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Jüdische Rundschau · 1916-08-04 · Heft 31 (4.8.1916) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXI (1916)
Issue
Heft 31 (4.8.1916)
Date
1916-08-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 31 J U EDI SC H B RUNDSCHAU Seite 259 sehen E i n b e rit f u n g s g e s c t z c mit den dazugehörigen Erlassen. Unter der Redaktion des Schriftstellers R. Binjamin Begannen in Jaffa in zwangloser Folge S.immcllteffe für Poesie und Prosa unter dem Titel ״l.anioed“ zu erscheinen. Eine grobe Fälschung Einer unerhörten Fälschung hat sich die Wiener ..R e i c h s ין o s t“ schuldig gemacht. I lieses Blatt übernahm aus der ״Jüdischen Presse“ in Berlin eine Nachricht, in der eine Verleumdung der r 11 s s isehe 11 Juden durch das russische Ministerium des Innern gebraudinarkt wird, und fälschte sie in der Weise, daB es die deutsche Regierung als l die Vcrbreiteiin dieser Verleumdung gegen die d e u t sehen Juden darstellt. Wir konfrontieren zur Kennzeichnung der skrupellosen Methode der ,,Reichspost“ den Text der Nachricht in der ״Jüdischen Presse“ mit der Nachricht des Wiener Blattes, die eine niederträchtige Verleumdung der deutschen Regieruug und der deutschen Juden darstellt: ״Wie die russische Regierinig die Juden verfolgt. Diel lummiteivom 15.3.) erhält von dein Wortführer der sozialistischen Ortippe in der Reichsduma, dem kaukasischen AbgeordnetenTscheidse, einen Bericht über die Anstiftung von Judenverfolgungen durch die russische Rcgieiung an den Ministerpräsidenten Stürmer gerichtet. Das Hanplstück des Berichtes ist das folgende Rund• schreiben der Ochrana, der berüchtigten Abteilung irn Ministerium des Innern für die polizt-iliche Ueberwaclning politisch Verdächtiger. Fs lautet: ״Ministerium des Innern Abteilung der Polizei 6. Gruppe, 9(22.) Januar Hilft An die Oouvernctire, Stadthauptleute, Bezirksvorsteher und Gendarmerieabteihingen (politische Polizei) in den Provinzen. Nach den an die Polizciabtcilung gelangten Aufklärungen bctreiben die Juden gegenwiiriig mit Eifer die revoliiliouäre Propaganda, wobei sie geheime Gesellschäften gründen und zu dem Zwecke, allgemeine Unzufriedenheit in Russland zu erregen, außer der verbrecherischen Wülilarbeit im Heere und in den ״Also Achtung! In der ,Jüdischen Presse׳‘ {No 15/16 d. J ) wird folgende Verfügung der deutschen Regierung abgedruckt: Ministerium des Innern Abteilung Polizei. Jänner 1916, Nach den an die Polizei■ abteilung gelangten Aufklärnngen betreiben die Juden gegenwärtig mit Eifer ihc revo Int i o n ä r e P r o p a g a n - d a, wobei sie g c 11 c i m c G e s e 11 s ch a f t e n griinden und zu dem Zwecke, allgemeine U n z. u - fr i e d e n h e i t zu erregen, außer der verbrecher i s ch e n Wühlarbeit im Heere und den großen Industriciiiittelpiinktcn ebenso wie der Anstiftung von Aiisstandcn noch die folgenden wichtigen zwei Maßnahmen anwenden: die künstliche V c r - teuerting der notwendigen Lebens-; mittel und das Auf- 1 saugen des Bargeldes. Die Polizci.'tbteihiiig bringt zu Ihrer Unterrichtung dieses Vorgehen zu Ihrer Kenntnis.