Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXI (1916)
- Issue
- Heft 37 (15.9.1916)
- Date
- 1916-09-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 306 J U E DI SC H E RUNDSCHAU Nr. 37 * ץ I; S 1 4» | t j! ו i 1 \ ,iU :i >׳׳ t Nach der zionistischen Jahreskonferenz in Amerika Die 10. Konferenz der amerikanischen Zionisten■ föderation hat bei ihren Teilnehmern 11ml der zionistischcn Oeffentliclikeit Amerikas den nachhaltigsteil Findnick hervorgemfon. Die gesamte jüdischamerikaniselie!,resse brachte grolle ausführliche Herichte über den Verlauf der Konferenz. Die' Teilnchiner der Konferenz schildern in begeisterten Worteil die intensive Arbeit der Koufcrenztagmig und die gehobene Stimmung, die während dieser Sitzimj^eii geherrscht hat. Dr. Ilarrv Friedcmvald schreibt 1111 ״American Jewisli (Ilironicle*' darüber unter anderen! folgendes: Diese zionistische Konferenz war die probte, die jemals in Amerika statlgcfumlen hat. Sic ״lieh in ihrer Heftigkeit der Diskussion, in ihren bestimmteil und konkreten Planen für eine Erweiterung der Arbeit einem zionistischen Kongreß. Die Gegenwart von Schmarja I. e v i 11, /\t os si 11 so h n, S c 11 e i 11k i 11, M o t z k i n, P ין s t e i 11, li e r I i n, S y r k i 11 und vielen anderen, die wir sonst in Hasel zu treffen gewohnt waren, trugen zur 1101)1111(•־ des Niveaus der ganzen Versammlung bei. I 's war ein Vorteil, dali ein großer Teil der Delegierten in einem Hotel wohnte und dali die Versammlungen in diesem Hotel oder in seiner unmittelbaren Nachbarsehaft stattfanden, i's hielt die I )elegierten zusammeii und ermöglichte es, alte mul neue l־rcnndc zu treffen und mit ihnen während der ganzen Zeit, Tag und Nacht, zusammen zu sein. Wir haben auf keiner Konvention jemals eine so ernsthafte Körper• Schaft von Männern und Frauen gehabt, die so unablässig und tapfer .111 den vielfachen Problemen arbeiteten, die sie zu bewältigen hatten. Die Annahme des Svstems unserer amerikanischeu gesetzgebenden Körperschaften, nämlich die Verteilung der verschiedenen viugebraehtvn Resolutioiien an verschiedene Komitees, von denen jedes sein besonderes I־'cid angewiesen erhielt, bewährte sich glänzend. Kein Komitee war überbürdet, jedes war imstande, jeder ihm vorgelegten Resolution größte Sorgfalt zu widmen und die große Anzahl der Delegierten war von der Teilnahme an der Komiteearheit befreit. Dies machte auch unnötige Debatten in den Wandelhallen des Konfereuzramms überflüssig. Der lirnst und die Besonnenheit der Ver- Sammlung trat am deutlichsten während der Diskussion über die Haltung der Föderation zur Kongreßfrage zutage. Heide Parteien legten ihre Argumente mit grober Kraft dar und jeder Partei war dazu gleiche Gelegenheit geboten; bei der Abstimmiiim zeigte sieh die l.ovalität der Delegierten in hervorragender Weise dadurch, daß die Minorität ihre vollkommene Zustimmung zu dem Willen der Majorität aiisilrticktc. Fs gibt nichts, das den Fortschritt, den die Zionisten in bezug auf Parteidisziplin gemacht haben, überzeugender beweist, hin charakteristisches .Merkmal der Konvention, das bcsondere Frwahimng verdient, ist die hervorragende Stellung, die sieh die ״lladassa" durch eine intelligente, gut und wirksam geleitete Tätigkeit zu sichern wußte. Die Konvention bewies dieser Korpersebaft ihr Vertrauen durch ,den herzlichen Heifall für den Plan der lladassa, eine medizinische Expedition nach Palästina zu entsenden, die die Arbeit der vielen Aerz.te aufnehmen sollte, die durch die Kriegsverbalt11is.se, durch