Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1916-06-23 · Heft 25 (23.6.1916) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXI (1916)
Issue
Heft 25 (23.6.1916)
Date
1916-06-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2651273-2651974-2651999--10670-2668115
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 204 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 25 Eiui Bialikfond Mit den Unteischriftcn von Ur. J. W. Ts chic- ח o w, Rabbiner J. M a s e iiini J. N a j <1 i t s c 11 wurde in der jüdischen [,resse ein Aufruf zur Gründung eines Funds auf den Namen des Jubilars verollciilhclit. Der Fond dient dein Zweck, gute hebraisdte Kiuderliteratur herauszugeben, Unter anderem heiltt es in dem Aufruf; ,,Der Dichter unserer Zeit braueilt sich zu unseien! Glück nicht mehr zu fragen: ״Für wen schaffe ich und vielleicht bin iclt der letzte Dichter Zauns?“ wie in tiefer Verzweiflung sein berühmter Voi ganger gefragt halte. Seit jener Zeit hat sich vieles geändert. Die Kenntnis der nationalen Sprache wurde von unserer Jugend immer tiefer als ein natürliches Bedürfnis empfunden, ln Palästina erstand die hebräische Sprache zu vollem Leben. Je weiter der Wirkungskreis de: hebräischen Sprache ausgedehnt wird, desto gröbere Forderungen wurden der Literatur dieser Sprache gestellt, desto viel• *eiliger und moderner muüte sie werden. Leidenschaftlich rief der Dichter wiederholt seine näheren Freunde dazu auf, sieh an die Aufgabe der .Schaffung einer hebräischen (Kiuderliteratur zu stellen und ihre Pflicht dem künftigen Geschlecht gegenüber zu erfüllen. Wir sind daher überzeugt, dali die (iniiidiiiig eines speziellen Fonds auf den Namen des Dichters zwecks Herausgabe guter Kinderlitvratur in der hebräischen Sprache von Bialik als das schönste Geschenk empfunden werden wird, das wir ihm zum 23 jährigen Jubiläum seines Schaflens bringen können. Für einen fruchtbaren Alllaug werden nur 23ÜOÜ Rubel gebraucht. Wir sind überzeugt, die Judcnlicit wird schnell und freudig diesen Betrag Zusammenhängen, Jeden, dem der Dichter, dem die jüdische Zukunft' und ihr Zusammcnhaiig mit der Vergangenheit teuer ist, ,der Lehen will und nach Lnieuerimg des Volkes und der Sprache strebt, soll an dieser kleinen aller sehr weilvollen und wahrhaft volkstümlichen Arbeit Anteil uelimeii,“ Die zionistische Zeitschrift ,,Jevvrejskaja Shisii“ begann bald darauf Listen der eiiigelatifetien Iletrage zu veröffentlichen. Den bisher veröffentlichten drei Listen zufolge sind im Laufe eines Monats an die Adresse des Herrn J, A. Najditseli (Moskau. Armjaiisky Nr. 0) $220,6(1 Rubel citigdaufeu. Schweizer Delegiertentag des Zionistenverbandes Im Kaisersaal zu Bern fanden sieh am I. Juni die Delegierten der schweizerischen zionistischen Vereine zusammen. Da im Jahre 1015 infolge des Krieges diese Zusainmciikimlt ausgefallen war, lnleiliglcii sieli in diesem Jahre alle schweizerischen Städte mit besonderem Interesse am Delegierteutag. F.s waren 28 Delegierte und 10 Mitglieder des Laudeskoinivces anwesend. Die Stadt Bern war durch zahlreiche «Zuhörer vertreten. Auch von auswärts waren viele Gäste erschienen. Dieses liuciessc zeugt von vier groben Verbreitung des zionistisch!׳!( Gedankens in der Schweiz.. R.-A. Di. L. Arnstein, Basel, eröffnete als S’arteipniskleni die Versammlung. Herr Di. I’inkus, Zürich, stellte die rcchtmälligc Wahl der I »elegierten lest. Die Städte Basel, Bern, Biel, Genf, 1<י. Gallen, Lausanne und Zürich waren vertreten. Nach der Prolokollverlestmg begrüllte Herr Henri ׳Boneft, der Präsident vier Gemeinde Bern, die I agung durch einige herzliche Worte, indem er du Arbeiten des Delcgierlciitngcs vollen Fr folg wünschte. Daim fand die Wahl des Bureaus statt: Präsident: 1)1. G. Levy, Biel; Vizepräsident: Aber so 11, iienf; Aktuar: l>r. Schönberg, Basel. Hr. Arnstein erstattete sodann den (ies 1 11 ä 11 s b e r i c 111. Das Landes-Konulee bemühte steh von Anfang an, mit den Vereinen und dem L.A.G. in Verbindung zu treten, und dies war auch möglich, Ins der Krieg ausbradi. Dann wurde die Arbeit des l audes-Komitees gestört. Immerhin hat auch das zionistische Leben während des Krieges in vier Schweiz nicht aufgehört. Die Hauptaufgabe des I ainles - Komitees bildete, die Organisation zusamiueiizuhaltcn und neue Gruppen zu bilden. Die innere Arbeit übcrliclf mau den Vereinen. Fis wurden in Bern und St. Gallen neue Gruppen gegründet und gefördert. Nicht erfreulich sind die Verhältnisse in Basel. Dr. Arnstein begründete die Untätigkeit des Landcs-Komitees. Es muhte in Zürich eine Arbeits-Kommission geschaffen werden, die daun