Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXI (1916)
- Issue
- Heft 39 (27.9.1916)
- Date
- 1916-09-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 39 fU EPISCH E RUNDSCHAU Seite 325 Alk׳ fiilillt'ii, dal! cs zionistische 1 ,flicht sei, die ,,Ha/cfirali" in jeder Hinsicht zu unterstützen, und alle erkannten die grolle hebräisch-nationale Hedeuhing, die dieser Zeitung gerade in dieser /eil zuhiiinut. Manche Delegierte maeliten verschiedene Vorschläge, wie man die I inanzen der Zcilung sichern könne. Alle diese Anträge wie auch die An- Harte, die sich aut' andere von der Konteren/׳ In■- handelte l'rngcn bezogen, wurden einem ״P c r in n n c n z a 11 s s e 111111“ zur Ri'digicnuig übergeben. Organisatiorisf ragen Zur Verhandlung kam die Frage der ziuiii- •,li-ehcn Organisation in Ihden. Redner war Herr!)!schwanger. Fr führte im wesentlichen aus, ilalS alle zionistischen Vereine in Polen koalisiert 11ml (lall sie alle in einer allgemeinen kan- (lesorgaiiisatinii /usainmcugiTaßt werden sollen, an deren Spitze ein Zentralkomitee von dreizehn Mitgliedern stehen soll. Sieben Mitglieder des Zentralkomitees sollen in der Reichshaiijilstadt woltneu, sechs Mitglieder in den ülrri^cn jx>!nisclrcn Städten. Der Redner brachte auch ein Statut dieser Organisation in Vorschlag• An der daran (folgenden Diskussion beteiligten sich die Herren S e i d e in a 11 11, I )!־. holt lieb und andere. Diese Debatten, die sieb mit Einzelheiten befahlen, wurden rasch bcendet, und die Tribüne betraten die Vertreter des Permanenzansselmsses und legten der Konferenz verscbk'dene Resolutionen bezüglich aller Fragen, über die in den drei Tagen der Konferenz beraten wurde, vor. Die zur Abstimmung gestellten Resolutionen wurden fast alle einstimmig angenommen. Resolutionen über die Palästinaarbeit Das Zentralkomitee hat ein P 1 ה ii s t i 11 a b ii r o /u gründen. Dir Aufgaben dieses Büros sind; 1. Informationen und Material beziiglieh der gegenwärtigen Lage in Palästina und be- .׳üglidi. der Arbeitsmrtgliehkeiten nach dem ,Krieg zu sammeln, dieses Material zu bearbeiten und es in weiten Kreisen nt verbreiten. 2. P i o 11 i er gruppen zu organisieren, die nach Palästina einwandern werden. 3. Ein bestimmtes P ro g r a 111111 f ii r die Vo rher eit 1111g der Pioniere zu ihrem •Beruf auszun r beiten. A11111 e r k 1111 g; Als eines der wichtigsten Mittel zur Erreichung dieser Aufgabe wird betrachtet, dal! das Zentralkomitee mit Firmen in Czenstodiaii und C/enstonicw in Verbindung tritt. ‘I. Ein Programm auszuarbeiten für einen zen- Da len Fond zur Unterstützung und Ausbildung der Pioniere. b. Zwecks einer ausgedehnten geeigneten Propagamla populäre L i t e r a t u r ii b c r Palästina und besonders ein populäres Lehrbuch der Urographie P a I ii s t i 11 a s heraus/ugeheii. 11. Einen B I u 111 e 111 a g zu organisieren, dessen riimaluuen den Kricgsnotleideudcn in Palästina zukommen sollen, 7. Ein Programm auszuarbeiten für öffentliche Volksversammlungen, die palästinensischen Themen gewidmet sind und auf denen Resolutionen über das Verhältnis׳ des jüdischen Volkes zu Palästiu; 1 gefallt werden sollen, ■S. Dahin zu wirken, dall in den Lehrplan aller hebräischen Schulen als Unterrielitsgcgeiistand die II e s c 11 i c 111 e und 0 e o g r a p 11 i c Palästinas in Vergangenheit und Gegenwart aufgciionuiieu weide. 