Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXI (1916)
- Issue
- Heft 38 (22.9.1916)
- Date
- 1916-09-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2651273-2651974-2652012--10792-2668250- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
r I ו Abonnements I | auf die wöchentlich ■m Freit•? erj - scheinende ״Jüdische Rundschau'* ■ kosten bei der Expedition und bei ■ allen Postämtern vierteljährlich M, 2,25 J innerhalb Deutschlands, in Oesterreich• Ungarn M, 2,50, im AuiUnd M. j I Jüdisch• Rundschau, G, m. b. H. I I BERLIN W. 15, Sächsische StrnÜe 8. | i Telephon: Amt Utiland 845, 816. I | Postsclteckkontoi Bcrliw Nr. 17392. I o /pn.q r~\ p r I I I I I I I Anzeigen kosten für die srchsjfrtpsltene Petit• *eile oder deren Raum 40 Pf. j Stellen•־ Angebote und •Geiudie sowie Vereins- Mitteilungen und ״Kieme Anieigen“ 0 O O 0 nur 30 Pfennig. O O O O Manuskripte werden, wenn Porto heihegt, stets turürk gesandt- Kedaktionssdiluß: Mittwoch vormittsgi. Redaktion Jüdisch• Rundschau BERLIN W. 15, Särhilarhe Stratt* 8. Telephon: Amt Uhlsnd 845, 846. Post.sthethkooto; Berlin Nr. 17392. t ostsdiecxkooto; oerim PJr. HSJi. ein n^nnp/י■"/ף~ח?׳ ier73w?1 וי^ח CjJ L״J U יי ) U C,3 vlr> Lj Ü /La V!a M ä 3 ■ר/י ü J Nummer 38 Berlin, den 22. September 1916 — 24. EluI 5676 XXI. Jahrgang. Zionistische Konferenz in Warschau In der zweiten Hälfte der vergangenen Woche hat in Warschau eine Konferenz der polnischen Zionisten stattgefnnden, die in der Cieschichte der zionistischen Organisation in Polen einen Markstein darstellt. Zum eisten Male seit der Entstehung der modernen zionistisehen Bewegung war es den Zionisten in Polen vergönnt, eine woiilvorbereitcfc Zusamlnenkuiift der zionistischen Vertreter aller polnisehen Städte in der Oeffcntlichkeit zu veranstalten. Zum erstenmal entsandten die /.iouistisehen Vereine und Gruppen der gesamten polnischcn Provinz ihre Delegierten nach der Laudeshauptstadt, uih dort zusammen mit den Zionisten Warschaus über die Aufgaben und Arbeiten der Zionisten Polens zu beraten. Und obwohl die Konferenz, ganz nur den Fragen der inneren Arbeit gewidmet, einen internen Charakter trug und von besonderen Propagandaveranstaltiingen absah, war sie doch, wie auch aus der jüdischen Presse WarscJiaus zu ersehen ist, von großer Wirkung auf die nichtziouistischc Oeffcntlichkeit in Polen. Die Konferenz hat die vielen und großen Fragen, die auf ihrer Tagesordnung standen, mit erschöpfender Sachlichkeit und bewundemswerter Tatkraft behandelt. Die feste Gesclilossenheit der gefaßten Resolutionen, denen inan es ,msieht, daß sie nicht Resolutionen bleiben, sondern, reale Bedürfnisse des zionistischen Lebens ausdriickend, in die Wirklichkeit treten werden, beweist, daß die Konferenz die zukünftige Arbeit im Rahmen ihrer realen Durchfülirbarkcit nach einem von großen Gesichtspunkten geleiteten Plan festsetzte. Sowohl die Resolutionen über die hebräische Erziehung, wie dir Beschlüsse über die Durchführung von vorbereitenden Maßnahmen für die systematische Ausbildung jüdischer Pioniere, die nach Bccndiguiig des Krieges nach Palästina auszuwandern gedenken, atmen den Geist eines zielbewußtcn, ernsten Arbeitswillens, der auch in widrigen äußeren Zeitumständen an dem ihn beherrschenden Zentralgedanken unerschüttcrt und unwandeibnr festhält. Wir werden in der nächsten Nummer der Jüdischen Rundschau die Verband* Itingen und Resolutionen veröffentlichen. Diese denkwürdige Konferenz in Warschau bedeutet nicht nur unseren Gesinnungsgenossen in Polen eine Herzstärkung und einen trostvollen Blick in die Zukunft zionistischer Arbeit, sie ist die kraftvolle Aeußcrung eines Gliedes der Gesamtorganisation und gerade eines Gliedes, für das wir angesichts der schweren Bedrängnis, die der Krieg den polnischen Juden brachte, am meisten zu fürchten Anlaß hatten. Die zionistische Organisation in Polen ist nicht nur