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Jüdische Rundschau · 1916-10-27 · Heft 43 (27.10.1916) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXI (1916)
Issue
Heft 43 (27.10.1916)
Date
1916-10-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Neue 334־ Gelegenheit, den zionistischen Problemen größere Auf• merk-amkeit 7m widmen. j In den let/tcii Monaten erscheinen öfter No• j tizen nml gröbere Artikel an leitender Stelle in einer .\n/ahl hervorragender skamlinaviselter Prcßorg.ane. I >ie zionistische Oeffentliehkeit hat Grund, mit voller Gt'imglmmg zu konstatieren, daß die führende Presse! der sk.indmnv ischett Völker der zionistischen Bewe-! gmig volle Sympathie entgegcnhiiiigt. 1 Im Januar lölli erschien in dem größten und weitverbreitetsten dänischen ,Woehenblatt ״II | e in - met" eine Artikel-Serie über die Geschichte des modernen Zionismus und der jüdischen Kolonisation in Palästina. I tie Zeiümg brachte gleichzeitig Bilder von I lerzl und Nordau, sowie eine Heilte von Auf- 1 nahmen aus dem neuen Jischmv. Eine ,ilmliehe I Artikel-Serie ist auch in dem größten norwegischen j Woclienblatle gleichen Namens in Kristiania erj schienen. Diese Artikel-Serien wurden fast von der! gesamten skandinavischen Provinz-Presse anfgenommen und in größeren Auszügen wiedergegebvii.; Vor kurzem brachte das dauisehe Rcgienmgs-! blatt ,,Politiken“ an leitender Stelle einen Artikel über die ״Aufgalx'ii des Ziomsmus'‘. Das Blatt Iwtonti׳, daß die sozial-ökonomischen Aufgabe״ des Zionismus in allen Kreisen, ohne Unterschied der Partei nml Nationalität, Unterstützung und Sympa- | thie verdienen. Handle es sich doch darum, den I verfolgten jüdischen Volksmasscii ein nettes Immij grationszentnun zu erschließen. Zwar glaubt das; BlaU nicht, 11,dl Palästina imstande sei, die Judenj flaue zu lösen, es erkennt aber immerhin au, daß! es sieh um eine großzügige, mcMschcnl'rcimdliohc, | politisch-soziale \I,Ium handle, die l'ei der Reue- , lung dev Orient 1 ,»!•v beachtet vvervlvn müsse. Auels j dieser Leitartikel des offiziellen tlänisehcn Regiej rmig'sblaP s 'hat in weiten dänis1׳h־|volitlscheu Kicij seil Eindruck gemacht. i 111 eine a amlereit dani-ehen Blatt, der olfi/ioseu j ״Bcrliugskc 1 1 tl v 11 d e", erschien vor mehl ' langer /.eit ein i.eitartikei .,l ebet die Zionistische Bewegung uiul ihre Organisation“. Nachdem der Artikelsehreihel die (icseluehte des modernen Zioiiisums, seiner Organisation und -eitler I iiuiizm-ti- I lute, seiner Schulen mul seiner Koloiiisaiianen be- | handelt hat, berührt er das nationale Moment, das in der gegenwärtigen /eit tles Veistanditisses : und der Vertiefung tler nationalcii Probleme nicht | umgangen werden darf. I ier Leitartikler betont, dal! I die Behauptungen der westeuropäischen Gegner des; Zionismus, die zionistischen Bestrebungen se eit mit den patrioliseheu Interessen unvereinbar, durch den gegcuwaritgeii K1 io;: voll nml .;atiz vvidi■r'egt worden sei Die paltiotische PflieliteriulhuiL1 der /ioinsieu j a Ier Länder .-,ei der schlagendste Beweis tl.iiiir, und; die Tatsache, daß Präsident Wilson den I ülircr der 1 amerikanischen Zionisten, I oiiis I). Brandeis, mit dem höchsten Staats,•nute betraut hat, duiite diesen falschen Itchauptuiigcii cm Ihr allemal ent Lude hcrcitct haben, /,um Schluß fuhrt der Aitikelsehreiber aus, daß alle Kulturvölker das größte Interesse daran halscit, daß die Juden trage eine humane und in der I listorie begründete Uisuug erfahre und daß die öffentliche Meinung m Europa den znmistisciicu Bes tre btt tilgen die Sympathie und Unterstützung nicht versagen dürfe. Am 5, Oktolier erschien im Koj>e11hage11cr ״Nat i o n a 11 i d e 11 d c“, dem angesehenen Organ der konservativ eil Partei, ein Artikel mit der UcIktschrift ,,Was der Zionismus will?