Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXI (1916)
- Issue
- Heft 40 (6.10.1916)
- Date
- 1916-10-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 40 JU EDI SC HE RUNDSCHAU Seite 333 Lieder sind in Ton gesetzt worden. Viel niclir von ihnen nber weiden vom Volke in den verschiedensten Weisen gesungen. bin ganzes Ocschlecht lernte bei Tim: d;1s Jüdische liehen und zusammen mit dem Volke leiden und glauben. (Nach einer Skizze aus dem Russischen de!. S, T.) Von der Kongreßbewegung Wie schon berichtet worden ist, haben die Vorhamihingeii zwischen dem ״K o n gr e 15 o r g a n > s a ■ t io u s k o in i tc c“ und der ״Konferenz nat i o n a I e r j*ii d i s c he r O r g a n i s a 1 i <> 11 e n“ (d. h. jüdischer Organisationen, die sich nicht mir mit lokalen Angelegenheiten befassen) zu einem Konipmmiß geführt, das eine Einigung in der Trage der Abhaltung eines amerikanischen jüdischen Kongrosses lieibeifiihrcn sollte. Es handelte sich um eine Einigung, die auf der einen Seite von der Vcrtrctmig der Organisationen, die früher die Kouferenzidee vertraten, auf der anderen Seite von Dclcv gierten des K o n g r e II Organisationskomitees lx:fürwortet wurde. Soweit es sich um die Zustimmung■ der großen Organisationen handelt, die zwecks Vorbcreilimg des jüdischen Kongresses in l’hiladetphia das Kongreßorgamsationskomitce eingesetzt hatten, konnte aber ein endgültiger Beschluß nicht gefaßt werden, da das vorgeschlagene Kompromiß mit den Beschlüssen in Widerspruch stand, die auf der am 2b. Marz 191b in Philadelphia abgclialtcncn Vorkonferenz der den Kongreß befürwortenden Olganisationen gefaßt worden waren. Die Vertreter des K<mgrcßorga1»isationsk<>mitccs, die sidi zu dem Kornpromiß verstanden halten, hatten jlnlier ihre Zu- Stimmung vorbehaltlich zier nachträglichen Genchmigimg der Organisationen aussprechen müssen, die sicli an der Vorkonferenz in Philadelphia beteiligt und dort auf Grundlage bestimmter Richtlinien das Kongrcßorganisationskomitcc eingesetzt hatten. Wie wir den amerikanischen Zeitungen der letzteil Zeit entnehmen, hat das Kompromiß die Zu- Stimmung der Organisationen, die die Organisierung eines jüdischen Kongresses auf Grundlage der Be- Schlüsse der Philadclphiaer Vorkonferenz vertreten, keineswegs leicht finden können, sondern es hat vielmehr eine starke Be \ve g 11 ng eingesetzt, web che sich gegen das Kompromiß erklärt und an den frülier gefaßten Beschlüssen fest hält. Der Grund für diese das Kompromiß ablehnende Bewegung lieg# hauptsächlich darin, daß auf Grund des Kompromisse!# die Verliamlliingsgegciistäiiilc des Kongresses eng begrenzt!und damit seine Kompetenzen eingeschränkt wurden und außerdem von vornherein erklärt wurde, daß sich der Kongreß kein bleibendes Organ zur Durchführung seiner Beschlüsse schaffen solle. Die Gegner des Kompromisses weisen darauf hin, daß das I iauptprinzip des Kongresses seine dcmokiatisehe Grundlage war, weil die in direkter Wahl für den Kongreß gewählten!)elegierten des nmciiknnisehen Judentums in voller Selbständigkeit ihre ße- Schlüsse hätten fassen und die Mittel zu ihrer Durch• fülirung hätten wählen können. Demgegenüber hat das Kompromiß auf das Prinzip der direkten Wahl der Delegierten verzichtet und ihre Nominierung durch bestehende Vereine erlaubt, so daß schon dadurch der demokratische Charakter des Kongresses vcrletzt wird. Dazu kommt der Ausschluß wichtiger Bcratuiigsgegcnstündc aus dem Kongrcßprograimn und die Erklärung, daß der Kongreß in den Ländern, wo es nationale Minoritäten gibt, die ihren nationalen Charakter auf Grundlage eines nationalem Minoritätsrechtes gewahrt wissen wollen, und wo die Juden gleiche Wünsche haben, für die Sicherung