Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXI (1916)
- Issue
- Heft 31 (4.8.1916)
- Date
- 1916-08-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 31 T JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 257 die sich erlaubt, diese meine Aitsfnhrun 1^1'n dahin zu interpretieren, ich halte erklärt, tlalS p״. liti-ehc Arbeit gar nicht not tut. Ich brauche mich nitlit erst gegen den Vorwurf zu verteidigen, *lall ich die politische Arbeit iitr die Ostjuden ablehuc. Aber darauf kommt es an, wie sie gemacht wird, \v<> sie gemacht wird, und wann sie gemacht wird. Wenn beule die ernsthafte Politiker,irheit, die groß- 7i1:1׳ue. die jüdische Politik hinsichtlich der Ostjudenfrage so sehr erschwert ist, dann nicht zum wenigsten elnii weiten der ,,Memoranden, die «ler Regierung i1i>ersandt wurden“ (ohne dalt man vorher die polni-ehen Juden gefragt liiitte), eben we.;en der ״Verhandlungcn mit den Polen“ (ohne dalt man von di n Ostjuden dazu autorisiert w orden wäre) und dum auch wegen des Umstandes, dalt in diesen imhr als achtzehn Monaten, seit mit den Aktionen In;;oiincii wurde, nichts 1 )urcligrcifendcs geschehen ist, 11111 die entsetzliche soziale und materielle Lage dt r Juden in Polen einigermaßen zu bessern, trotz eines I lillsu erks, das nach seinen eigenen Angaben, mehr als acht Millionen dorthin geschickt lut. Hatte man von Anfälle an die Meinung der politischen Juden, tmd das ,,iPraiikftirlcr Israelitische Fniniliciiblatt“ meint ja sicher der polnischen Zionisten, abgewartet, dann wäre wahrscheinlich die groltziigige Aktion auf diesem (icbietc möglich gewesen, die mir mit ::roller Stolikraft bitternomineii werden kann und die fchlschlagen muli, wenn sie sich zersplittert. I)11111־ auch dieses wolle man nicht vergessen: was sich heute von der Zionistischen Organisation zur Betätigung auf eigene Paust loslöst, schwächt nicht mir die Energie der zionististhen politischen Arbeit, es wirft auch den verantwortlichen Stellen gerade da Knüppel in den Weg, wo sie am meisten der Bewegungsfreiheit bedürfen. Denn schlielilich kann man ja nicht von den Aiiilenstelienden verlaugen, dal! sie ohne weiteres darüber informiert sind, wer der Zionismus und wer mir ein Zionist ist, besonders wenn es sieh um recht bekannte Namen bandelt. Wie die Dinge heute in Polen liegen, ist es das erste, das dringendste Bedürfnis, dali die den!- sehen Juden sieh vereinigen, um mit ihrer ganzen Kraft, mit allem, was sie sind. und was sie haben, sieh dem materiellen Untergang des jüdischen Volkes in Polen ciilgcgcnz.iistellen. liier ist ein I eld, auf dem sich alle deutsehen Juden, ohne Unterschied der Parteirichtung, alle Komitees und alle Leitungen /!isammciituii könnten: Hilfe, augenblickliche Hilfe, Sorgt für Kleider, sorgt für Schulte, sorgt für Brot, fiir ein Dach über den I lüiiptcru der Zehntausende von Kindern, die in Schmutz und Armut 11ml Laster verkommen, sorgt für hygienische Hilfe, fiit Aer/te, für Schwestern. Und sorgt auch für Selbstverwaltung des polnischen llilfswcrks, das zu groll mul viel zu bedeutsam ist, um auch nur im kleinsten Teil der politischen Spekulation dienen zu dürfen. Verlangt nicht alles von der zionistischen Leifimg. Helft, drängt, stoßt und zeigt der deutscheu Verwaltung, daß ihr imstande seid, ihr ihre furchtbar schwere Arbeit wirklich zu erleichtern. Das geschieht nicht durch Versammlungen und nicht durch Zeitungsartikel und auch nicht durch noch s״ wichtige Audienzen. Aber gründet Küchen und Die Kinder springen auf, drängen