Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXI (1916)
- Issue
- Heft 30 (28.7.1916)
- Date
- 1916-07-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 248 1 U E Dl SC H ״ RUNDSCHAU Nr. 30 111 Brniideis verband sich ini( dem lebendigen 11ml inneren Hc^rcjfen tlcs Judentums ein natürlicher Dring, die junge zionistische Bewegung zu unterstützen und ihr rii (Ik'iii'ii. In den lclzleii />vei Jahren wirkte Brandeis erfolgrcich fiirdic Belebung des /Zionismus in Amerika lind die Organisierung seiner Kräfte. Während seiner Tätigkeit entfaltete er ein Organisationstalent und eine Willenskraft, die kein zionistischer Führer Ainerikas vor ihm batte. Der zionistischen Organisation Amerikas, deren Vorsitzender Brandeis war, ist n\ verdanken, daß die Juden in Palästina nicht umkamen, Iiaebdem die Türkei in den Krieg eingetreten war. Brandeis stellt den neuen Typ des amerikanischen Juden dar. Er ist eine kraftvolle Persönlichkeit,, besitzt einen klaren Oeist und die Aufrichtigkeit des Handelns in allem, was er unternimmt. Er ist »len Argumenten und Ansichten anderer zugänglich und beobachtet alle Vorgänge mit klarem Auge und Urteil. Was Brandeis am besten als guten Juden und Amerikaner charakterisiert, ist sein hochentwickelter Sinn für soziale ücrechtigkcit, deren eifriger und kenntnisreicher Anwalt er ist. Das amerikanische Volk kann die Regierung zur Berufung I.. I), Brandeis’ an den Obersten (ierielus- Hof beglückwünschen, via er alle jene Eigenschaften besitzt, d׳e fiir dieses Amt am notwendigsten sind. Von der Kongreßbewegung Auf der am I. und 1. Juni abgehaltcnen K011• feie 11z der ,,Keliilla“ in Ncw-York stellten die Delegierten der Opposition den Vorstand zur Rede, warum vier Besehlull vier Konferenz des vori• gen Jahres bezüglich tlcs Kongresses bis jetzt noch nicht ausgeführt worden sei. Der Vorsitzende erklärte unter anderem, in Kragen vier jüdischen Politik sei die ״Keliilla" mit dem Anicric.in-Jew isli Committee völlig einverstanden. Die Dehat.c über die Tragen des Kongresses könnte daiier bloll akademischen Charakter tragen. Der Vorschlag tlcs Vorsitzenden, die Trage des Kongresses von vier Kv liilla-Beralting abzusetzen, wurde angenommen. Die Delegierten vier Opposition stellten daraufhin einen zweiten Antrag, demzufolge der Kebilla-Vorstand sich für selbständig, von dem Amcrican-Jewish Committee völlig unabhängig erklärt. Auch dieser Antrag wurde von der Konferenz ohne Debatte ahgclchut. Der Vertreter vier Zionistischen Vereine Louis Lipsky und der Vorsitzende des Verbandes der Juden Cializicus und vier Bukow ina, Leo W olt sohn, erklärten darauf, dall die von ihnen vertretenen Organis.itionen nicht mehr in vier ,,Keliilla" bleiben könnten, worauf (10 Delegierte vlie Konferenz ver- Hellen. Der Vorsitzende vier Zionisdschen hötleratioii in Amerika I )r. L r i e d e n w a I d , einer der Ciriintkir und ältesten .Mitglieder des American-|e\\ish Committee erklärte seinen Austritt aus dem A. J, C. Er motivierte diesen Schritt mit der feindlichen Stellung des A. J, C, zu den demokratischen und nationalen Bestrebungen im Judentum, eine Stellung, vlie in der Kongreß-Politik besonders klar zum Vorschein kam. In dem Brief, in dem Dr, bricdeiiuaUl seinen Austritt aus dein Amcrican-Jewish Committee erklärt heißt es: Buchbesprechung Hebräische Palästinakunde.