Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXI (1916)
- Issue
- Heft 34 (25.8.1916)
- Date
- 1916-08-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 282 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 34 I )itji’iiigcii, 1111׳ den Frieden (lieht wünschen, die bis ans bilde kämpfen wollen, ihnen habe ich nichts zu sauen. Aber für die, welche mit uns arbeiten wollen, Schulter an Schulter mit dem einen Wunsche, den Juden jenseits des O/eaus volle (ileichberechtignng /11 verschaffen, habe ich nur das eine Wort: mögen sie sieh uns aiisclilicßcii, — wir k ii n 11 c n zusammen arbeiten. Das ist der Sinn dieser Konferenz. Ich sehe Juden vor mir, die in ihrer Arbeit für das jüdische Volk ergraut sind, ich sehe die Enkelkinder der ersten jüdischen Ansiedler in diesem Lande, und ich sehe Juden, die erst kürzlich in Amerika :iiigelangt sind, Repräsentanten des Mittelstandes und der Ar• beiter, liier müssen wir zu einer Verständigung knmtuen und hier müssen wir es allen Juden Amerikas ermöglichen, init/ti,arbeiten au der Arbeit lür ihre leidenden Brillier itt der alten Welt,“ Den Bericht des ,,Jüdisch-nationalen Arheiterkomitces" erstattete Herr Dr. Max (i old färb. Dieses Komitee ist von der jüdisch-nationalen Arbciter-Kouvention eingesetzt worden, die vom 5.-7, SepteiV ber 1<>I5 in N'ew-York stattgefunden hatte und auf der alle jüdischen Arbeiterorganisationen Amerikas, die mehr als -100 000 Mitglieder zahlen, vcrtivteii waren. Auf dieser Konvention war einstimmig der Beschluß gefaßt worden, mit allen anderen jüdischen Organisationen Amerikas zum Zwecke der Abhaituiig eines jüdischen Kongresses auf demokratischer Basis in Verbindung zu treten. Dr, Cvrus Adler crsfaltete Bericht über die Tätigkeit des ,,American Jcwish Committee“; er sprach von den Bemühungen dieses Komitees eine gemeinsame Plattform aufzustellen, auf der alle amerik,•mischen Juden geeinigt werden könnten, Die vom A. J, C. vorgcschlagciie Plattform sei sehr einfach gewesen: (ileicltbereehtigung für alle Juden in der Kriegszone und die Abschaffung aller gegen die Juden gerichteten Ausiiahmcgeset/e. Bis jetzt sei eine Einigung jedoch noch nicht erzielt worden und das A. J, C. habe daher mit verschiedenen Organisationen über eine andere gemeinsame Plattform verhandelt, Dr. J. L. Mag 11 es beantragte die Ernennung einer Rcsolutionskommissioi! und schlug folgende Resolution zur Kongreßfrage vor: 1. Die Konferenz erstrebt die I)urchführimg einer einheitlichen Aktion, erst unter den Juden Amerikas und dann unter den Juden der ganzen Welt, um volle (ileiehbcrechtigung der Juden aller Länder und die Abschaffung aller Sondergesetze, die gegen sie gerichtet sind, zu erlangen. Der Ausdruck ,,volle Gleichberechtigung" soll verstanden weiden als die zivilen, religiösen und politischen Rechte einschließcttd und in Ergänzung hierzu die Ausdehnung von etwa existierenden (irtippcnrechten auf die Juden, sofern diese sie wünschen, 2. Für diesen alleinigen Zweck (sole piirposc) begünstigt die Konferenz die Einberufung eines Kongrosses der Juden Amerikas, 3. Die Konferenz gibt ihrem hier noch zu wiihlenden Exekutiv-Komitee volle Machtbefugnis zur Errcichuug der in § 1 genannten Ziele; sie eriniichtigt zu diesem Zwecke das Exekutiv-Komitee, mit allen anderen Organisationen amerikanischer Juden für die Verwirklichung dieser Ziele zusammenzuarbeiten; sie erteilt ihm dementsprechend volle Machtbefugnis bezüglich der Vorbereitungen zur Einbcrufung des erwähnten Kongresses der amerikanischen Juden, seine Zeit, Ort und Wahhnelhodc wie auch seine Konstitution im allgemeinen. 