“ . Reiclispost" Nr. 341 vom 25. Juli 1916. großen Industriemittclpunkten Russlands ebenso wie der Anstiftung von Ausständen noch die folgenden wichtigen zwei Maßnahmen anwenden: die künstliche Verteuerung der Lebensmittel und das Aufsaugen des Bargeldes In Erwägung, daß weder die Niederlagen im Felde, noch die revolutionäre Propaganda auf die breilen Volksmassen einen ernstlichen Eindruck machen, haben die geheimen Parteigänger Deutschlands sich' vorgenonunen, eine allgemeine Unzufriedenheit und eine Wühlarbeit gegen den Krieg durch eine Hungersnot und eine maßlose Verteuerung der Lebensmittel hervorzurufen Bei der Knappheit des Bargeldes suchen die Juden der Bevölkerung Mißtrauen gegen das russische Papiergeld einzuflößen und seine Zahlkraft herabzudrücken. Weiter suchen sie die Sparer zu veranlassen, ihre Guthaben aus den öffentliehen Kassen zurückzuziehen. Bei der Ausgabe russischer Scliatzschelnc verbreiten sie eifrig das Gerücht, Russland sei bankrott, da es nicht einmal für Scheidemünze genug Metall besäße. Die weitreichende Beteiligung der Juden an dein hier gekennzeichneten verbrecherischen Vorgehen erklärt sich anscheinend durch ihren Wunsch, die Abschaffung der Wohnungsbeschränkung auf Judenbezirke durchzusetzen, wobei sie die gegenwärtige Lage Russlands als die günstigsie Gelegenheit ansehen, ihre Ziele durch eine Werbe- *rbeit zu erreichen, die darauf ausgeht, einen Zustand ständiger Unruhe in Russland wirksam zu erhalten. Die Polizeiabteilung bringt zu Ihrer Unterrichtung dieses Vorgehen der Juden zu Ihrer Kenntnis. Gezeichnet: Kawasow, Direktor; Poretzkl, Sekretär; Winogradow, Registrator Daß tbe englische Telegraphcnagentur Heuler darübrr etwas gebracht linbe. ist gleichfalls nicht bekannt geworden Die Franzosen mul Engländer sind aber gleichwohl die Vorkniiipfei der Nationalitäten und die Schirmherr!) der UnteuF tick en ־' ,,Die jüdische Presse'‘ No. 15 16 vom 14. April 1916. Dieser krasse Betrug ist inzwischen in einigen Zeitungen bereits aufgedeckt worden. Die ,,Reichspost“ selbst ,,berichtigt" ihren Betrug mit folgender frechen Bemerkung: ״Die ministerielle Warnung vor revolutionären, geheimbüiutlerisehen und prcistrcihcrischcn Machenschäften der Juden, die wir vorgestern aus der ״Jüdischen Presse“ abdriicktcn, wild in der ,,A.-Z.“ nicht der deutschen, sondern der russischen Regierung /ugcsehricbcn; wenn es die ״A.-Z.“ behauptet, dal! die ministerielle Kemt/eichnung die Juden Rußlands betreffe, so wollen wir ihr nicht widersprechen sondern ihrer Autorität in russisehen Jmlcmlmgcn glauben,“ Wir wollen glauben und hoffen, daß der ״Reichspost“ künftig für solche gemeine Lügen und S'erieuindungcn der Mund gestopft wird. Die Herzlfeier" ln Ergän/tuig unserer Berichte Ober die Feier des 12. Todestages 1111seres unvergeßlichen Führers in Deutschlaml uml Polen (siehe Jüdische Rundschau Nr. 30) bringen wir heute noch eine Reihe von Berichten über Hirzltcicrn, div uns durch die Presse und durch unsere Korrespondenten 7.ur Kenntnis gekommen sind und die von neuem beweisen, wie lebendig das Andenken Herzls allenthalben in der Seele des jüdischen Volkes fortwirkt. Der Todestag Theodor I ler/is wird in Wien, der Wiege des modernen Zionismus und der Stätte, wo I lerzl lebte und wirkte, alljährlich in weihevollster Weise gefeiert. Auch heuer brachten aus diesem Anlässe viele Tausende von Juden ihre große Verehrung für den genialen Schöpfer der jüdischen Freiheitsbewegung, den sie in diesen furchtbarsten aller läge besonders vermissen, zum Ausdrucke. Die Reihe der Veranstaltungen wurde auch dieses Jahr mit dem üblichen T r n u e r g o 11 c s d i e n s t nn großen Lc0|x>l(istädter Tempel eröffnet. Das Gotteshaus war kurz nach Ocffnnng von ungelälir 1000 Personen gefüllt. In der vordersten Reihe nahm die zionistische Parteileitung Platz. In Vertretung der Kulttisgemeindc erschien das Vorsfandsinitglied Herr I>r. Markus Spitzer. Es waren auch viele Offiziere und Mannsehaftspersoncn anwesend. Am Ausgange wurde von den Schomrim eine Sammlung für das Palästinahilfswerk voranstattet die einen ansehnlichen Betrag ergab. Soun«■ tag, tleii 23. Juli fand hei herrlichstem Wetter der feierliche Gang z tt 111 Grabe Herzls auf den Döblinger Friedhof statt. Au dem Zug nahmen ungefähr SOOO;Personen teil. Eine imposante Gruppe von verwundeten uml rekonvaleszenten Olti/icren mul Personen des Mannschaftsstniules die meisten die Brust mit Orden geschmückt , schlossen sich den Mitgliedern der leitenden Korporationen an und cs machte einen erlichenden Eindruck, daß gerade die Zionisten, die unter Wallen stehen, nicht vorsäumt hatten, ihren verewigten Meister und Erzieher zu ehren. Daun folgten die Scharen der ״Schorns rim" mit ihren Mäilehcnricgcn, die Kinder, Mäddien und Jünglinge vom Wanderbund ״Blau-Weiß“, sämtliche anderen ,Jugendorganisationen, die Alte- Herren-Riegen und Fruiicnahtciluugcn der Tttrnvcreine die Männcrriegen sind durchaus Soldaten geworden mul in langem Zuge die treuen An-!länger des großen Führers zum größten Teile oshjüdische Flüchtlinge mit iliren Familien, Stumm schritt die Menge in geordneten Reihen an der Grabstatt vorüber. Dem geheiligten Wunsche des Führers gemäß wurden auch in diesem Jahre am Friedhofe keine Reden gehalten. Es war eine wündige uml erhebende Feier. Audi hier wurde ein namhafter Betrag zugunsten des PaliistinahiUswcrkes gesammelt. « Am Freitag, den 21. Juli fand in Prag eine Hcrzl-Andadvt nn Kaiser Franz Joscf-Jubiläumstcmpel Jernsalcmgasse, statt. Die Zionisten erschienen un Festkleide und begaben sich ln die für sic rescrvierten ersten Bankreihen, Die Feier nahm einen würdigen und erhebenden Verlauf. Nach dem Kaisergebete gedachte Herr Rabb. Dr. Alailar D c u t s c h in tiefempfundenen Worten des großen Jnden und Menschen. Für die Zionisten, die hierauf zum Kaddischgcbct vortraten, sprach Herr S. Lissau eindrucksvoll dieses Gebet. Der Gottesdienst war sehr gut besucht und löste eine weihevolle Stirnmutig aus. Der Verein ״Zion" in Krems a. D. veranstaltete anläßlich des 12. Todestages Theodor Herzls einen Trauergottesdienst sowie anschließend daran im Sitaungssaalc der Kultusgcmcindc eine Oedenkfeier. wird weiter aus folgenden polnischen Städten berichtet: B r / e z i n, Z g c r s c 11, L 111 ׳ e / i /, K 111 n <>, W I o a« I a vv e k. In P 1• t r i k a 11 veranstaltete die zioni- Mische Jugend wir alljährlich eine Trauerandaeht im ״Knpiccki“-Saalo, zu welcher 150 Personen der Pctrikaiur Bevölkerung, wie auch der Umgegend erschienen waren. Es wurde eine Sammlung für den Iler/I-Wald eingeleitet, <110 ein sehr gutes Resultat ergab. Anvh in Kon in veranstaltete die Verwaltung der jiiilbrlici) Bibliothek eine Trauerleier. Es wtirdeti Vorträge über Herzt und den Zionismus gehalten mul hebräische (dtorliedcr gestingen. Auch eine Sammlung für den Hcrzlvvald wurde veranstaltet. Auf die Initiative einiger Mitglieder hielt der Verein ,Z e i r e Zion“ in Ciee 11 a 11 o vv seinen I h rzM ledeukaheml ah. Der Ciechaiiovvcr Theatersaal war schön dekoriert, Herr B 11 r s t e i n hielt eine kurze Ansprache. Herr S a f« r a n hielt einen Vortrag in hebräischer Sprache. In der großen Wilna er Synagoge fand am 19. Tammtis eine I ler/l-t redenkfeier statt. Fs war /uni erstenmal, daß in'dieser Synagoge über Theeidot• ller/l gesprochen wurde. Daß es geschah, wird als eine bedeutsame Tatsache empfunden. Die Synagoge war bis in die letzten Ecken überfüllt. Die große Masse horte in ehrfurchtsvoller Andacht der Gedenkrede zu die Rechtsauwalt Simon Ros e n h a 11 in hielt, (>cr I lauptkautor mit dem Chor helvtvn das ״El titole Raehamim“. Die Stimmung der Versammelten war ungemein feierlich. Die Durchlührung der Feier war allerdings erst nach einigen