von (i r 11 p p e 11 r e c 111 e 11 eintreten wird, während die Philadclphiaer Konferenz, die zur Einsetzung des Kongrellorganisationskomitees geführt hatte, die Erlangimg nationaler Rechte vorgesehen hatte. Um die wahre Meinung ül>cr die Kompromißbcdingimgcn fest/.ustellen, hat das Kotigreliorgatiisationskoinitee an die Delegierten der Pliiladclphiacr Konferenz jetzt ein Referendum versandt, das iluion das mit der Konferenz nationaler jüdischer Orga■ nisationen nistandcgckouuucuc Kompromiß liebst ausführlicher Motivierung des Kompromisses zur Ab- Stimmung unterbreitet. Die amerikanischen Zeitungen weisen darauf hin, daß dieses Referendum seinem Umfang und seiner Torrn nach die grüßte und ernstliafieste Diskussion in der Oeffemlichkelt «larstellt, die jemals unter Juden vorgeiionunen worden ist. Daß man ein so wichtiges Programm einem so grollen Kreise zur Informierung imd zur endgidtigen Beschlußfassung unterbreitet, beweist, mit wclcliem Interesse mail in den breitesten Schichten des amerikanischen Judentums «lie Organisierung des jü- «lisclieu Kongresses verfolgt, mit welcher jüdischen Hingabe und ]wiiitisclien Keile die endgültigen Tonnen des Kongresses festgcstelit werden. Es handelt sich tatsächlich nicht um einen Plan, über dessen Ausführiuig einige Wenige nach Gutdünken beschließen können, sondern das ganze amerikanische Judentum macht den Anspruch darauf, selbst zu entscheiden und zu bestimmen. Das Referendum ist 376 Delegierten zugegangen, so daß li><) Stimmen die Majorität bilden werden. Der Ausfall des Referendums wird darüber entscheiden, ob die Organisationen, die auf der Vorkonferenz in Philadelphia das Kongrcßorgani• sationskoinitee zur Vorbereitung eines demokratische!! jüdischen Kongresses eingesetzt haben, «las Konipruniiß mit den Anhängern der Konferciizidee billigen oder verwerfen. Das Subkoinitec des Kongreßorgaiiisatioiiskomitces, welches sich zu dem Kompromiß verstanden hatte, bestand aus dem Herrn Richter Hugo Pani als Vorsitzenden und den Herren Joset Üarondcß, Jakob ü, Oroßbcrg, M. Katz, Louis Lipsky, Leon Sanders und Abraham S. Sch o m e r. Das Referendum wird darüber Klarheit zu brin* gen haben, ob die Acnderungcn, init denen sich dieses Subkomitee des Koiigreßorgaiiisationskomitccs einverstanden erklärt hat, angenommen werden. Aus den Berichten der gesamten jüdischen Presse in Amerika , die selbst zu der Präge des Referendums ziistiiiimend oder ablehnend Stellung nimmt , und aus den Berichten über die zahlreichen Versammlungen in den verschiedenen amerikanischen Städten scheint hervorzugehen, daß in i t «I e r Ablehnung des Kompromisses gerechnet werden muß. Auch in Vcrsnnimhingen, in denen führende Zionisten über dia Angelegenheit referierten, wurden einmütige Be• Schlüsse auf Ablehnung des Kompromisses ge• faßt, weil man sich nicht damit einverstanden erklären will, «laß die große Idee des jüdischen Kon* gresscs bei der Ausführung nur deshalb verunstaltet werde, weil sich einzelne Organisationen rein philaint'hropisclicii Charakters nicht damit abfinden können, daß «lureh einen demokratischen Kongreß die un* verfälschte Stimme des amerikanischen Judentums zur Oeffentliehkeit spricht. Zur Legende des jüdischen Landesverrates in Rußland Anläßlich der Befreiung des wegen Hochverrats verurteilten Juden Otrsr hanowitsch aus Ma• riampoT) ist es der russischen Presse möglich geworden, über ein ncucntdccktcs Verbrechen gegen russische Juden zu sprechen: Anfang des Jahres 1910, in der Zeit der eifrigsten . Verleunuliingshetzc gegen die Juden, erhielt die Pohzcivcrwaltting in Wilnica (Gouvernement Podolicn) eines Tages einen Befehl ans Kiew, die vier angesehensten jüdischen Kaufleute in der