die Waffen und durch den Tod abbertifen worden sind. Ferner soll eine andere Körperschaft nicht unerwähnt bleiben, die wahrend der Konvention tagte — die hebräische Konferenz. Fs war eine große Versammlung, die zeigte, wie stark die hebräische Bewegung in Amerika wurzelt. Das wtmdcrhnre Wachsen der Arbeit der zionistischcn Bewegung wurde am besten durch den Bericht ilcs Schatzmeisters der Föderation F. W. Fe w i 11 - F p s t e i n bewiesen. Die ungeheueren Ziffern, die das Finkommen der Föderation darstcllen, die Holie der verschiedenen Auszahlungen, besonders des nach Palästina gesandten (ieides, gaben den Delegierten auf der Versammlung des Provisional-Fxckiitiv-Komitcc ein reales Bild von dem großen Werk, an dem sie mitarbeiten lind machte jeden einzelnen stolz, darauf, einen Anteil daran zu haben. Die Gegenwart von Oberrichter Brandeis auf der Konvention, seine Zugänglichkeit all denen gegenüber, welche Fragen mit ihm zu diskutieren hatten, seine Bereitwilligkeit, um Rat zu fragen und Rat zu erteilen, ebenso wie seine meisterhafte Rede auf dei Versammlung des Provisional-Exekutiv-Komitees trugen viel dazu bei, diese Versammlung z.u der größter» jüdischen Konferenz zu machen, die jemals in den Vereinigten Staaten abgclialtcn worden war. Der Grundton der Konvention war die Darlegung von Oberrichter Brandeis, daß wir nicht nur für gewisse Hechte kämpfen, sondern daß wir auch Pflichten auf uns zu nehmen haben. Die Delegierten erkannten wie niemals vorher, wie groß und wie vnivt diese Pflichten sind;!lies wurde durch den liefen I iiisf bewiesen, mit (lein die Angelegenbeilen der Tagung in den Komitee!׳,•iimieii, Sprechzimmern uml Vorhallen der Hotels besprochen wurden. Fs wurde ebenfalls dargetan durch den Mangel an persöulielien I oblnnk'leien mul Komplimenten, die für frühere Versammlungen bezeichnend und Verderblieh waren. Die Zionisten, haben klar erkannt, daß der Zioiiismus nicht länger eine Phantasterei oder eine schone Theorie (larsteHt, sondern etwas Wirkliches bedeutet, das durch die vereinigten Anstrengungen aller zum Erfolg uml zur Vollendung gebracht \.!rd, vorausgesetzt, daß jeder den Teil ausführt, der ihm am besten liegt, uml der Pflicht genügt, die er auf sieh genommen hat. Uml die Delegierten gaben während der Konvention vollauf den Beweis, daß jeder bereit ist, seine Bürde auf sieh zu nehmen. Fiu l.eser mag einen stenographischen Bericht der ganzen Konvention vornehmen und jedes Wort lesen uml jede Resolution studieren, und wird dennoch mehl in der Lage sein, ihre wirkliche Bedeulinig zu würdigen. Denn 11111 er all diesen Worten verbirg! sieh ein (ieist, der mir gefühlt werden kann, ein Geist, der in dem Fnthusiusiiiiis liegt, der lausende hinreißt, in der begeisterten Hingebung der Redner, in der religiösen Feierlichkeit, die die (lelegeiiheit aiiszciiimct. Fs ist jener (ieist, 11er Delegierte und Besucher erfüllt uml der stark genug ist, .Männer und Frauen zu einen, die in allen anderen Hinsichten nichts Gemeinsames haben, der (ieist, der es erklärlich macht, wenn ein großer jüdischer Schüler mir sagt, (laß er von Zeit zu Zeit unter dem Einfluß unserer Versaiiuiiltmgcii sein muß, um seine jüdischen Hoffnungen aufrecht zu erhallen; ein (ioist, der einen Führer unter den Reform- Rabbinern Amerikas sagen läßt: Nirgends anders, nicht in den Versammlungen meiner Amtsgenosscu, sogar mehl einmal in dein heiligen Bereich meiner Synagoge fühle ich mich so herzlich, so frohlockend, so glückselig als Jude, als wenn ich unter jene komme, meine warmherzigen zionistischen Kameratleii.