4. Die Konferenz stellt ausdrücklich fest, daß nichts von dein hier Gesagten die Autonomie irgend einer bestehenden national - jüdischen Organisation schädigen soll. Richter Julian Mack meinte, daß cs richtiger wäre, zunächst die Delegation der Kongreßorganisationen zu hören und sich erst später mit diesen Resolutionen, die vielleicht überflüssig werden dürfteil, zu befassen. Dr. Magnes war der Ansicht, daß die Kongreßfrage ohne Anhörung des Kongreßkomitees behandelt werden könnte. Die Delegation des Kongrcßkoinitces könnte vor Abstimmung der Resolutionen gehört werden. Dr. Solis-Cohcn aus Philadelphia unterstützte den Vorschlag von Richter Mack und die Resolution von Herrn Dr. M a g n e s wurde dem Resolutionskomitee überwiesen. Dr. A b e 1 so n bemerkte, daß Herr Dr. Gol dfärb in seinem Referate von einem ״Treubruch des Kongreßkomitces" gegenüber dem Arheiterkomitce gesprochen habe, und schlug vor, diesen Ausdruck im dem offiziellen Berichte über die Konferenz zu streichen. Dr. Goldfarb stimmte dem zu. Dr. Cyrus Adler schlug vor, die Arbeit für die Erlangung der jüdischen Gleichberechtigung sofort aufzunchincn, ohne den Kongreß abzuwarten. Die zweite Sitzung der Konferenz war ausschließlich der Kongreßfrage gewidmet und nahm einen stürmischen Verlauf. Als die vom Amerikanisdt-Jüdischen Kongreßkomitec gewählte Delegation, bestehend aus d^n Herren Louis D. B r a n d c i s,!Ingo Pan! und Leon Sanders, von den Herren Dr. I ,ereil a M e 11 <1 e s und Mr. Du sh ki 11 geleitet, den Saal betrat, wurde sie mit anhaltcndem Applaus begrüßt. Rabbi Meudes führte d.itc Delegation mit einer kurzen Ansprache ein und nach einer lu'ivlkiien Begrüßung durch den Vorsitzenden, Herrn M a r s 11 a I I, ergriff Herr B r a 11 d e i s das Wort und führte etwa Folgendes aus: ״Das Kiuigrell-Exekutiv-Komitee als solches hat es aus verständlichen Gründen nicht für möglich gefunden, Delegierte zu dieser Konferenz zu entsenilen. Wir sind jedoch erschienen, um unsere Stellung klarziilegen und um unserem Wunsche Ausdruck zu verleihen, Sie in unseren Reihen zu sehen. Die Kongieß-Bewegimg erstrebt die Einigung der amerikanischen Judenhcit nicht in Ansichten, s 0 11 d e r 11 i 11 T a t e 11. Nur ein repräsentativer Kongieß kann in wirklicher Einigkeit arbeiten und die Einsicht mul den festen Willen aller für e i n Ziel formen. An alle Juden Amerikas war der Ruf zur Teilnähme an der Philadelphia-Konferenz ergangen. Wir waren indessen gezwungen, weiterzugehen. ohne durch ihre Erfahrung und Einsicht bereichert zu weiden. Doch unsere Türen stehen offen. In unserem Exekutiv-Komitee ist Platz gelassen für alle die, die später zu uns kommen wollen. Wir haben bisher alles nur provisorisch organisiert, um den Späterkommenden Gelegenheit zu geben, an der permanciiten endgültigen Organisation tcilzuiiehmcn. Wir haben deshalb auch gezögert, ein Wahlsystem zu bestimmen, weil wir Ihr Urteil in dieser wie in .linieren Fragen nicht entbehren möchten. So schnell wie möglich crwiinsclicn wir die Unterstützung und Erfahrung eines jeden Zweiges, einer jeden Gemein• seliaft des jüdischen Volkes, damit sich alle ziisam• iiu'iilimleii mögen, um wirklich den Willen des jildischcit Volkes ktmdzutuii, in einer Zeit, die vielleicht die größte Krisis in der Judenhcit ausmaeht. Die von Herrn Dr, Magnes vorgcschlagciie Resolution macht aber die Aussichten auf eine Einigung sehr zweifelhaft. Sie berücksichtigt gar nicht, daß w i r durch die Beschlüsse der Konferenz in Philadelphia gebunden sind mul formuliert das Programm des Kongresses wesentlich enger, als es die Konferenz in