Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXI (1916)
- Issue
- Heft 29 (21.7.1916)
- Date
- 1916-07-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 29 ך,׳ 1 , Mit besonderem Fitiß tmil Verständnis 11,11x11 *irti tlic Schüler tlcr I .־> mi \v i rt s cl»a fl I i t־l ו c n Schule in Petarh-Tikwah, die unter Leitung von Herrn 1 )r. Pick holz steht, an den Gemüsebau gemacht. ' Sic haben im Norden von I’etach-Tikwah auf dein Boden der Bcwässeriiiigsgcscllsehnft ״Pala.stina“ (Leiter; Herr IWzalcI J a f I e) in ״Mir" eine gröllerc Bodenparzelle auf ein Jahr gepachtet lind beschäftigen sich hier mit «lern Gemüsebau in größerem Malle. Bisher wurden II l>unau1 bestellt, weitere כ Dmiam werden in diesen Wochen mit Gemüse bepflanzt werden, sodall sielt die bestellte Fläche auf insgesamt Ib Duuam belaufen wird. ׳ Die Arbeit in ״Mir" ist recht schwierig׳•, weil der Boden längen• Zeit brach lag, deswegen stark verunkrautet und außerdem redit hart ist. Die;Schülergruppe wohnt in einem besonderen Haus unmittelbar an dem Audseha-f lull, wo sie einen eigenen Haushalt führt. Neben diesen Parzellen in Mir hat die Schülergruppe bereits früher auf einen! kleinen Terrain in ׳der Kolonie Petaeh-Tikwah einen Gemüsegarten angelegt, der schöne Erfolge brachte. IXr Boden war gedüngt und hat sich besonders für den. Gemüsebau geeignet und deswegen erzielten die Schüler Bnittoeinnnhmen in Höhe von 310 Frcs. von einer kleinen Parzelle von 1',* iMuiam und bei kurzer Arbeit, oder netto BK) Frcs. Mit diesem Gemüse konnte die Sdiülerkiichc der landwirtschaftlicben , Schule etwa sechs Monate versorgt werden. Sprache und seine I leiden hielten eingehende Vortrage die I lernen S i 1111 a 11 n und A. M, Boruc It o w. Die während des Vortrages von A. M. Borucho w aufgerollte Sprachenfrage rief einen Icblyiftcn Oed,inken-Austausch hervor. An dieser Aussprache beteiligten sich die Herren J c I |i n , E i t a n , Sutn, t. i p s c h i t z , Dr. Be 11 n m u. a. Aus Palästina (Gute Ernt ea 11 s si ch tc 11.) .1 a f f a. Die diesjährige Ernte verspricht gut a1 werden. Falls Menschen und Tiere in genügender Anzahl da sein werden, um sie einzubringen, Werden die Brotpreise in den nächsten Monaten erheblich sinken, was für die notleidende uubemitteile Bevölkerung des Landes ein großes Glück wäre. (F I c c k t y p 11 u s) Noch beweinte die Lchrerwvlt Palästinas den Verlust eines jungen, begabten und treuen Lehrers in Galiläa, des Herrn Wohlmann, da suchte sich das Schicksal ein zweites, nicht weniger schmerzvolles Opfer unter den Lehrern Palästinas. Am 27, ijar erlag der Leiter der Schule in Metulla Uhajim Zcwi Schob am dem im Lande wütenden Fleckfvpluis. 15 Jahre lang war der Verstorbene als Lehrer in den Kolonien Palästinas tätig. Auf Entpfehlung von M. M. Ussischkin wurde er im Jahre!911 als Lehrer in Milchamjc aufgeiiomineii und seither war er einer der bescheidensten und treucsten Ebener der neuen jüdischen Volksschule Palästinas. Die Arbeit für sie wurde ihm Sinn und Inhalt seines Lebens. In einer Reihe galiläischer Schulen wurden zu seinem Andenken Traucrvers,1111mhingen abgehalten. Besonders schmerzlich wurde vom palästinensisehen Judentum die Traiiernachrichl vom Tod des jungen Arztes Dr. Elijahu Spitzberg empluiulen. Der Verstorbene war "der einzige Sohn einer reichen jüdischen Familie in Bessarabien. Im Alter von 17 Jahren verließ er die Universität in Kiew und begab sich