1 Resolutionen über Organisations-Angelegenheiten. 1. In jeder Stadt wird ein Loka 1 ־ Ko m i t e e durch eine Schekelzahler-VersammUmg gewählt und mir dieses Komitee stellt mit dem Zentralkomitee in VYrbindmig. 2, Das Zentralkomitee ist die o b e r s 10 III s t a 11 z der Zionisten Polens. ,3. Das Zentralkomitee wird für die Dauer eines Jahres durch eine Konferenz der Delegierten der Provinzstiidte g c w ii 1111, •I. Das Zentralkomitee besteht aus 13 Milgliedern, von denen 7 in einer Stadt und 0 in «1(11 übrigen Städten wohnen. 5. Alle Gelder für verschiedene zionistische Zwecke, die durdi die fokalen Organisationen gesammelt werden, sind durdi das Zentralkomitee abzuliefern. 6. Alle Vereine, die dem Zentralkomitee unterstellen, haben einen jährlichen Beitrag für du• Ausgaben des Zentralkomitees zu leisten. Anmerkung 1: Ucbcrall, u׳o es sdion eine geordnete Organisation gibt ist es Pflicht aller dortigen Zionisten, einen Bei- . trag für das Zentralkomitee zu leisten. : Anmerkung 2: In Städten, wo es keine Organisationen gibt, müssen die Schekel- Zahler der Stadt für das Zentralkomitee mindestens ein Viertel der Summeder verkaufte״ . , Schekel als Beitrag leisten. 7. Von den Ei 11 ״ ah in c 11 aus Vo r t rii gen, die durdi das Zentralkomitee in den Provinzstädteu veranstaltet werden, muß ein Drittel der Summe (ür das Zenlralkomitee bestimmt werden. Verschiedene Resolutionen. 1. Das Zentralkomitee soll Listen widitiger Referatc für die Provinzstiidte veröffentlichen. 2, Das Zentralkomitee soll für alle Provinzsläille ein einheitliches Statut ausarbeiten, fl. Das Zentralkomitee muß Vereinen in den Piovin/siäclleu, die sich legalisieren lassen wollen* zu Hilfe kommen,. I. Die Konferenz verpflichtet das Zentralkomitee, die jüdischen Turn gruppen in den Städten IV► lens zu einer einheitliche ח L ה u d c. s o r g a n i - saliou z,u vereinigen, damit die Arbeit nach einem einheitlichen System dtnrehgeführt werden kann. b. Die Konferenz drückt dem Zentralkomitee den NX'unsch ans, daß es sieh mit der Ausarbeitung eines Programms für die nationale Sclbstausbifdüng der Jugend befasse. <>. Die Konferenz weist auf die große Bedeutung der j ii (I i s eh c 11 E r a 11 für die nationale Bewegung hin und schlägt vor: ' a) für die Lokalkoinitccs: lokale zio 11 i s t i s c 11 c Fraucnvcrciuc zu gründen; b) Pur das Zentralkomitee; in allen Städten Polens einen jüdischen Frauent a g zu veranstalten, an dem Vcrsammhingen und!Meetings abgehalten werden sollen, <lie der jüdischen Frau und ihrer Aufgabe in der nationalen Bewegung gewidmet sind, Huldigung für Blalik und Achad Haam. Nach der Annahme aller dieser Resolutionen wurde Herrn Ni Bon bau in außer der Tagesordtnung das Wort gegeben und er teilte in kurzer hcbritischer Aussprache folgendes mit; ״In den letzten Monaten feierten unsere Brüder an allen Orten zwei Jubiläen: das Ch. N. Bialiks und das Achad II an ins. Das erste anläßlich des 25jäl1rigen Schaffens unseres großen Dichters, das zweite anläßlich des <>0. Geburtstages 1111seres großen Denkers. Achad Haam und Bialik, das sind das Gehirn und das Herz des jüdisch-na!