Philadelphia bereits angenommen hat. Die Kongreß-Bewegung tritt für nationale Rechte in all den Ländern ein, wo diese logischerweise verlangt werden könnten. Dr. Magnes hat über ״Grtippcoreelite“ nur in denjenigen Ländern gesprochen, wo sic von den Juden selbst verlangt würden. Die Julien in verschiedenen Ländern sind jedoch nicht in der Lage, diese üruppcnrcchtc selbst zu verlangen. Die Kongreß-Plattform enthält einen Punkt über Palästina, einen weiteren über eine Kommission ztun internationalen Friedenskongreß, welche sich mit den Juden anderer Länder vereinen soll. Hiervon ist in der Resolution von Dr, Magnes nicht die Rede. Vor allem wollen xv i r den Kongreß nicht binden. S i e sprechen hingegen im § 2 Ihrer Resolution über den ״alleinigen Zweck", als befürchteten Sie irgend etwas, Die Macht dieser Delegation ist beschränkt. Sie kann nur eine Einigung bewirken. Die Philadelphia- Plattform bindet sie. Zwingen Sic uns nicht, allein zu gehen, wir brauchen Sic, wir crxvünschen die vereinigte Stärke aller Juden für unsere Arbeit, aber Sic müssen Tat- Sachen in Betracht ziehen, und die Philadelphia-Konferenz, zu der zu kommen Sic sich weigerten, ist eine Tatsache," — Die Rede des Herrn B r a n d c i s machte einen tiefen Eindruck auf die Versammlung. Herr Mayer Sulzberger brach das Schweigen mit dem ärgerlichen Ausrufe: ״Ich kam nicht hierher, um phantastische Reden anzuhören. Dort drüben bluten fünf Millionen Juden zu Tode und hier sprechen wir über die Organisierung der amerikaiiisehcn Judenhcit.“ Hiermit verließ er den Saal, Herr Oscar Straus sprach sich darauf gegen einen Kongreß während der Kriegszeit aus. Herr Dr. Magnes führte folgendes aus: Wenn Justicc Brandeis vor die Juden dieses Landes mit einem Programm tritt, wie er es hier entwickelt hat, so wird er eine so große Niederlage erleiden, wie sein heutiger Empfang übcrwält i g c n d war. Auf’ dieser Konferenz zu erscheinen und zu sagen: ״Entweder kommt Ihr in unsere Orgauisation nach unserer Plattform oder Ihr könnt überhaupt nicht hineinkommen, das ist kein Weg Frieden und Harmonie zu schaffen." (Stürmische Zurufe aus dem Auditorium verlangten die Zurücknahme dieser Worte. ״Es tut mir leid, wenn idh beleidig! haben könnte," sagte Dr. Magnes. ״Sie beleidigten mich nicht," entgegnete Herr B r a!1 d e i s, ״aber Ihr Ton betrübt mich, denn idi fürchte, daß Sie nicht Mitarbeit leisten wollen," Als im Laufe weiterer Zwischenbemerkungen Herr Samuel Viadeck, Herausgeber des ,,Vorwärts" den Zu isilicürtif machte: ״Schließlich gibt es nach höhere Dinge als den Obersten Gerichtshof in dm Vereinigten Staaten,“ verließen Herr Brandcis und die übrigen Mitglieder der Delegation den Saal.) Rabbi S 1111 I m a 11 unterstützte die Resolution von I >r. Magnes. Lr erklärte, daß er liefiirchtct hätte, die Juden könnten als eine Nation erklärt werden, und deshalb wurden die Worte: ״einziger Zweck“ in den Paragraph 2 der Resolutionen eingefügt. Nur in bezug auf die Hilfsaktion für die Juden auf der anderen Seite des Ozeans könnte Einigung erzielt werden, in keinem anderen Punkte. Viele andere Delegierte, unter ihnen die früheren Opponenten des Kongresses, sprachen sich für die Resolution aus. Herr Dr. Magnes betrat von neuem die Rednertrihüne mul führte aus, daß in der Resolution Platz für alt das sei, was die Philadelphia-Plattform enthalte, es sei nur in anderer Form ausged rückt. Dr. Louis H. L c v i 11 aus Baltimore meinte, wenn die Resolution tatsächlich der Philadelphia Plattform nicht konträr sei, so sollten doch alle Einzellieiten der Philadelphia Plattform als ein Amendement