nach Heyruth, um sich die für einen in Palästina praktizierenden Arzt besonders wichtigen lokalen Kenntnisse au/.ueignen. Als Student leitete der Verstorbene eine kurze Zeit das Informationsburo in Beyrnth und arbeitete von dort aus an der zionistischen Zeitschrift ״Rnsswjet" mit. Nach Ikeiidiguiig seines Studiums wurde er Arzt in Gedera und spater in den Kolonien Galiläas. Seit einigen Monaten wurde er zum Arzt im Gesundheitsamt m Jerusalem ernannt. Mit übermenschlicher Opferfrcmligkeit und beispielloser Hingabe erfüllte er seine Pflicht, Lag wie Nacht ununterbrochen den seiner Behandlung aiivcrtrauten Kranken widmend, bis er selbst der Krankheit zum Opfer fiel und nach 12 tägigem Leiden am 5, Juni im Alter von 28 Jahren starb. Die gesamte Intelligenz Jerusalems begleitete das junge Opfer zu seiner Ruhe. Iin Namen iits jüdische״ Jjnchttw«; sprach :'•:־׳ V< rstorbeneu David jcllin den letzten Gruß. Die Behörden sandten z.wei ״Kawas" zur Ehrenwache. Im Namen des Leiters des Gesundheitsamtes, Dr. Zadek-Ucy, sprach Dr. O f all ko, der dem Toten den Dank der Regierung für seine unermüdliche Tätigkeit aussprach. Erschütternd waren die Trauerreden seiner Freunde und Mitarbeiter, der Herren Oschcr S i n a j und Dr. Arje Bell am. Den Nachrichten der letzten Zeitungen zufolge, beginnt der Flecktyphus zu ruck zugehen. Sämtliche jüdischen Kinderschuien sind wieder geöffnet. (Schalom-Alcjchcm-Vcrsammlung) _ Am 10, Juni fand in Jerusalem eine vielbesuchte Trauervcrsammlung anläßlich des Todes S c h a I o in Alejchems statt, Ueber den Dichter, seine Zwangsdienst für russische Juden in England Die aus Rufllaml eiligen׳,׳linierten Juden in England, deren Zahl auf 200 (MM) geschätzt wird, stehen vor der Möglichkeit, dem englischen Militärgesetz unterworfen oder na cli Rußland abgeseho- Iren zu werden. Es läßt sich nicht gut fcslstcllen, in welchem Augenblick diese Gefahr akut geworden ist. Die Eventualität wurde in jüdischen Kreisen bereits seit Monaten, während der ganzen Dienstpiliehtdebatto, befürchtet und besprochen, 111 der jiidischen!,resse ist dies jedoch nicht zum Ausdruck gekommen, da man anscheinend den Wunsch halte, Zurückhaltung zu üben. Die Frage ist jedoch in dem Augenblick in ein kritisches Stadium getreten, als die Armee in England autgehört hat, eine freiwillige zu sein. Drei Faktoren scheinen die für die rassischen Juden verhängnisvolle Wendung milvcrschukict zu haben. Einerseits entstand auch dort, ähnlich wie in Paris, eine (r c m d c 11 f e i n d I i c h c Hetze. Gcwisse Blätter iiiaclitcu lärmende Propaganda gegen die sogenannten ״Russen‘‘, die in ihre ״Heimat“ nicht z.iirückkchreii und in England die Arbeitsstellen der cinrückciiden Männer besetzen. Das giftige Wort von den ״J o b s t c e I e r s“ verfehlte nicht seine Wirkung, Dann kam, wenn auch nicht öffentlich, die russische Regierung. Es braucht kaum gesagt zu werden, daß tlic Machthaber in Rußland, deren Judenhaß gerade/u wahnwitzige Formen atuiimint, die Jiidenhetze in England nur zu gern sehen würden. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Fäden da* erwähnten fremdfeindlichcn Propaganda in der rnssisehen Botschaft oder in einem russischen Generalkonsul.it /usamiiK'iilaufcii. Die Beziehungen der Nort 11 cliff - Presse zu den russisenen Spliäreu sind seit langem kein Geheimnis mehr. Es ist ziemlich sicher, wenn auch offiziell noch nicht zugegeben, daß die russische Regierung ihren englisrhen Verbündeten deutlich auf ihre Untertanen in London, Manchester, Leeds usw. hingewiesen hat, die im militäqifliditigen Alter sind und nach Tausenden heraugezogeii werden könnten. Bei jeder militärischen Einberufung oder Musterung in Rußlaud haben die russischen Konsulate im neutralen und verbündeten Auslände initiier zugleich verkündet, den dort wohnenden russischen Untertanen werde empfohlen, in die Reihen der verbündeten Armee einzutreten, Wählend aber in Paris russische Juden in großer Anzahl (natürlich aus ganz anderen Gründen) sich in der französischen Armee freiwillig an werben ließen, war die Zahl der Freiwilligen unter den russischen Juden Englands auffallend gering. Wie der Minister des Innern, Mr. Herbert Samuel in seiner jüngsten Rede sagte, bestellt keine Vereinhändig zwischen England und Rußland bezüglich der russischen Juden. Aber die Praxis gegenüber den in England wohnenden Franzosen, Belgiern untl Italienern, die, wenn militärpflichtig, nach ihrem Vatcrlaiule zurückkehren müssen, mußte schließlich auch die l-'rage aufwerfen, wie man mit den rnssisehen Uiiiertancii verfuhren soll, Zuletzt kam die Stellungnahme der e 11 g I i - s c h e 11 J u d e n s e I b s t. Wie von diesen nssimilatorischen Ucbcrpntriotcn zu erwarten war, wurden sie sein׳ ängstlich. Sie fürchteten, daß das Nichttintiirtci* der russischen Juden in die Armee und die erwähnte Hetze ihren eigenen Patriotismus In Zweifei bringen können. So kam das Merkwürdige zusfandc, daß die englisch-jüdische Presse selbst den Gedanken zu propagieren begonnen hat, die russisehen Juden müßten sich in großer Zahl freiwillig ztiin Militärdienst melden, sonst sei der Zwangsdienst nicht zu vermeiden. Die letzten Nummern von Jewish Ciironicle und Jcwish World machen den Eindruck einer systematischen Hetze gegen die russischen Juden. Es wird ihnen vorgeworfen, daß sie die Stellung der Juden in England untergraben, den Emanzipatiouskampf ihrer Brüder in Rußland schädigen, die kommende jüdische Einwanderung nach England und Amerika der Gefahr von Einschränkungen aussetzen. Bei der Ende Juni stattgehabten Jahresversammlung des Board o f D e p u t i e s hat ein Herr Nathan L a 8 k y und mehrere andere Genticmen von dieser jüdischen Körperschaft verlangt, daß sie Schritte unternimmt, um in dieser oder jener Form die russisch-jüdische Jugend in die Armee zu bringen. Nur ein Zionist Dr. Daichcs, hat sich dieser Anregung widersetzt. Sollte die englische Regierung in ihrer Haltung anfangs schwankend gewesen sein, so haben diese Stimmen aus den einflußreichsten Kreisen der eng. lischen Jmlenhcit sie in ihrer Absicht bestärkt, auch die russischen Juden dem militärischen Gesetz, zy unterwerfen. I )er russisch e n J u d c 11 in East F 11 d bemächtigte sich eine ungeheure Aufregung. Sic verwiesen darauf, daß sie keine englischen Burger sind, kein Wahlrecht besitzen, auf die englische Gesetzt gehung somit keinen Einfluß halxn. Man könne ihnen daher nicht die gleichen Pflichten auferlegcn. Es ist eine blutige Ironie, von ihnen, auf Grund ihrer russischen llntertanensdiaft, zu verlangen, daß 11c auf den Kriegsschauplatz eilen. Sie haben Ruß. land verlassen, dasihnen das Lehen unerträglich machte. Sie kamen nach England im Vertrauen ,uif das Asylrecht dieses Staates. Sie haben sieh zumeist nicht naturalisiert, weil sie entweder wenige Jahre in England wohnen und jedenfalls ilue Zukunft mit