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Jüdische Rundschau · 1916-09-27 · Heft 39 (27.9.1916) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXI (1916)
Issue
Heft 39 (27.9.1916)
Date
1916-09-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 324 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 39 werden müssen, lhrn scheint, tlall auch die natiirliehe Unterrichts-Methode ״ibrith be-ibrith“ keinem ernstlichen Widerspruch begegne. ,,Aber die Frage ist, was soll man dort tun, wo es aus technischen (irimdvn unmöglich ist, solclie Schulen zu gründen? Au( diese Frage gibt es nur eine Antwort: daß die Unterrichtssprache in .solclien Schulen das jhlisdic sein muH, wie cs auch bisher in den Clutdariiu und den Talmud-I'hora-Schulen üblich gewesen ist. Die Hauptsache ist, dal! die Unterrichtsfächer dieser Schulen die oben genannten jüdischen seien.“ Der Redner war aber entschieden datieren, dalt das Jidische als Lchrgegeustand an sich unterrichtet wird. Dieser Lehrgcgciistaud sei nicht nur überflüssig, sollihrn sogar schädlich. Der Redner forderte, dal! alle Juden die Sprache, in der die Mehrheit des jüdischen Volkes spricht, verstehen müssen. Das sei eine selbstverständliche!*flicht. Aber trotzdem sei cs nicht notwendig, den Unterricht dieser Sprache in den Schulen zu reformieren, denn diejenigen Kinder, die in eine Schule Stehen, deren Unterrichtssprache das Jidische ist, verstehen diese Sprache bereits, da sie ihre Muttersprache, die Sprache ihres Hauses und ihrer ganzen Umgebung ist, und cs sei nicht 1101% ihnen darin besonderen Unterricht zu erteilen. ״Wcder wir, noch unsere grollen jidischeii Schriftsteller halx'11 diese Sprache in der Schule gelernt und diejenigen Kinder, die das Jidische nicht verstehen und ihren Muttersprache irgendeine europäische Sprache ist, ihnen werden es ihre Eltern nicht erlauben, Schulen zu besuchen, deren Unterrichtssprache das Jidische ist, und so ist also der Unterricht dieser Sprache in unseren Schulen überflüssig.“ ״Aber aulSerdem bringt dieser neue Unterrichtsgegenständ;;rollen Schaden. Unsere Kinder werden durch das Erlernen allzu vieler Sprachen sehr belastet. Die Landessprache müssen sie lernen, die offizielle Staatssprache werden sie sich auch aueignen müssen, lind w i r haben stets unsere Kinder die hebräische Sprache gelehrt, denn für uns Zionisten ist es sicher eine Pflicht, Hebräisch als Unterrichtsgegenstand ciuziiführen, So müssen unsere Kinder zwei bis drei Sprachen lernen, also eine Sprache mehr, ,als die Kinder der anderen Völker. Zu unserem Glücke hatten wir nur eine besondere Sprache, denn die Umgangssprache brauchten wir niemals bcsonders zu lernen, und mm bürden wir unseren Kindem das Erlernen noch einer Sprache auf, einen ganz, neuen Untcrrichtsgcgcnstand, den cs bisher nicht gab, den Unterricht des Jidischeii, Und auf wessen Rechnung wird dieser Unterricht erteilt? Sicherlich nicht aut Rechnung der Landes- und der Staatssprache, sondern auf Rechnung der hebräische» Sprache:. Die extremen Jidischisten wissen, was sie mit der Forderung dieses neuen Unterrichtsgegenstandes wollen. Sie streben danach, das Jidische an die Stelle des Hebräischen zu setzen. Aber was haben wir Zionisten mit dieser Forderung eines solclien Unterriclitsgegcnstandcs zu tun, der die hebräische Sprache gänzlich aus unseren Schulen ausmerzen will?