den ,,Poalc Zion“ zu diesem Zweck veranstalteten 1 liskiissions.-ihcnü Herr 1. Selitirek über tlie Aufgaben tler Gemeindeverwaltung und tlie Interessen der Arbeiter au ihrer Demokratisierung. Seitens des ,,Bundes“ und der ״pnlnisthcu Sozialdcmnkratcii" wurde tler Redner bekämpft. Die erstereil betrachten die Gemeinde als rein konfessionelle Anstalt, tlie letzteren fortlern dazu auf, die Wahlen überhaupt zu boykottieren, da der Arbeiter keine Interessen außer seinen Klasseiiintcresscii (die übrigens dieselben sein müssen wie die tler ptilnischeu Arbeiter) keimen darf. In einer längeren Rede suchte I lerr J, R e i e 11111 a 1111 die Ansichten dieser linksstehenden Assimilantcii zu widerlegen. aus Rußland■ (Pin b c711 f 11 n g der jüdischen Lehrer) Nach dem jüngsten Zirkular des llnterriclitsministcriums erstreckt sich die Iklrtmiig vom Militärdienst für Volkssduillchrcr nur aut die Lehrer derjenigen Schulen, die in das ״Netz der staatlichen Primarschulen cingcschlosson sind oder eingcschkrss!en werden können". Dies trifft aber nicht auf -die jüdisdicn Schulen zu, weil sie Privatschulen sind. Wie die russisch-jüdische Presse mittcill, droht daher den jüdisdicn Schulen die Gefahr eines massenhaften Verlustes des Lchrerpersonals. (Vom jüdischen Polytechnikum.) Herr J. O. Gcpncr aus Kiew spendete für das neugegründete jüdische Polytechnikum, das in J e k a t c r i 11 o s 1 a vv im nächsten Jahre eröffnet werden wird, 100 000 Rubel mit der Bedingung, daß die Hodischulc an Sabbatl! lind Feiertagen geschlossen wird. Mit diesem Betrag hat der Fond des Instituts die Summe von einer halben Million Rubel erreicht. (Plan eines medizinischen Instituts.) Dr. J. Rowinski ersuchte das Kultusministerium um die Erlaubnis, ein medizinisches Institu t für jüdische Studenten und Studentinnen in Odessa eröffnen zu dürfen. Das Gesuch wurde abgclelint mit dem Hinweis darauf, daß in Odessa bereits zwei medizinische Rcichsfakultäteu bestehen TURNEN und SPORT Mit Beginn des Wintersemesters hat in allen Abteilungen des Jüdischen Turnvereins Bar Kochba in Berlin wieder ein reger Betrieb eingesetzt. Die Winterarbeit des Bar Kochba ist sehr vielseitig geworden. Neben dem Turnen und den Wanderungen wird jetzt auch dem gesellscliaftlicbcn Zusammensein ein großer Raum gewährt. Alle Mitglieder und Freunde unseres Vereins treffen sieh in zwanglosem Beisammensein an jedem 1. und 3. Sonntag im Monat in den Wohnräumen des Hcrzl-Clubs. Als nächste Veranstaltung plant der Verein ein groß angelegtes Schauturnen, um wieder einmal Zeugnis ab/11lcgcn von der cmsigen Arbeit, die in allen Abteilungen geleistet wird. Em ganz besonders frisches Bild wird wieder das Leben und Treiben unserer Schüler- und Mädchenabteihing bieten, Alle neu cintrctendcn Schüler und Mädchen können sich noch an dem Schauturnen beteiligen. J. H. * In Warschau ist ein neuer Turn- und Sportverein ״S im son" gegründet worden, der das Ziel hat, die Kreise der nicht in Partcivcrcincn org.mfsierten jüdisdicn Jugend der Ttirnbcwcgimg zu gewinnen. Der Verein hat bereits seine Statute« zur Legalisierung eingercicht. Auch in W i 111 a ist ei« Turnverein ״Makkabi“ gegründet und legalisiert worden. In Wloclawck fand am 15. Oktober ein lest des Wlodaweker Turnvereins statt, zu dein auch viele Delegationen aus den Tum vereinen in I odz, Sgiercz, Warschau, Plo/k, Kutno, Tomascbcw, (./in• stoehau