- tioiinlcn Gedankens in unseren Tagen, des geistigen! Zionismus, der Vorbereitung des Volkes zu seiner Wiederbelebung, der auch diese unsere Konferenz gewidmet ist. Achad Haam und!Bialik das ist ״der Fels und die Welle״, die .Bialik in einem seiner Gedichte beschreibt. Wenn Achad Hanoi wie ein mächtiger Fels inmitten aller Strömungen unseres Lagers sieht, so ist Bialik die ständig bewegliche Welle, die nadi dem Ufer strebt und lebendige Ho wegung mit sich bringt. Das Jubiläum Bialiks veranlaßte uns bereits zu einer bedeutungsvollen Tat. Es wurde ein Fond .־uif seinen Namen zur Herausgabe von hebräischer Kinderliteratur gegründet, eine Sache, deren Notweudigkeit auch wir erkannt haben. Für diesen Fond sind bereits mehr als 20000 Rubel gesammelt worden. Man hat schon mit den Veröffentlichungen begonnen, die der Dichter selbst leitet. Bei Beem■ digung des Krieges werden auch wir von den Frücliten dieses Fonds genießen, ich schlage.mm vor, daß diese Konferenz unseren beiden Jubilnrcu, deren leuchtender Oeist und reines Herz uns auf unserem zionistischen Wege führen und uns die Arbeit der nationalen Wiedergeburt weisen, ihren Glückwunsch ausspricht. Unser Wunsch ist, daß die beiden noch Jahrzehnte mit ihren großen Fähigkeiten für unsere Nation arbeiten mögen, und daß das Feld ihrer Arbeit dort auf den Bergen Judas sein möge, wo cs uns hoffentlich im körn׳• tuenden Jahre vergönnt sein wird, unser aller Jubiläum zu feiern, den 20, Jahrestag des ersten Zionisten- Kongresses." Diese Huldigung wurde von allen Versammelten mit großem Beifall aufgeuoiumcii. Fs trat eine Pause ein!und die Versammelten bereiteten sieh für die letzte Sitzung vor. Dritter Tag, letzte Sitzung Neuwahlen, Die letzte geschlossene Sitzung wunde nach Mittcruaelit eröffnet!und währte die ganze Nacht. Fs Wurde über die Neuwahlen beraten. Es wurden Fragen gestellt und Antworten gegeben, Resolutionen gefaßt und Wünsche ausgcdrückt. Die zionistischen Mitglieder des!Warschauer Stadtrates legten über ihre Politik während der Wahlen zum Warschauer Stadtrat und! über ihre Tätigkeit im Stadtrat Rechenschaft ab. Die Versamm- Hing billigte die Politik der Zionisten und sprach den zionistischen Rat mann c r 11 i 11 r volles Vertrauen aus, Belm Morgengrauen trat der ״Pcrinaneiizaussdtuß“ zu einer besonderen Sitzung zusammen, um die Liste der Kandidaten zu redigieren.. Der Vertreter des ״Pemuuicnzaussduisses" legte die Walt!« liste des ״Pcrninuenzaussdiusscs״ vor, die einstimmig angenommen wurde, Wahlresultat. 1111 das Zentralkomitee der zionistischen Landes* Organisation in Polen wurden folgende Mitglieder gewählt: Aus Warschau die Herren Färbst ein O I s c b w;111 g er, I >r. K1 u in c 1. S c i d s c h i k, L cw i 11 , 1 > z i a I o s e h i 11 s k y und Nissenbau in, aus Lodz die Herren Di. Braude und Hurwitz, Icrncr die Herren Sandstein aus Czcnstochau, Perlmutter aus Mlawa, Hartglas aus Schcds Ii!