“ Auch dieser Artikel beginnt mit einer historischen Würdigung der zionistischen Bewegung und ihrer kolomsatorischen Leistungen. Der Autor weist nach, »laß 1 schon I lerzl tler türkischen Regierung itahegelegi habe, daß alle ihre Bestrebungen, die Renaissance des nahen Orients lierlK'izufulircn, aus Mangel an europäischen Emigranten scheitern müßten und daß für eine Kolonisation m Palästina einzig und allein die Juden geeignet seien, die einerseits durch Not und Verfolgungen, die sie in manchen Ländern crleiden, zur Auswanderung gezwungen sind, andererseits durch die heiße Liehe zum Heiligen lande, die seit lit>1)0 Jahren Ihm den jüdischen Volksmasscii in Treue genahn mul erhalten blieb, ein stetes Lniwamk'1'imgselement bilden würden. Hie Emigranteil wurden dank ihrer europäischen Erziehung und Schulung, ihres llcißcmul ihrer Energie und ihres Idealismus einen Aufschwung tles Orients herbei• iiilimi können. Nachdem der Autor die Verdienste der jüdischen Bevölkerung Palästinas, namentlich auf laiitluirtscliattüehvm Gebiete, gewürdigt hat, fährt er fori; ״Bedenkt man, daß die meisten jüdischen Etuigramen bis jetzt <|cr I.,uularbeit völlig fremd waten, (wami sie doch meistenteils Kanlleute, Studenten usw.) so wird mau die Zahl der Kolonisten als eine relativ rieht ansehnliche zu be/eiehiieu haben. Es ist auch sicher, daß bei den gegenwärtigen lamlvvirtschaitiiehen AushiUlungsanstalten, die in Palästina durch die Zionistische Organisation errichtet wurden, die jüdische Kolonisation viel größere Erfolge aufzuwei• en hätte, w e 1111 d e n J u d e 11 d i e M ö g ־ J IJ E Dl SC H E RUN USCH A U I i e h k e i 1 ge g e b e 11 vv o r d e 11 w ä re, nach P a I a s t i 11 a frei ei 11 zu vv a 11 11 e r n u n d Bo - den zu kaufen, leider halten die Juden diese beiden Möglichkeiten, die die (inimlla .;eil einer jetl.'il Kolonisation bilden, bis jetzt nur in ge-ingem Malte gehabt. ,Wan darf nicht vergessen, daß die agrtr.schrechtlichen Verhältnisse in der Türkei bisher recht primitiv und ungeregelt Maren, aber es ist zu 11 ׳(fett, dal! das durch den Weltkrieg geschaffene Interesse für den Orient auch in dieser Bc/ielumg bedeutende Reformen herbeiführen wird,“ Nach einer Würdigung der zionistischen Institute, durch die die finanziellko.torzjellc I lehmig des Landes bew irkt werde, geht der Autor auf die Wirkungen dieser kolonisaloiisdten Tätigkeit eilt, die sie (ür die jüdische Emigration ans den europäischen Ländern haben kann: ״In Rußland, Galizien, Polen, Rumänien sind die Juden seit einer Reibe von Jahrzehnten poliliselten und wirtschaftlichen Verfolgungen nusgesclzt, so daß aus diesen I indem in den letzten 2b Jahren i Millionen jüdische! Emigranten itaeh Amerika ansgewandert sind. Is ist fast mit Sicherheit anztinehmen, daß die amerikanische Regierung eines Tages den Strom der Emigration nach ihrem Lande einhemmen wird. Daraus ist klar zu ersehen, welchen großen Weil sowohl (ür die europäischen wie auch ihr die aiticiik,•mischen Staaten es hat, wenn dir die indischen .Massen ein nettes Emigrationszentrum geschaden wird, zu dem sielt die Juden wie kein anderes Volk der Welt lliitgezogeii fühlen.“ (ielegentlicll der Behandlung der jüdischen Kulliirbestrcb tilgen in Palästina, wcisi der Verfasser darauf hin, daß ״in den i'alä-iiitcuMschen Schulen die Kinder heute schon mit i remlc die Märchen unseres Andersen in hebräischer Sprache lesen, ׳dal! B j ö r 11 s o tt nml I h s e n der ן alasiineiisischcii Bevölkerung in hehr.ii'i'her l Vhersetzung nabe gehr,acht sind, Goethe, l'oistoi, Emerson, Nietzsche. Shakespeare, die Werke all dieser und v ieler anderer liest man In ule schon 1111 Grient in der Sprache der Propheten.