und anderen Städten der Umgebung eiligetroffen waren. Die Beratung, die sidi an dieses Fest aiisehloli, stellte die Notwendigkeit einer Konferenz der Vertreter aller jüdischen Turn- und Sportvereine in Polen fest. Die Konferenz soll in Lodz, stattfinden uml wird das Ziel haben, eine einheitliche jüdische Turn- Organisation ins Leben zu rufen. Die Beratung wird auch die Aufgabe haben, die Frage der Stellung der Vereine zur nationacln Bewegung zu behandeln. Geldüberweisungen Zahlungen fürSchckcl, La ndc8b e i t rSge, Pro paga 11 da fon d , Kriegsbeitrag und Hillskomitee sind auf das Postscheckkonto Berlin S(KH der Zionistischen Vereinigung für Deutschland zu leisten. Zahlungen für den Zentralfond, das! Hebräische S c h 111 \v c r k und den M i s c h m a r auf »las Postscheckkonto Berlin 11619 des Zionistischen Zcntralbiireaus, Zahlungen für den Jüdischen National• f 0 n d s aut das Postscheckkonto Berlin' 3817 de* Herrn Max Wollstcincr, Charlottenburg, Roscher- Straße 5. Zahlungen Tür den Verlag Jüdische Rundsc 11 au aut das Postscheckkonto Berlin 17 392 der Jüdischen Rundschau, G.m, b. H. Zahlungen Tür AbonncmcntsausOestcr reich auf das Schcckkoiito bei dein k. k. Postspar• kasseu-Amt in Wien Nr. 156 30 Verlag ״Jüdische Rundschau", 1-111nm1rv,11 im*;1 u u 11 iiv 111 v II l tl «t U S U li ' garn auf das Scheckkonto 15655 der kgl. ung, Post• Sparkasse für ״Die Welt״, Verlagsgeseltschaft m. b, H., Berlin, Zahlungen für das Hilfswerk für Pa• lä&tina auf das Postscheckkonto Berlin 4192, Hilf»• werk für Palästina. Zahlungen für die Berliner Zionist i sehe Vereinigung auf das Postscheckkonto( 120 06 des Herrn Dr. Schwarz. Kasscnverwaltune der B. Z. V., Rcrlin-Tcmpclhof Zahlungen für den Jüdischen Verlag aul das Postscheckkonto Berlin 11597. Nachrichten Berlin. Unsere Gesinnungsgenossen Leo Podbielski-Marggrabowa/Ostpr. (K. J. V.), Leo G o 111 ie b - Fulda (K, J. V.), David S c h Io ß b e rg- Königsberg (K. J. V.), Sally T r a 11 b c r m a 11 n -I lainbürg, Siegfried B r a n d f - Posen und Richard Pelz (I Icrzl-Klub-Breslau) haben das l iscrue Kreuz, bekommen, Walter H irschfeid - Hamburg (K. J. V.) wurde das Iianscatenkreuz verliehen. Unser Gg, cand. rer, pol. Justus Sch Io H-Hameln wurde verwundet und ist in englische Gefangenschaft geraten. Unsere Gg. Georg F re 11 n d I i c h - I i$sa/P0sU1 (K. J. V,), Felix S o m m e r f cl d ־ Insterburg (K. J. V.), Max G 11 m p r i cli - Münster/Wcstf. (K. J. V.) und Referendar Alfred K a t z - Hannover sind gefallen, Berlin. 1 )er Robert Sc 11 u manii-Chor" (Dirigent: L. Kopf) der sich schon öfter in den Dienst der Wohltätigkeit gestellt hat, beabsichtigt, Fmle Januar 1917 ein Chorwerk von Cherubim zu Woliltätigkvitszweckcn auf zu führen. Sangesfreudige Damen und 1 Icrrcit werden gebeten, dem Chore beizutreten und an den Proben tcilziinchmeii. Die Proben finden an jedem Donnerstag, abends 8!,z Uhr im ״Sängersaal der Sophiensäle" Sophieristr. 18, statt. Gäste sind'herzlich willkommen! Berlin. Am Sonnabend, den 16. Oktober, fand in ״Puhlmanns Theater" die Aufführung des Jakob Oordinsehen Stückes ״Oott, Mensch und Teufel“ in iidisdier Sprache statt. Die Vorstellung hatte einen guten Erfolg aufzuweisen. Darsteller und Darstellerinnen standen auf der Höhe ihres künstlerischen Können* und boten zum Teil ganz hervorragende Lei- \