לוח ארץ ישראל (Literarischer Paliistina-Ahnanach. XX. 11. XXI. Jahrgang 5ü7T>/6). Jerusalem 1015/ft. Klein 8°, XXa -׳- 282 S. A. M. Limez in Jerusalem ist ein unermüdlicher Arbeiter mit dem Gebiete vier Palästinakiiiitle. Sein Hauptfach ist vlie Cicsehiclite des alten Jiselmbs im letzten Jahrhundert und hier ist er iir./ucil'elhaft vier beste Sachkenner auf dessen Arbeiten man öfters zurückkommen wird. Aber er ist zugleich ein vorzügliclier Fachmann in der Geschichte des jüdischen Palästinas der früheren Jahrhunderte und hat auch auf vfk'sciti Gebiete mannigfaltige Forschungen veröffentlich(, die größere Aufmerksamkeit verdienen. Das Gebiet der Palästinakunde ist von nicht Jüdischen reichen Organisationen und Gelehrten monopolisiert worden, vlie für das Judentum Palästinas nach dem Exil wenig Interesse besitzen, — mit! die Stunde einer jüdischen wissenschaftlichen Palästinakunde hat noch nicht geschlagen. Desto sympathischer müssen wir die Lebensarbeit eines A. M. Luncz begrüßen, der mit seinem Sammeleifer und seinen gediegenen Kenntnissen der jüdischen Quellen eine große Liehe zur Sache mul ein tiefgehendes Verständnis seiner Aufgäbe verbindet. 111 seinen Ahnanachcn und Sammclbürfiern, die den Titel ,,Jerusalem" tragen und von denen schon ,10 Bände erschienen sind, wie auch in seinen anderen Publikationen will Luncz das gesamte Gebiet der Palästinakunde in hebräischer 6f>1ache durch Uebcrsctzungcn und originelle Beiträge befruchten, Geograpnie, Archäologie, Ge* schichte seit der ältesten Zeit bis zur allcrjüngstcn Vergangenheit, das gesamte in Palästina entstandene ,,Mit großem Bedauern verzichte ich aui meine ’,Mitgliedschaft im Amcrieaii-jewisli Committee Ich betrachte das Werk des Komitees in viel Vergangenheit als sehr schätzenswert mul cs ist lür midi eine < icmigtimiig, zu wissen, daß es mir ver• gönnt war, einen kleinen Teil zu dieser Arbeit bei getragen zu )!;1 heil. 8cit Beginn des Krieges jedoch ist es immci fühlbarer geworden, daß vlie Methoden des Komitee? unzulänglich waren und daß das Komitee nicht tl.11 war, Was es sein svdltc, eine repräsentative K ö r p e r s e 11 a ft vl e r a in e 1 i k .111 i s c h e n J 11 - den, die ihre Gefühle und Wimsehe vertritt und ihren Willen ausführl. Das Komitee verschloß sieh gegen demokratische Forderungen und blickte mit Mißvergnügen auf vlie Ansichten des Volkes, ,vlie allerdings nicht mit denen des Komitees, «oder bcssei gesagt, mit denen einiger Herren üherciiistimiutcii. Wie ernst diese auch ihre Arbeit aufgefaßt haben mögen, wie groß ihre Mittel gewesen sein mögen, dieses Werk in gewöhnlichen Zeiten zu vollenden, wie lioth ihre soziale Stellung, wie mächtig ihr nolitischcr Einfluß mul ihre fmaii/iclleü Hilfsquellen ,111(11 sein mögen: das Volk gab ihnen zu verstehen, daß es ihm au Vertrauen zu ihnen fehle, und zu gleicher Zeit sprach es seinen Wunsch aus, an vier Lösung •seiner eigenen Fragen Anteil zu nehmen. Ich hoffte, daß das Komitee die ,Berechtigung dieser 1 >.irdcning des Volkes verstellen würde, daß es, gleich mir, durch engere Fühlungnahme mit dem Volke erkennen würde, wie berechtigt die Lordcningci! des Volkes sind, die nicht, wie man wie- (lerhoii behauptete, auf Demagogie beruhen. Ich hoffte, daß das Komitee sieh dazu bereit erklären würde, eine Eiiiigirngskonimissiou zu gründen, um die Harmonie vier Tat zu schaffen. Ich blieb Mitglied des Komitees, weil it'11 die Gelegenheit zu finde« hoUlr, zur Herstellung dieser Harmonie beitragen zu können. Ith bedauere, daß diese Hoffnungen zu mellte wurden. Der Kurs, der von «lern Komitee lind seinen B. .111011»־ verfolgt worden ist, hat eine ,Sp.1lt'img im amerikanischen Judentum herbeigeführt. Ls sind scharfe Urcii/eu gezogen worden zwischen tlieser wohllclH-mlcn Oberschicht, die mehr oder weniger gleichgültig gegen die Lage unserer Brüder in (reinden Ländern ist, und der großen Masse der Judenheit, vlie mit jeder Faser ihre Identität mit ihren leidenden Brüdern fühlt, mit welchen sie durch engste Familicnbanvlc verknüpft sind. Die wohllebcnde Klasse ist gern bereit, das amerikanisch-jüdische Komitee maclicn zu lassen, was ihm für gut erscheint, sic ist froh, von jeder Verantwortlichkeit frei zu sein und will sogar ihren Beitrag zahlen, mu von aller Sorge befreit zu sein. Die Massen können diese i ini 1 f fv 1(' nte■ Haltung