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Jüdische Rundschau · 1916-09-22 · Heft 38 (22.9.1916) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXI (1916)
Issue
Heft 38 (22.9.1916)
Date
1916-09-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 314 wirklich( wurde. Damals schloß Ach,׳ul H,1.1111־ sein«: Begrüßung mit den Worten: ,,lein wahres nationales Leben, ein wahrer nationaler Wille kann nur di.rcli ein inneres Ir wachen entstehen, nur «hoch die volle Entfaltung der nationalen Lrkenntnis im I lerzen des Volkes: 11er Lrkenntnis seiner historisehen Wesensart mul ihrer Entwicklung in der Vergangcnlicit, <lcr Erkenntnis seiner Einheit, die trotz der grgciiw; trtigen Zerstreuung durch einen alles heleheiulen (icmcinsinn bestellt, der Erkenntnis seiner Bvstümmnig, die ihm aus der Lerne cntgegcnhlickt und seine Gefühle mul seine Kräfte aus dem tiefen Schlummer wachrüttelt, uni unablässig und tincnnüillieh /u arbeiten, bis es sieh den ihm gebührenden Platz in der Menschheit erobert־ haben wird. Möge es Ihnen, meine Herren, gelingen, diese Erkenntnis in viele ller/en unserer westlichen J11gend /u |U'lnn/en in jene, deren (ieist noch nicht, wie der ihrer Vorfahren einer vollständigen Assiniilatioii atilicinigelallen ist dann werden Sie das Recht haben /u sagen, daß Ihr Verdienst um die nationale Wiedergeburt größer ist als das der ,,Alten‘'. Jene haben den Stoff zusainmciigetrageii. Ihr habt ihm eine Form gegeben. Jene haben einen Automaten geschaffen, Ihr habt ihm eine' Seele ■eiligebaucht.“ Die ein/clncii Aufsiit/c des Heftes stellen Achad llaams Itihl klar vor jetles Auge, aber sie enthüllen auch, wie die ״Junten“, von denen Aeliad I I.i.iiu im Jahre 1903 sprach, seither geworden sind und wie sie der ihnen gestellten Aufgabe der nalioiialeii Wiederbelebung entsprochen hüben. Denn in jedem Aulsatz über Aeliad Elaam liegt ein Bekenntnis und eine Kundgebung. Hugo Bergmann .schreibt über ״Die 11,1׳ tioiiale Bedeutung' Aeliad llaams“, ()herrablnmr Markus Ehrenpreis über ״Aeliad Ilaam als br/k'hvr“. Ein Aufsatz von S c 11 e a 1׳ Jasehub beliaudelt ״Den Zionismus Aeliad llaams“, ein Beitrag von K, Ha r 111״ 11 ׳Die Juden des Westens im Erteil Aeliad llaams“. A. R o b i 11 s o 11 11 veröffentlicht unter dem Titel ״Priester ohne Volk“ eine Arbeit über die ״Bne Mosche“, den von Aeliad Haam begründeden und geleiteten t ieheiinbimd, mul ihr Schicksal und au seine Arbeit schließen sieh Ver• ölfcntlk'lHiiigen ״Aus den Urkunden der Biic-Mosche“ an. Jakob Klal/kins Beitrag ״Der Hast“ erörtert Aeliad Haams Beziehung zur Literatur und zum Sihnitstellcrtum. Mit Recht sagt Klat/kiu, ״daß jeder Aufsatz von Aeliad Ilaam nicht eine Augelegeuheil der Literatur allein mul eigentlich über- Haupt kein ״Aufsatz“ war, sondern eine lebendige Tat, ein Eingreifen in die Wirklichkeit, ein Ereignis in unserem Leben, Uml so wurde uns Achad Ilaam gleichsam zum nationalen tiewisseu. Wenn er vor 11 as Publikum trat, wußten wir schon, daß wir geirrt uml gesündigt hatten, so daß er niiht zu schvveigen vermochte und ge/wuiigcn war, zu kommen und zu predigen: ״Nicht das ist der Weg!" Saloinoti Schiller, der Leiter des hebräischen (iymnasjums in Jerusalem, wiirilipt Aeliad Haam als ״Heu Kampler“. Auch in Salomon Schillers Aufs,11׳/ wie in den;linieren Aufs,ätzen, die Achad Haams Bedentunp mit solcher Limlrinpliehkeit und Rückhaltlosigkeit erkennen und anerkennen, ist nicht etwa um der