Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXI (1916)
- Issue
- Heft 32 (11.8.1916)
- Date
- 1916-08-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 26* **) JihIi 111(11,11 ןן viel in Kttnst 11ml Wissenschaft geleiste 1, sie nehmen in der Fiiianzwcll und in der Industrie einen wichtigen Platz: ein. Fs wiirc ein schlechter Schritt, eine Politik tier Ausweisung ihnen geg« nnher anzuwenden. Ich erkenne an, «lall die Frage sehr schwierig ist und dal) es viele gibt, die der Meinung; sind, dal! die Fremden, die ()bd.ic'h und Asyl liier gef und eil lialien, auch Opfer bringen müssen. I:s fragt sieh nur, welehes Opfer soll mal! von ihnen fordern, leb habe drei Vorschläge zu!uneben: 1. IVr I loinc-Sccretarv soll erklären, «lall er diese Atensehen (lieht ausweisen wird, sondern «lall er ihre Laue gut erwägen und ihnen alle Möglichkeilen, sieh der Armee anziis« lllieHen, geben wird, ferner dnll er auch in gerechter Weise eine Hefrciimg vom Militärdienst }ucwiihrcn wird. 2. Dali alle diejenigen, die sieh der englischen Armee anselilielleu, alle Rechte eines englischen Bürgers bekommen sollen. 'S. Dali man ein spezielles Balailhm aus denjcuiycu Ateusehen bilden soll, die die englische Sprach« nicht beherrschen. Mr. Herbert Sa m u e I, I lome-Seeretary, dankt zuerst dem Deputierten, Herrn King! hir «len (!eist, in dem seine Ausführungen gehalten waren. Fr mitwortet dann im einzelnen, «lall man hin-sichtlich der französischen, italienischen und belgischen Burger, die sich in Fttglaml befinden, schon vor langer Zeit von der englischen Regierung verlangte, sie auszuweisen. Was die Russen betrifft, so habe die russische Regierung \or• einiger Zeit erklärt, «lall ihre I hiteitauen, die in bcfmmiletcu Ländern wohnen, in dt n Armeen der Alliierten dienen sollen. Ls gibt 1111 Vereinigten Königreich üroßhritnnicn «mgelahr 20 0110 AAenschen russischer Nationalität zwischen IS und -II Jahren, die in die englische Arme c bisher nicht anfgeiiominen werden konnten. Auf mein und anderer Verlangen hat das Kriegsm1t1ist«1 iiim beschlossen, eine gewisse Anzahl von «lies« 1 Menschen in die englische Armee niifzuuehmcn, aber so, «lall sie nicht mehr als 2 '!״ «I e r ü e s a 1111 s l ä r k e bilden. Alan hat der Bevölkernig diese Tatsache, «lall sie in die englische■ Armee atifgenomuien werden könne,!ungeteilt. Alan hat De ihnen durch Plakate bekanntgemaclit, man hat ferner den Besehluit prominenten Führern der Bevölkerung mitgeleilt iiiui von Lord Rothschild ist ein Rekrutiernngskomitee gegründet worilen, «las alle Mittel augewcmlet hat, um ilie jüdische Bevölkerung von diesem lleschhil) in Kenntnis zu setzen. Allein weil diese Alittel nicht zu einem günstigen Resultat geführt haben, hat es die Regierung für nötig erachtet, einen weiteren Schritt zju tun. Fs ist die Frage geblieben: entweder sol'en sie sieh der Armee ansehlieilcn, oder inan soll sie ausweisen. Fs gibt aber da noch einen dritten Weg mul dieser ü eg bestellt darin, «lall die Alenselien sich an die speziehen Tribunale für Befreiung wenden können auf Grund besonderer industrieller oder anderer (irüiulc, ganz in derselben Weise, als ob sie englische Bürger wären. Hie Regierung hat auch schon erklärt, «lall die Tribunale speziell zusnnuuengeslellt sein werden und «lall dort auch Menschen sitzen werden, die mit den Verhältnissen «ler russischen Juilen gut bekannt sind und sich freundlich zu ihnen verhalten. Frst dann, wenn die Leute vor solch einem Trilninal erschienen sein werden und wenn die, welchen mau keine Befreiung gewähren wird, die feste Erklärung abgelien werden, «lall sie in «ler englischen Armee niclit dienen wollen, erst dann wird man die Frage der Ausweisung in Frwägung zielten. Wenn dann Die jüdische Bewegung Von H. Bergmann. Martin