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Jüdische Rundschau · 1916-09-01 · Heft 35 (1.9.1916) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXI (1916)
Issue
Heft 35 (1.9.1916)
Date
1916-09-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 292 Nr. 35 ״Kulturarbeit“ im Osten Unter dieser Aufschrift bringt die ״Jüdische 7 v i t 1! 11 g“ in Wien vom 21. Juli 1010 eine Stelle;ms einem Briet eines polnischen Legionärs (11;liiert: R o / p r z;1, Etappciipiist Piolrkow), die ein jjrclles l ieht :1111 die jiidenieimllielie Stimmung der Polen wirft. Die Stelle, .die festgenagelt werden soll, lautet: . Bei Ta!» finden wir Juden aut und die mußten die Stadt rcinfcgeii und die Kanäle reinigen, da dieses unser Ru/prza schrecklich verunreinigt ist. 13s war herrlich an/uselien, wie am Sahhath die Jüdchen in F'cicrtagskaitnncn den Kehricht lebten und liehen ihnen cm paar Jungens mit Karahiuern standen und siebewachten. Mehr als ein Jüdchen bekam dabei Schlage ins Genick, dafür aber ist das Städtchen ein bischen reiner geworden.“ Man muß sieh diese Art der Behandlung der Juden durch ihre!Klinischen Mitbürger wohl merken, (ür den Fall, daß die Polen wieder ihre antisemitische Gesinnung leugnen wollen. Diejudenfrage auf der Konferenz der neutralen Sozialisten I las )langer Bureau des jüdischen Sozialistischen Verbandes Ponlv-Zion hat der Konferenz der neutralen Sozialisten, die vom dl. Juli bis 2, August im 11.1;1־ f.r stattfand, reichhaltiges Material zur jiiclischen Frage unterbreitet. Die Dcnkschrilt des Ver״ bandes an das Internationale Sozialistische Bureau ״Die Juden im Kriege“ lag in deutscher und französischer Sprache vor. Außerdem richtete das Verbandsbureau ein H e g r ü ß 11 11 g s s c h r e i b e n an die Konferenz, in dem es von den Sozialisten der neutralen Länder fordert, atisziisprcdicn, daß die allgemeinen <inmdsät/e des nationalen Rechts, wie es von der Internationale siets verkündet und vertreU'11 wurde, auch auf die jüdischen Volksmassen Anwendung finden. In diesem Schreiben heißt es unter anderem: ״Obwohl wir jüdische Sozialisten uns nicht als irgendeiner kriegführenden Gruppe augehörig betrachten, ist es uns leider noch niaht möglich, au Ihren Beratungen teilzuuehmen. Darum erl.mhen wir uns, Ihre besondere Aufmerksamkeit auf die Sache des jüdischen Volkes zu lenken. Wir wollen Ihre kostbare Zeit nicht mit wortreichen Auseinandersetzungen in Anspruch nehmen. Wir haben »lern Internationalen Sozialistischen Bureau im Dezember v. J. eine Denkschrift über die Lage der Juden, sowie über unsere nationalen Förderungen vorgclegi Dieses Memorandum haben wir auch Ihnen jn deutscher und französischer Sprache unterbreitet. Die wesentlichsten Punkte unserer Fördemngen haben wir in folgenden Worten zusammen• peiaßt: ״In Ueheremstimmunp mit der iiberwiepemleii Mehrheit der jüdischen Arbeiterschaft und, wir sind über/eupt, auch des pes,•unten jüdischen Volkes, verlaupeil wir das Recht der nationalen Selbsthestimmmip für die jüdischen Minderheiten in allen Ländern. Wir fordern vornehmlieh in Nationalitätenstaaten, wo die Juden eine selbständige Kiilturpemeiiiscliaft bilden und ihr nationales Eigenleben zu erhallen bestrebt sind, r e c 1111 i c 11 e B ii r p s e 11 a f t c n für u n s e - reu nationalen Bestand und unsere impchinderte Knltureimviekhmp, S e I b s t v e r w a 11 11 11 p 1 11 n a 11 o 11 a I e 11 A 11 p e I e p