lierz.u, erklettern die Bänke, um besser selten zu können, ihn, vier da auf der Brücke stellt, den träumerischen Blick auf den ihnen allen so wohlbekannten Migdal David gelichtet, zu dem die Väter tmd Brüder ans den fernen Landern heraufzichen. leb weiß nicht, oh dies schöne Her/.ihild jemals eine größere, reinere Wirkung hervorgebracht hat. — Nachdem alle gemig gestaunt und bewundert haben, wird wieder Ruhe hcrgcstcllt. ״Und tum wollen wir imscrm liehen Benjamin llerzl, der uns Juden soviel Gutes getan hat, auch etwas Liebes erweisen. Womit, glaubt Ihr wohl, können wir ihm eine Freude machen?“ Angestrengtes Nachdenken. Dann macht ein Stimmeben den Vorschlag: .,Wir wollen ihm Blumen scheuken.“ In, wir wollen einen Kranz, machen und Sem Bild schmücken. Und damit cs noch schöner wird, wollen wir auch kleine Fähnchen machen und damit den Kranz, verzieren. Aus welchen Farben machen wir wohl die Fähnchen?“ ״Lavvatt utchelc!,“ (weiß und hellblau) schallt cs einstimmig. Sie keimen ihre Farben wohl, die kleinen Palästinenser. Nun werden aus dem Garten Zweige vom blühenden Pfefferbaum, vom Oliven- und Zitroucubaum geholt, beschickte tmd ungeschickte Kimlcrbäudchen muhen sieh, Theodor licrzl eilten Dankes- und Ehrenkranz zu winden. Andre sind indessen an der Arbeit, aus kleinen Stäbchen und blau-und-wcißcm Panier Fähnchen herzustellen. Bald sind alle fertig. Wir Großen hängen den Kranz um das Bild, daun darf eines der Kinder nach dem andern herankommen, einem Stuhl erklettern und sein Fähnchen in den Kranz, stecken. Fast jedes begleitet seine Gabe mit den Worten: ״Toda, Lsch tow!“ (Danke, du guter Mann!) «der ״Toda, Benjamin licrzl!“ und das kommt ganz, spontan aus dem innersten Gefühl der Kleinem heraus. Dann ist cs beendet; aus grün, weiß und blau leuditct das HcrzJbild hervor. ״Und nun wollen wir nodt etwas singen was mögt Ihr ־wohl am liebsten?“ Man einigt sich auf: ״Sen Z1leime und Schulen mul Hospitäler, gebt den Frauen ,o/ialeii Unterricht, lehrt sie, wie tu au kranke Kinder 'liegt und wie man aus alten l umpen einen neuen voek machen kann, und nehmt der ostjiidisehen Masse endlich die turchtbarc Auffassung, die sic zur moralischen Bedeutungslosigkeit und zur sozialen Untätigkeit ein für alle mal verurteilen muß: daß alle llill'e von nullen kommen tun fl und alles Geld aus Amerika. Und wenn ihr (Ins erreicht habt, glaubt ihr nicht, daß das auch eine politische Arbeit ist, und seid ihr nicht überzeugt davon, daß ihr dann für eure politischen Forderungen euch einen ganz anderen Boden und eine ganz andere Beredttigmig geschaffen habt, als mit;111111־ Aktionen lind Stellungnahmen, die bisher erfolgt sind? Ich Hoffe, auch der Politiker des ״Frankliirter Familienblattes“ ist überzeugt davon, daß nach einer solchen Arbeit politische Forderungen mit ganz nmlcrcm Nacltdtuck gestellt werden können, als auf (irimd von Memoraiulen, von Verhandlungen und von Reisen. Julius Berg e r. Sensationsmeldungen In den letzten Tagen brachten verschiedene dc11׳Dd!e Zeitungen, wie die Frankfurter Zeitung, der Berliner Lokalan/eigcr, die Miincliener Zeitung, die Berliner Morgeiipost, die Neue Preußische Kreiiz/eitung, der Deutsche Kurier und andere Blatter, unter der IJubcrschrift ״Eine jüdische Republik in Palästina" oder ״Eine unabhängige jüdische Republik in Palästina“, ,,Eine hebräische Republik“ und ,,Eine Zionistische Republik“, eine Sensationsmeldung, welche sich auf ein Spe/iaitelegramin der Kopvnliagencr Tageszeitung ״Politiken“ vom 25. Juli stützte, in