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Jüdische Rundschau · 1916-07-14 · Heft 28 (14.7.1916) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXI (1916)
Issue
Heft 28 (14.7.1916)
Date
1916-07-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 28 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 229 Der Vorsitzende erklärte, dab cs sidi um die Walil von 8 Mitgliedern handle, von denen einer, der Vorsitzende J. M. 11 a I p e r i 11, verschieden sei[ zwei 1י o t w i 11 n i k und K a 1 nt a n o w i t s c 11 — friiuillig /uiü 1 kt 1,1 te il und 5 Komiteemilglieiler im'olne Ablauf ihrer Zeit atisscliiedcu, n.iinlieh Weiltenberg, Dubnow, l)r, K a t / e 11 e l s o h 11 , Krei- 11 i 11 und Schuft el. Nach dem Wählst,׳!tut gelten mir solche Kandidaten als gewählt, die eine absolute SiiiniiH'iiiiiehrheil auf sieh ziehen. Es wurden gewählt: S. M. Hub 11 u w (221 Stimmen), M. N. K r e i 11 i 11 (t'1H).S. I. Z i n h e r g (l'M), Dr. I.. K a t / e 11 ei s o 11 n (18 <t, M, S e h e f t e I (182) und <1, A. I. a 1111 a 11 (12*)), Euler ihnen waren Vier in allen Listen vertreten, einer in der hehraisliseheil (Landau) und einer in der iidisclustiselieu (Zinbcrg). Alle anderen Kamlidateil zogen Leine absolute Mehrheit auf sieh. Die Frage der zwei noch zu wühlenden Komitee-Mitglieder blieb daher ungelöst. Vortragszyklus der Berliner Zionistischen Vereinigung Dir Berliner Zionistische Vereinigung veranstaltet eine Reihe Von Vorträgen, die zionistischen und all'i'inen jüdischen Zeit fragen gewidmel sind. Den er-tm Vortrag in diesem Zyklus hielt Herr Rcdakteil« l.eo 11 e r 1׳ m a 11 n am '28. Juni lölü über 1 ./״ o 11i s 1 i s e 11 e Z e i t f 1 a g e n'1. Der Redner eiinti'i'le ausführlich alle die Fragen und Probleme, du׳ gegenwärtig die zionistische Welt bewegen, vor allein;11 ich die Frage der gegenwärtigen Fuge in l’al.istina, der Stellung der Zionisten zum Ostjudenprohlem mul zur Idee des amerikanisch-jüdischen Kongresses. Anschliellend hieran hielt am II. Juli Herr Davis Trielsch einen Vortrag über ״l’a- 1 ii s t i 11 e ״ s i s c h e W i r 1 s c b a f t s f r a ״ e 11“, in dem er die durch die Folgen des Weltkrieges noch besonders erhöhten Möglichkeiten einer intensiven landwirtschaftlichen und industriellen ErsehlicUiiiig des Landes und einer dichteren Besiedelung Paliislinas durch die Juden darstelHc. Nach I lerrn Davis Trictsclis kl.ihm und sachlichen Ausführungen ergriff Herr Professor H. II a II o d das Wort, der im Ansehlull an seinen Aufsatz in der ״Europäischen Staats- und Wirtschaftszeit tnig“ einige interessante Bemerkungen und Ergänzungen seiner Auffassung üher die groben llesiedeluiigsmögliehkeiten Palästinas machte. Das Auditorium, das das Auftreten des Herrn Professor Hallod lebhaft bcgrültte, spendete scimn herzlichen Worten, in denen er seinen starkeu Sympathien fiir den Zionismus Ausdruck gab, warmen Beifall. Misraclii-Konferenz in Chicago Vom 26. bis 30. Mai fand in Chicago die dritte J a 11 r e s k o 11 f e re 111. der amerikanischen Mivrachisten statt, die aus allen Teilen ries Landes beschick( war. Dem Misnichi in Amerika sind ictzt KD Vereine und 21 Synagogen angesclilosveii. Die Zahl der eingetragenen Mitglieder des Misnichi in den Vereinigten Staaten betragt 600 0. An der Konferenz nahmen die׳ leitenden Rabbiner, sowie eine grobe Reibe einflulirciehcr I’cisoiilidikciten des orthodoxen Judentums teil und der glanzende Verlauf der Konferenz, berechtigt zu der