nicht gutlieillen. Ls ist du tiefes Interesse! Wie eine ängstliche Mutter;11 n Bette ihres kranken Kindes sind sie nicht gewillt, mit der gleichmütigen Antwort sieh ,znfricdcii zu gehen, vlaß nichts für sic zu Um not sei. Irgend etwas muß getan werden — der beste und weiseste Rat muß gesucht werden! Das Amerikanisch-Jüdische Komitee hat ihr Vertrauen verwirkt. Es lag in der Macht des Komitees,, diese Spaltung zu verhindern׳; das Komitee hätte zuletzt den kill heilen können, wenn es ernstliche Anstrengungen gemacht hätte, das Volk zu verstehen, anstatt mit Verachtung aut die ״sogenannte demokratische Unterstützung" zu sclieii. Das linde wurde klarer und klarer. Eine Schiebt Juden stellt den überwältigenden Massen gegenüber, den unorganisierten Massen, die so lange ruJiig gewesen sind. Ich sehe keine Wahrscheinlichkeit, daß sie in einer nahen y.ukimft vereinigt werden können. Ich möchte alle Zweifel belieben, welcher Seite meine Sympathien gehören. Diejenigen von uns, die fühlen, daß ihr Lehen ein Teil des pochenden, angstvollen, leidenden jüdischen Lebens ist, gejüdische Seliriftentnm, das Schrifttum des Golns, das sieh unmittelbar auf Palästina bezieht, Geschichte und Ethnographie der jüdischen Nachbarvölker, das moderne Leben in Palästina u. a. m. — für dies alles möchte Luncz eine literarische Sainmelstclle schalten. Naturgemäß konnte das gewünschte reiche Programm bisher nur zum Teil ausgeführt werden, denn das Wollen geht hier weit über das Können der Einzelperson hinaus, mul im Mitarbeitern wie an materiellen Mitteln hat Herr Luncz nie Ucbcrfluß gehallt. Der letzte Jahrgang des ״Palüstiii.i-Alin.inaclis vier während tlcs Weltkrieges entstanden ist, zeigt lins ein deutliches Anwachsen der schriftstellerischen Kräfte, die für die Palästinnlainde -- im weiteste« Sinne — Verständnis haben, und stellt in wissensehaftlichcr Beziehung viel höher als seine Vorgängcr. Das Samnicllnidi berechtigt zu schönen Hoffmmgen auf die Zukunft der hebräischen Palästinakuiide. Eine nähere Inhaltsangabe dieses Alm,■inachs dürfte jedem Palästinafreimd von Interesse sein. Der literarische Teil des Atmanachs beginnt mit einer kurzen mul inhaltsreichen Skizze der Trauerwand in Jerusalem, vlie die ältesten t.ilmuvlisehcn Notizen über dieses Heiligtum und eine nähere Besdireibiing seines jetzigen Zustandes enthält, Autor ist L u 11 cz selbst, der uns hier;die Quintessenz einer ausführlicheren, im 10. Bande seines ,,Jerusalem" veröffentlichte‘« Abhandlung wiedergibt. Es folgt ein interessanter wissenschaftlicher Aufsatz von Dr. A, Zifroiii ,über die Dimension des geographischen Begriffes Ercz-Isracl". Orätz (und nach ihm Davis Trictsch ui seinem ״,׳Palästina-Handbuch") und S. Kraus haben die Ansicht vertreten, daß zur Blütezeit des babylonischen Judentums der Name ״Erez Israel" für das gaüzc Mesopotamien und liöri'11 zu denen, vlie jetzt in vier Kongrc■ßbvwcgmig eigenen Ausdruck .«liehen. Lür mich ist!es nicht schwer, eine Wald zti treffen. Ich sehe mich ge- /willigen, ans dein Amesitan-Jewish Committee aus- /lischt itlen," f Am 21. Juni fand unter dem Vorsilz von Louis Brandeis ein großes I) c m o n s t r a t i o n s m e cting für den Kongreß statt. Ibis Meeting wurde von 1200 jüdischen Körperschaften in Ncw-York veranstaltet. Als Redner traten auf: Rabbiner Dr, * Stephan Wise, vier Vorsitzende vier Philavlelphier- Konferenz Richter Hugo P a in, der Vorsitzende des ‘Ordens ,,Bin'׳ Zion" Joseph Baron des, der l iilirer der Kongrellhewegung 111 Washington J. Peiscr u. .1, m., im Namen vier national-sozialistischen Verbände 15r. Glt. S e 11 i 11 o w s k y und B, Zuck e r- 111 a n u. Das Exekutivkomitee der Koiigreßbewegung ererhielt einen BcgrülSiiiigsbric■f des Oberrabbiner l>r, (iaster ,111s London, in dein er seinen tiefen (il.iulK'n an den großen Wert und die Verdienste