Stadt unverzüglich nach Sibirien zu verschicken. Der Vorfall erregte in der Stadt großen Schrecken, die wildesten Gerüchte liefen umher wegen der geheimnisvollen Gründe dieser unerwarteten Verbannmig. Alle Bemühungen, sowohl von jüdischer als auch von christlicher Seite, die Verbannung wcnigstens zu verschieben, bis die Gründe aufgeklärt seien, blieben erfolglos. Es gelang schließlich zweien der Betroffenen, vorläufig ins Gefängnis gesperrt zu werden in der Hoffnung, «laß ihre Angelegenheit dtich geklärt werden wurde, da sie sich frei von jeder Schuld wußten. Erst jetzt, nachdem sie schon mehr als ein halbes Jahr im Gefängnis schmachten und die anderen beiden in Sibirien in der Vcr■- bannung leben, stellt es sielt heraus, «laß dieser Verbaiiiiuiigsbefehl niemals gegeben worden ist, daß es sich vielmehr um einen Gaunertrick handelt. Ein entlassener christlicher Beamter des einen der vier Kaudcutc, der wegen Unterschlagung bei demselben ’) Vergleiche ״Jüdische Rundschau“ Nr. 36. Vom (leiste dieses Pioniertimis und der Hingäbe an unsere nationale Sache legt ein neues, letzt in Palästina erschienenes und uns vorliegendes iiueli Zeugnis ab. Dieses Buch will ein Buch der Arbeit für die Arbeitenden sein. Es kündet uns von dem in- «ereil Erlebnis des jüdischen Arbeiters, der seine ganze Kraft dem Lande geweiht bat. Hier will er sieh selbst von dem schon ziiniekgelegten und noch ztiiuch/uicgendcii Weg Rechcnsehatt abgehen. Uelur 25 ausführlich gehaltene!!liefe aus allen Gauen Palästinas von ״Dan bis Berscba“ unterrichten uns über die materielle und geistige Lage der Städte, Kolonien und Schulen. Die ganz.« JndeiiUcit P.dnstiiias, wie sie jetzt in dieser schweren Zeit kämpft und ringd, zieht vor unserem Auge vorbei, und wir werden die Schönheit dieses Kampfes gewahr. Seit langem hat eine Publikation Palästinas nicht mehr soviel Material zu den uns interessierenden I iagcu geboten. Was uns aber bei der Behandlung der verschiedenen Kolonisationsfragen besonders wohltuend berührt und einer besonderen Hervorhebung bedarf, ist «lie tiefe nationale Stimmung, von der die meisten Aufsätze beherrscht sind, was wir bei ähnlichen (riiliercii Veröffentlichungen der Poale Zion“ oft vcrmissen mußten. Die scharfe Betonung des internathmalcn Charakters «ler jüdischen Arbeiterfrage bat «׳nur tieferen Auffassung Platz gemacht. Wir stellen diese Tatsache mit Genugtuung fest und erblicken darin den Beweis für das Erstarken der natioiialen Strömung innerhalb dieser Arbeiterkreise. Wir erblicket) darin nicht nur den Einfluß des Kiieges, sondern «Jen Ausdruck einer Sclbstiibcrwindüng und eines festeren Zusammcuwadiscus mit Ercz Israel. Leider ist es uns nicht möglich, hier einen Aus- «lg aus dc1i in diesem Buihc MiHergcIcgIen inhressaiitcn Daten zu geben. Wir wollen mir in aller Kürze auf einige der behandelten Fragen hinweisen. Zu den Aufgaben, die der Krieg an das p.ilästinensischc Judentum gestellt hat, gehört die!־rage der städtischen Gcmeindeorganbierung — die K<* '011 im Si״d längst organisiert — -sowohl nach :Hilfen hin \yic im Innern. Dies ist jetzt, nach der Natuialisalion zahlreicher Juden, zur politischen Notwendigkcit geworden. Dali leriisalem als größte Gemeinde Palästinas in dieser fkziclmng voraugchcii muß, ist klar. Leider sind ■iIht die bisherigen Versuche einer Organisierung dieser aus den heterogensten Eleinenten bestellenden Gemeinde gescheitert. Den Ursaclien dieses .Umstandes geht J. Israeli in seinem Aufsätze: ״Zur Organisierung der Jerusalemer Geniciiidc“ nach. Der Verfasser weist unter anderem auf die Tatsache hin, daß die Verwalter der aschkcnasisclicu Clialiikkaanstalleii diesem Beginnen sich immer entgegengesetzt haben