Annahme, dal! der Misrachi im kommenden Jalu eine grobe Anzahl neuer Mitglieder gewinnen und posilive jüdische Arbeit in gröberem Mabst.ibe als bisher leisten wird.! Die Jahreskonfcrcnz hat Villen Etat von 21 000 Dollar aufgestvllt, wovon 5FK01 Dollar für den Notfomls des Provisorischen Exikutiv-Komitces Ivestinunt -sind. ID wurde beschlossen, eine Lehranstalt ges e 1 z e s t r e 11 e r 11 a t i o n a I - j ii d i s c 11 c r L e h - Ttr zu gründen und das kürzlich reorganisierte Rahb i 1! t r- (. o II e g e zu unterstützen. Dieses ist die einzige׳ orthodoxe Institution dieser Art in Amerika; an ihrer Spitze steht Dr. B. Revel, der ein eifriger Zionist ist. Einen breiten Raum in den Eri'Ueriingcn nahmen die F'rageii der jüdischen J 11 - g e 11 d e ין z. i e 1111 n g ein, ein (iebiet, dem der Alisraehi die grollte Aufmerksamkeit ziiwendet. Die Konferenz beschlod ferner, das Projekt des a m e 1■ i k a ״ i s e 11 j ii d i s c h c n Kongresses mit allci Energie zu unterstützen und Schritte zu seiner Verwirklichung zu unternehmen. Ein besonderes E r e z. -1 s r a e 1 - B u r e a u wurde Unter dem Vorsitz des bekannten Rabbi J. L. Fischnimm geschaffen mit dem Zweck, den Jüdischen Natioiialfond, die Taclikemoni-Schule und den Misr.ulii.Kolonialfoml zu fördern. Unter 'dein Namen »,A eh i Sa mach“ wurde eine neue Organisation i״s Leben gerufen, die den Verkauf der palästmeiisisehen Produkte des alten Jisclvub (Ocbelmiiiitel, Gebetbücher, Bibeln tisw.) fördern will. Die Jahreskonferenz wählte ein engeres und weiteres Exekutiv •Komitee, deren o r s i t z e 11 d e r I lerr Meier Berlin, Redakteur •s ״llaibri“, ist. Au der Konferenz nahmen auch sieben Del!•• eile der k a 11 a <1 i s e 11 e u M i s r a e 11 i s t e ״ teil. Palästina-Hilfstag in Amerika .,Das Provisorische E x e k 111 i v - Ko m i - e e für z i o 11 i s t i s e h e A n g e lege n heit e n i 11 d e 11 V e r e i 11 i g te 11 Staat e n“ hat den 2. Juli zu einem allgemeinen llilfstug für P ,1 I ii s t i 11 a bestimmt, an welchem sämtliche zionistischen Komitees S t r a b e n s a m m I n n g e n und M a s s e n - 111 e e t i 11 g s für den zionistischen Notfomls veranstallet haben. Der Noll'omj des Provisorishen Exekutivkomitees sorgt Tür die zionistischen Institiitioiieii in Palästina und deckt die Ausgaben des beim Provisorischen F.xckutiv-Komitce eingerichteten Departements zur Uebcrwcisung von allgemeinen und privaten I lilfsgeldcrn. Das l kbervv eisiiugsdepartemeiit des Provisorischen Exekidiv-Komitves hat in der letzten Zeit eine bedeutende Ausdehnung erfahren 11ml umt'abt jetzt Palästina, Rubiamt und die okkuliierten (lebiele. Vom 2(1, Oktober HIFI bis zum 10. April!01(1 haben mehr als 13 000 Personen dieses Departement in Anspruch genommen und mehr als 100 000 Dollars sind in diesem Zeitraum von ihm überwiesen worden. Zum Todestag Theodor Herzls Zwölf Jahre sind am 2Q.Tammus vergangen, seit Theodor Herzl uns entrissen wurde. Aber die Erinnorung an don grossen Toten lebt In uns fort. Wir ehren sein Andenken durch treue Hingabe an sein Ideal, das er uns als teuerstes Vermächtnis hinterliess. Unser ganzes Sinnen und Schaffen ist auf das eine hohe Ziel gerichtet, — das Werk der Befreiung unseres Volkes, das 0r begonnen, zu gutem Ende zu führen. Trotz aller Romantik soines Wesens war er ein Mann dor Tat. Sein kühnor Goist, sein scharfer Blink sahen alle Notwendigkeiten unseror Organisation voraus. Jode bedeutungsvolle Einrichtung, die uns zu