e 11 heit e n und die nationale Reehtspleiehheit ,in Staats-, Landes- und Stadlvcrwaltiuip . . . Obwohl in diesem Prinzip schon enthalten, so muß noch insbesondere das Recht der Juden aul freie L i n w a n d e r 11 11 p ( A!1 s I e 11 - I u n p und n a t i o 11 a I e G I i e 11 e r 11 n p u 11 d Entfaltunp In Palästina mul den anpreuzenden Ländern ausdrücklich ausgesprochen werden. Wir fordern pevvilt nichts Ungewöhnliches". Die Konferenz ist bekanntlich auf die Frapc der unterdrückten Nationen Osteuropas im einzelnen nicht citipepanpen. Die Vertreter der neutralen Lauder hielten sieh nicht für kompetent pcimp, ihr Urteil etwa über die ukrainische oder südslavischc Frapc in Abwesenheit der Delegierten der SoziaIdemokraten der beteiligten und meistintercssicrteii Lauder 711 fällen. Auf die Frnpe der unterdrückten Nationen im allgemeinen hat (olpeiuler Satz Bezup: ״Die Konferenz. . . . erklärt weiter, daß die Auto-, iiomic der Nationen am besten zu verwirklichen ist auf dein Boden einer demokratischen, dez.eiitralisicrenden Staatsverfassunp, welche den Kulturbedürfnissen der Nationen völlig Rccluumg trägt“, Der Vorsitzende und Referent der politischen Kommission, P. J. Troclstra, gab zu diesem Satz folgende bcmerkenswerte Interpretation: ״Ich denke dabei in erster Linie an die nationalen Minderheiten in verschiedeiicn Gebieten, auch in solchen, die jetzt vielleicht ihre politische Selbständigkeit erreichen werden. In einem wieder berge stellten au ton ס■ men Polen sollen die Kulturrcchtc der ukrainischen, jüdischen, \ithauischcn Minorität geschützt werden, Die natio- JUEDISCHE RUNDSCHAU nnle Freiheit keines Volkes soll zur Unterdrückung j eines anderen mißbraucht und erniedrigt werden.“ ׳ Fis ist selbstverständlich, daß diese Erklärung nicht , etwa den persönlichen Standpunkt von Lroelstra; zum Ausdruck bringt, sondern mit Zustimmung der [ politischen Kommission abgegeben wurde. 1 Aus Palästina ׳ Die Jerusalemer hebräische Zeitimp ,,Ha ehe- | rut 11“ nieklei: Die Herren Etan Beikind und | Jacob B ■1 e h e r in Riselion-Lezion erhielten die | A 11 s z e i e 11 n 1111 g s 111 e d a i 11 e 1. Klasse für ihre! große Verdienste liei der B e k ä 111 ן> f u n p d e r I I e 11sch recken. Beide Herren sind außerdem zu landwirtschaftlichen S n c 11 v c r s t ii n d I * gen ernannt worden, der erste in Chn na, der /walle in Chn rar. * Auf Veranlassung l> s eil e nt :1 I - Pa s c h n ' s ist lugciiiciir Weid als Sachverständiger für den Bau von Bewässerungsanlagen nach der Türkei berufen worden. Herr Weid wird die Aufgabe erhalten, die Wasserversorgung in den Provinzen Alep- I p o, Da 111 a s k 11 s mul B e y 1111 h sowie im San d- | s e h a k J t־ r 11 s a 1 e in zu regeln. Die vielfach ver-! sinn jii teil Landstriche sollen entwässert und durch j neue Bewässerungsanlagen sollen weitere Gebiete der j Kultur erschlossen werden. j * (Statistiken des G e s u » d h e i t s a in t e s) Die Jerusalemer Tageszeitung ״llachcriith" erhalt täglich vom Gesundheitsamt in Jerusalein eine Statistik der im Lande konstatierten Krankheitsfälle zur Veröffentlichung. Diese täglichen Ta hellen gehen ein ziemlich zuverlässiges Bild über die Ausbreitung der im Lande herrschenden Krank- )!eiten und über die durch sie veranlaßten Todesfälle. Die Tabellen registrieren die Art der Krankheit, den Ort ihres Auftretens und das Geschlecht der Betrofienen. In kurzen Anmerkungen