dem der Pariser Korrespondent dem Knpetthagener Blatt folgende Meldung übermittelt: Wird P a I ä s t i 11 a e ine f 1׳ c i e j ii d i s c h c R e publik? L'in Aufsehen erregendes Resultat der Agitation der Zionisten: Die türkische Regierung geht darauf ein, drill eine unabhängige jüdische Republik innerhalb der Grenzen von Palästina errichtet wird. Paris, Montag. Privat für Politiken. Ein Telegramm aus Nevv-York, welches aus glaubwürdiger (Quelle stammen soll, gibt einige höchst interessante Aufschlüsse über die Agitation der Zionisten in der Türkei, Aufschlüsse, die auf nichts Geringeres nnsgehen, als daß die Türkei im Prinzip darauf eingegangen sei, eine jüdische unabhängige Republik in ,Palästina zu errichten. Der Botschafter der Vereinigten Staaten in der Türkei, Herr Hciiry Morgenthaii, der selbst ein begeisterter Zionist ist, hat Anteil genommen an der Agitation der Zionisten und das ist der Umstand, vvclclicr seine Abberufung bewirkt bat. Vor einiger Zeit vcraulalltc die ttirkisehe Regierung die Zionistische ()rganisation, sieh an den Gesandten z.u wenden, um ihn in enter Finanzona ließ watlegel,“ (Erhebt gen Zion Fallit’ und Banner) und singend zieht die kleine Selmr hinaus in den Garten, wo sie den Kleineren, die all das Schöne nicht mit erlebt batten, von Benjamin llerzl erzählten. 111 der nächsten 'Stunde sollte das Erlebnis durch werktätiges Schaffen vertieft werden. Wir ließen die Kleinen Bildcrrahmeu falten und gaben jedem eine Natumalfoudmarkc, auf der sie o Jubel! — dasselbe Bild wiederfntnlen! (Ls hatte mich viel Milbe gekostet, die, vielen N.-L.-Marken, wohl 300 Stuck, am Tage vorher auf/iitreiben.) Das Bild wurde daun in den selbst gefertigten Rahmen geklebt, und jedes Kind durfte seinen kostbaten Schatz mit nach Hause nehmen. leb konnte mich noch lange Zeit nachher davon f'ibt i /c tij;cn, wie pietätvoll die Kleinen das Bildchen aufgehoben batten. Auch den Namen Benjamin llerzl ItalH'ii sie sobald nicht vergessen. Daß solche Erlebnisse den Kindcrscclen zu daucrtidcu werden, dafür müssen später Elternhaus und Schule sorgen. Diese llerzlleicr aber hatte mir wieder gezeigt, daß die Keime des nationalen BevvulHseiiis mit schönstem Erlolg selten im frühesten Kindesalter gepflanzt werden können, —• I) i n a ba t h A b r a in. (Clcmentine Mayer.) ״Mult 6s Jöv׳Ö“ Die auch im Auslände lühuilichst bi kannte ungnrische Monatsschrift für jüdische Kunst und Uteratur ״Mult £s Jövö“ (Redakteur Dr. Patai) widmet ihre zwei letzten Helle zwei bedeutenden ungarisch-jüdischen Künstlern, Nundur Kittona und Alfred La kos, von denen man hn Auslände nur wenig hört. Von Ndndor Katonn finden wir im frage um Rat zu fragen. Darauf folgte eine Reihe voll Geschäften, die anscheinend durch Vermittlung des amerikanischen Bolseliaiters gemacht wurden. Henry Morgenthaii erklärt denn auch in Wirklichkeit, daß er mit den türkischen Ministern verhandelt hat, das Palastinaproblem auf diese Weise zu ordnen, daß elie Türkei au die zionistischen Vercunguiigeu die Territorien verkault, welche diese wünschen, was der Regierung grolle Geldmittel verschaffen würde. Die türkische Regierung zögerte, darauf cüizugchcn, wurde aber von den Deutschen dazu gedrängt. Sie erörterte dennoch mit Morgenthau die näheren Einzelheiten bei der Abtretung. Sie wurden darüber einig, daß den zionistischen Vereinigungen Konzessionen eiliger,mmt würden in bezug auf Verbesserung der Wege, Errichtung von «Hotels, Errichtung von Schulen tmd einer hebräischen Universität lisvv., sowie