Reihungen mit dem orthodoxen RabNnat zustande• gekommen. In Lemberg und Krakau fanden immisante I ler/.l-Gedciikfeicrn statt, In Brzesko (Wcstgalizien) begann der ncngcgrüiulcte zionistische Verein seine Tätigkeit mit einer vvohlgelutigenen Herzlfeicr. * Auch aus den Niederlanden aus Runt ä n i e 11 und aus der S c h vv e i z wird berichtet, daß dort allenthalben der F2. Todestag feierlich bisgangen wurde, ln A in s t e r d a m versammelten sich die Zionisten in der Synagoge ״llttlpe Israels" wo Rabbiner S. Pli. de Vries die Gedächtnisrede hielt. Es fand eine Sammlung für den Hcrzlvvald statt. In Bukarest veranstaltete der Verein Chovvcwe- Zion-David eine i lerzluml Dr. Lippe-Oedächtnisfeier in der Svnagoge Acluluth Koilesch und der Verein Basel-Zion in der Schule ״Cultura“. Bei der ersten Versammlung sprachen die Herren M. Schwarzfeld und J, Louis K I i 11 g e r sowie die Herren Rabbiner Dr. B. Reicher und Dr, J. A I g a s y. 111 der zweiten sprachen Frau Melber und die Herren Botosansky und Weinberg. In Jassy veranstalteten die zionistischc Vereinigung, die Toyttbce-Hallc u. die Loge B’nc Brith gemeinsam eine Flerzl-t iedenkfeier. Es spraeilen die Herren Dr, H. B tt r s t C i n von der T o y ת - bee-Flalle, Dr. H. S o lo in o n o v i c i von derLoge und M. Schlichter von der zionistischen Vercinigtmg. ln Bacatt wurde ebenfalls das Andenken Herzls in der Schnapnik-Synagoge gefeiert. Auch aus Z 11 r i c lt wird gemeldet, daß der Todestag Herzls ganz besonders feierlich begangen wurde. Dort hielt Herr Dr. Braunstein aus Jaffa eine Itehräisehc Ansprache. Dr. Klatzkin hielt eine Rede m jidisiher Sprache. Darauf hielt Dr. Pink ns, der Präsident des Schweizerischen Zionistenverbands, eine Festrede in deutscher Sprache. In markiger, treffender und packender Weise zeigte er, was Hcrzl war und was er ist. Jeder der drei Redner war in seiner Art macht- und eindrucksvoll und erntete brausenden Beifall. Auch in Bern fand eine erhebende Feier statt. Vor dichtbesetztem! Saale hielt Dr. I). Strauß aus Zürich eine ergreifende Rede. Nach ihm sprach Dr. Ohlswanger. Es wurde aus Herzls Werken rezitiert. 111 St. Gal- I c n hielt in einer Herzlfeicr Herr H a u s k i ti d eine hebräische Ansprache. Herr l)r, A. Braunstein aus Jaffa gedachte in trefflicher Rede des unvergeßlielten Führers. Das vierte Heft des Juden Das vierte Heft der Monatsschrift ״Der Jude‘“*) leitet das zweite Quartal der Zeitschrift ein und zeigt, wie sic von immer neuen Seiten das jüdische Problem in seiner Vielfältigkeit, aber auch in seiner Einheitlichkeit anzufassen vermag. Dieses Heft ist weniger als die ersten I lefte den besonderen Fragen ostjüdischen Lebens gewidmet. Der Aufsatz von Moritz Bilcski behandelt: ״Die deutschen Juden in der deutschen Politik." lX׳r Aufsatz stellt mit rücksichtsloser Kritik die Beziehungen der deutschen Juden zur Politik überhaupt und zu den einzelnen Parteien Im besonderen dar. l>cr Versuch gelingt, die Wechselbeziehungen zwischen dem deutschen Juden und dem deutschen politischen Liberalismus historisch und psychologisch bloßzulegen. Auch -die Nichtjuden, die jüdische l>ingc vom politischen Standpunkt aus mit Interesse verfolgen, werden gerade Von großen Trauervcrsanvmhingen, Vorträgen und Veranstaltungen zu Ehren des Todestages Herzte und von erfolgreichen Gctdsammlungen an diesem . Tage zum Besten des Herzlwakles und Nationalfonds *) ״Ge*1 Jude", eine Monatsschrift. 1. Jahrg. Heft 4 Juli 1916. R. Löwit-Verlag, berlin-Wien. Jährl. Mk. 10.-, Halbjährl. Mk. 5.-. Berlin N37, weißenburgerstr. 6.

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