wird auch über (len Gesundheitszustand in den übrigen syrischen Städten berichtet. In Jerusalem starb im Alter von 30 Jahren;1111 8. Juli Herr Gcdalja Alchadif am Flecklyphns. Fr hinterläßt eine junge Frau mit drei kleinen Kindern. Am •I. Juli starb in Jerusalem Flerr Jissacliar Le win sohn nach kurzer Krankheit im Alter von 60 fahren. Der Verstorbene war viele Jahre hindurch der Vertreter des Kolel Piiisk und zeichnete . sich durch große Bescheidenheit ans. Fr war ein sehr gelehrter Mann und jedem, der sich an ihn um Hilfe wandte, gefällig. Fine zahlreiche Schar gab ihm das letzte Cieleit. (V o r t r ä g e über L <1 g i k) Trotz der großen Hitze versammelten sieh viele Zuhörer, um den beiden Vorträgen heizuwoliiien, die der Direktor des hehräigehen Gymnasiums in J e r 11 s a I e 111, I lerr S. Schiller, über die Logik hielt. Die Vorträge zeichneten sieh durch tiefe Frfassnng des Stoffes, durch lebendige Darstellung des an sieh trockenen Gegenstandes und durch eine reiche Sprache aus. Die Zusammenfassung eines so grollen Gebietes in zwei Vorträgen zwang zu knapper, gedrängter I)arstcllung. (״T i f e r e t h J e r 11 s e h a I a j 1 in“) Wegen der in Jerusalem herrschenden Typhus- Krankheit, die sofortige Maßregeln gegen die Krankhfitstrager erforderte, und vier Störungen im Unterrieht infolge der Verständnislosigkeit der Eltern für jegliche Erziehung sahen sich die Lehrer der Taliiind-Tliora-Seluilc ״Tifereth Jertisclialajim“ veratilaßt, zunächst die Mütter der Schüler zusammenzurufen. In drei Versammlungen, die immer größeren Zuspruch halten, wurden die Mütter über ihre I'flieh'cii ihre 11 Kindern gegenüber belehrt. Das Gcliiigen dieser Versammlungen ermunterte die Lehrer dazu, auch die Väter der Kinder z.usainmcnzurufcn und sie darüber aufzuklären, daß es nicht gleichgültig sei, oh sie ihre Kinder in Missions-Institute 011er in jüdische Schulen schickten. Diese Ausführmigeii der Lehrer machten auf die Väter tiefen Eindruck. Immerwährende Mitgliedschaft‘ für verstorbene Mitglieder der Zionistischen Vcreinigunt* für Deutschland Neu eingetragen ist unser verstorbener Gesinnungsgenossc M. Gold mann, Vorstandsmitglied der Zionistischen Ortsgruppe Chemnitz, durch die Odsgruppe Chemnitz mit einer Einzahlung von 250 M. - Vom Jüdischen Nationalfond 1111 Monat Juli erreichte die Gesamtsumme der dem Nation,allölid überwiesenen Sp.-ndciigcldcr den Gesamtbetrag von M. 81103־, Ls haben helgetragen: Nordaim nka M. IV <)(>־>, Oesterreich M. 12004, Deutschland (einschließlich besetzter Gebiete) M. 8851’ Rußland M. 6081, Südafrika M. 3 137, Can.ida M. 2 123, England M. I (87, Griechenland (Saloniki) M. 830, Schweiz M, WH, Belgien M. 362, Holland M. 216 und Aegypten M. 178. IHt oben erwähnte Betrag aus Amerika rührt z. T. vom letzten Blumeutage 11er, der, wie hei dieser Gelegenheit bemerkt sei, einen Reinertrag von 9 17 (MIO ergeben hat. - Sowohl Natioiialiontl- 11U auch private Farmen in 1‘alastina liabcn sieh wahrend der Kriegszeit, indfin sie die große llcilcmimg der Geimisekulturen für dir- Ernährung der Bevölkerung ei kannten, in steigendem Maße dem Anbau von Gemüse gc- ׳widmet. Zur Förderung dieser Bestrebungen hat kürzlich der Natmnalfoml 6 300 Mark zur Vtrfiignng gestellt, wovon ein Teil für Prämien iur lrcsomlers gut gepflegte (iemüsegarlcn bestimmt ist. Es wurde dafür gesorgt, daß verschiedenartige bcwährte Samciisortcn nach Palästina