darüber, daß beim Friedensschlißt eine kleine unabhängige Republik aufgeriebtet werden soll, bestellend ans den Territorien, die von dem zionistischen Vereinigungen erworben worden waren. Diese Sensationsmeldung der Kopenltagener Zeitung aus Paris hat schon ihre Geschichte. Schott vor mehreren Wochen brachte die Londoner Times ein Telegramm ihres amerikaniselten Korrespondenten über angebliche Reden des früheren amerikanischen Botschafters in Konstaiitinopel, der /.war nicht, wie die Meldttngen angeben, ein organisierter Zionist ist, aber seine Sympathien für die jüdische Siedlung in Palästina und die zionistische Arbeit niemals verhehlt hat. Es ist bekannt, daß seine Be- Ziehungen zur türkischen Regierung die denkbar besten waren, tmd daß er aus Konstantinopcl keineswegs ״nbberufen“ worden, sondern .aus privaten, geschäftlichen Gründen von seinem Amt zurtickgetreteii ist. Die kurze Meldung der ״Times“ ist seinerzeit von fast der gesamten englischen und französischen Presse w iedi-rgegeben worden und auch in die Presse der neutralen Länder gekommen. Seit einiger Zeit macht sie ihre zweite R tt n d e elureh Europa. Am 17. Juli brachte die Gazette de En u sau ne unter dem Titel ״La Palcstine repuhlicpic juifc“ eine Meldung aus Paris über die angeblichen Verhandlungen Morgenthaus mit der türkischen Regierung, wobei übrigens der Besorgnis Ausdruck gegeben wurde, die Interessen der Entente konnten durch den amenknnischcn Einfluß zu Schaden kommen. Nttn ist die Meldung wieder über Paris zurück nach Kopenhagen gelangt und mit einigen anderen Details versehen worden. Es erübrigt siel», auf diese Einzelheiten einzügelten. Sie tragen deutlich genug den Stempel der Mystifikation. Jedenfalls läßt sielt allen diesen Meldungen nicht entnehmen, welche Reden Herr Morgenthaii wirklich gehalten hat. Wenn zuverlässige Berichte cintrcffen, werden wir unseren Lesern Mitteilung machen. Mai-I Icft der ״M ult es J ö v ö“ ungefähr 60 prachtvolle Reproduktionen, darunter rührende Szenen aus der Synagoge, reizende Papicratisschnitte aus den Kindcrjahreti des Künstlers, MisrncIt-TaSelti, lilustrationen zum hohen l.icd usvv. Seine größte Bedentung liegt abor in der Landschaftsmalern. Seine Landschaftsbilder sind im Besitze des Kaisers Franz Josef, des Zaren von Bulgarien, der Fürsten Hohenlohe, Windischgvact/, Borghese, des ungarischen Staates und der ung.ni.eben aristokratischen Gesellsehaft. Alfred La kos behandelt hauptsächlich jüdisebe Themen in seiner Kunst. Das Juni-Heft der ״Mult es Jövö“ bringt ungefähr 30 Reproduktionen »ach seinen tiefempfundenen (jenre-Bildern, die I ast alle aus dem jüdischen Volksleben, aus dem im!.׳,arischen Ghetto, aus dein Leben jüdischer Flüchtlinge ihren Stoff nehmen, l.akus kämpft seit zwei Jahrzehnten mit uroßer Begeisterung in Wort und Bild für die Emanzipation des indischen Themas in der un :.arisiiieii Kirnst. Und was er auf diesem Gebiete geleistet, zeigt eben die jüngste Nummer von ״Mult es Jövö“. Seine Kunst würdigt der Redakteur der Zeitschrift Dr. Patai, während die Kunst Katonas von Iran Dr. Patai und Alexander Mezcy besprochen wird. Die Zeitschrift ״Mult es Jövö“ verdient es überhaupt, auch in den weitesten Kreisen des Auslandes verbreitet zu werden, da sie durch ihre hervorragenden Illustrationen auch . dem der ungarischen Sprache nicht Kundigen viel Anregendes und eine Lulle künstlerischer Schönheit bietet. Das Abonnement von ״Mult es Jövö“ ist ganzjährig 20 Kronen. Redaktion und Administration Budapest VI, Podmanickygasse 6.