Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXI (1916)
- Issue
- Heft 27 (7.7.1916)
- Date
- 1916-07-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 27 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 221 Aus der Duma ln der ״Ko m m i s s i 11 ״ f ii r 0 e s e 1 z e :- projcklc" wurde die Vorlage über die Aufhebung des Kiewer (knivralgouvcrnemcnis behnmlclt. Der jüdische Abgeordnete Dr, Bornas eh schlug vor, in! lalle der Atiliichuiig des Generalgouvernements die Frage״ des jüdischen Wahlreehts der Kompetenz des (joiivenieurs /11 entziehen und dem Ministen.un des Innern zur Erledigung zu überlassen. Der Vertreier <ler Regierung sj>r.1־ch eifrig dagegen und (iiluie zur Motivierung folgenden Gituid an: da nach Beendigung des Krieges der Erl.11 ו des ehemaligen Ministers Seit ts c 11 e r h a t o \v vom 13. August 191ל über die hrvvcilenmg des Ansivdlungsrayons eventuell anfg eitoben werden konnte, wird es für die Juden Kiews viel bequemer sein, die vielen!■'ragen, die uiil ihrem Wahlrecht Zusammenhängen, an Ort ttml .Stelle erledigen zu können. Erinnert matt sich, dal! der Erlall Schtsdieriiatows von keiner der gesetzgeberischen Institutionen he• st;1tig! wurde und daher keine gesetzliche (larantic besitzt, so wird es klar, welche weittragende Gefahr für die russische Judeulteit und in erster Lime für die I lumlcittaiisemle, die sielt sehoti in Zculralniltlnml ttii’ile!•gelassen ]iahen, tlk ■sc F.ikläruttg eines Regienm.g .vertreten 5, dem tlic Absichten der Regierung vcitr; ntt sind, in sielt hir ■gl. 1 )ic ״Jev ׳rejskaja Sliisn", die diese Nachricht veröl )entlieht, wendet! sich daher mit einem dringenden Appc 1 an die jüdisdu m 1 ’olitiker, die San kiionierimg des Erlasses durch die Reidisdttma zu erwirken. Ein Pogrom in Krasnojarsk Aus einem jetzt veröffentlichten llriefwechscl zwischen dem Bischof Nikon mul einem attonvmett lloligan, der den Bischof wegen seiner Jndenverteidigtmg fädelte, erfahren w ir von einem Pogrom gegen Jttden, der am 7./20. Mai in Krasnojarsk ansgebrochen war. Da die Zeitungen über diesen Vorgang■ nichts mitteiieii dnrlten, blichen die Einzelheiten unbekannt. Wie aus dem Briefwechsel hervorgehl, brach dieser Pogrom infolge der Verleumdung ans, dafl die Juden an der Teuerung schuld seien, und beschränkte sich an! die Plünderung der jüdischen . Däuser und Geschäfte, Krasnojarsk liegt in Sibirien. Von der Wahlkampagne in Warschau Dank der iineritiüdliclicn Tätigkeit des ״Verci* n i g t e n j ii d i s c 11 e n W a 111 k « nt i t e c s“ und der Agitation der gesamten jüdischen Presse beteiligten sielt die jüdischen Wähler eifrig an der Eintragung in die Wahllisten. Die extremen Assimilanten veröifentlicliten am 20. Juni in den politischen Zeitungen einen zweiten Aufruf, in dein sic gegen die Bildung eines jüdischen Komitees, das zu religiöser Separierung fiiltre und dfem Staatsgedanken tttui Liberalismus widerspreche, Protest erhoben und die jüdischen Wähler aiifforderten, nur für die Listen zu stimmen, die ihren allgemein politisclvcn Ansichten entsprädtett, ohne Rücksicht auf nationale Interessen. Auch innerhalb der jüdischen nationalen Parteien wurden von verschiedener Seite Stimmen der Unzufriedenheit über das ״Vereinigte Jüdische Wahlkomitec" laut, in