“ Her Verfa-ser schließt seine Ausführungen mit f dgendem Urteil: ״Her Zionismus hat sieh zweifellos als ein guter Vermittler europäischer Kultur auf nrientalischein Boden erwiesen und cs ist sicher, itall die ö f f e nt lieh e M e i 11 11 11 g , speziell d e r kleineren S t a a len, dem z i o 11 i s t i s e h e n (i e d a 11 ken S v 111 p a t h i e und Unter- Stützung au gedeihen lassen sollte.‘1 Kriegstagung des Kartells Jüdischer Verbindungen I >as Kartell Jüdischer Verbindungen hatte sem? Angehörigen für den I. mul Oktober zu einer Knegstagatug nach Berlin ciuhr rufen. Bekanntheit hatlen sieh kurz vor Kriegsausbruch die im Bund Jüdischer Korporationen zus.niiinengeschlossciieii Vereine Jüdischer Studenten und die Kor|voralioncn des Kartells Zionistischer Verbindungen zu einem Verhaude, dem Kartell jüdischer Verbindungen (K. |. V.), vereinigt. Naturgemäß wirtl eine Jugendorganisation, wie sie ein studentischer Verband darstellt, vom Kriege besonders schwer hetmtfeu, da der weitaus grollte lcil der Mitglieder und der als Nachwuchs in Betracht ..enden Keilfuve im Eclde weilt. Aus dem vom Präsidium des K J. V. erstatteten Berichte war zu entnehmen, daß trotz, aller äußeren Schwierigkeiten die Arbeit des Kartells fortging, daß während des Krieges etwa 100 Eiive aktiv wurden mul daß die Gesamtzahl der Mitglieder jetzt <*1 wa <>50 beträgt, Die Abhaltung eines Kartelltages ist, solang*• der Krieg dauert, nicht möglich, und die Kriegstagung war lediglich dazu bestimmt, eine Aussprache über die im K. J. V. aktuellen Probk'ine mul dm Richtlinien der künftigen Arbeit heriH'i/aüührcn und durch das persönliche Z.iisammentroffen vieler K. j. Vor den bimdesbrütlerliclicn ZusamiiH-nhang zu starken. Der Umstand, daß etwa 200 Bumlesbruder, darunter zahlreiche aus dem l eide erschienen waren, bewies das Bedürfnis einer solchen Tagung, Es kam auf dem K. J. Vcr-Tagc zunächst zu einer lebhaften Diskussion über die I ragv, wie wir unser״ Nationalismus int Galirtl! konkreter gestalten können, I >ie Lüstmgsv ersuche bc- ( vw;:teu sieh vor allem nach der Richtung, daß wir ן danach streben müssen, den Tatsachen des jüdischen 1 I ehe ns näher zu kommen. Als solche jüdischen! Tatsachen kommen neben dem jüdischen l.nmlc! Palästina das jüdische Volk, die hebräische Sprache und die jüdische Geschichte in Betracht. Ferner wurde sowohl im Hinblick auf eine Ztisammenar- Iseit mit ostindischen Studenten wie auch auf den au> den Bl.111׳-Wetß-Btiude11 iKTvorgcg.mgencn Nachwuchs die I rage einer Reform der Knrpnrations• fonm.11 erörtert. Die weitere Klärung dieser Fragen | ''heb der Diskussion in der internen Zeitsehrilt, dem I ..Jüdischen Studenten", Vorbehalten. Zu der Ost- . judenfrage wurde mit folgender Resolution Stellung genommen: Nr. 43 Wir erhoffen vom Frieden, daß er den Juden des Ostens die Bulin zu freier Entwicklung jhret iiationaleii Lebens öffnen wird. 111 dem Bewußtsein der na'i malen Einheit des jüdi'chcu Volkes bekämpfen wir jeden Versuch, gesetzliche oder geistige Scheidewände zwischen Ost- und Westjude״ zu errichten. Wir erwarten vielmehr von der möglichst innigen Berührung mit dem östlichen eine Belebung und Befruchtung des westlichen Judentums. Nvlx'tt den Verhandlungen war Zeit und Gelegenlicit zu geselligem Beisammensein in kleinerem und größerem Kreise. Die Veranstaltung von Eestiichkeiteil verlud der Schmerz um die II gefallenen Bundesbrüder und die Rücksicht auf die im Felde stehenden. Beratung der New Yorker ״Volkshilfe“ Am 5. und ft. August fand in New-York! ine Beratung der New-Yorker Ve:eine der ,,Volkshilfe" statt, an der sielt von II? Vereinen ftftl Delegierte beteiligten. Das ,,Volkshilfskomitee", die Leitung der Organisation ״Volksltilfe" das zusammen mit dem oi tltotloveii .,Zentrul-I lilfskomitee" mul dem ״American Jcvvish Gommittee" die I lilfsarlu it für du kriegsnotleidenden Juden geleistet hat, umfaßt die ziom-tisein 11 Kreise der amerikanischen Judenlicit, die allgemeinen nationalen und die Arbeiterorganisationen aller Schattierungen. Insgesamt wurden vom Volks• llillskomitec wahrend des letzten Jahreü S t 000 D!