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Jüdische Rundschau · 1916-09-27 · Heft 39 (27.9.1916) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXI (1916)
Issue
Heft 39 (27.9.1916)
Date
1916-09-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 39 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 323 als I liichtlingc in den großen Städten, besonders in Warschau, die Arbeit der Zionisten kennen gelernt und iitre Meinung über sie gründlich geändert. Sie haben die grolle und fruchtbare I lilfstiitigkcit der /jimisten mit eigenen Alicen gesehen. Zweitens linden die antizionistisdieii Verl» tmulungen seil dem Anilioren der russischen I ierr--ei1aft in Polen nicht nitlir den alten fruchtbaren itndrn. Die Delegierten versicherten, dali, «'tun elas zeiitrab׳ Bureau in Warschau seine Aibeit ytil leite und /.wischen ihm und den zionistischen Vereinen in den l'rnvinzstäilU'ii eine lebendige und iiinniter■ briiehene Verbindung bestelle, der Zumisimis gu1c Aussiebten habe, in Polen eine mächtige Volksbewcgiing /u werden. Die verschiedenen Vorträge über eien Siaml des Ziomsimts in der Provinz, riefen eingehende I Visktissioneil hervor. Zweiter Tag, erste Sitzung PalUstinarcfcratc Die Sitzung des zweiten Tages fand Nachmittag 1 t Ihr statt. Die Morgenstunden waren dem Besuch der Dclegieilcii in den ziunistisclien Kimle^ärtcti und Schulet! Warschaus gewidmet. Auf der Tagesordnung Stauden zwei Vorträge, der eine über ״Die wirtschaftliche Lage in Palästina“, der andere über ״Die künftige zionistische Arbeit“. Der erste Referent war I ferr J. N i s s c nii 1111 in. Er «ab einen allgemeinen Debcrblick über die »ikönomisebe, kulturelle und politische Lage P,1l;is1inas m den zwei Kriegsjnhren. Er sprach iilver die Schicksalssehläge, die den städtischen und den bäucrliehen Jischnw trafen und über tlic Hilfe, die den palästinensischen Juden von Juden aller Länder geleisiet wurde, schilderte die Lage des Sehuhverks mul wies auf die erfreuliche Tatsache hin, daß in Palästina die hebräische Literatur auch in dieser Zeit nicht in ihrer Entwicklung stellen geblieben ist. Er schilderte auch die sanitären Verhältnisse im Lande und die medizinische 1 lilfe, die die Zionisten dein Lande zu bringen versuchen. Er wies auf die Bedeutung der Ottomanisieruiig der fremden im Lande Übenden Juden hin und auf die Beziehungen der tür kischen Regierung zu eleu Juden. Der Redner sprach sodann von dem Fortschreiten der Türkei im allgemeineu 11, der Entwicklung Palästinas während der Kriegsjahrc im besonderen mul forelerte die Delegierten auf, für eine Auswanderung nach Palästina eiltsprechende vorbereitende Maßnahmen zu treffen. Jeder müsse sich, noch solange er sich iiti (iolus befindet, darauf vorberciten. Diese Vorbereitung bestehe im Kaut von Paiästiuaboden, in der Errichhmg von Fabriken und Werkstätten, in der Gründung von I laudelshäiiscrn ttsw. Auch die hebräische Er- Ziehung der Kinder und das Erlernen der hebräischen Sprache müßten betrieben werden. Der zweite Redner war Herr S. Ze 111 ach. Er machte positive Vorschläge. Sein erster Vorschlag war: die* Zionisten zu veqrflichtcn, in ihren Schulen das Studium der Bibel in der Ursprache cinzufiihrcn. Aus der Bibel müßten die Schüler die Palästina-(««)- graphie lind die jüdische Geschichte erlernen. Er sprach schließlich über die Organisierung einer Hcchoh1z-(Pionicr)-Bcwcgung. Der Redner sprach hebräisch ׳" scphardischcr Aussprache und machte auf die Ver- Sammlung großem Eindruck. Mit diesem Reden schloß die erste Sitzung des zweiten Tages, Zweiter Tag, zweite Sitzung Referat Uber körperliche Erziehung In der Abcndsitzung war Herr Urison aus Lodz Vorsitzender. I