“ Der Redner erhob gegen die Zionisten selhsl schwere Vorwürfe wegen ihres Verhältnisses zur Er- Ziehung ihrer eigenen Kinder. Er furchte, ״daß wir Unsere Kinder zu Zionisten in ihrer Jugend und zu Assimilautc» in späteren Jahren grolizichen werden ... Wir dürfen unsere zionistische Pflicht nicht auf die Schultern der Kinder der Armen legen, sondern müssen dafür sorgen, daß unsere eigenen Kinder unsere ׳zionistische Arbeit fortführen, denn nur daun können wir sicher sein, daß der bau, den wir errichten, von späteren Geschlechtern vollendet wird.“ Als entschiedener Gegner des Jidischeii und der neuen ״Pflicht“, die Herr Nisscnhntiin den Juden auferlegt, die jidische Sprache zu kennen, trat Herr Ol schwanger auf. ,,Was ist dieses Jidisch?“ fragte er. ״Es war von Anfang an die Sprache der Assimilation und so bis auf den heutigen Tag. Wir haben mir eine Sprache und das ist die hebräische. Au ihr müssen wir feslhalten,׳uud nur sie darf in unseren Schulen herrschen. Wir müssen uns nur bemühen, ein L*־hrcrs1׳mi11nr zu gründen, und dann werden wir im Laufe der Zeit genügend Lehrer für alle unsere fie* Wä'ischcn Schulen haben.“ In diesem Sinne sprach auch Herr Kirschenbäum. Auch er forderte, daß die Unterrichtssprache in den jüdischen Schulen nur die hebräische sei. Herr Z c 111 a cli gab dem Zweifel Ausdruck, ob cs jidische Schulen im Lande geben wird, u. daher brauche man auch nicht über die Frage der Unterrichtssprache zu debattieren. Nach seiner Meinung müsse mau dafür sorgen, daß die hebräischen Lehrgegcnstlimlc in hebräischer Sprache vorgetragen werden, bezüglich der allgemeinen Lehrgcgenstände sei cs nicht schlimm,!wenn sie in einer fremden Sprache unterrichtet würden. Es sprachen noch die Herren j a f f c, ikr die• Thesen des Herrn Gordon unterstützte, Freud, der die Notwendigkeit von Konzessionen zu beweiset» suchte und Br eit stein, der den Worfcn des Herrn Zemacli beistimmte. י ', Dr. Klomel brachte eine Reihe von Vorschläglcn ein. Es sprachen noch I lerr E i g 11 s c 11 und Herr J. N. Schapiro. Daiaul wurde die Sitzung um Mitternacht geschlossen. Konferenz der Hehrnisten Am Vormittag dieses zweiten Tages hatte eine besondere Konfrmiz der I fehraisten stattgcfmuleii. 11! dieser Konferenz, die von Herrn S. L. G o r d o 11 als Vorsitzender der Gliowewc-Sfath-Ewer in Warschau eröffnet wurde, sprachen tlie Herren Freud und f* r u II über die Notwendigkeit der Verbreitung der hebräischen Sprache in den Provin/städten und der Gründung von Zweigvereinen der Uliowewe-Sfath- Ewer. Verschiedene Delegierte wiesen auf den Mangel an hebräischer Kimlerliteratur hin und alle stimmten!darin überein, daß es notwendig sei, eine allgemeine hebräische Organisation zu gründen. Dritter Tag, erste Sitzung Jüdischer Nationalfond Die Konferenz wurde mittags eröffnet und Herr Ik'iijaiuiu M i ״ z gab den Rechenschaftsbericht über die Eingänge des Nafionalfonds in Warschau und den Prminzstädtcn im Laufe «ler 22 Kriegsmonate. Die Zahlen, die Herr Min/, vortrug, zeigen, daß in dieser Zeit Warschau seihst ftß'D Mark, die Provinzstädte außer denen, die das Geld direkt nach Berlin sandten, •124לי Mark cinnnhmcn. Debatten Herr () I s e ii w a 11 g c r erklärte die Arbeitsweise der Nation,׳ilumd-Kommission und stellte verseiiiedene Anträge zur Vergrößerung der Nationalfoiul - Einnahmen. Man solle am Vorabend des Jom-Kippur Teller aufstellen. Man müsse in allen liethauscrii Nationalfoml-Iliiehseii anbriugen. Er hofft, daß daun auch die Orthodoxen und Cluissidim solclie Büchsen in ihren IVetliätiserii anbriugen werden. I lerr Freud stellte den Antrag, eine populäre Broschüre über den Nationalfond, dessen Zweck und bisherige Wirksamkeit herauszugehen, und sprach über die Organisierung der Hilfe für die palästinensisclicn Juden. I lerr B r c i t s t c i 11 aus Wloclawck stellte den Antrag, die Zahl der Nationalfond-ßüchsen zu ver• mehren, Nationalfond-Markcn