vier Kongrcßbcwcgimg Ausdruck gibt. Der Brief Dr, Gasters hat folgenden Wortlaut: ״Ivb beeile mich, mit Dank den Empfang der Broschüren und Drucksachen betreffs tlcs Kongresses zu bestätigen und werde Urnen sein־ dankbar sein, wenn •Sie mit vier Zusendung fortf,ihren wollten. Erlauben Sie mir zu sagen, daß es notwendig oder vielmehr eine Lebensfrage ist, daß die amenklinischen Juden ein für alle mal gegen diejenigen Front machen, welche die höchsten jüdischen Intcressen veralteten Klassemorurtcilcn untcrordncn und noch glauben, daß vlie Zukunft des Judentums vom Standpunkt vier Parnaßim ans entschieden werden kann. Das Volk mnll seine eigene Zukunft bestimmen. Das Volk ist es, welches leidet, und cs allein muß entscheiden. Mit den besten Wünschen für vielt Erfolg Ihres Werkes Ihr ergebener gez. M. (iaster. Auch vier Londoner ״J e w i s 11 Chronicle“ nahm entschiedene Stellung f ti r den Kongreß. Eine in Manchester abgchaltene Konferenz der jo'rg.inisicrtc״ jüdischen Arbeitersehn ft Englands begrüßte die Kongreßbewegiing in Amerika und sprach sich für Landeskongrvsse 11ml für einen alhveltliehen Kongreß samtlieber jüdischer Volksverbünde aus. Jakob H. Schiffs Resignation Der bekannte amerikanische Philanthrop Jakob 11. S eil i f ( , der in letzter Zeit öfters vlie Gelegenheit ergriff, um gegen die nationalen Bestrebungen nicht nur der amerikanischen, sondern der gesamten Judenheit öffentlich anf/uiretcu, bat vor kurzem anläßlich vier Einweihung des Jüdischen Zcntralgehüudcs in Ncw-York eine Rede gehalten, in der er den Versuch machte, vlie Leiden vier Juden in Rußland und in allen Ländern, wo sie Verfolgungen und Unterdnickuiigc״ ausgcsctzl sind, auf ihre jüdischen ,,So״- vlerbestrebiiiigen“ /tirück/ufiiltren. ,,Kälten vlie rus-iseilen und polnischen Juden‘‘, so erklärte er, ״sich nicht abgesondert und beiseite gehalten mul nicht eine besondere Sprache gesprochen, dann hätten die Leiden, vielten sie ausgesetzt waren, keinen solchen Gravi erreicht. So mich hier. Wenn I lunderttaiisende der Juden in Amerika nicht von ihrer jiilisclieii Sprache lassen und sie nicht nur in ihren Häusern, Babylonien hezw. einen Teil Mesopotamiens von den Gelehrten beansprucht worden war. Auf Grund einer Analyse der Quellen beweist Luncz, daß diese Ansicht in keiner Weise begründet ist. Der darauffolgende Aufsatz ״Aus dem Leben der Fellachen" •von Sl. R a p 11 a e I i führt uns in vlie Agrarverhältnisse des Fellachen, seine Feldarbeiten, tisw. ein wobei Anklänge an vlie biblische Zeit besonders nervorgehoben werden. Ausführlicher ist die Abhandlung J. S. Schisak-Zori’s, der sieh mit mehreren Arbeiten 11m die Geschichte der Juden Palästinas in der römischen Zeit verdient gemacht hat, über ,,das Innere Palästinas und die Meeresküste“. Er behandelt darin die Bezichiingeji der alten Phönizier zu den Israeliten und das spätere Verhältnis der palästinensischen Juden zur heidnischen Bevölkerung der Küstenstädte mit besonderer Berücksichtigung assyrischer Quellen und moderner wissenschaftlicher Literatur. Auf einige darin enthaltene interessante Hypothesen kann hier nidit näher eingegangen werden. In einem zweiten Aufsätze beschreibt A. M. Luncz die unweit Jerusalem gelegene sogenannte ״Katakombe des großen Synhedrioiis" und führt vlie älteren jüdischen Quellen an. Jedenfalls ist diese! Katakombe eine Ruhestätte hervorragender Personlichkeitcn aus der Zeit des ’zweiten Tempels und mit Recht wünscht der Autor, daß ein reicher jüdischer Palästinafreimd diese Massengruft ankaufen und der jüdischen Ocmeinde Jerusalems schenken sollte, die die Pflege der historischen Stätte mit Dank übernehmen wird. Ein längerer Artikel von Luncz ist der Biographie des berühmten Rabbi Naphtali Cohen (geb nach 1650, gest. 1710, bis jetzt genannt: ״Rabbi Naphtali der Oroße" oder Raobi-RaDbi Naphtali) ge-