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Jüdische Rundschau · 1916-10-18 · Heft 41-42 (18.10.1916) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXI (1916)
Issue
Heft 41-42 (18.10.1916)
Date
1916-10-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 342 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr 41 42 <las (׳anzc Lehen der Jugendliche״ erfassen sollen, uiul ilurdi (irüitdung jüdischer Er- 2icln״igsi״stitute, tlie der Jodend in jüdisdiem Milieu, durch Vermittlung einer jüdischen Lehrer- Schaft eine j ü d i s c h - o r i e 111 i e r t c moderne Erziehung gehen werden. Die beiden Vertreter einer jüdischen ,,Nur- Religion“, die sich im Kampf gegen die nationale Jugenderziehung zusaiuinengefundcu haben, werden diesem positiven nationalen Urogramm nur Angst mul Negation entgegen/usetzen haben und so wird die nationale Jugend in steter Selbsterzichung und Vertiefung ihres jüdischen Empfing dens das Kampffdd behaupten. M, M. Von der jüdischen Kongressbewegung Ablehnung des Kompromisses Das IVhcrcinkoimiu'ii, das das Sub-Komitce des Kongrcß-Organisicrungs-Komitccs mit dem Suh-Komij tee der ״Konferenz amerikanisch-jüdischer Organisationen‘‘ getroffen hatte und 11,1s vom Kongreß- Organisierungs-Komitee den Mitglkalern vier I’bilndel|41ier Vorkonferenz zur schriftlichen Abstimmung unterbreitet worden war, ist von diesen in seinen wesentlichen Punkt011 a hg e lehnt worden. Damit ist die Einigkeit im aaterikaiüsdieu Judentum wiedeiiiiin i/n I rage gestellt. Die New-Yorker jivliselie Tageszeitung ״I >ie Wahrheit" schreibt dazu in ihrer Nummer vom 12, September: ,,Die Anhänger eines nationalen und vlemokratisdicn jüdischen Kongresses haben einen grollen Sieg über diejenige•( davonget ragen. י He die Seele des Kongresses und seinen nationalen Geist töten und sein demokratisches Gepräge vernichten wolltcn. Der Jüdische Kongreß, der vor Beendigung des Krieges abgelialtcu werden wird, wird , nationale Rechte1' für das jüdische Volk vor/ieheu,' wird j Mittel und Wege stieben, die Zerstörung auf ok.nnmüsollen! Gebiet, die vier Krieg für das jüdische Volk gebracht hat, wieder gut zu machen; er wird sich mit der Trage vier Einig i.ition beschäftigen und eine vollständig demokratische Grundlage haben. Das ist das Resultat des Referendums, das das Kongrcß-Exekuiiv-Koinitec wir drei Wochen an die Delogierten der Vorkonferenz von Philadelphia geschickt hat. Die Abstimmung, die ent groller moralisclur Sieg für die Anhänger eines Jiidiseheu Kongresses und für die Nationaljudeii überhaupt ist, verwirft das Tnedciisabkommen mit einer bedeutenden Majorität. Das Resultat des Referendums, wie cs gestern abend von der Administration des Koiigrell-Exekutiv- Komitees mitgeteilt wurde, ist folgendes; Von den .17(1 Delegierten vier I*l1ila1lelphier Vorkonferenz. halien mehr als '20ר gestimmt, Die Punkte 1 und 2 lies Priedciisabkommvns worden abgelelvnt, die Punkte 3 'und I angenommen,'1 Punkt 1 bezieht sich auf das Programm des Kongresses. Dort beißt es, dal’• man ,,Gruppenr e e 11 t c" hahi'U will slatt ״n a t i o 11 a I e r R e C 111 e“. Dieser Punkt isl also abgrk'luit worden, Punkt '2 erlaubte vten Organisationen, ihre De le - gierten /uni Kongrell zu schicken mul zwar so viel und auf welche Weise sic wollen. Dieser Punkt ist von den Nationalisten als ein Rum Ihr den domokratisehen Charakter des Kongresses bekämpft und von den Delegierten vcrvvorlcii worden. Die anderen 2 Punkte, die angenomnieii