lerr W e i z in a n n hielt einen Vortrag über den ״Makkabi“ lind die Sport-Gruppen in Warschau. Er gab einen Heberblick über die Turn- und Sport- Organisationen der zionistischen Jugend in Polen und hctontc die Bedeutung, die diese Vereine für die Verbreitung des zionistischem Gedankens und die Liebe ziir palästinensischen Heimat haben. Die früheren Mängel dieser Organisationen seien nunmehr über- Minden. Die Hunderte von jüdischen Turnern seien ein schöner Anfang in der Entwicklung der jüdischen Körperkultur. Zum Schluß beklagte der Redner die schlechte finanzielle läge der Turnorganisatioium. Debatten. ln «k־r folgenden Debatte sprach zunächst der orthodoxe Delegierte Herr Ro§cnblo1n aus Mescricz. Als alter Palästinenser erzählte er int eressaiitc Erinnerungen aus dem jüdischen Leben l’afastinas vor 32 Jahren. Er forderte insbesondere die Orthodoxie auf, im Lande Bojaren zu kaufen und *io nicht wie in früheren Jahren zu vernachlässigen. Oer Redner, der die Vcrsammlnng durch seine ausgezeichnete Kenntnis von Palästina und durch die Beherrschung der arabischen Sprache in Staunen versetzte, erntete stürmischen Beifall. Herr Weißbrod aus Prag» unterstützte den Vorschlag bezüglich einer Hcchohu-Bcwcgung. Denn « gäbe jetzt genug Kräfte, die zur Erdarlicit geeignet seien, und die bereit־ seien, nach dem Krieg 11;ich Palästina cinziiwamiern, wenn man ihnen dazu die Möglichkeit gibt. Der Redner schlug vor, sieh nicht mit der agronomischen Schule in t./enstochau zu begnügen, sondern solche Schuten auch in WaVselian und I <«1/ zu gründen und außerdem fachmauuueh aiisgebildclc Agromime in die Städte Polens zu senden, um das Volk m der agronomischen Arbeit zu unterrichten. I lerr I I a 1 a 11 (Lodz) unterzog die Arbeit der zionistiselirii Vereine im allgemeinen einer scharfen Kritik. Er schlug vor, die Diskussion zu schließen und zur realen Arbeit iiher/11;el1e11. Der Vorsitzende stellic diesen Antrag zur Abstimmung. Der Antrag wurde abgelelint. I lerr E r e u d (Warschau) schlug vor, ein besonder» s Bureau zu gründen zur Hcrnusgahe von populären Büchern über die Geographie und Statistik Palästinas, die zu billigem Preis unter dem Volk verbreitet werden sollen, da nach seiner Meinung eine gründliche Kenntnis Palästinas bei den meisten fehle. Herr Propus war gegen den Vorschlag zur Gründung von agronomischen Schulen. Das Geki, das zur Gründung solcher Schulen nötig sei, würde besser zur Gründung neuer Kolonien in Palästina verwandt, denn nicht die Theorie sei .die Hauptsaehe, sondern die Praxis. Er unterstützte den Vorschlag zur Gründung eines Hccholtiz-Fonds und eines hiformafioiisbureatis. Herr Dr. G o 111 i e 11 (Warschau) hielt eine theorctische Rede und forderte dazu auf. zum politischen Zionismus I lerzls zurückzukehren. Ifor Redner bcklagte den Mangel an Idecnpropagandn. Herr Z e in a c 11 antwortete auf »lie Kritik des Herrn Dr. Göttlich und anderer. Die Diskussion über das Palüstünä Referat schloß Herr Nissenbäum, indem er Herrn Dr. Gottlieb über die Art politischer zionistischer Arbeit in dieser Zeit Aufklamtig gab. Diese Arbeit könne nur in der Ver- Stärkung der Zionistischen Organisation lind in der Vermehrung der Schckclzahlcr bestehen. Der Red- 11er ist sicher, daß, wenn man den Juden die Beckuitung des gegenwärtigen historischen Augenblicks hinsichtlich der Hoffnung des jüdischen Volkes auf das Land seiner Väter richtig klar machen wird, die Juden aller Parteien und Richtungen die Zionistische Organisation unterstützen und den Schekel zahlen werden. Der Redner stellte darauf den Antrag, Listen aiiznlegcn vo11 allen Juden, die nach Beendigung des Krieges nach Palästina auszuwandern