diesem Lande noch nicht emlgiltig verknüpft liahcn. Für vit'le Tausende russischer Juden ist England nichts als eine Zwisclieiistation auf dem Wege n ich Amerika. In einigen Versammlungen russisch-jüdischer Organisationen wurde daher die Forderung erholten׳ dall man die Juden aus Rußland entweder In Ruhe lasse oder ihnen freien Abzug nach Amerika gewähre. Die Erbitterung gegen die englischen Juden und ihre Presse ist außerordentlich. Es wird ihnen vorgeworfen, daß sie zu einer Zeit, wo das Blut von I fiinilerttaiiseiidc״ russischer Juden, nicht nur auf den Schlachtfeldern, sondern ganz unschuldig in Rußland fließt, auch die wenigen Flüchtlinge aus Rußland auf englischem Boden in den Kriegsschhmd hineinschleudcrn wollen. Die Tagespresse brachte bereits einen telegraphisdien Bericht über die Erklärung der englischen Regierung im Unterhaus« am 30. Juni über die Dienstptlicht der verbündeten Fremden. Die Ironie der Geschichte wollte es, daß die Erklärung von dem jüdischen Minister Mr. Herbert Samuel, dem Staatssekretär des Innern, abgegeben wurde. Es ist jcdorlt nicht richtig, daß er den D i e n s t z wa 11 g für die russischen Juden bereits verkündet habe. Mr. Samuel sagte: ״Eine bedeutende Anzahl von Untertanen verbündeter Regierungen lebt in diesem Lande und ist im militärpflichtigen Alter. Seit der Annahme des Zwaiigsdicnstes in diesem Lande war das Gefühl immer allgemeiner und wuchs au, daß diese Männer entweder in der Armee ihres Dehurtslaiides oder in der Armee des Landes, das sic adoptiert haben, dienen müssen. Unter diesen Umständen wurden Vereinbarungen mit den Regierangen von Frank reich und Belgien getroffen, daß alle ihre in diesem Lande wohnenden Bürger, die der Dienstpflicht unterliegen, nach Frankreich oder Belgien zurückkehren. In London, Manche-ter, Leeds und anderen Städten befindet sich auch eine große Anzahl von tauglichen jungen Menschen ru-oischer Staatsangehörigkeit. Eine V e r e i n b a r 1! n g in i t d e r russischen R e g i e r 1111 g b e s 1 c h t nicht. Nach meinem Vorschlag und anderer int das Kricgsministeriuni zugestimmt, daß diesen jungen Russen erlaubt wird, in der britischen Armee auf Grund freiwilliger Anwerbung zu dienen, da sie in der Tat zum Dienst nicht gezwungen werden könne n. Diese Männer werden daher jetzt eingdadcu, sich zu melden und eine nickt unbedeutende Zahl hat sich bereits .״־!werben lassen. Noch aber bleibt eine bedeutende Anzahl, die keine Neigung zeigt, in den verbündeten Ländern oder in der russischen Armee Dienst zu nehmen, und ich schlage vor, diesen Männern zu bedeuten, daß, wenn sie nicht naelnveisen können, daß sie aus dem Militärdienst aus diesem oder jenem Grunde aus/tischließen sind, sie darauf gefaßt sein müssen, entweder der britischen Armee zu dienen oder nach Rußland z 11 r ü c k z u k e 11 r c!1, um ihren mditärischen Pflichten dort zu genügen. Ich schlage vor, ein besonderes Tribunal zu errichten, um die Be• schwerden dieser Leute zu prüfen.‘‘ Aus dieser Erklärung folgt, daß die englische Regierung zugibt, die russischen Juden zum Militär• dienst nicht zwingen zii können, daß ferner die Entscheidung noch nicht gefallen ist, Mr. Samuel Aii die Leser der jüdischen Rundschau in Wien. Wir haben dem Verlag R. Löwit, Wien, I. Rotenturmstr. 22, den Einxelverkauf der Jüdischen Rundschau für Wien übertragen. Der Preis der Nummer betragt im Einxeiverkauf 30 h. Verlajj der Jüdischen Rundschau.