Erfolgen führte, hat er geschaffen oder angeregt. Er träumte von einem starken und ♦reion Volk auf fruchtbarer Scholl«. Er wies uns den Weg, den Traum der Verwirklichung nahezubringon. So trotzten Söhne unseres Volkes im Lande der Väter in helsser Heimatliebe allerorten dom so lange vernachlässigten Boden die alto Fruchtbarkeit ab. Sie schufen blühende Gärten und loyton die Keime zu stolzen Wäldern. Sie pflanzton auf den Bergen Judas den Horzlwald, ein ragendes Denkmal ewigen Dankes, ein Zeugnis unvergänglicher Treuo. Wir fühlen, zumal am Todestage Theodor Herzls, die Pflicht, dieses schöne Werk der Treue und Dankbarkeit zu fördern. Auch wir wollen helfen, dass dieses Denkmal unsores Führers immer würdiger seinor Grösse werde. Dor Weltkrieg hat uns in unserer unverbrüchliehen Treue zu Herzls Werk und unserem Gefühl der Verantwortung für die Zukunft unseres Volkes nur stärken können. Darum ergoht an alle Juden, die zu unserer Fahne stohen, die Aufforderung: Jeder pflanze zum 20. Tammus (21. Juli) einen Baum im Horzlwald! Bezeuget durch diese Spende die ewige Dankosschuld an den Mann, der euch das jüdische Lebensideal gegeben! Jüdischer Nationalfonds Zentralo für Deutschland; Berlin W 15. Brief aus Rumänien Em neuer Aula ft zwang vor kurzem die nniiiiiiDcben Juden, eine allgemeine politische Aktion zu unternehmen. Nene willkürliche und empörende Mabnahmen richtete die rmnüniselte Regierung gegen die jüdische Bevölkerung des Landes. Das rumänische Kiiegsministentim erhell nämlich eine Verfügung, deren Eolge es gewesen wäre, <L1b die jüdischen Unteroffiziere im rumänischen Heere zwei Jahre mul mehr hätten dienen müssen, während ihre Kameraden, die Rumänen, nur ein Jahr Heeresdienst zu leisten haben. Die jüdische Bevölkerung Rumäniens sah in dieser neuen M.ibnrilimc nicht nur eine Benachteiligung und Beleidigung der von dieser Verfügung Bctroffeneu, sondern eine pl.uimäbigc, absichtliche Ver- Ict/img der gesamten rumänischen Judcnhcit. Die Juden sahen sich 'daher gezwungen, gegen diese ungerechte Mabnalimc zu protestieren. Der ״Verband der einheimischen Juden“, eine Organisation, die seit einiger Zeit, infolge des Krieges, jeden cnergischen, politischen Kampf eingestellt und es »ich zur Aufgabe gemacht hatte, die ökonomischen und anderen niclitpoütisclicn Interessen der einheimischen Juden /u vertreten und zu schützen, hat, von allen würdigen und ehrlichen Juden unterstützt, eine euergievuile Arbeit für die Wiederherstellung der tiereehtigkeit eingeleitet. Seit zwei Jahren, seitdem der ,,Verband der einheimischen Juden“ seine politisch-agitatorische Tätigkeit gänzlich eingestellt hatte, ist der Kampf für die Gleichberechtigung der Juden i« Rumänien nicht mehr mit einer ähnlich starken Heftigkeit geführt worden. Her groben Energie, mit der die Aktion unternommen wurde, entsprach auch der Erfolg. Nach einigen groben Versammlungen in verscliiedcncn Städten, in denen mail dvr Empörung und dem Unwillen offenen Ausdruck verlieb und den unerschütterlichen Willen öffentlich kuudtat, für die Wiederherstellung der (icreclitigkeit, mi mleDcns und einstweilen in dieser Angelegenheit, mit aller Ent* seliiedenheit zu kämpfen, ersuchte die Vertretung des Verbandes durch Herrn N e g r e a n u den Kriegsminisler um eine Audienz, um ihm die Lage genau dar/ustcllcn. Herr Ncgrcain! wurde daraufhin von B r a t e a n 11 empfangen. Das (iesuch des ״Vereins der einheimischen Juden", das von Ilerrn Ncgrcanti dem