B11 her hat kurz, nacheinander zwei Biieher über das Judentum erscheinen lassen: ,,Vom Geist des Judentums“') und jetzt ,,Die jüdische Bewegiing“"). Das eine Buch gibt das Gewordene, das andere das Werden, Das eine ist köstlich und schwer wie die reife Frucht, im andern spüren wir das Brausen des Frühlings, «las Werden «ler Erkenntnis. Hier erfahren wir, wie Bubers Anschauungen über das Judentum geworden sind. In diesen Auf- Sätzen aus 15 Jahren verfolgen wir Schritt für Schritt, wie Bulvcr immer tiefer in das Wesen der jüdischen Dinge cindringt, den Sinn unseres Volkstums immer innerlicher erfallt. Von Anfang an ist cs dies, was Bubcr von der offiziellen zionistischen Partcianschauung von damals unterscheidet: dal! er auf die tiefen Kräfte im Innern des Volkes hinweist, welche die Bewegung tragen und allein ihr Schicksal entscheiden werden, uuabhängig von allen politischen und diplomatischen Er• folgen. Denn Politik hat nur Sinn und Kraft, wenn sic Ausdruck einer wirklich vorhamlcncn innern Gewalt di» Volkes ist. Dieses Volksinnerc aber wird für Buber immer wescnhaftcr. Die ״jüdische Reiiaissancc“ ist ihm im Anfang die Tatsache, dal) die schöpferischen Kräfte des Volkes erwacht sind oder erwachen wollen: und zwar alle schöpferischen *) Vgl. Jüd. Rundschau vom 26. 5. 1916. **) Martin Bubcr: Die Jüdisdie Bewegung. Gesammelte Aufsätze und Ansprachen 1900—1915. Jüdischer Verlag, Berlin. 251 SS, 4.50 M, J U E DI S C H F, RUNDSCHAU einer erklären wird, «lall er ein poliliseher Flucht- 1111g ist und wenn er bitten wird, man möge auch weiterhin «las Asylrecht walten lassen, dann wird mau in solchen Fallen weitere Erwägungen anstelle!!, 11ml die englische Regierung wird nichts um wollen, was als Ucbertrctung «les politischen Asylrechts aufgefallt werden miillte, «les Asylrechts, das immer ein Stolz unseres l.amles gewesen ist. Air. King: Werden dieselben Tribunale, welche die Befreiung geben können, auch die Berufungen politischer Flüchtlinge zu prüfen haben? Air. Samuel: Alle!־ragen betreffs der Tribimale werden jetzt von einem Komitee ausgearbeitet, das von mir ernannt worden ist. Fs ist möglich, «lall das Komitee bestimmen wird, «lall die Tribunale, die sieh mit der Befreiung befassen, di«• politischen Berufiingcn nicht prüfen werden. Die letzteren werden wahrscheinlich \on einem besonderen Komitee untersucht wiTiliii. Ein solches Komitee ist noch nicht ernannt worden. Air. King: Ich habe vorgesclilagcn, «lall man, wenn man «liest• Menschen auf fordert, in die Armee ein/iilreteu und für dieses Land zu künipfeu, ihnen auch Biirgerreehte gibt. Wenn sie gut genug dazu sind, englische Soldaten zu sein, siiiil sie auch gut genug, englische Burger zu sein. (Ilort, Hört!) Air. Sa in uel: leb bin vollständig damit einverstamlcn, «lall «tie Freimlen, wenn sie in «1 i c A 1 m «׳» ■» ׳ i 111 r «׳ t e 1! und sie h g 111 a 11 f f ii h - r e n w e r «I e n, ei 11 R e c 11 t a 11 f Fl a 111 r a I i s a - 1 1 «111 haben. Ich stehe diesem Vorschlag sehr svmpathisih gegenüber. Andere Departements des Homeol'lice müssen in dieser Sache norli angefragt werden, ich persönlich hin sehr für die Annahme des Vorschlages und sobald «las Verhalten «lieser Leute /iilriedi nsfellend sein wird, soll man sie sofort naturalisiercn, und zwar unentgeltlich. Was die Frage betrifft, «lall man ein spezielles Korps bilden soll, so sind weder die m i I i ־ tä rische Al a c 111 noch die Führer der jüdische 11 II c v ö I k e r u n g damit e i n v e r - s t a 11 «1 e 11. Der geehrte Deputierte hat gebeten, mau möge sich mit «lern Ausweisen nicht beeilen, sondern genug Zeit geben, sieh freiwillig der Armee anzusdiliclleti. Von ״File“ kann keine Rede sein. Es gibt ein Gerücht, wonach befreundete Fremde bereits auf Grund einer