gc- »lenken und mit ihnen in ständiger Verbindung zu bleiben. Referat Uber hebräische Erziehung Auf der Tagesordnung stand die Frage der hebräischeu Erziehung. Referent war Herr S. L. Gordon, der hebräisch sprach. Nachdem er in schönen Workm von dem lebendigen Band gesprochen hatte, das zwischen dem Zionismus und der Wiederbelebung der hebräischen Sprache besteht, stellte er ein umfassendes Programm für die verschiedenen Schulen! auf, die in immer größerem Umfange in vielen Städten von Zionisten gegründet werden. Er sprach von den Kindergärten, den Volksschulen und Mittelschulen und forderte, daß das Hebräische die herrschende Sprache in diesen Schulen sei. Sic müsse in diesen Erzichungsanstalkm nicht nur die Unterrichtssprache werden, sondern auch die Umgangssprache der Schüler und Lehrer während der Zeit ihres Aufenthaltes in der Schule. ״Line zionistische Schule ist zwar kein Fabrik zur Erzeugung von Zionisten, aber sie muß ihren Zöglingen eine nationale Lrziclumg geben. Eine Schule ist nicht nur eine pädagogische Anstalt, sondern zugleich auch eine nationale Institution zur Scliaffung eines Volkes. Die kleinen Kinder sollen nicli^ nur eine hebräische Kultur erhallen, sondern auch eine allgemeine Bildung. Aber diese allgemeine Bhlting muß in hebräischem Gewände, in der hebräischen Sprache vermittelt werden.“ ״Das Verhältnis der Zionisten zum Jidischeu“, fuhr der Redner fort, ,,ist klar. Die Zionisten erkennen die bestehende Tatsache an, daß »ler größte Teil des jüdischen Volkes in unserem Limlc diese Spruche spricht, aber die Bedeutung eines nationalen heiligen Besitzes können 8 c dieser Sprache nicht zucrkeiinen. Die Zionisten wissen auch, daß unsere Kinder die Landessprache lernen müssen, aber sie glauben, daß das Studium der jidlschcn Sprache als Untenirhts-Gcge»sland an sich übcr.'lüssig ist.“ Der Redner sprach auch über den piida logischen Stand der Talmud-Tliora-SchuLn, über die Öründung von Kindcr-Bibliothekcn, über die Erziehung der weibliehen Jugend und wendete sich gegen die befremdende Tatsache, daß nationale Juden und sogar Zionisten ihre Töchter in Gymnasien schicken, in denen das Studium der hebräischen Sprache und der jttdi eiten Geschichte vollkommen awsgcschallct Bt, uni sogar in solche Schulen, in denen getaufte Lehrerinnen unterrichten, die in den Herzen ihrer Schülerinnen nur Maß gegen ihr Volk uml seine heiligen Qüter pflanzen. Der Redner stellte den Antrag, eine Erzieliiings Kommission zu wählen, die die von Zionisten gegründeten Schulen beaufsichtigen soll, damit sie ganz jmliscli seien, in ihrer Sprache und in ihrem Geiste. Line grolle Schwierigkeit in der Erzielumgsfrage besiehe in dem Mangel an Lehrern, sowohl an solchen für allgemeine Facher, wie an solchen für die jüdischen Fächer. ״Während all der Jahrzehnte, in »lenen wir über Erziehung sprechen, haben wir nichts getan, um uns geeignete Lehrer zu verschaffen, und es gibt hei uns keim• Institutionen, um solche Lehrer her.inziilrikleii Die erste und Hauptaufgabe der Zionisten ist es daher, ein Seminar t«r Ivebrüische Lehrer zu gründen, ein Seminar, in dem alle I ,ntcrrichtsfächer nur in der hebräischen Sprache erteilt werden.