auf die Briefe zu kleben und eine .Seibstbesieucrung zugunsten der palästinensischen Juden cinzufüliren. I lerr Griinwarg aus Soclialschow wies darauf hin, daß die .Gegnerschaft gewisser chassidischer Kreise nicht geringer geworden sei als vor- 11er mul verlangte die Ausscndung von Rednern. Verschiedene Delegierte stellten Anträge. Einer von ihnen schlug vor, die jüdischen Hauser zu bcsuchen, ein anderer, sich an die jüdischen Theaterbesitzer zu wenden, damit sic Nationalfond-Markcn auf die Eintrittskarten kleben, ein dritter, daß jeder Verein bestimmte Prozente seines Einkommens zugrinsten des Nationalfond gebe, ein vierter, daß man sich an die Orthodoxen wenden solle. Nach einer Pause antwortete Herr Gordon auf die Diskussion des vorhergehenden Tages anläßlich seines Vortrages filier.die hebräische Erziehungsfrage. Herrn Dr. Kliimei antwortete er, daß es nicht das Ziel der Zionisten sein könne, ein Geschlecht von Unwissenden großzuziehen. Der Rückgang der hebräischeu Leser sei auf die Eitern zurückzufuhren, die ihren Kindern nur einige Jahre hebräischen Unterrieht erteilen lassen lind die Kinder, bevor sie noch die Sprache richtig gelernt haben, fremden Einflüssen aussetzen, so daß sic «las Hebräische rasch vergessen. I ferm Nisseuhaum antwortete er, daß die Reform der Chadarim durch den Widerstand der Melamdim nicht gelungen sei. Eine ״Pflicht“ der Kenntnis des Jidiselien kenne er nicht, aber die Tatsache bestelle, daß alle es verstellen. ״Es gibt nur eine Pflicht für uns, das ist die Kenntnis der hebräischen Sprache, die bisher nicht zu einer Tatsache wurde.“ Er teilt auch nicht die Meinung des Herrn Zemacli, daß die allgemeinen Unterriclttsgcgcnstämle auch in fremden Sprachen unterrichtet werden könnten. Nach seiner Meinung müssen alle hebräisch unterrichtet werden umi mir, wo dieses unmöglich ist, soll jidisch unterrichtet werden. Herr Gordon erklärte, daß, wenn cs gelingen sollte, hebräische Schulen in größerer Zahl zu er* öffnen, sic dann von vielen tausenden und zchntausenden Schülern und Schülerinnen besucht würden. ,,Wir machen keine Experimente mit unserer Schuljiigcml. Davon haben sieli die Delegierten gestern bei ihrem Besuche unserer Schulen überzeugen könneu. Sie haben die hebräische Sprache der Kinder gehört, die in ihrem Munde zu lebendigem Leben anferstamlen ist. Was unser Verhältnis zum Jidisehen anlangt, so ist es uns überall dort, wo es nicht der Ausbreitung der Kenntnis der hebräischen Sprache im Wege stellt, näher als andere Sprachen, da es doch schließlich die Umgangssprache unseres Volkes ui nd unsere eigene Umgangssprache Ist. Aber dort, wo Jidisch das Gebiet der hebräischen Sprache berührt, dort kämpfen wir gegen cs, bis wir unserer einzigen nationalen Sprache Bestand und Entwicklung gesichert haben.“ Resolution Uber Erziehungsfragen Folgende Beschlüsse wurden auf der Konferenz hinsichtlich der Erziehung angenommen: 1. Neben dem Zentralkomitee wird ein Kuratoriuni gegründet, durch das alle Schulangclcgcn* Ileiten, Abendkurse tisw., die unter dem Einfluß der Zionisten des Landes stehen, geordnet werden. 2. Die Unterrichtssprache in diesen Schulen für alle Unterrichtsfächer ist die hebräi• sehe. A 11 me rku 11 g: Wo es aus bestimmten Gründen unmöglich ist, diesen Beschluß vollauf dtirchzu• führen, soll die Unterrichtssprache für die allge• meinen Fächer jidisch sein. '4. Das Kuratorium arbeitet einen einheitlichen Lehrplan für alle Schulen des Landes aus. I. Das Kuratorium hat einen Instrukteur zu ernennen, der von Zeit zu Zeit die Schulen des Landes besucht. 