Kriegsminister und Präsident des rtimä• nischen Kahiuetls unterbreitet wurde, batte freilich nicht ganz jene Sprache der Wurde, die wir gewünscht hätten und die die ganze Angelegenheit auf eine höhere Stufe gehoben hätte, indem sie das tiesuch zu einer Forderung gestaltet hätte. Doch müssen wir nneikemicn, dal! die Intervention des Verbandes zu vollem Erfolg führte 11ml dab I lerr Negrcami, der im Namen der Vertretung des Verbands beim Kriegsminister vorspraeb, die Frage logisch, würdig und der Wahrheit entsprechend dargestcllt hat. Herr Ncgreauu hat nicht mir diese zufällig akute Frage als solche besprochen; er hat überliaupi auf dem Prinzip bestanden, dab die citiheimischeu Juden von den rumänischen Staatsbehörden mit den Rumänen gleich behandelt werden. Die Regierung, d. 11. Herr Jon j. C. brate,11111 hat die Frage geschickt gelöst. Er versprach, die Sache zu untersuchen lind sie den Prinzipien der Ocrcchtigkeit gcmäli zu losen, was auch geschehen ist; hinsichtlich der prinzipiellen Seile der Frage erklärte der Minister, wie aus den Ausführungen der Zeitut!” des Verbandes, der ״I 11 f r a t i r c a“, hervorgellt, dab ״auch ihre Zeit kommen wird, 11 a c h d e m Kriege, w c 1111 alle groben Fragen des Landes auf die T a g c s o r dnuug kommen werden.“ Das ist eine Erklärung, die gemerkt werden muß, obwohl sie an sich nicht viel sagt, damit im geeigneten Momente die jüdische Frage in Rumänien wenigstens nicht von der Erörterung 111 der allgemeinen Üeffent• lichkcit ausgeschlossen bleiht. * Der Kampf für die Emanzipation 11er Juden Ruinäniens wird nicht nur von dem ״Verband der einheimische(( Juden“ geführt, der, vom rein organis,•!torischen Standpunkte aus, doch nur einen Teil der rumänischen Juden vertritt, sondern auch von den Zionisten. Zwischen diesen und dein Verbände bestellen grobe Unterschiede, die alle die Taktik im Kampfe für die (ileichbcrcchtigung betreffen. Während der ״Verband der einheimischen Juden“ Cileichbereclitigimgsfordermigcn nur damit begründen zu können glaubt, dab die Juden Rumäniens Rtimäneu seien, fortlern die Zionisten die (ilcichherechtigung, weil sie den Juden für ihre jahrhundertelange treue Pflichterfüllung ihrem Vatcrlandc gegenüber gebührt. Die zionistische Organisation in Rumänien, welche bis heute alle ihre Bestrebungen und ihre ganze Mühe darauf verwendet hat, sieb Innerlich zu stärken und eine möglichst grolle Anhängcrzahf zu gewinnen (die zionistische Organisation hat noch nie eine so intensive und fruchtbare Tätigkeit entwickelt wie in der letzten Zeit), wird in kurzem ihre energische Tätigkeit für die (ileichhrrcchtignng der rumänischen Juden forlsetzen und einen unuuterbrochenen, lebhaften Kampf in dieser Richtung selbständig einleiten. Die Zionisten werden gewiß die Erörterung der jüdischen Frage in Rumänien wieder in das richtige Geleise bringen: nicht weil sie assimiliert sind, fordern sie die (ileiclibercchtigung, sondern weil sic ihnen zustcht. Nicht einen Teil ihres Judentums opfernd, sondern, im Gegenteil, das Judentum ganz und tmgebrorlien aufrechterhaltend, fordern sie ihr natürliches Recht als Staats- Bürger eines Landes, dem gegenüber sic ihre Pflichten getreulich erfüllten und erfüllen. Damit wird der Kampf für die Gleichberechtigung der Juden in Rumänien ohne Zweifel in ein neues Stadium treten, in dem er an Klarheit und auch an Kraft nur gewinnen kann, Oalatz, 13. Juni 1916. ArielZahab.

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