gelangen. In den verflossenen beiden k'riegsj.ihren sind vom Jüdischen Nation,ilioml für die Zwecke der ungestörten Aufrechterhaltung seiner Fnrmbctricbe und sonstigen Unternehmungen sowie für vcrscliiedem• Notstandszweckc über 700 000 Mark nach Palästina überwiesen worden. :LITERARISCHE CHRONIK Zum Todestag von Perez erschien im Verlag B. A. Klczkin (Wilna) eine Sammlung ״Zur Jahr zeit“, die eine eingedruckte volkstümliche Er- Zahlung von Perez (״Drosclie-Gcschcnk“) und Aufsätz.e von Dincsolut, Baal-Machsclvovvcs, Nomberg, Zinberg und Dobrinscliin enthält. Der American Jevvish Clmmiclc teilt mit daß Ilerr Dr. Scluiiarja L e v i n die politische Red a k t i o n der hebräischen Zeitschrift ״II a to re 11“ übernommen bat. Der literarische Teil wird auch weiterhin von J. Bcrkowitz redigiert. l)!e Vorträge zur Geschichte und Theorie des Zionismus, die in dem vor kurzem vom zionistischen Fratienvereiit ״Hailassa“ gegründeten wissenschaftliehcn Seminar zur Ausbildung von mnistisehen Propogandisten Organisatoren und Klubleitern gehalten wurden, erscheinen jetzt als stattliches 11:1114• huch von 96 Seiten in großem Format. Das Buch enthält 17 Vorlesungen, die die Gesamtnrobleme des amerikanischen Zionismus umfassen, Eine Vorstei- 11111g von dem Inhalt des Buches gehen die Ucher- Schriften der einzelnen Abschnitte: Die Lage der Juden; Nationalismus; die I lauptcpoclien der jmliseilen Geschichte; die zionistischen Ideen in der Bibel; die antinationale Herkunft des Christentums; die Juden der Diaspora; das Reform-Judentum und der Zionismus; der Zionismus vor Her/I; Pin-ktr’s ״Autoc1nanzipation“; das Lehen Herzls; der pr.iktische und der politische Zionismus; die Parteien innerhalb des Zionismus; der Kongreß und die Organisation; die Geographie Palästinas; die Bevölkerung Palästinas und die jüdischen Kolonien; jiidische Erziehung in Palästina; Zionismus als Leheiisideal. Die Darstellung ist in Form von Fragen und Antworten gehalten. Ikan Saminelbiieh ist eine genaue geographische Karte Palästinas beigegeben, auf der alle jüdischen Siedlungen bezeichnet sind. Ain 18. August erschien eine Sondernummer des ,.Joodsclie Wächter“ zur Einleitung des vom Nieder!,indischen Zionistcnbumlcs in der Zeit vom 18. bis 25. August in ganz Holland dtirehgcfülirtcii zionistisdien Propaganda-Feldzuges. Die mit einem Bilde Theodor llerzl's und schönen Aufnahmen von Palästina ausgestattete Nummer bringt einen Leitartikel ,,Die zionistische Idee“ einen Aufsatz ״Erinnerungeii aus Palästina“ von Frau Johanna Sim o!1 - E r i e 11 b e r g, die Gedächtnisrede des Rabbiners von Haarlem S. 1*11. de Vries auf Theodor llcrzl, einen Artikel ״Das andere Vaterland“ von M. II, van Campen, einen Aufsatz über ״Die (ihcttnausstclhmg in Amsterdam" von l/aak P r i n s 11. a. nt, 1111 Petersburger ,,Musikalisch-dramatischen Theater“ wird jetzt die Oper von Saint Sacns ״Samson Und Dalila“ in hebräischer Sprache in der Uebersetzung des jungen Dichters J. Ch. Rawrebe mit Erfolg aufgcfiilirt. Unter dem Vorsitz Nalmtn Sokolows fand ein von den besten Kreisen der Londoner Judenhcit besuchter literarischer Abend zu Ehren des 25jäl1rigcn Dichter-Jubiläums Ch. N. B i a I i k ׳ s statt. Der Redner des Abends war Wladimir Jabot i 118 k y , der Ucbcrsetzcr der BiaSikschcn Gedichte ins Russische. Unter den Anwesenden war auch j Achad-Haam.

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