Deportations-Ordre nach Rulllaiid geschickt seien, weil sie in der englischen Armee nicht geiliciit haben, noch bevor «lie Tribunale eingesetzt worden sind. Dein ist aber nicht so, so etwas hat man noch nicht getan. Fs sind auf Grund «ler Defense of reals aet Bestimmungen getroffen worden, die verlangen, «lall diejenigen, «lie bisher noch nicht registriert sind, sich sofort 111 die Registerlisten cintragen sollen. Diese Registrierung wird eine gewisse Zeit in Anspnicli nehmen. Die Regierung hat nicht das Verlangen, gegen irgend wen extreme Mittel in Anwciidiiug zu bringen. Ich hin sicher, «las ganze Parlament ist mit mir einverstanden, «lall man auf diese Weise die Frage nicht lösen w ird. Es handelt sieh um cum sehr wichtige Frage, die gelöst werden muH. Der Schritt, den «lie Regierung jetzt tut, ist kein ungerechter. Fr ist wohl iik'ilegt und nicht beschlossen in irgend einer Antipathie. Er ist nots wendig und wir«! der Sache der Alliierten guten Nutzen bringen. (Vereinzeltes Hört, hört.) Die Debatte ist damit zu Ende, Nr. 32 __. ____—_ *■ Der Jüdische Kongreß in Südafrika IK׳r südafrikanische Kongrcli, über «len In der letzten Nummer «ler ״Jüdischen Rundschau“ kurz bcberichtet wurile, tagte Freitag, den 28. April 111b in J o 11 a 11 1! e s bu r g. Ucbcr 100 Delegierte, «lie alle südafrikanischen jüdischen S_\nagogeiigemein.len und Gesellschaften vertraten, waren zugegen. IVr Präsident «les Kongresses . war «las Mitglied des afrikanischen Parlaments Herr Harry (iraumann. Am Vorstandsliseli befanden sich außerdem noch Chief Rabbi I. a 11 d a 11, Rabbi M i r w i s 11, die Herren A. Al. Ahrahams, (Vorsitzender des Kongrcli- Komitees), B. Alexander (Vizepräsident des Kongreli-Komitees) und B. S, llcrsch (Sekretär des Kongrel'-Koiiiitces), Der K.mgrcfi wurde durch ein (lebet des Rabbi I>r. Landau in hebräischer und englischer Sprache eröffnet. Iler Bürgermeister von Johannesburg J. W. O’H.ira, der von den ווןdisclieu Mitgliedern des Sladirits, d •11 Ile r, 11 B. Alexander, B. J. Bloom und lf. Kroomer begleitet war, begrübt«• offiziell die Delegierten. Er führte in seiner Rede aus, dal! es ihn besonders freue, die Delegierten in Johannesburg begrüben zu können, mul «lall er die vorgcschlagenen Res T.utioncu vollkommen billige. Während der Ziit seiner Amtstäligkeit habe er gcratlc linier «len Jiulen seine Insten Freunde gefunden. Johannesburg kenne w; 1111 «len grollen Anteil, den die Juden an seiner Entwicklung genommen haben. Fr betonte die hervorragenden Leistungen der jüdischen Bürger des Landes. Air. G r a u m ,111 11 begrübt«׳ den Kongrcli. In seiner Rede führte er aus, «lall «ler Kongrcli auf Betreiben des Conjoim Comittce of the South African Jcwish Board of Depu t i e s und der S o u 111 African Zionist Tcderation eiriheriifeu worilen sei. Ein ähnlicher Kongrcli habe bereits im Jahre 1915 in C a 11 a d a stattgcfumleii. Er betonte, daß sic nicht gekommen seien, ihm zu rcilen, sondern um zu hamlcln, und «lall sie hierzu des Mandates der jüdischen Bevolkerniig Süd-Afrikas bedürften. Er sprach «lie Hoffnung aus, «lall der Kongreil einig sein wurde in der Beratung und Annahme der Resolutionen. Fs wurden einige Begrüllimgstelegramme verlesen. Von den angenommenen Resolutionen hat besonders diejenige Interesse, die sich auf die j 11 d 1• sehe K o I o 11 i s a t i o n s a r h e i t in P ,11,1׳ s 1111,1 bezieht. Fs wurde beschlossen, dall Schritte unternoitinicn werden sollen, damit «ler zukünftige Friedenskongrcli den jetzt im Heiligen lande wohnenden Juden sowie «lenen, die sieh dort ansiedeln wollen, volle Rechte sichere. Die bis jetzt geleistete Arbeit und das jüdische Leben in Palästina beweise, dall sieh die Juden sehr gut zum Ackerbau eignen. Unterstützt wurde diese Resolution \*m Rcv. AI. J. Collen (Bulawayo), Cohen führte aus, «1.1 II Palästina nicht mir das Land der Vergangenheit der Jiulen, sondern mich «las ihrer Zukunft sei. Seihst gleiche Rechte im Gohis seien nicht genug für «lie Juden. Die Erfahrung von zwei Jahrtausenden habe!gelehrt, «laß, wenn sie nicht selbst ihre Rechte verlangen, es kein anderer für sie tun werde. Kräfte in gleicher Weise. ״Das muß betont werden, daß alle Dinge, in denen sieh die psychophysische Eigenart eines Volkes aiisprägt, zu seiner Kultur gehören. Ein Volkslied, ein Tanz, ein I loclizcitshrauch, eine malerische Sprnchwendung, eine Sage, ein Glaube, ein traditionelles Vorurteil, ein Sabbatleuditer, ein Siirnrcif, ein ■philosophisches System, eine soziale Tat,;«II dies ist Kultur“. (Ein geistiges Zentrum, 19(12), ״Die Kultur eines Volkes ist nichts anderes als die Produktivität eines Volkes, in ihrer Gesamtheit und in ihrem einheitlichen Zusammenhange gefallt“. (Zionistische Politik, 1903). Und alles dies war, scheint es, Bubcr damals, im Anfang seines Wirkens, als er in Schrift und Rede leidenseliaftlich für die Kulturfördcrung als wesentlichen Bestandteil des Zionismus eintrat, gleich teuer. Nur wieder schöpferisch sollte «las Volk werden, die Starrheit des Ghettos sollte gelöst sein, der Volksgcist sich schaffend offenbaren — wie nur immer. Allmählich aber werden Hubers Forderungen an die Bewegung enger umgrenzt, gerichteter, eindeutiger, und Buber selbst, ich möchte sagen, jüdischcr. 1111 Anfang des Buches stellt jener Artikel ״Jüdische Renaissance“ (1900), in dem Bubcr unsere Bewegung in die allgemein europäische cinstcllt, die er mit «len Worten charakterisiert: ״Was den besten Geistern unserer Zeit vorlcuclitct, ist ein von Schönheit und gütiger Kraft «lurchträiiktcs Menschhcitsleben.“ Diese Voranstcllung der Schönheit ist nicht zufällig. Bubers Lebensgefühl hatte damals vielleicht etwas Griechisches; jedenfalls wird die erhoffte jüdische Renaissance nicht als Erfüllung gewisser lnhaltlieh bestimmter Ideale verstanden (wie bei Achad liaani von Anfang an), sondern als kraftvolles Leben des Volkes schlechthin. Das wird deutlieh anders nach jener Zeit (1905 1908), wo Ihiber sich in das Studium des Chassidismus vertiefte und uns jene Bücher übel unseic letzte religiöse Bewegung schenkte, für die ihm das jüdische Volk nicht genug dankbar sein kann. 1904 schon schreibt er einen (bisher deutsch nicht bckatinten) Artikel ״Was ist zu tun?“, wo er in liebevoilst eindringlicher Weise mit der jüdischen Jugend Galiziens Zwiesprache hält, ihr zu Herzen redet wie ein Erzieher: ״Es scheint mir, «lall man die ganze Aufgabe der jungen Juden in ein ungeheuer einfachcs Wort cinschlielien kann: Atens«h werden, und es jüdisch werden.“ Die nach 1908 erschicncncn Artikel stellen dieses Jüdischwerdcu immer mehr in den Vordergrund. Verfolgt man diese immer eindringlicher werdende Wandlung in Bubers Verhältnis ztun Judentum, dann fragt man sich erstaunt, wie es denn kommen konnte, «lall Bubers Wirken in den letzten Jahren gerade von denen so angefeindet wurde, die für positives Judentum cintrctcn? Nach 1T08 begnügt sich Buber nicht mehr mit ״Kultur“, es ist ein ganz bestimmtes Judentum, das die Kultur unseres Volkes aufnehmen muß: ״Wir wollen das Judentum retten vor dein Verfall und sehen nur einen Weg, wir haben nur einen großen Helfer auf Erden, den wir anrufen können: das ist die Urzeit unseres Volkes. An diese Urzeit knüpfen wir an.“ Der Zionismus also soll: an die klassische Zeit unseres Volkes ankniipfen, die Hände der Urvüter ergreifen. Was diese uns aber!unterlassen haben, Ist nicht nur eine reiche Kultur wie sie die Italiener der Renaissance von den Römern übernommen haben; das Erbe unserer Väter ist eine strenge Forderung. Wir können die Bibel nicht 1־