und erklärt ihr Verlialtcn damit, daß sie sieh nicht, was bei <Tncr organisierten Gemeinde der l all sein wird, der öf-!entliefich Kontrolle unterwerfen wollen. Der sepliardisehc 'leil des alten Jisebuws, der selbständiger und nicht auf die auswärtige Clialukku angewiesen ist, stand diesem (jedanken immer wohlwollend gegenüber. Diese Gegensätzlichkeit der Auffassung seitens! der verschiedenen Volksteile trat besonders deutlich bei der Ankunft des amerikanisch. Lcbcnsnrittclschiffcs hervor. Seitens der Arbeiter wurde die I orilening aufgestellt, Lebensmittel nur gegen Arbeitsleistung zu verabfolgen. Die Chalukkaverwalter dagegen fürdenen, «laß diese den Bedür(tigcn,ohnc Gegenleistung abzügeben sind. Was aber «las Interesse der in die Probleme Palästinas Eingeweihten im besonderen Maße bcaiv■ Spruche« wird, ist die Arbeiterfrage, d. 11. die Frage, wie man die Position des jüdischen Arbeiters in der jüdischen Siedlung festigen kann. Von der natioiialen Bedeutung des jüdischen Arbeiters sind alle Kreise Palästinas überzeugt, ist doch die Stärkung iks jüdischen Elementes vor allem;und besonders von dun abhängig. Die Arbeiterfrage ist deshalb seit eien ersten Tagen der Pulästiiiaarbcit akut und drängt naeh Losung. Und darüber ist man sich heute m I ״" ־11'"'׳>' Arbeiterklassen klar, daß eine Lösung dieser Trag« einzig und allein auf genosscnsdialt- Iieher Basis erfolgen könne. In der Genossenschaft am besten vom Typus Dagania und Karkur' werden die nicisien tür den jüdischen Arbeiter bet- . stetu'iulci! Hindernisse, wie die Differenz im Arv oeitslohn und das Verlüiltnis zwischen Arbeitgeber■ und Arbeiter behoben. Mit dieser Frage befaßt sich ui einem aufschlußreichen Aufsatz N. Harari. Der Verfasser brsoricht die verschiedenen Genossensehaftsformen Palästinas und kommt zu dem Schlüsse daß es höchste Zeit wäre, «be vcrschicd«M1en aut eigene Taust arbeitenden Genossenschaften unter eine gemeinsame Leitung zu bringen, um eine cinheitliehe Arbeit zu erzielen. in den allerletzten Jahren ist die jüdische Arbeitersdiaft Palästinas durch einen neuen Arbeitertypus bereichert worden: die jüdische Trau trat in die Arbcitcrwclt ein. Wie der jüdische Arbcjtcr, so kam auch die jüdische Arbeiterin zur Arbeit aus ideellen Gründen. Sie will bei der Orumlr ieguiig des neuen jüdischen Lehens nicht fehlen. Sie beide, der Arbeiter und die Arbeiterin, scheu in der Sphäre der produktive״ Arbeit die einzige Möglichkeit, ein national und menschlich vollwertiges Leben zu fuhren. Wahrend bis jetzt die jüdische Arbeiterin in der Arbeiterwelt eine Ncbcnaiifgabc erfüllt hat, indem sie meistens die liauswirtsciiattliehen Arbeiten in den Arbeitersiedlungen und Genossenschaften veri richtete, macht sieh jetzt eine neue Strömung geltend: sich der produktiven Arbeit selbst zuzuwciiden. An einigen Urten haben sich schon verschiedene Mädchengrimpeii gebildet, die auf kleinen Bodcnflaclicro Gemüsebau treiben. Fräulein R. Jnnait behandelt dieses Problem in einem größeren, sehr intercssan* ten Aufsatz vom geschichtlichen Standpunkt. Sie vcrfolgt die Stellung der Frau in der Gesellschaft vom Altertum bis in die Neuzeit und zeigt, wie das Strebern der Frau seit der Fraucncmanz.ipationsbot wegung immer dabin gebt, an der produktiven Arbeit teilzuncbmen. Bezeichnend für unsere Arbeiterschaft ist deü Geist der Zuversicht, der aus allen Beiträgen dieses Sammclbucbs spricht, in einigen Aufsätzen wird gegen manche Schwarzseher tmd Flaumacher an dciitm es auch in Palästina nicht fehlt, Front gemacht. so nennt sich ־,־ oammcilyucli. Mit den Bc■ des judisdicn I alastina wollen wir hoffen daß ר^ו״ם Wlcdcrbc|cb״)׳'K unserer nationalen Ar in Balde kommen wird. Israel Reicher