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Jüdische Rundschau · 1916-08-18 · Heft 33 (18.8.1916) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXI (1916)
Issue
Heft 33 (18.8.1916)
Date
1916-08-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 276 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 33 19. Delegiertentag der zionistischen Föderation in Amerika Am Sonntag, den 2. Juli, wurde in Philadel• pltia die 10. Jahreskonferenz der amerikanischen Zionisten vom Vorsitzenden des Provisorischen Komitces, Louis l). lirandeis, eröffnet, Gleichzeitig mit der Jahreskonferen/. der /.ionistischen Föderation tagten in Philadelphia auch die Konferenzen der /.ioiiistiselien F'rauenorganisation ״llailassa", des Ordens ״B n 6 Zion", der Jugendorganisation ״Je- 11 u d a Hara 1 r", der zionistischen Koloiiisationsvereine ״Achusa“ und des Verbandes der Zioi 1 istiseilen Studeilten. im Mittelpunkt dieser Konferenzen stand aber die Jahreskoiiferenz der Mutterorganisation, die!-ל Delegierte von 117 Vereinen in 77 Städten der Vereinigten Staaten mul mehr als 1000 Gäste äugezogen hatte. Den Vorsitz führte der Präsident der Föderation Professor l>r. Harry F r i e d e n w a I d. 1111 Namen der Philadelphier Zionisten l>egriil)te die Konferenz Herr Dr. So I i s - Go 11 e 11, indem er zur Einigkeit malmte und einer Verständigung mit dem Anieriean-Jewisli Gomittee das Wort redete. Im Namen der jüdischen Gemeinde Philadelphias begrüßte die Konferenz der Vorsitzende der (ienieindeverwal- Hing Herr 1-otiis l.evy. Eingehend sprach dann der Vorsitzende Prof. F rieden wald über das ‘Wachsen der zionistisehen Organisation in Amerika, über ilire Stellung zu den jüdischen philaiitropisehen Gesellschaften und zu dem Ameriean-JewisJi Coiuittee, dessen Mitglied er seit seiner Gründung bis zuletzt gewesen sei und das er nunmehr zu verlassen sieh gezwungen gesehen habe, da er zur Ueberzeugung gekommen sei, dalt das Zusammenarbeiten mit denen, die die nationale Existenz der Juden leugnen und sic ihrer Eigenart zu entkleiden suchen, damit gleichbedeutend sei, ein Werkzeug in ihren Hiiudeu zu werden. Dr. David de Sola Pool gedachte der im letzten Jalm■ Verstorbenen. Er nannte Schalom Alejehem, Prof. I.)r. Salomon Sehechter, Dr. Moskowitz in Palästina und den jungen Dichter Hugo Zuckermann, der in Oesterreich gefallen ist. Er sprach auch von den anderen zahlreichen jüdischen Helden, die auf den verschiedenen Schlachtfeldern ihr Leben gelassen haben. Im Namen des. Engeren A k t i o 11 s - K o m i - tees begrünte Herr Dr. Schmarja Levin die Delegierten. Er würdigte die Leistungen der amerikauischcn Zionisten, die der Bewegung unter Führung von Herrn Brandeis in schwerer Zeit unermellliche Dienste geleistet haben. Er betonte, dal! die Augen des gesamten Judentums auf die amerikanische Ju- Vlenheit gerichtet sind, in deren Mitte jetzt der Kampf der Nationalisten und Zionisten gegen das Assimilations-Judentum ausgefochten wird und zu einem siegreichen Ende für den Zionismus geführt werden midi. Es folgten eine Reihe weiterer Begrüßungen, darunter von Josef Barondcl! im Namen des Ordens ״Bne Zion“, Frl. Sold, als Vorsitzende der Zionistischen Frauenorganisation ,,I f a d a s s a“, l)r. Rubinsohn, Präsident des Ordens ״Britli Schalom“ und Eisik Weiß im Namen des unabhängigen Ordens ״Brith Abraham“. Die Begrüßungen des Zionistischen Aktionskomitees und des Kopenhagener Zionistischen Büros wurden Wortliclt verlesen. Während der Sitzung zogen vor dem Gebäude des Sitzungsaals 