“ Der Redner hofft, daß die Zionisten in Warschau mit Unterstützung ihrer Ciesinnungsgeiiosscn in der Provinz jetzt an diese Gründung gelten können. Man dürfe sich aller mit der Erziehung der Schüler nicht begnügen, sondern müsse die Kenntnis der hebräischen Sprache auch unter den Erwachsenen verbreiten und an allen Orten Abendkurse für die hebräische Sprache ciiiriclitcn,. wie sie ln Warschau schon bestellen. Von den Abendkursen ging der Redner zur hebräischen Literatur und Presse und ihrer Bedeutung für die Wiederbelelnmg des Hebräischen im allgemeinen und der zionistischen Bewegung im tiesondcrcn über. I\־r inhaltlich und formell ausgezeichnete Vortrag wurde von den Versammelten mit langatihaltendem Beifall aufgeiiomincn. Debatten Die Diskussion m dieser wichtigen Frage ercröfinete Dr. Kltmiel. Er fragte den Referenten: ״Was sollen wir in d»־n Schulen tun, wo nicht in hebräischer Sprache unterrichtet wird■׳ Wir können uns nicht mit schönen Träumen beruhigen Noch niemals wurde so viel ül>er die ״Liebe׳' /irr hebräisehen Sprache gesprochen, wie in unseren Tagen, und trotzdem ist heute die Zahl derer, die die hebräische Literatur und Presse lesen, sehr gering Der Redner betont, daß nicht die Unterrichtssprache die Hauptsaehe sei, sondern der Inhalt) der Lehrgcgeiistände und die Zionisten müßten sich bemühen, daß in allen Schulen, wo jüdische Kinder, in welcher Sprache audi immer, lerne«, den jüdischen Lehrgegenständen ein angemessener Raum gewährt würde, Herr N i s s e 11 l>a 11 m wollte die theoretische Seite der Frage übergeben und nur über die praktische Seite, wie sie sich jetzt ergibt, sprechen. ״Wenn wir jetzt erst daran gingen, unsere Erziehung nach zionistisch-hebräischen Grundsätzen aufzubauen, s» hätten wir sicherlich gefordert, daß in allen unseren Schulen, vom Kindergarten Ins zur jüdischen Universitat, ausschließlich unsere hebräische Spradie als Unterrichts״ und Umgangssprache innerhalb »ler Wände aller Scliules hem dien solle Aber das jüdir sehe Volk ist kein unbeschriebenes Blatt in dieser Hinsicht, sondern es bestehen bei uns schon viele und mannigfache Erziehungsanstalten, die audt wet tcrliin bestehen bleiben werden, und wenn auch die Zionisten von jetzt an neue Schulen gründen, 90 wird die Zahl dieser Schulen, wenn cs hoch kommt, 5% ■יIler bereits bestellenden und der neuen von anderer Seite gegründeten Erziehungsanstalten aus״ machen. Deshalb muß man vor allem dafür sorgen, daß unsere alten Schulen verbessert werden, und daß man in ilirten die Unterrichtsfächer einführt, die wir mit aller Macht fordern.“ Bezüglich der Unterrichtsfächer sei ja keine Meinungsverschiedenheit unter den Zionisten. ״Alle erkennen an, daß unsere Schulen die ganze Bibel und die hebräische Sprache gründlichst unterrichten müssen, damit unsere Sohne und Töchter darin tiefe und umfassende Kenntnisse erhalten. Wir alle stimmen überein, daß unsere Kinder die jüdische Geschichte, die Geographie Paläslinas und unsere alte Ha;gailali, in »len höheren Klassen auch die Misclina und den Talmud erlernen müssen. Und diese Unterrichtsfächer müssen wir in unseren alten Erziehungsanstalten einführen, in den Chadarim, in den Tahniid-Thora-Schitlcn usvv. Und wenn diese Reformen auf einmal schwer durchfuhrbar sind, so müssen wir sie allmählich durchführen. Die Zionisten in der Provinz dürfen ihre Kinder mir in solche Chadarim schicken, die ihre hebräischen Forderungen erfüllen, und wenn Zionisten neue Schulen gründen, so werden sie gewiß von vornherein alle diese hebräischen Lehrgegenstände ein führen.“ Der Redner sprach hierauf über den Rückgang des hebräischen Leserpublikums unter den Erwachsenen deren Zahl in keiner Weise der Zahl Kinder entspreche’ die Hebräisch lernen, ein Beweis, daß die ganze Erzteluingswcisc an einem großen Fehler leide. Ohne auf diesen Fehler näher cinzugehen, ging der Rcdacr zur verwickelten Frage der Unterrichtssprache über. Herr Nissen bäum betonte die Bedeutung der hebräischen Sprache und sagte, daß dort, wo die Möglichkeit besteht, hebräische Schulen zu gründen kein Zweifel darüber bestehe, daß sie gegründet

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