festlichen (ielepcnheit willen rler Kritik die Statt vervveipert. Die ,,Junpen“ sehen, wo Aeliad Haams Ocistcsflup beenpt ist sic sehen Widersprüche und Gegensätzlichkeiten, aber sie fassen in unbeirrter Freimütigkeit Achad Haam als ganze und große Persönlichkeit mit all ihren Gegensätzlichkcitcn, Beengtheiten und Widersprüchen.. Nur in dem Aufsatz Rafael S c I i p m a 1111 s ״Ein Wort über Achad 11,1,1111׳“ liegt eine trotz objektiver Aiieikcnnung ablehnende Orundstimmuup. Wer aber aus dem ganzen Aeliad Haam-Heft sieh über Aclml Haam's Wirkung auf die Heister und aus Aeliad Ilaam selbst über den Sinn seiner Auffassungen orientiert, wird Rafael Seligmanns Einschränkungen nur zum geringeren Teile als berechtigt empfinden. Denn gerade sie scheinen Achad Haam so zu fassen, wie man cs unter dem Einfluß gewisser schlagwortartiger Formeln über den treibhaiisartigcn Kultur- Zionismus Achad Haams zu tun gewöhnt war. Ein An unsere Freunde und Leser! Ein neues Quartal der ,,Jüdischen Rundschau“ beginnt. Alle, die die ״Jüdische Rundschau“ in der letzten Zeit gelesen haben, wissen, welche Bedeutung das Organ der Zionistischen Vereinigung für Deutschland gerade jetzt besitzt. Werbet für die Verbreitung der ,,Jüdischen Rundschau I“ Redaktion und Verlag der ״Jüdischen Rundschau“. JU EDI SC HE RUNDSCHAU Aulsatz von Abraham Schwadron ״Von unserer Selhsthcwcrliing“ geht davon aus, daß Aeliad llaams S1 hl Illen selbst, die jetzt durch die Hände des Jüdrillen Verlags /um deutschen Leser kommen, in der ll.1upls.1ehe die Kritik der zioilislisclien Ideell I ler/ls durch die Lntgcgenstelliuig von Aeliad Haams Zionismus des ״geistigen Zentrums" enthalten, aber die Kiiitm:msehammgeii vernachlässigen, die Im Osten uml in P,1l;is1im1 im deutlichen Gegensatz zu Aeliad Ilaam stellen. .Schwadron kennzeichnet darum diese in ticr Hauptsache von B c r d y c ze w s k i und Brenner repräsentierten Richtungen und rundet so die Konturen, die Aeliad llaams Stellung allen jüdischen Seilen gegenüber einzeiclmen. Ein größerer Aufsatz von J. K ,111 f m a 11 11 behandelt ״Die ln־׳ bräiselic Sprache und unsere nationale Zukunft." Es ist ein Aufsatz, der eine der aktuellsten!־'ragen der t iegeiiwart von (iesielitspunkten aus erörtert, die nicht von < )pjxiriiinilnt uml taktiselii״! Rücksichten verschoben sind. Arno Nadel, den wir bisher aus dem ״Juden“ nur durch seine Beiträge über jüdische Volkslieder kannten, schließt das (1. lieft des ״Juden“ durch die Allzeit ״Das Wesen des mosaischen Sittengcscl/es.“ Wenn mau sieht, welche Wirkung von den Männern Achatl Ilaam und Bnber ansgdit, wird man auch das Aeliad I laam-l left des ״Juden" nicht als eine Habe cinsch.it/cn, die nur jene erfreut, welche schon um Aeh.id Ilaam wissen. Wir ersehen aus den Veröffentlichungen in der Frankfurter Zeitung, daß es möglich ist, auch die Nielltzionisten und Niehtjudeii auf die Wege lies Zionismus zu weisen, indem man sie ohne Sehen in die ganze Tiefe des Kampfes führt, in dem wir stehen. Nur wenn wir für die Hrölte dieses unseres Kampfes Verständnis zu wecken wissen ohne Kompromiß und Ver- ״ehlcicrimg, im Bewußtsein, daß der Zionismus keine billige Wan ist, die durch geschickte Aufmachung den (icschmuck der Menge finden kann nur daun finden wir und erwerben wir auf unserem Wege neue ITcimüc und Heiiossen, neue Mitarbeiter und starke Forderung, Daß uns auf diesem Wege ״Der Jude“ hilft, 11ns wollen wir ihm immer und immer wieder danken; denn wir dürfen nicht inüilc werden, wo es gilt, dem Zionismus und dem neuen Judentum die Balm zu brechen, die in die Zukunft unseres Volkes führt. 