500t) weißgekleidete jüdische Kinder, Schüler und Schülerinnen der jtidisehen Schulen Philadelphias vorüber, die amerikanische und ,׳zionistische Flaggen trugen und die Hatikwah sangen. Am zweiten Tage der Konferenz, nach den Walllen der verschiedenen Kommissionen für National- Fond, Budget, Palästinaarbeit, Organisationsfrageu, Kriegshilfsarbeit, hebräische Bewegung, zionistische Propaganda usw. erstatteten die Vertreter der zionistischcn Organisationen Berichte über deren Tätigkeit. Im Namen des Aktionskomitees sprach Herr I>r. Schmarja Lev in. Er betonte die großen Verdienste der europäischen Führer, denen es ge- . hingen sei, die Zionistische Weltorganisation allen Gefahren zum Trotz aufrecht zu erhalten. ״Groß sind unsere Leistungen im Lande, bedeutend sind die von uns gegründeten Institutionen, aber wertvoller als dies alles ist die zionistische Organisation selbst.“ Daher gebührt den Genossen in Europa, die diesen unschätzbaren Besitz bewahrt haben, tiefer Dank. Er sprach auch von dem Erwachen des nationalen Geistes im westeuropäischen Judentum, und den großen Aufgaben, die die Zukunft stelle. Er schloß seine Rede, die mit Begeisterung cntgcgcngenoin• men wnirde, mit dem Hinweis auf die Bedeutung der Kongreßidec in Amerika. Den Bericht des Provisorischen Exckutiv-Komitees legte dessen Sekretär, Herr Jacob de Haas, den Bericht über PaIäst i ־ na Herr Le vin Epste i 11 vor. lieber die Tätigkeit des Order Knights of Zion berichtete dessen Präsident, Herr Max S hui nt an aus Chicago. Pro(. Dr. M a rgo I i s ans Clcveland sprach über die Arbeiten in Ohio und Dr. Goldbergl verlas einen Bericht über die Arbeiten in V i r g i ״ i a. Heber die Entwicklung der /.ionistischen Siedluiigsvereine ״A e 1111 s a“ berichtete Herr B. Rosenbl alt, über die Tätigkeit der studentischen Korporationen Herr P. Bar nett, der /ionistischen Vereine in N c w - E n g ־ land Jacob de Haas Alle diese Berichte stellten eine rapide Entwicklung des Zionismus in allen Landesteilen fest. Eingehende Erklärungen zum gedruckten Bericht über die Arbeit der Föderation, der unter den IX־- legierten verteilt wurde, gab der Vorsitzende des Exekutivkomitees der Föderation Herr Louis L i p sk y. Fr berichtete über die Tätigkeit der Föderation auf dem Gebiete der Kriegshilfsfürsorge, über ilire Beteiligung an der Koiigrcßbewcgung und ihre Be/iehuiigen /u den Logen. Die Zahl der der Fisderation augehöreiuleu Vereine außer den Jugendvereinen des ״Jeltuda-Ha/air“ - beträgt 3h>, die insgesamt 15 IHM» Mitglieder zählen, Schok a I i m sind in diesem Jahre •Fl 52«) Verkauft worden gegen 20)10 Schekalim des vorigen Jahres. In dieser Zahl sind noch nicht die Schekalim des Order, ״Knights of Zion“ und der Zionisten in New-York, Brooklin, Clcvelaml und Baltimore einbegriffen, •die ungefähr 30 000 atisntaeheii werden. Auf der Tagesordnung stand die Frage des Jüd i s c 11 e n K o u g r e s s e s. Rabb. Dr. M a r g o l i s braehle eine Resolution ein, die die Sympathien des Delcgierteiitages zur Kongreßidee ausspradi, die Be- Schlüsse der Konferenz der Kongreßorganisation zu Philadelphia billigt und die Vertreter der zionistisehen Föderation zum weiteren Mitwirken am Kongrcß-Komitee aiiffordert. Die Mehrheit der Dclegierten begrüßten diese Resolution mit stürmischem Beifall. Herr Franz. S c 111 c c 111 c r schlug dagegen im Namen einer kleinen Minderheit eine Resolution vor, die die Föderation beauftragt, mit allen Kräften den Frieden zwischen Kongreßkomitee und American-Jewisli Comittee zu