“ Der ,,American Jewisli Cltroiticle“ schreibt ferner in seiner 10. Nummer an leitender Stelle: Die IQ. lalireskonfereiiz. der amerikanischen ZioiU'tcn-Föderation wird in der Geschichte des amcrikaniscinn Zionismus als 11 ie bedeutendste aller Koufcreu/cu gellen. Sie war ein Zeugnis zionistischer Starke in materieller und moraliseher Hinsicht. Zum cMeumal in der Geschichte des amerikanischen Zicmisimis wurden Kiilturfragcn in einer ysehäftsmäßigen Weise diskutiert uml ungeheure geschäftliche Transaktionen begeistert ihirchgeiülirt. Fs war auch zum eisieiinial, daß der Finanzbericht Summen in siebenstelligen Ziffern ergab. Der Geist dieser Konvention, die Art, in der ihre Geschälte gchamlhaht wurden, soll als ein Symptom dafür gelten, (lull auch in Zukunft eine weitere I iitwickhing zu erwarten ist. Die zioiiisiiseluu Führer kamen mit großen Wiinsehen zu der Konvention. Sie verlangten nicht Zehntausende, sondern I liiiideittaiisemle Dollars und die Antwort der Konvention war großmütig. Die Leichtigkeit, mit der diese Stimmen ztisamiiienkamcn, bcweist, daß die Zionisten Amerikas sieb ihrer Slärke uml der großen Zukunft, die der Bewegung vorbehalten bleibt, bewußt sind. Die Ausbreitung des Zionismus in den letzten zwei Jahren ist erstaunlich. Diese Ausbreitung hat sieb iiichl nur in der Eroberung von neuen Tcrritorieii, an die bis dahin kein zionistischer Gedanke lieranrcichtc, oder durch das Anwachsen der Zahl seiner Anhänger gezeigt, sondern schlagender in der wachsenden Intensität, mit der man sich der Sache widmete, und in dem klareren Verständnis für die Aufgaben. Es kann ohne Ueberlreibuug gesagt werden, daß der Zionismus in Amerika die Periode der äußeren Formen überwunden hat und daß heute der nmerikauisclic Zionist den Zionismus nicht nur in Verbindung mit seinem letzten Ziele versteht, sondern auch in Verbimhmg mit der komplizierten jüdischen Frage. Vor einigen Jahren gab es amerikanische Zionisten, die das Basler Programm unterschrieben, und doch wenig oder gar kein Interesse an der Entwicklung des jüdischcn Diaspora-Lebens nahmen, oder die sogar die Partei der Assimilnnten ergriffen, soweit das Leben in der Diaspora in Betracht kam. Der Hat, den der Dichter Gordon den Juden gub: ״Sei zuhause ein Jude und draußen ein Mensch“ wurde von vielen amerikanischen wie auch europäischen Zio nisten beherzigt. Heute ist dieser Zustand der Dinge unmöglich, denn Zionismus bedeutet heute viel mein• als jemals in der Vergangenheit. Heute ein Zionist sein, heißt nicht einfach das Basler Programm unterschreiben, sondern man muß Im Geiste dieses Programmes leben. Dieser Geist ist zuerst Judentum, zuhause sowohl als draußen, im Klubrauin sowohl als in der Synagoge. Zionismus ist nicht identisch mit der Kongreßbewegung, weil diese Bewegung Tausende von Juden umfaßt, die keine Zionisten sind, aber es ist nur logisch, daß jeder Zioiiut die Kongreßbew egung unterstützen so lle, die (111־ das Ziel der größten organisierten Anstrciigiitig, wahre Demokratie in das jüdische Lehen zu bringen, und für die Interessen der Juden als Volk cmsUTit. Es ist darum nicht überraschend, daß von mehr als lütl zionistischen Delegierten der Konvention mir zehn gegen den Kongreß waren. Zionismus und Hebräisch in all ihren Ikziehungen sind nicht identisch. Aber jeder zionistische Delegierte begreift die psychologische und historische Verwandtschaft von Zionismus und Hebräisch und setzt Zeit und Energie ein, um die hebräischen Problerne von heute zu