5. Das Zentralkomitee muß sofort die Vorbe* reitungen zur Gründung eines hebräischen L e h - rerseminars für hebräische 11ml allgemeine Unterriclitsgegenstämle in Angriff nehmen. Die Unterriclitsspraclie dieses Instituts ist die hebräische. 6. Das Zentralkomitee muß nationale J u - gendlitcratur herausgeben. 7. Das Zentralkomitee muß Schritte tun, daß i n allen Schulen, in denen es eine bestimmte Zahl jüdischer Schüler gibt, einige Stunden für die he* b r ä i s c h e S p r a c 11 e bestimmt werden. 8. Uelternll wo es möglich ist, muß du für gesorgt werden, daß eine besondere Kommission für hebräische S c 11111 a 11 g e I c g e n 11 e j t e 11 gc* schaffen wird. Wo dieses unmöglich ist, muß dafür gesorgt werden, tlaß ein zionistischer Vertreter in die Kommission gewählt wird, die die Schule des betreffenden Ortes beaufsichtigt, oder wenigstens ein hebräisches Lokal-Kuratorium gegründet wird. 9. Die Zentralleitung soll sich an alle Turnvereine wenden, tun aus ihrer Mitte Turnlehrer fiirdie hebräischen Schulen zu erhalten. ' Dritter Tag, zweite Sitzung Zionistische Presse Auf der Tagesordnung stand die Frage der zionistischen Presse. Dr. Kl um ei hielt einen kurzen Vortrag über die Bedeutung und die finanzielle Lage der ״Haze* fira“, der einzigen zionistisch-hebräischen Zeitung, die in den letzten Jahren erhalten geblieben ist. Er forderte, daß die ,Zionisten ihre materielle Grundlag« sichern und ihr die Möglichkeit geben, sich wenigstens int Maße des gegenwärtig Erreichbaren zu entwickeln. Aber die zionistische Organisation in Polen könne und dürfe sich nicht mit einer hebräisclien Presse allein begnügen. Es sei ein notwendiges Bedürfnis, die jidische Wochenschrift ,.Das J ü d i s c 11 e V o I k" wieder Iterauszugcbeti, die vor dem Krieg in Warschau erschien. Der Redner schlug daher vor. sofort die Vorbereitungen zur Wiederlierausgabc dicsei Wochenschrift in Angriff zu nehmen. Debatten Dieser kurze Vortrag rief Diskussionen hervor, an denen sich die Herren Freud,Oise h w a n g c r, Nissenbau m, W c i fl b r r ׳ t, S c )1 a p i r o, R r a t - stein umi andere beteiligten. Aus diesen Diskussionen wurde cs den Versammelten klär, unter welch schwierigen finanziellen Verhältnissen die Redaktion der ,,llazefira“ und ihre Mitarbeiter während des Krieges arbeiten, besonders seit der Zeit, da Herr P o d I i s c h c w s k i, der Gönner der ״Fläzefira", Warschau verlassen hat. Wenn die Ha/efira sich bis auf den heutigen Tag erhalten hat und ihre Aufgabe als hebräisches und zionistisches Organ erfüllt, so ist dies den Herren F n r b s t c i n , Dr. Minz, Dr. Pos na 11 s ki und anderen Gcsinnungsgenossen in Warschau und Lodz zu danken, die der ״Hazefira“ stets in der Zeit der Bedrängnis beisfnmlcn, und sie nicht von der Bühne des Lebens verschwinden ließen. Viel haben auch die Zionisten und Hebräer anderer Länder zu ihrer Wciterfühnmg beigetragen. Das Ausland hat ihr große moralische Unter- Stützung angedeihen Sassen, ebenso wie es die Redaktion durch literarische Beiträge, allgemein-jüdisehe und palästinensische Informationen usw. unterstützt, wovon sich die Leser der ״fiazefirah“ in den letzten Monaten üherzeugen konnten. Andererscits aber gebührt auch für die Erhaltung des Organs allen Mitarbeitern, sowohl in «ler Redaktion wie in der Administration und der Druckerei Dank, die alle sich bewußt sind, daß das nationale Werk in ihrer Hand liegt. Sie stellen jrotz der schwierigen Verhältnisse Tag und Nacht auf ihrem Posten und erfüllen getreulich und mit großer Hingebung ihre Pflicht. Dieses Bild, das den Versammelten entrollt wurde;, macht« auf di* Anwesenden einen großen Eindruck.

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