erstreiten und, falls dies nicht gelingen sollte, aus dem Kongreß-Komitee ausztttreten. Es folgte eine lebhafte Debatte, bei der der Präsident dieser Tagung, Herr Louis L i p s k y, besonders die Gegner der Koiigrcßbewcgung, deren Hauptredner Herr Dr. Solis-Cohcn war, zu Wort kommen ließ, Die Herren Josef Barondeß und Morris Rothenberg beschränkten sich aut kurze Erwiderungen, in denen sie hervorhoben, daß die Leiter der Koiigrcßbewcgung ihr Bestes getan hätten, um zu einer Verständigung mit dem Anierican-Jcwisli Committee zu gelangen, dessen Leiter jedoch für alle Argumente zugunsten eines jüdischen Kongresses auf demokratischer Basis kein Vcrständuis gezeigt hätten, Im Laufe der Debatte wurde von vielen Rednern die Frage gestellt, welches die Haltung des Zionistischen Aktionskomitees zur Kongreßbewegtmg sei. Herr Dr. Schmarja Lcvin erklärte daraufhin, daß es für ihn bis jetzt schwierig gewesen sei, zur Kougrclifrage Stellung zu nehmen. Er habe vom Aktionskomitee die Vollmacht erhalten, selbständig in dieser Frage zu handeln, das Aktionskomitee werde , die Verantwortung tür seine Arbeit übernehmen. Er wolle aber seine Meinung nicht äußern, bevor den Mitgliedern des A.-C. seine Stellung nicht bekannt sei. Auf einer Sitzung des A,-C, im Haag sei einstimmig folgende Resolution gefaßt worden: das zionistische Aktions-Komitee begrüßt die Bewegung der jüdischen Organisationen der Vereinigten Staaten, eine Volksrcpräsentation zu schaffen, die unsere Forderungen der gleichen Rechte und der freien Einwanderung nach Palästina und anderen Ländern dem Friedenskongreß vorlegt. Bis jetzt erklärte der Redner ■ — war ich mit der Kongreßbewegtmg einverstanden, konnte midi aber nicht aktiv beteiligen. Von nun an werde ich den Anordnungen der zionistischen Leitung Folge leisten müssen. Diese Erklärung des Mitglieds des E. A. C. wurde mit langem, ununterbrochenem Beifall der . Versammlung angehört. Mit 300 gegen 10 Stirnmen wurde die Resolution des Rabbiners Dr. Margolis a 11 g e ח o m ni e!1, 111 der dritten Sitzung erstattete Fräulein Heilriette Szold als Vorsitzende der ״Hadassa“ einen Bericht über die Tätigkeit der zionistischen Frauenorganisation. Sie schilderte die gegenwärtigen sanitären Verhältnisse in Palästina. Sie berichtetc von dem Aufträge des Kopcnliagcncr zionistisehen Büros, die Fürsorge für die sanitäre Lage Palästinas zu übernehmen, und verlangte die Sammlung eines Betrages von 25 000 Dollar für die Entsendung von Medikamenten und einer medi/mischen Hilfsexpedition nach Palästina, die nicht später als im September abgclien soll, Der Delegiertentag faßte einen Beschluß in diesem Sinn« und ein erheblicher Teil dieser Summe wurde in wenigen Minuten gesammelt. Den Bericht der Sammclstelle des Jüdischen N a t i o n a I f o 11 d s in New -York erstattete deren Leiter Herr Rubi n. Er stellte fest, daß die Einnahmen des Jüdischen Natioualfonds in Amerika im letzten Jahre trotz so vieler anderer Sammlungen ()0 000 IXillais betrugen, Dr. Epstein, der vom I iauptlnireau des Jüdischen Nationalfonds im I laag nach Amerika gesandt worden war, berichtete über das Ergebnis (feiner Propagandareisen. Ucberall fand er die Zionisten an der Spitze der jüdischen Kriegshilfsarbeiten und trotzdem übersteigen die Einnalimeu des Natioualfoiids in den Vereinigten Stauteil die des vorigen Jahres 11m B)0(X) Dollars. Herr Harry K a ין I a 11 sprach über ״die Möglichkeiten einer industriellen Entwicklung in Palästina“. Große Begcistcrung erweckte eine Mitteilung des Berichterstatters der Palästiiiakommission B. A. Rosenb I a t t, daß Frau Joseph Fels, Philadelphia, Mitglied des Provisorische!