losen. Fine andere bedeutsame Tatsache der Koiivcution war die Anwesenheit von neuen Männern in den Reihen des Zionismus, die ein hocluntelligeiites und gut erzogenes Element bildeten und außerdem noch von der Begeisterung der Jugend getragen wurden. Bei der Wahl zum Fxektitiv-Komitec der Föderation wurden neue Kräfte sichtbar. Das No- Initiation Gommittce brachte, wie es früher zu tun pflegte, eine Fiste von Kandidaten ein, und erwartete, daß sie alle in der üblichen Art gewählt würden. Aber die Konvention, die sieh nach den neuen Verhältnissen richtete, zog es vor, ihre eigene Wahl zu treffen und wählte eine Anzahl neuer Männer ins Evekutiv-Komitee. Alles dies beweist, daß die Juden Amerikas eine ernste Auffassung vom Zionismus haben und daß die Führer die Masse in der rechten Richtung leiten. Abraham J. Elkus über die Palästinaarbeit Im Abendblatt der Vossischen Zeitung vom 5. September wurde ein Interview mit dem neuen amerikanischen Botschafter in der Türkei, Mr. Alnahaut J. Elkus, veröffentlicht, der siel! auf der Durchreise nach Konstantinopel in Berlin aufhielt. Auf die Frage des Interviewers, wie weit die bekannten Pressemeldiingen über die Aeußcrungen des früheren atnerikaiiischcn Botschafters in Koiistantinopel, Mr. Henry Morgeuthan, mit dem Mr. Elkus sehr befreundet ist, begründet seien, erklärte Mr. Elkus, daß die Mr. Morgeuthan zugcschriebeneii Avtißertmgcn über einen Verkauf Palästinas an die Zionisten und die FrriiTitmig einer unabhängigen jüdischen Republik lädierliebe Erfindungen sind, und daß Mitteilungen über solche Pläne ernste Beachtung nicht verdienen. Die Fassung des Interviews kann den An-ehem erwecken, als wenn mit dieser Aeiißerung des Bot- Schalters über die tendenziös erfundenen Gemeine auch ein absprechendes Urteil über die zionistischen Plane verknüpft wäre, die mit dem angeblieben Verkauf Palästinas durch die Tüikei und der Errichtung einer unabhängigen jüdischen Republik nichts zu tun haben. Um möglichen Mißverständnissen die Spitze abziibrechen, hat Botschafter Mr. Elkus uns ermächtigt, initziiteilen, daß sich seine Aeußerungen selbstverständlich nur auf die erfu nde 11 en Gerüchte über den ntgeblichen Verkauf Palästinas d u 1 ׳ it die Türkei an die Zionisten und die d a mit i m Z 11 s a m in e 11 hang stehende a n - g e b I i c 11 geplante Erricht u n g ei n c r Republik in P a 1 ä s t i n a b c z i e 11 c n , w •hremi die Pläne jüdischer Siedliingsarbeit in P:1läslitta selbst durchaus ernste Anerkennung mul Würdigung verdienen. Auch der L. St.-Milarhciter der Vossischen /eitung ermächtigt zu der Erklärung, daß das Interview׳ des amerikanischen Botschafters durchaus in diesem Sinne zu verstellen sei. Zum Heeresdienst der russischen Juden in Italien Die italienische Presse brachte vor kurzem du׳ Nachricht, daß die italienische lind russische Regierung einen Austausch ihrer vor dem Militärdienst go flohenen Untertanen beabsichtige. Die russischen Untertanen, die sieh gegenwärtig in Italien aufhalten und die dieser Austausch in erster Linie treffen würde, sind meistens russische Juden, die infolge der in Rußland für die Juden bestehenden vielen rechtlichen Beschränkungen nach Italien gekommen sind, um hier ihr Studium fortzusetzen. Bald nach Veröffentlichung dieser Nachricht taten sich die russischen Juden Italiens zusammen und verfaßten ein ausführliches Memorandum, in dem sic die Gründe, weshalb die russisch-jüdische Jugend nach Italien gewandert sei, darlegten und die Lage der ״politischen“ Emigranten, die zur Flucht aus