dem die Verteidigung der nationalen Rechte, den Neiiassamilantcn zuliebe, angeblich vernachlässigt würde. Diese Stimmung führte zur Bildung c׳nes zweiten jüdischen Waltlkoinifccs, das sich »Volkskoniitce“ nennt und das eine Vor- Wahlversammlung im Lokal des ״Vereins der jüdischen Literaten und Journalisten", unter BctciliffUltg der 1 |crr״ N p r j ״ ן z k v, H. D. N o nt be r g, Hirschhorn 11. a. nbhielt. Beide polnische Wahlkomitccs, das ״natiortale“ mul ״demokratische", traten mit dem ״Verei- "'den Jüdischen Walilkoinitce" in Verbindung, um «j״c gemeinsame Kandidatenliste für die einzelnen wivn aufzustellcn. Auf einer Beratung der Verketer dieser drei Komitees soll am '311• Juni folgende Vereinbarung über die Verteilung der Mandaten/,1111 l'ctroffcn worden sein: das polnische nationale Ko- ®itec erhält 2f) Mandate, das polnische demokratische W, die Juden erhalten 15 Mandate, von denen auf ™ ,,Vereinigte Jüdische Wnhlkomitcc“ 12 und auf sogenannte ״Gruppe des Herrn Bolcslaw Eiger", fl"« Zwischenschicht zwischen den Nco-Assiutilaiiln des jüdischen Waldkomitces und den extremen olctt mosaischer Konfession, die die bekannte Ermit den 103 Unterschriften veröffentlichten) i ««fallen. Brief aus Holland (Vton unserem liaager Korrespondenten.) Das vor einigen Monaten erschienene vierte Jahrbuch d e r NZSO. (Niederländische Zionistischc Studenten-()rganisatioit) darf eine aucrkciimnsweile l.eistuug genannt werden. Ich muH mich auf eine kurze Aufzählung seiner Beiträge beschränken. Die Einleitung bildet ein Kalender, der u. a. die denkwürdigsten Daten der zionistischen Geschichte verzeichnet und mit Illustrationen geschmackvoll ausgestattet ist. int offiziellen Teil finden wir org.utisatorischc Notizen (die NZSO hat Niederlassungen in Amsterdam, Delft, Groningen, Leiden und Utrecht), alsdann einen Bericht über die Tätigkeit des Studentenverb, indes, verfallt von Fräulein Adele B :1 w ly, der eifrigen Schriftführerin der NZSO, ferner Angaben über jüdische Studentenverbindungen im Auslaude und einen Aufsatz von Jakob Land;111 ״Die jinlisdie Studentenschaft Oesterreichs". Das Wertvollste ist wohl eine (>0 Seiten umfassende Studie Zum Todestag Theodor Herzls Zwölf Jahre sind am 20.Tammus vergangen, seit Theodor Herzl uns entrissen wurde. Aber die Er* innerung an don grossen Toten lebt In uns fort. Wir ehren soin Andenken durch treue Hingabe an sein Ideal, das er uns als teuerstes Vermächtnis hinterliess. Unser ganzes Sinnen und Schaffen ist auf das eine hohe Ziel gerichtot, — das Werk der Befreiung unseres Volkes, das er begonnen, zu gutem Ende zu führen. Trotz aller Romantik soines Wosens war er ein Mann dor Tat. Sein kühner Geist, sein scharfer Blick sahen alle Notwendigkeiten unserer Organisation vormts. Jede bedeutungsvolle Einrichtung, die uns zu Erfolgen führte, hat er geschaffen oder angeregt. Er träumte von einem starken und freien Volk auf fruchtbarer Scholle. Er wies uns den Weg. den Traum der Verwirklichung nahezubringen. So trotzten Söhne unseres Volkes im Lande dor Väter in holsser Heimatliebe aliororten dom so lange vernachlässigten Boden die alte Fruchtbarkeit ab. Sie schufen blühende Gärten und legten die Keime zu stolzen Wäldern. Sie pflanzten auf den Bergen Judas den