nicht aus den Fugen gegangen, die Warschauer Konfetenz legt Zeugnis dafür ab, daß der zionistische Geist unserer Gesinnungsgenossen in Bolen während der beiden Kriegsjahre erstarkt ist und zu großen Leistungen in der Zukunft umfassende Vorbereitungen trifft. M. M. ״Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlieh-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina." Baseler Programm. ״Wege des Zionismus“ ,,[ > i v 'zionistische Bewegung hat heute eine weit über das einzelne Nationalprohlem hinaus* ragende Bedeutung gewonnen. Sic hat in diesem Kriege eine wcltgcsehichtliehe Unterlage von ungeheuerer Macht und Ausdehnung erhalten. Denn es gellt im Zionismus um nichts (icringeres als um die Frage der nationalen Werte überlinupt.“ So leitet Margarete S u ß m a n n eine große Abhandlung ein, die sie unter dem Titel ״Wege des Z i o n i s ni u s“ in zwei Fortsetzungen in der Frankfurter Zeitung vom 17. September und R September veröffentlicht. Es sind Aufsätze über die geistigen Grundlagen und inneren Probleme des Zionismus, wie sie vielleicht von einem Außenstehenden noch in keiner deutschen Tageszeitung veröffentlicht worden sind, Margarete Sußmann dringt in die Tiefe des Zionismus ein, um seine ganze Kraft und Größe zum Bewußtsein zu bringen. Margarete Sußmann hat schon einmal eine Arbeit veröffentlicht, die zeigte, wie sic zu jüdischen Problemen Stellt; in dem vom Verein jüdischer Hochschaler Bar Koclibn in Prag herausgegebenen Sanunclbuch ״Vom Judentum“ stellt ihr Aufsatz ,.Spi- 1107a und das jüdische Wcltgefülil“. Der Aufsatz in der Frankfurter Zeitung wertet den Zionismus als geistige Bewegung, die die innerste Anteilnahme aller für national ,und menschlich Großes Empfangliehen fordert. Sie findet in Ach ad Llaam und in Martin Buber die Männer, deren Denken und Wollen den Ausdruck des geistigen Zionismus unserer Tage bildet. Sie gellt von den im Jüdischen Verlag soebvn erschienenen deutschen Ucbcrsctzungcn von Acliad 1 la.ims ״Am Scheidewege“ aus. ״Wer in diesem Buch detn Namen Achad Ha,!ms zum erstenmal begegnet, dem wird er die Offenbarung eines neuen geistigen Mciischcutypus bedeuten. Die hrrlx• Schlichtheit des Stils, die kühle Besonnenheit der Darstellung könnten auf den ersten Blick fast einen Unbeteiligten vermuten lassen; aller dem tieferen Eindringen enthüllt sich sehr bald die Gewißheit, daß der Mann, der hier spricht, obwohl er das Ganze und Einzelne seiner Sache klar und wie von weit her überschaut, keineswegs von außen her an sie lierantritt, daß wir in ihm .aber ebensowenig den Führer einer festgelegten Partei .vor uns haben, sondern einen Mann, der sein eigenstes Ideal in die Wirklichkeit umzusetzeu strebt. Und cs ist das Eigentümliche und Seltene dieses ganz reinen ldeaiismns, «las, was ihm die kiililc durchsichtige Färbung gibt, daß er mit einem so klaren, scharfen Blick fiir das Reale verbunden ist. Diesem Scharfblick bleibt kein Hindernis und keine Möglichkeit der Errvicliung verborgen; mit derselben Klarheit siebt er das Wirkliche, wie das, was wirkliclt werden soll. So mißt die tiefe Innerlichkeit des Erlebnisses sich immer au der harten Tatsächlichkeit. Man lernt au die Bewegung glauben, die dieser Mensch vertritt, und man lernt aus seinem Buche nicht nur einen aufrechten und vornehmen Charakter, man lernt aus ihm die zionistische Bewegung selber kennen." Von Achad Flaam zu Martin Bub er: ״Man kann sich keine größere geistige Verschiedenheit denken,“ sagt Margarete Sußmann im zweiten Teil ihres Aufsatzes, ״als die zwischen diesen beiden Männern, die beide demselben Ideal ergeben, beide begeisterte Zionisten sind. Zwei Seiten des Judentums selbst scheinen sich In ihnen zu verkörpern. Fkirt, bei Achad llaam, die streng sachliche, bis zur Nüchternheit geilende Klarheit des vor allem im Gedanklichen, Begrifflichen lebenden Menschen, liier bei Buber, der volle Rausch des ganz und immer von der Unmittelbarkeit gespeisten und aus ihr lebenden und fordernden Menschen. Es ist gleichsam der ״aiimr dei“ Spinozas in zweierlei Gestalt: einmal in der ruhevollen unbestechlichen Gercciitigkcit, die das Lebensverhältnis eines Menschen zur Wahrheit ausdrückt, das andere Mal in der Gestalt des Triebes, des I )rnnges, der Gewalt zum Absoluten, zum unmittelbaren Leben in Gott selber.