worden siml, hesehiiftigen sich mit dem Datum des Kongfes-.es 111141 mit der .Mitgliedschaft im Exekutiv- Komitee, welches den Kongrell einberulcii wirtl, Das Referendum bestimmt, dal!, solange es gesichert Ist, dal{ der Kongrell ahgvlialtv'ii werden w ird, bevor der Krieg aulhört, das Ifxckiitiv-Komitei das Datum für den Kongrell z.u hesliinmeii hat, und ferner, dal! ln dem L v e k 111 i v - K <1 m i ( e e beide Parteien in gleicher Stärke vertreten sein sollen. Die den Delegierten zur Abstimmung iintcibrciletcn Abaiiderungsvorsdiliige zu der Plattform, vveiehe die Pliiladelphier Vorkoiiiere״/ für den amerikaniseli-judiselien Kongrell ,mfgestellt hatte, waren im einzelnen die folgenden: A. Programm. H e Schlüsse d er 1' 111 I a d c I p It i c r V o rk o n f c r c n z. Ts wird beschlossen, daB sieh vier Kongrell heschädigt: 1. Mil der Trage vier .Sicherstellung Ircier und gleicher bürgerlicher, politischer und religiöser Rechte ihr die Juden in allen (.;indem, wo ihnen diese Rechte vorciilhnlten werden. Mil der I rage vier Siche׳isuTlmig,nationaler Rechte für die Juden in allen I,än1lern, wo nationale Rechte anerkannt waren, sind ()der sein sollten, 2. Mit den Problemen der jüdischen Entwicklung ui Palästina in allen ihren Phasen. 1. Mit der l-'rage der Mitarhcit der Juden anderer?.ander zur Tordemng des Kongrell-Pmgrainmcs. I. Mil der Trage der Bildung einer Kommissiou, die die Beratungen des Kongresses der Ericdens-Konfereiiz unterbreiten wird. ר Mit der 'Trage der Zweckmäßigkeit, den Kongi'ell als permanente Institution zu errichten. . <1 Mit den Kragen wirksamer Hilfeleistung für die vom Kriege betroffenen Länder. 7. Mit den Probleme״ der jüdischen Migration in allen ihren Gesichtspunkten. $. Mit der Krage der finanziellen Verantwortlichkeil, die die Koiigrellheweguiig mit sich bringen kann. A b a 11 11 e r 11 11 g s v o r s e h I ä ge tl e s Ko m p r o 111 i s s e s, Der amerikanisch-jüdische Kongrell tritt aussclilielilieh zu dem Zweck zusammen, die Wege zu bestimmen, auf denen in Zusammenarbeit mit den Juden der ganzen Welt, volle Gleichberechtigung lür die Juden aller Länder erlangt und die Abschaf• hing aller sic betreffenden .Simdcrgesetze durchgesetzt \v erden kann. Unter den Worten ״volle Gleichbercchtigung'' soll verstanden werden: 1. Bürgerliche, religiöse und politische Gleichbereelitignng und in Ergänzung dazu: 2. Wo immer die verschiedenen Völker irgend eine- Landes separate (iruppenrechte haben (oder als solche gcmelScud anerkannt vverdcit), die Ausdeliuiiug dieser Gruppciirechte auf die Juden der betreffenden Lander,' wenn sie nach Ansicht und Anerkcnuting des Kongresses von den Juden selbst gewünscht werden.!. Die Sicherstellung und Wahrung der jinljsehen Rechte in Palästina. Auf den! Kongrell soll keine Re-olution eiligebracht, iH'xpiocluii oder behandelt werde״, du■!!! irgend einer Weise zum Inhalt hat oder danach sucht: den Kongrell als Körperschaft oder einen seiner In׳- legierten oder eine der Ui mviinlvn oder < )rganisa- (1011011, die auf ihm vertreten sein werden, dazu zu bringen, irgend eine allgemeine '? Iteorie (Hier Phitosoplnc des jüdischen Tcbens, oder irgend ein!hinretisclies Piinzip (sei es Rassen-, |«1lit1sehen, okniui- Uiisehcii (Hier niigiöseu < liarakteis) oder eines, d.m die Stäudigkeit eines solchen Kongresseinvolviert, auztmchnuii, anziterkenuen oder zu bestätigen. Die Einberufung und Abhaltung des Kongress(■■* soll in keiner Weise die Autonomie irgemf einer