Herzlwald, ein ragendes Denkmal ewigen Dankes, ein Zeugnis unvergänglicher Treue. Wir fühlen, zumal am Todestage Theodor Herzls, die Pflicht, dieses schöne Werk der Treue und Oankbarkeit zu fördern. Auch wir wollen helfen, dass dlosoa Denkmal unseres Führers immer würdiger seiner Grösse werde. Der Weltkrieg hat uns in unserer unverbrüchliehen Treue zu Herzls Werk und unserem Gefühl der Verantwortung für die Zukunft unseres Volkes nur stärken können. Darum ergeht an alle Juden, die zu unserer Fahne stehen, die Aufforderung: Jeder pflanze zum 20. Tammus (21. Juli) einen Baum im Herzlwald! Bezeuget durch diese Spende dio ewige Dankesschuld an don Mann, der euoh das jüdische Lebensideal gegeben! Jüdischer Nationalfonds Zentrale für Deutschland: Berlin W15, über Achml Haam, deren Verfasser Nehemia de L i c m c ist. Angesichts dieser, aber auch anderer vorzüglicher Abhandlungen des Jahrbuches ntuh man es bedauern, dal) in unserer Bewegung der Leserkreis des Holländischen verhältnismäßig klein ist. Ja, man darf jedem deutsch lesenden Zionisten antaten, sich die Mühe, an Hand dieses Buches ein wenig in ':die Geheimnisse der niederländischen Spraciie einzudnngen, nicht ,,,verdrießen zu lassen». — Int allgemeinen Teil wird an erster Stelle von Frau O r 1t s t c i n - i I o o f i e n David Wolffsohn ein Gedenkblatt geweiht. Viktor van Vricsland versucht, Ost- und Westjudcntum zu analysieren. Dr. A. K a h 11 beschreibt den Einfluß des Weltkrieges wttf die zionistische Bewegung, ״Misracltistisdics und ortlioilox-tmli/ionistischcs Judentum“ betitelt sich eine sehr beachtenswerte Arbeit von J. E. Viceschon wer, deren Motto «in Satz von Moses Hel) bildet: ״Die jüdische Religion ist vor allen Dingen jüdischer Patriotismus". Fräulein E. Level! bach erörterte den Sinn von Nordnus Ausspruch ״Der Zionismus ist keine Wohltätigkeit, er ist eine Wohltat". S. Bromberg untersucht den Begriff der Nationalität und seine Anwendung auf die Juden. R. Polak gibt eine poetische Schildermig seines Aufenthaltes in Rischon le Zion. In ״Studenten und Nationalloiuls" richtet der tmenttiitlliehe Leiter der N 1 -Arbeit in den Niederlanden, Alfred Polak, einen Appell att die Studentenschaft. Ente lustige Ecke, ein zionistischer Literaturnachweis und eine Adresscnlistc der Mitglieder der N Z S U, deren Zahl etwas über )50 beträgt, beschließen das Jahrbuch, das ebenso wie die ״Hatikwah", das von S. Pol id ko ff redigierte Mouatsorgan der NZSO, auch nach außen der zionistischen Propagamla unter der akademischen Jugend dienlich ist. Seit einiger Zeit erscheint in dem viel gelesenen C c n t r a I b I a d v 0 o r Israeliten in Ncdcr• 1 a 1! d, wie dies schon vor dem Kriege der Lall gewesen, wieder regelmäßig eine zionistische Rubrik. Die holländische Tages presse bringt regelmäßig Nachrichten und Notizen aus dem jüdischen Lebert, wobei allen Vorgängen im Zionismus größte Beach- ־ tung geschenkt wird. Es verdient vermerkt zu werden, daß der im in- und Auslände stark verbreitete N i e 11 w e )Gitter d a m s c )1 c C o 11 r 111 ה, der früher seine Berichte über Zionismus sonderbarerweise 1unter ,,Kirchliche Nachrichten" tmlerbrachte, neuerdings mit dieser Gewohnheit gebrochen und jene Berichte in den allgemeinen Teil der Zeitung aufgeiHnnincn hat. In der Begründung weist das Blatt darauf hin, dal) der Zionismus im jüdischen Volke nicht eine religiöse, sondern eine Volksgcmcinsdiait erblicke, einen soziologischen oder etlmologischen Begriff. Der,,J 0 o d s c 11 c W a c h t e r" bringt u. a. rege!