/ und Silcnsky aus Tomasdiow. Nadi Beendigung der Wahlen begannen die Schlußreden und mit der ״Hatikwah" und einem cliassidischcu Tanz schloß die Konferenz in sehr gehobener Stimmung. Nach der siebenten Morgcnr stunde begannen die Delegierten voneinander Absehi(־(l zu nehmen. Zum Heeresdienst der russischen Juden in Frankreich I >as Verhalten der englischen Regierung bezüglich der Einberufung der iiiilitärilienstfähigen russischen Emigranten in England erneuerte auch in Frankreich die Frage des Militärdienstes der inilitärdienstfähigen russischen Staatsangehörigen. Die Rcgierungskommission mit Professor E. Dürkenhcim au der Spitze, die sich mit dieser Frage beschäftigte, faßte eine Resolution, nach der die Lösung dieser Frage der russischen Kolonie selbst überlassen werden soll. Die Resolution stellt fest, daß die meisten russischen Emigranten in Frankreich Flüchtlinge sind, die infolge politischer (Hier nationaler Verfolgungen ihr Heimatland zu verlassen gezwungen waren. Die Kommission verspricht, daß Frankreich den Traditionen der Toleranz und des Liberalismus treu bleiben und die russischen Emigranten nicht ihrem Heimatsland ausliefern wird. ' Die antisemitische Presse benutzt diese Gelegenheit, tum die Unentschlossenheit der Emigranten, in die französische Armee einzutreten, als ״jüdische Undankbarkeit“ hinzustellen und das Ministerium der ״Judcnfreutidsdiaft“ zu beschuldigen. Von manchen Antisemiten wurde der Vorfall duzu verwendet, um die Frage der Ausweisung der russischen Juden aus Frtinkpcicli atifzuwerfen. AUS ALLER WELT Aus Rußland, (Galizischc Flüchtlinge in R u ß 1 a n d.) Auf Vorschlag des amerikanischen Generaikonsuis in Moskau beschloß die ״Gesellschaft zur PI lege der Gesundheit der Juden" ein Sanatorium für die jüdischen Flüchtlinge aus Galizien ciiizuricliten. L)ic Eröffnung dieser Anstalt wird in! Gouvernement Ufa geplant. Gegenwärtig werden darüber Verhandlungen mit den Behörden geführt. (Ausschluß von Juden bei öffentlichen Arbeite n.) In Scbastopol hat, wie ״Nowy Putj" vom 17.- 30. Juli meldet, der Kapitän des Hafens in einer Ankündigung der Auktion für die Bauarbeiten im Hafen folgende Bestimmung erlassen: .,Ausländer und Juden dürfen niefit als Angestellte, Meister und Arbeiter bei den betreffenden Bauarbeiten besdiäftigt werden." (Zur Lage der jüdischen Semstwo■, a n g e s t e 111 e n.) Das Komitee des Semstwovcrbandes an der russisehen Westfront hatte unter seinen Angestellten auch einige Juden, die auf Grund eines Befehls des Arnieeoberkominaitdos entlassen werden sollten. Dieses Komitee hatte nun das Hauptkomitcc des Sem st wo- Verbandes gebeten, diese Angestellten in seinen Anstalten hinter der Front anzustcllen und den Entassenei: den Gehalt für zwei Monate auszuzahlen. Die christlichen Angestellten des Semstwovcrbandes au der Front hatten gegen die Entlassung ihrer jüdischen Kollegen protestiert und dies in verschiedenen Resolutionen kundgegeben, was aber die Entlassung der jüdischen Kollegen nicht hinderte. Der antisemitische ״Gofos russi‘7 teilt diese Protcst-Resolutioncn mit und schreibt darauf, daß der iibcrale und pnitoscmitisdie Geist, der im Scmstwoverbande herrscht, eine Schmach lür den Verband sei. ׳ v » u UIUU Aus russischen Quellen wird berichtet, daß sic in Brody zur Zeit der Besetzung 60000 Mensche befunden haben. Melu als 16 000, fast ausschlief lieh Juden, haben die Stadt vor der Räumung vei m sc*״i * *r ^'^Mcruiig wühlte einen städtische Magistrat in welchem auch zwei Juden sind. Ur »1 ד'•?r^cterweise sind auch diese von der russische bestätigt worden, was in gewissen ruä sischen Kreisen ״als eine Aenderung des Kurs« in Galizien angesehen wird. Die jüdischen Mi