bestehenden amerikanisch-jüdischen Organisation veiletzen; aber insofern das f xckmiv-Komitee, duivh einen sulchen Kongrell erwählt, eine Aktion tur die Sicherung der jüdischen Rechte unternehmen wird, soll während der Periode seines Bestehens, dieses Exckuiiv-Komitec tlas Vorrecht vor allen anderen Organisationen, die am Kongresse leifnehnien, haben. Ihr Kongrell hat ein Exckutiv-Komitcc 711 erwählen, welches in Mitarbeit mit den Juden anderer Länder tur die Realisierung der Zieh׳, für die der Kongrell cinberufen ist, zu arbeiten 11.1t. Ein solches Komitee soll bis zum Ablauf des ersten Jahres nach der Annahme des i nedensvertrages, durch den der jetzige europäische Krieg beendet wird, im Amte bleiben und am Ende dieses Zeitabschnittes, oder, falls erforderlich, schon früher, den Konerelt von iieiiem zusainmciiherufcn und ihm einen envlgültigen Bericht über seine Tätigkeit erstatten B. Wahlsystem. Beschlüsse der Phil a d e I p 11 i e r V’ o r - konteren z. Es wird beschlossen, dall diese Kontere״/ das Prinzip einer demokratischen und allgemeinen Wald mit Bezug auf den jüdischen Kongrell und die Walllen hierfür aiininimt. Die Mitgliedschaft eines jeden Mannes oder cinei jeden l'rau in einer lokalen jüdischen Organisation genügt, um ein solches Mitglied zu einem ordnungsmäliigen Wähler zu machen, der, falls er es wünscht, seine Stimme durch die lokale Organisation abgeheii kann. Das Exckutiv-Komitcc ist ermächtigt, Mittel um? Wege zu überlegen, die einem jeden Juden oder einer jeden Jüdin, die einer lokalen Organisation angcschlosscn sind, tlie Anteilnahme an den Kongrell wählen ermöglichen. Zusatz des Ko 111 p r o 111 i 5 .>! s. Es ist hiiizuzufügcn; Das Exckutiv-Komitcc ist ermächtigt, in den vorangehenden Bestimmungen solche Modifikationen zu machen, die für die Realisierung der darin eiligeschlossenen Prinzipien nötig werden. Es wird beschlossen, für die Wahl von Repraseiuauten durch die verschiedenen amerikanischjüdischen Organisationen, die an einem solchen Kongrell tcilzuiiehiiicn wünschen, auf der Basis riehtt- Verteilung und in L'ebeieiustiiiiniuug mit einer Ii 11 iti!m Vorsorge zu treffen, die geeignet ist, eine ״iialiouale (d. h. amerikanische, Amu. d. ״J. R.“j jüdische Organisation‘‘ zu bestimmen, und die al« solche von dem Komitee anerkannt wird, das mit der Einberufung und der Organisierung des Kongresses betraut ist und das unter dem Namen ״Exckiüiv-Koniitee des Amerikanisch-Jüdischen Kong ressex“ bekannt ist. Diejenigen Organisationen, die danach zur Renrascntation befähigt sein werden, haben das• Recht, iure I)elegierten in einer von ihnen selbst zu bestimmenden form zu wählen. r>i' Die letzten Wächter Von David Einhorn (Aus den Schriften eines einsamen Jude n) Die Sterne entzünden sieh einer nach dem andern, funkeln aus dem dunkeln Blau, Durch die jungen dannen, die mein Teusier wie grüne Gardinen vorhüllen, ergießt sich die weihe,!teile Ruhe des Mondes einem Strome gleich, Dünne, kaum sieht bare faden gleiten durch die feuchten Nadeln, verflechten sielt ineinander und bcdecken die Wände meines Zimmers mit bebendem Netzwerk, I teilte isi eine Nacht der Einsamkeit und der Leg! mlcti, Durch das l'eiister sehe ich auf ein winziges litauische■. Ohstgartelten mit breitköpfigcii Btrubäumen, die wie altkluge, traurige Zwerge aueitinnilv rgcdrüekt dasiclicn. Einige Baueruhüttett, ein breiter sandiger Weg, End weiter, Ins an den I lorj. zont, reift* t letreidefelder, über die der milelivveilic