1 las Aktionskomitee der ,Zionistischen Organisation hat Achad Ilaam zum sedi/jgstcn Uchiirtstag ein Begrüßungsschreiben gesendet, das ohne Verzieht auf die Betonung dessen, was Aeliad llaams Auffassungen von jenen der zionistischen Leitung trennt, den IXmk der zionistisehen Bewegung sagt. Darauf hat Achad Ifnaiii geantwortet: ״Jetzt, wo die Gegenwart so bewölkt ist mul die Zukunft in Dunkel gehüllt — wollen wir uns nicht mit den uns trennenden Erinnerungen an die Vergangenheit abgeben. Unser aller Augen sind jetzt gegen den einzigen Punkt gerichtet und unser aller Seelen sind nur von einer Hoffnung erfüllt: Wenn der Himmel sich klärt, möge die Sonne auch für uns aufgehen. Und ich erflehe nur eines vom (jotic Zions: Er möge mich diese Zeit erleben lassen und es möge mir gegönnt sei», mit meinen Augen die ersten Lichtstrahlen zu erblicken, die an unserem Horizont erscheinen; damit ich das Feld mit ruhigem und sicherem Herzen verlassen kann, in dem Bewußtsein, daß unserem Schicksal Hoffnung blüht.“ Wir alle fühlen und beweisen, daß unsere Seelen von dieser einen Hoffnung erfüllt sind. Leo He rrm n n n, Vortragszyklus der Berliner Zionistischen Vereinigung In dem von der Berliner Zionistischen Vereinigum; veranstalten Vortragszyklus sprach Dienstag, am 1<). September, vor einem zahlreichen Auditorium in den Spicbemsälcn das Mitglied des L. A, C. Herr Dr. Arthur 11 a!11 ke über ״Die Lage der Bcwcgung“. Dr. Hantke entwarf ein Bild von dem derzeitigen Stand der zionistischen Organisation. Er schilderte im besonderen das Fortschreiten der zionistisehen Bewegung in Amerika, die Lage der Juden und das zionistische Leben in den besetzten Gebieten, die Lage der Juden in Rußland und die gegenwärtigen Verhältnisse in Palästina. Den mit großem Beifall aiifgenommeiien Ausführungen des Redners folgte eine lebhafte Diskussion, in der Herr Dr. Heinrich Löwe die Anfrage stellte, welche Stelhing das Zionistische Aktionskomitee zu der jüdischpolnischen Frage entnehme. Herr Dr. Hantke bcantwortete die Frage des Herrn Dr. Löwe in längerer Ausführung, wobei er klar machte, daß die Lösung des jüdiseli-polnisdicn Problems im Rahmen der gesamt-zionistischen Tätigkeit gefunden werden müsse. Herr Redakteur Leo Herrmann gab Herrn Dr. Löwe über einige Anfragen Aufklärung, die Herr Nr. 38 Ausweis der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Schekel! Berlin 2. . 111 bniriia-Hcrlin 8. , Beulhrn 70. . Breslau für 1 DD»/17 75. , für Niditmitgljcdcr '17.-•, (,'01111־111־ l.~ , Grone 2. (davon 1. f״r I9M/I5), Grossen 2, - , Gulin 1. , Dortmund 27. Danzig II. . Erfurt (für 191 115) 13. , Eydtkulmen 9.-, Gnesen LI, , <11 ,itidcii/ I. , I lalhcrstadt ר.- I loliciisal/a 8. , Krolosihin 10. ,Leipzig(!). Nien•’ Imrg L- . Nürnberg (für 191111) 1י .2־ Pforzheim Hl. , Posen I. Rawitsih 1. , Sal/brunn!... Stettin 8.- , Stralkowo ). , Tilsit 11. Wetzlar- (ließen I. . Wiesbaden 29. , aus dein Leide | Landesbeitriigc! Berliner Zionistische Vereinigung 91), . I lehronia-Berliu 8. , /ionistischcr Jugendverein lr>. . Goclicm (1. , Grossen ft. Gulni Dresden 50.- . Erfurt für 191 1/15 38.50 Gnesen 30. I lalbersladt 15.-. Hohcnsal/n 21. , Karlsruhe 3). Krotoschin HL , Leipzig 152. , Nürnberg 32. ' Posen I. . Stettin 12. , Tilsit 33, ’ Propagandafonds: (oamlenz: Jula I lerrm.iiiii 9. . 