( Exekutiv-Komitees, eine Million Dollar gespendet Habe, um eine neue jüdische Kolonie auf den Grundlagen des Henry Georg Systems in Palästina zu errichten. Eine Kommission, die aus den Herren B. A. Kosenblatt, Sch. R u b i n s o 1111 und Michael Schallt besteht, wurde gewählt, die iu Verbindung mit. Louis D, B r a 11 d e i s und Frau J. Fels das Gründungsprogramiii dieser Kolonie ausarbeitcii soll. M. M. Sch ei n kin sprach über die Tätigkeit der amerikanischen Zionisten für den Palästinahilfsfond. Er berichtete über die Lage der Schulen in Palästina. Es wurde beschlossen, eine Kommission von sieben Personen eiiizuset/en, die die Möglichkeiteu der industriellen Entwicklung Palästinas ergründen sollen. Von besonderer Wichtigkeit ist ein Beschluß des Delcgierteiitages, eine A k t i c 11 -G e se IIsehaft mit einem autorisierten Kapital von einer Million Dollar zu begründen, zu dem Zweck, die jüdischen Kolonien in Palästina zu erhalten und die ö k o n o in i s c h e n Hilfsquellen dieses Landes auf einer geschäftlichen Basis zu ent- Wickel 11, Die letzte Sitzung begann mit der Behandlung der Orgauisierungsfragcii der hebräischen Bew c g 11 n g in Amerika. Es wurde beschlossen, ein spezielles Komitee von drei Personen zu wählen, die dem Exekutiv-Koinitee augesehlossen werden und in allen Fragen der hebräischen Arbeit Stimmrecht besitzen. Jede Ortsgruppe wählt eine besondere Kom׳• mission von drei Personen, die mit diesem licbiäisehen Komitee in Verbindung stellt und die Ent- Wicklung der hebräischen Sprache, Erziehung und Literatur zur Aufgabe hat. Es wurde auch beschlos״ sen, die hebräische Presse in Amerika, sowie die beiden offiziellen zionistischen Organe ״Das Jüdische Volk" und ״The Macaba tan“ zn unterstützen, In einer mit lebhafter Zustimmung angenomnnneu Resolution wurde beschlossen, dem State Departement in Washington den wärmsten Dank der amerikanischen Zionisten zum Ausdruck zu briitgen, weil es die Bemühungen des Provisorischen Exekutiv-Komitccs, der notleidenden jüdischen Bevölkermig in Palästina Hilfe zu bringen und die jüdisehen Kolonien lind nationalen Institutionen im Heiligen Lande zu schützen und zu erhalten, in hochherziger Weise gefördert hat. Besondere Dankesvoten wurden ferner beschlossen für Herrn Henry Morgcnthau, den früheren Botschafter der Vereinigten Staaten in Konstantinopei, die amerikan i s e 11 c 11 Konsuln in J c r u s a 1 e m, Jaffa und Alexandrien, die das Jüdische Hilfswerk aus Amerika ebenfalls in hervorragender Weise gefördert haben, für den Kapitän und die Offiziere des Kriegsschiffs ״Tennessee“, das die palästinensischen Flüchtlinge seinerzeit von Palästina und Alexandrien gebracht hat, und schließlieh für Herrn William Horn blauer in Alcxandrien für seine großen Bemühungen zu gunsten der palästinensischen Flüchtlinge. Bei den Wahlen wurden wieder Dr. Harry Fricd e n w a I d zum Präsidenten der Föderation, Louis L i p s k y zum Vorsitzenden des Exekutiv-Kotniteeg, Louis Robinson zum Schatzmeister und B. A. Rosenblatt zun! Ehren Sekretär einstimmig gewählt. in einer besonderen Resolution begrüßt die Kon* ferenz den Dichter Ch. N. B i a I i k zu seinem 25. Jubiläum. Ins Exekutiv - Komitee wurden gewählt Sch. Abel, Ch. A. Konen, A. Goldberg, Dr. $, Melamcd, B, Perlstein, Dr. M. S. Reisin, B. 0. Richards, M. Rothenberg und L. S t e i n h a r t.

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