Schein vier Nacht hin wogt. Das ist der V inkel, in dem ich meine 1'räume weite und mein Weh in Schlummer wiege. Willst du mein Kamerad sein, meine glückliche Tiii-anikeit mit mir teilen und den jüdischen Mareben, die ich um mich gehäuft, lauschen -־- so vorlasse deine weltlichen Bücher, dein Elternhaus mit ihrem Kramladen, deine Freunde mul Freundinnen, und hleihe liier. Aut meinem I!sehe siehst du die vier alten Messniglcui'liter, ein Lrhsluek meiner Großmutter, ich habe es meinen Brüdern entrissen, die cs an einen Trödler veränilern wollten. In einer 1 ckc hangt eine kleine Thoraiadc in Selmüzwerk, mit einem goldgestickten Vorhang he• deckt. Beides fand ich auf dem Dachboden eines getauften Krcundcs, auch sämtliche Tnlmudloliantcn in roten Ledereiubaiuien - und noch viele solcher verworfener Kleinodien. Alles dies birgt mein Hausdien, das ich mir unter schlichten litauischen Bauern errichtet habe. Die verstehen mich, unter ihnen fühle ich mich viel heimischer und meiner alten, heiligen Reielitiimer sicherer, als unter meinen abgefallenen Brüdern. Hier unter ihnen werden wir die stille Idylle des alten jüdischen Dorfbewohners fortwehon, Am Sabbat werden wir über den Tisch ein weilies Tuch breiten und die Kerzen in den vier Leuchtern anzumleu. Nach dem sahhatliclten Mahle werden wir du■ l ensiei ol'lnen und dem Sausehl der kleinen, breitköpfigcii Baume lauschen mul dem Murmeln lies Bache- ... Als hatten wir uns an einem Krcitagaheml in einem lieien Walde v erirrt. I lohe,, mürrische Eichen oben, unten weiches, feuchtes Moos. Keine Seele weit: umhei. Und uns überfällt Angst und Seimen nach einem ruingen, sabhailieheii Heim. Plötzlich dringt ein -Schein durch (Ins dichte Gezweig. Wir treten näher und erblicken einen grollen Palast. Die■ Fenster sind׳ beleuchtet. Wir klopfen an die wunderfein geschnitzte Tür. Sie öffnet -ich und wir stehen in einem schönen, grollen Saal, Die Wände eitel Kristall - das leuchtet um! funkelt 111 eigenem Lichte, in der •Mitte des Zimmers ein groller goldener l'isch, mit einem Seideutliche bedeckt, in das die schönsten Blumen gestickt sind. Zwei groiSe Weillhrote liegen auf, darüber Tüclik'iii, durchsichtig wie eine weide Wolke, Eine Flasche Wein mit drei Bechern, um den Tisch drei goldene Satmscssel. Auf einem sitzt ein Greis mit einem langen, schneeweißen Bart. Seme Icnclitenden klaren Augen blicken in ein aufgesdilagenes Buch. I r erhebt sielt, streckt uns seine Hand entgegen, heißt uns willkommen und lädt uns zum Sitzen ein. tau l.iclitmeer umgibt uns und von weiter lerne her dringen Chöre wuudcrsiiDer Stimmen. Leise, leise ertön! die Melodie des ״Lcho Dmli" , . . Uns ist. als waren wir in jenes huniiilisrli-irdischc Paradies versetzt, von dem unsere Vorfahren träumten. - -- - Kommen dann die finsteren Herbstnaclite, wum die nackten Zweige schadenfroh ans Fenster pochen, der Wind unheimlich im Schornstein heult, wenn das Herz sieh vor Weh krümmt und windet, nach all den (iclicimnisscn lechzend, die in der feuchten, düsteren Luft spuken - ilann will ich unsere Grollen aus uralter Zeit heiaiilbesehwören, jene gevvahigcu Gestalten. Sie werden in ihren schwarzen Talarcii und Pelzmützen vor uns erscheinen, ihre ruhigen, klugtraurigen Augen werden 1111s in tiefer LivTx: anschnticn. Sie werden sich zu uns an den Tisch setzen, mit uns in den verschollenen Büchern lesen und uns in die Geheimnisse der Welt entweihen״

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