“ Es ist liier nicht Platz. Margarete Sußmanns Biki nachzuzeichnen, •las sic von Martin Bubers Sueben nach den Wegen zur geistigen Wiedergeburt der Juden, zur Selbstbesinnung des jüdischen Geistes entwirft, indem sie an seine beiden neuen Bücher ״Vom G eist des Judentums“ und ״D i c jüdische B e w e g u n g“ anknüpft. Wie sie dabei unter an* derem zu Hermann Cohens jüngst erschienencr Broschüre ״Religion und Zionismus“ Stellung nimmt, ist ganz erfreulich, denn es leigt, daß man unseren Standpunkt auch außerhalb versteht und nicht mit Hermann Cohen geht. Im Sdilußteil ihrer Aufsätze faßt Margarete Sußmann so zusammen: ״Einen Menschen bilden, das ist unser aller ewige menschliche Aufgabe. Dem Zionismus aber leuchtet nicht das Bild eines allgemeinen, ihn abstrakt anmutenden Menschentums /oran: ihm ist es in einer bestimmten Form und Anschauung innerlichst vorgczcichnct. Wenn ein Künstler ein Menschenbild in einer ganz bestimmten, konkreten, einzigartigen Gestalt als sein durch ihn zu realisierendes Mcnsdihcitsbild in sich empfinge, zugleich ganz Mensch und ganz einziges Gebilde, und seine I lande nach inuenn Zwang sich fiebernd mühten, aus dem harten widerstrebenden Stein dies einzige Bild )icrausztischlagen —- wenn man sich in die Seele dieses Künstlers in den Stunden in• brünstigen Höffens und bittersten Verzweifelns hineinversetzt, so würde man sich ein Bild machen können, wie es in der Seele dieser Männer, die in sich das Idealbild ihres Volkes empfangen haben, aussieht." Ist es nur ein schöner Zufall, daß diese Nebenein• amlcrstellung und Würdigung Adiad ilaams und Martin BuIxts geschieht, während uns gleichzeitig die von Martin Buber redigierte Zeitschrift ״Der Jude“ im sechsten lieft*) eine besondere Achad rtaam^Nutnmer beschert? An der Spitze der Nummer steht die W i d m u 11 g ״Uselier Ginzborg / ln der Welt dos Goistos Achad llaam d. i. ״Einer aus dem Volke“ genannt /dein führenden Denker des neuen Hehraismus zum sechzigsten Geburtstag“. Der Widmung, die viel verheißt, gibt das Heft Erfüllung und wer etwa in der Frankfurter Zeitung Margarete Sußmann auf den ״Wegen des Zionismus“ gefolgt ist, wird in diesem Achad llaam- Heft des ״Juden“ eine Führung finden, die reichlieh lohnt. Martin Buber leitet das Heft ein. ״Der Wägende“ ist ihm Acliad Haam, der uns warnt vor dem Schein der Tat, vor dem Geschwätz der Tat, vor der Knrrikatur der Tat; der gcgencinander wägt die Tat und das Getue, getreulich, litt• bestechlich, und meldet das zuverlässige Ergebnis. Buber kennt den Gegensatz, in dem er seihst in der Art der Erkenntnis, in der Betrachtung des Wcltsimis, in der Auffassung der Menschengeschichte, in der Lehre vom Wesen und vom Werke Israels Achad Haam gegensätzlich tmd entgegen ist. Um so schöner ist die verständnisvolle Huldigung Martin Bubers an der Spitze des Heftes, Achad Haam seihst ist Mitarbeiter an diesem Hefte mit einem ganz aktuell anmutenden Beitrag. Es wird ein Brief Achad Haaras veröffentlicht, den er im Jahre 1903 an Martin Buber schrieb, als dieser zum erstenmal im Verein mit Berthold Fciwel und Chaim Weizmann die Monatsschrift ״Der Jude“ plante. Mit dem Beitrag, der jetzt zum erstenmal in deutscher Sprache erscheint, sollte damals die Monatsschrift cingcleitct werden, die nun nach vielen Jahren erst ver- *) ״Der Jude“ Eine Monatsschrift, 6. Heft, R. Lowit Verlag Berlin-Wien. Berlin N. 37 Weißenburgerstraße 6. Jährlich lü.— Mk , halbjährlich 5.-, Mark, Einzelheft 1.— Mark.