|- lar autgchiacht und nach den Kricgslamlern ahgetuhrt. Gegen die Leitung der ,,Volkshilfe•‘, in der die I ulircr der nicht-nationalen Arbeitencrbaiide letztens die Oberhand erhalten haben, hatte -ich eine siharfc 0יןון< sitioii der Nationalen geltend gemacht, die d■ r Leitung verwarf, sic habe die interparte isihe Vo kshillsorgauisatioii zu I’artei/w ecken benutzen nullen. Besonders laut wann diese Proteste geworden nachdem das ,,Volksliilf-kiinutee" als einzigen Vertreter eitlen au-ges|1roelwnen Assimilantril nach Polen sandte und den Kandidaten der Zionisten und der nationalen Arbeiten cibamlc, erneu Itckaimtcn jüdischen Jourualistcn und /Arbeiterpolitiker, a!s Vertreter ablehnte. Folgende Resolutionen wurden auf ihe-cr fteratung gefaßt, die einen neuen Geist in d.e Grgamsa• tioiten zu tragen versprechen•. 1. Die I lilfsarln it für die Km gsoptei 1 -1 keine Philautropic, sondern eine große historische Mißv aktion V11 r das ganze jüdische Volk in dieser verhängnisvollcti Zeit, Es ist heilige Pflicht der aimtikainselten Juden, ihren Brüdern jcnscitdes ( »zc.mnicht nur materielle Unterstützung zu bieten, sondern ihnen die Möglichkeit zu gehen, ihre geistige und killturcllc l.visiciiz in ihrem Sinne iort/ul'uhn ״ Die I lillsaibeit muß das Ziel liabcii, nicht nur die äugenbhikhehe Not zu lindern, .sondern den Grundstein für eine gesunde Entwieklimg der jüdischen Zukunft zu legen. 2. Die Beratung fordert, daß das ״Joint Dist r 1 litt t ton Gommittec" seine Beziehungen zum , I lilfsvercin" itt Berlin und zur ״Allianz" in Wien aulhebc und die Hilfsgelder nicht mehr durch Vermittlung dieser Institutionen verteilen la—e. Die von dem ״Joint Distribution“ (ännmittn'‘ nach den okkupierten Gebieten entsandten A'ertreter haben die Antgabe. in den größeren Stadien der okk11|1iuten (rebiete (Warschau, Eublin, AVilna) Rayonkomitees aus den Vertretern aller Sclnehtcu und Riehtimgen der dortigen jüdi-elien Bevölkerung zu bilden und mit ihrer Hilfe entsprechende lokale Komitees nt den kleineren Provm/stadten zu gründen, an die das Geld direkt durdi Vermittlung der amerikaniulten Konsuln versandt werden soll. Die Beratung schließt sielt der Absicht des Koinitees an, eine Landeskonferenz aller Vereine der ,,Volkshilfe“ m den Vereinigten Staaten cmzttberufcn. Diese Landeskonferenz soll aus laß I )elegierten bcstehen, von denen 1(10!)elegierte die Vereine der Provinz und 50 die Vereine New-Yorks vertreten werden. Im /Anschluß an die i. Resolution der Beratung wurden sofort die Vt Delegierten aus New-York gewählt. Das bisherige Komitee der ״Volksliilfe", das aus HO Personen bestand, wurde aufgehoben und diese 50 Delegierte für die eitt/uberufetule Konferenz wurden zugleich zu Mitgliedern tles neuen Komitees ernannt, Die Hälfte dieses neuen Komitees besteht aus Zionisten und Nationalisten, die andere Hälfte gehört den antinationalcn Arbeiterverbänden au. Immerwährende Mitgliedschaft für verstorbene Mitglieder Cer Zionistischen Vereinigung für Deutschland Ernst und Karl Dülken haben anläßlich des ersten Jabrzeittages für ihren am I. I ag חול המועד סוכיי־. he' Somme Pv gefallenen lieben Bruder Heinrich 50(1 M. amt Erwerb der ittimerwährenden Mitgliedschaft des Verstorbenen gestiftet, T.*.

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