zu Punkt 1 hin/iigctugt werden. I)r. Levius Vorschlag wurde von den Delegierten der Independeiit Order Britli-Abraham applaudiert. Die Resolution wurde zur Abstimmung gestellt und ohne die vorgesclilageneii, auf eine Verstaudigtmg mit dem Kongreß-Komitee hiiizieleiiden Amendements, angenommen, wobei auf Antrag Lotus E. Lew, Philadelphia, nur Punkt 2 die folgende geänderte Fassung erhielt: ״Da die Sache, die in Paragraph 1 .behandelt wird, bei den Juden völliger Einmütigkeit begegnet, begrüßt die Konferenz die Einberufung eines Kongresses der Juden Amerikas für den alleinigen (sole purpose) Zweck, geeignete Schritte zu unternehmen, um eine derartige Aktion durclmifülireti.“ Für die Amendements, die den Frieden ner/tistellen geeignet schienen, stimmte eine sehr bedetitende Minorität, unter ihnen die nationalen Mitglicder der ״Arbeiter-Komitees" (Workingmeii’s Committees). Die dritte Sitzung war mit Ausnahme schnell angenommener Resolutionen (Antrag Dr. Cyrus Adler: sofortiges Einsetzen der Kampagne für ״Rechte“, Antrag Schalom Asch: Darldmsinstimt für die durch den Krieg in Osteuropa und Palästina betroffenen Juden) wiederum ausschließlich der Erörterung der in der vorigen Sitzung angenommenen Resolution gewidmet. Die Konferenz organisierte sieb zunächst zu einer permanenten Körperschaft unter dem Namen: ״Konferenz national-jüdischer Organisationen“. Herr Julian Mack meinte, daß die Resolution, die einem Kongreß sympathisch gcgcniihcrstclit, ohne volles Verständnis aller Tatsachen angenommen \vorden sei. Er sagte, daß viele der Delegierten für sie gestimmt hätten, da sic aus einem Statement des Herrn Brandcis angenommen hätten daß vom Kongrcß-Komitcc ein permanenter Kongreß bcabsiebtigt und dem Zionismus und anderen Fragen eine zu prominente Stellung gegeben würde. Nach einer Unterredung mit verschiedenen Mitgliedern der Kongreß-Organisation könne er sagen, daß weder ein permanenter Kongreß beabsichtigt, noch daß besolideres Ocwiclit auf Zionismus und die Verhältnisse in Palästina gelegt werden würde. Wenn diese beiden ״Befürchtungen“ aus dem Wege geräumt wären, was hätte dann der Ausdruck ״alleiniger Zweck“ im Paragraphen 2 für einen Wert? Er schlug vor, daß die Resolution revidiert würde, uni so den Frieden zu ermöglichen. Colonel Cut ler unterstützte den Antrag Julian Macks. Die Kongreß-Organisation würde vielleicht doch geneigt sein, Konzessionen zu machen, wenn nicht selbständig, so doch vermittelst eines Referendums der angcschlosscncn Organisationen. Diese Vorschläge vcranlaßtcn eine heftige Rede des Herrn Marshali: ״Es wäre knabenhaft und unmännlich, nochmals eine Resolution zu diskutieren, die nach reiflichster Uebcrlcgung akzeptiert worden ist. Die Resolution ist so abgefaßt, daß sie dem Exekutiv-Komitee dieser Konferenz die Möglichkeit gibt, dem Plane des Kongresses und der Her- Stellung der Einigung unter den amerikanischen Juden nälicrzutrcten. Ich bin eifrig bestrebt, völlige Harmonie und Einigung hcrzustcllen und wir sind gern bereit, mit einer jeden Organisation, die es uns durch ihre Plattform ermöglicht, zusammeiizuarbeiten. Das Kongreß-Komitee jedoch trug Anschauungen xor, die von dieser Konferenz nicht angenommen werden konnten. Wir wurden aufgefordert, ihr Programm zu akzeptfe- Pen, so wie es uns vorgetragen wurde, und cs war die einmütige Ansicht aller Delegierter, daß dieses unmöglich sei. Nun wird uns gesagt, daß eine Modifikation des Programmes möglich sei. Düs Exekutiv-Komitee dieser Konferenz ist mit der Machtbefugnis ausgestattet, die Verhandlungen mit dem Kongreß-Komitee wieder aufzunehmen, ich