- mäßig Ikrichte der jüdischen Presse Amerikas über die Kongreßhewegnng. Audi referierte das Blatt über die Forderungen des zionistischen ״Aktivismus". Seit kurzem erscheint unter dem Titel ״Misrachi“ ein Mouatsorgan der holländischen Abteilung des Misraclti. In einer sozialistischen ■Zeitschrift widmet der bekannte Amsterdamer Sozialdemokrat A. B. Kleerko per der Denkschrift der Poalc Zion ״Die Juden im Kriege" eine sympathische Besprechung. Man begegnet in jüngster Zeit in der holländiselten Literatur einer Art ״K u n s t w a rt d e b a 11 c“. Es mag für diesmal genügen, wenn ich feststeife, (fall diese Diskussion hinsichtlich des Verhältnisses der holländisch-jüdischen Literatur zur nicdcrläiidiselten Sprache und Literatur ganz ähnliche Urteile zeitigt, wie sie infolge der Aufsätze von Goldstein, Avenarius u. a. in der deutschen Kritik ans Licht getreten sind. Während der letzten Monate halten maßgebende Vertreter der Jmlcnhcit I lollands aus allen Parteilagern die ersten Vorltereiumgcn getroffen, um, wenn einmal der Zeitpunkt für F r icden$vcrhand• I u n g c n gekommen sein wird, eine Aktion zur Bescitigung der Rcchtsunglciclihcit und zur Förderung der übrigen Lcbcnsintercssen der Juden in vielen Ländern durchführen zu können. Schließlich kann erfreulicherweise gemeldet werden, daß sich nach vielen Bemühungen nunmehr auch in Holland ein Komitee gebildet hat, das sich die Aufbringung von Hilfsgcldern für die jüdischen Kriegsopfer in Rußland, Galizien, Polen tmd Palästina zur Aufgabe gemacht hat. Hebräische Bewegung in Amerika Der ersten Nummer der neugegriindeten von Dr. S. M. M c 1 a m e d herausgegebenen nationalen Wochcnschrift ״T he American Je \v i s It C 11 r o - niclc", vom 12. Mai 1916, die dieser Tage von New-York cintraf, entnehmen wir den folgenden Berieht über das Fortschreiten der hebräischen Bewegung in Amerika: / Die Halbiahrsvcrsamnihmg der führenden hebräiselten Gesellschaft in New-York ״A c h i e b c r“, fand am 29. April in den Klubramnen der Gesellschaft statt. Der Präsident der Gesellschaft Dr. S. M. Melamed erstattete über die Tätigkeit der Ge- Seilschaft während der letzten seclts Monate Bericht. Er konstatierte, daß der Plan, die frühere hebräische Monatsschrift ״Hatorcn“ in eine Wochenschrift zu verwandeln, durch die Hilfe des ״Acltiebcr“ auf einer breiten Basis ermöglicht wurde. Der von J. D. Bcrkowitz, dem Schwiegersohn Schafotn Alejchems, redigierte ״Haforen" entwickelt sich rasch. Die Zahl seiner Abonnenten wächst von Tag zu Tag. Es zeigt sich, daß ״Hatorcn“ allmählich «ine hebräische Atmosphäre tmd ein hcbräisch-literaiiscltcs Zentrum in Amerika schaffen hilft. Der stellvertretende Präsident und Finanzsekretär Mr. Orlans verlas den Kassabericht, der zeigte, daß trotz vieler Sammlungen für verschiedene andere Zwecke das Einkommen der Gesellschaft in den letztet) sedts Monaten größer als in früheren Jahren war. Außer den regelmäßigen wöchentlichen Vcrsammiungen der Gesellschaft, die in hebräischer Sprache