11,1 (bi•rstadt: Is. I eueri ing ft. , Kattowitz: Aus dem Nachlaß von Sicginuud Kappaport (für vier Monate) -ID. . J. Barthteld 5.--, Nienburg: Thea Hildesheimer 5. . Nurnlvrg: P. Ordenstein 5. Stralkowo: Anna Kiuipe Rieh. Kempe, Rika N'elken je 3. , Thate: Leo Rcichcubaeh Hl. , aus dem Leide: Leo Schick 5. . Diverse Spenden: ()strowo ft. . Eingang vom 18. Juli bis 17. September l'Mft: Sehekel: I9I5׳H1: )()). , 191(1/17: 112. . La״. 111■ s b 1׳ i t r li g 1•: 31). . P r o p n g a 1111.1 ( o n d s• HM). . Gesamteingang: Schekel: 1915/lft: 217), 1916/17: 1)2. . L .1 ״ d e s b e 1! r ä g e: 3127.50. P ro'• p .1 g a 11 d .1 f o 11 d s: 522(1.80. Adresse für Geldsendungen: Zionistische Vereinigimg für Deutschland, Berlin W15, Sächsische Straße 8. Postscheckkonto: Berlin 8091. |)r. Löwe in einer zweiten Diskussionsrede an die Zionistische Leitung stellte Die Versammlung, die vier Stunden währte, bewies das außerordentliche Interesse, das den zionistischen Fragen entgegengebracht wird. Zionistische Arbeit in Amerika Der bekannte russische Zionist Ikiris (10Idberg aus Wilna, Mitglied des Großen Akt»ms- Komitees, hat auf seiner Rückreise aus Amerika e ilige Zeit in London verbracht. Der zionistische Verein L o 11 d o n - L ,1 s t benutzte die Gelegenheit, um dem hervorragenden Gesinnungsgenossen einen Begrüßungs-Abend zu widmen. Der mit großem Beifall aiifgcMoinmetu n Rede Goldlx-rgs entnehmen wir folgende interessante Daten: ״Das Provisional Lvecutivc Committee for Dencral Zionist Afiairs ist zu einem jüdischen Zentrum geworden, von dem die große Arbeit der Organisierung der Nation ausgeht. Das PEC hat es über• nomtiicn, unsere Institutionen in Palästina aufrechtzuerhalten. Mit größter Energie ging man ans Werk und sammelten einen Beitrag von 225 00(1 Dollar tür den Jiselmw. Um eine Anleihe zu ermöglichen, ist der Betrag von 0ÜOOO Dollar aufgebracht worden. Um auch dem alten Jischuw, dem (.halukka-Judentum Hilfe angedeihen zu lassen, wurden 315 000 Dollar gesammelt. Dazu kam das Hebräische Schulwerk, für das man die schöne Summe von einer Viertel Million Dollar aufbraciite. Auch unserer stolzen lind tapferen Schomrim wurde mit einer Ehrengäbe von 65 000 Dollar gedacht. Das warme lntcre-sc, das das PEC den Organisations-Arbeiten entgegengebracht hat, ermöglicht es, für den Zionistischin Zentralfond die stattliche Summe von 121 000 Dollar zu bekommen. Der Schekel-Aktion konnte allerdings bei der Fülle der Arbeit nicht das großzügige Interesse zukommen. Doch wurden 70 000 Schekel verkauft. Für das Kopenhagener Bureau brachten unsere amerikanischen ITcundc 12(MM) Dollar auf, für unsere auswärtige Vertretung 30(KM) Francs. Für die lokalen Ausgaben, wie für die Presse* Organe ״Das jüdische Volk" und ״Maccabacan“ in New York wurden 32 000 Dollar gesammelt. Für den Jüdischen Nationnlfoml erzielten sie 55 000 Dollar. Das sind die Sammlungen bloß vom letzten Jahre. Das Bureau des PEC bestellt aus einigen leitenden Sekretären, nebst einem Benmtenstabe von 60 Personen. Erst neulich ist das Budget für das kommende Jahr festgesetzt worden. In diesem Budget ist der Verkauf von 200000 Sehekallm vorgesehen." Stürmischen Beifall spendete die Versammlung, als Herr Ooldberg In seiner Rede auf die Verdienste Dr. Sclimarja Lew ins um den Aufschwung de» zionistischen Gedankens in Amerika hinwies.

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