den Zusammenhang der Vereine fördeite. Die Organisation ist in der Schweiz unversehrt erhalten geblieben. Es kann nicht Aufgabe des La״- iles-Komitees sein, politische Aufgaben zu erledigen. Das stehl dem Engeren Aktionskomitee der Gesamt- Organisation zu. Die Zugeständnisse des Präsidenten des Landes- Komitees an die Versammlung Lähmten die Kritik, die stark zum Angriffe gerüstet war. Da ein Kus-eiibericht nicht vorlag, konnte Herr Wilhelm Simon, Zürich sein eingehendes Referat über die Ergebnisse der Nationalfonds-Sa in m lun gen sogleich beginnen. An der Hand eines gedruckt vorliegenden Berichtes, der die Ergebnisse statistisch darslellt, konnte der Nationulfomls-Kommissär über die geleisteten Sammlungen an manchen Orlen seine Befriedigung aussprechen (z. B. Liestal, Olten und Zürich), während er die Untätigkeit einzelner Vereine kritisierte. Ei empfiehlt die Vermehrung der Tlioraspcudcii, bessere Leerung der Büchsen mul dankt allen, die sich in den Dienst vier heiligen Sache stellten. Seine Worte, die mit der Auüorilerung auskiaiigen, dnll mau vier Notlage Palästinas in der Jetztzeit besonders gedenken möge, fanden brausenden Beifall, der gleichzeitig eine Dankcskuiidgebung des Dclegieitenlages für die eifrige Arbeit des Natioualfoml-Kouituissais darstclllc. Ur. P i n k 11 s erstattete Bericht über die Pa- I a s t i n a - A b t e i 111 11 g. Sie war dazu gegründet wurden, um die Auswanderung nach Erez-Israel zu fördern. Es gelangten viele Anfragen wegen vier industriellen und landwirtschaftlichen Verhältnisse an das Bureau. Auch sollte vier Verkauf palästiiH'iisisthiT Produkte propagiert werden. Der Ausbeuch vles Krieges hat dieser Tätigkeit ein Ende gemacht. Immerhin konnte die üi'iiTvermitthmg nach Palästina gepflegt weiden. Eine Palästina-Sammlung l.iml melit stall, weil der Gcmcindebuiid mul die Agudali bereits eine sulche eingeleilct hatten. Audi die Bemühungen, Kleidungsstücke, Medikamente mit Erlaubnis des politischen IXpartcments nach Palästma zu senden, sind noch nicht von Erfolg gekiönt worden. Immerhin soll die •Palästina-Abteihing weiter erhalten bleiben. Die vorgesehene Decliargc-Eiteilung wurde von den Revisoren, den I lerren Pink w a s s c r und Rapapoi t, Zürich, nur für die Kasse der Züricher Arhcitskomuiissiuu und Palastiua-Abteiuing beantragt und genehmigt. Nachdem 110dl Herr Moritz l.evy- Liestal über den Share-Club referiert hatte, wurden die Verhandlungen bis nach dem Mittagessei) unterbrochen. Bei Beginn der Mittagssitzung verlas der Präsivli'iii ein Begrüßungsschreiben des Nationalfonds- Bureaus im I laag mul Telegramme und Schreiben von einigen Ortsgruppen. Sodann wurde folgende Resolution, die das Landcs-Komitee vorlegte, zur Verlesung gebracht: ,,Der am I. Juni 1916 tagende Deleg i e rt e n t a g des Schweizerischen Z i o - II i s t c 11 v e r b a 1111 e s sicht in der Einheit der z i o 11 i s t i s e 11 e 11 G e s a 1111 o r g u n i s a t i 0 n n a eh wie vor das vor 11 e h 111 s t e I n s t r 11 - III e 111 zur Verwirklichung des Basler Programms. Der üelegiertentag ist d er Meinung, 11 a II den z i o n i s t i s e h e n L a 11 vl!• s v e r 11 ä 1111 e 11 heute die heilige Pflicht obliegt, 11 e 11 Gedanken der Ein- 11 e!! I 1 e 11 k e 11 der Bewegung und noch mehi der Einheit des jüdischen Volkes a I s 11 e h r s t e s G ul der lt e 1 z 1' s c 11 e n S c h ö p - I u 11 g 1 e i 11 1111 d u u v e r s e 11 r t zu b c w a 11 re n.“ In vier dainnl folgenden Generaldebatte, die mit vier Kritik an den /.ustandeii im Verbände durch die Untätigkeit vles Laiiileskoinitees und insbesondere des Vorortes melit sparte, kamen folgende Delegierte zum Worte: S. I. e w 111, St. (lullen, Papert, Ilern, Abc rs oii, Genf, A. J. Rom, Zürich, S w a t z k 1 , t!ent, W 11 b u s e 11 e w i t z, Dr. Straull und I). W e i 11 b a 11 m , Zürich, Buchmann, Genf, Dr. Lauer, Bern, S. Ucker und Rotten b erg, Zürich. Im allgemeinen machte diese Debatte den Eindruck, dal! die Zionisten in vier Schweiz, ihrem Ideale troti geblichen sind und l'ürdcruug des Palästina- Gedanken» wünschen. Dabei liel besonders auf, wie geravte die Delegierten der Westsehwciz. einstimmig dir Vertrauen vier Gcsnmtkdumg der zionistischen Wc.tnrgnnUaiioii zum Ausdruck brachten. Du• Schlußwort in der Generaldebatte hatte wie üblich der Präsivli'iii, der sich in kurzen Wor.cn gegenüber den sacliliehen Angnftcn;׳״,sspraeh und keine Verteidigung für sieh selb-t beaii'p,ucilte. Ileir Dr. I'inkus tritt nunmehr in einer laugeren Rede tu! ehe Einheit des Ziomsimis ein und begründet die oben angeführte Resolution, welche fast einstimmig genehmigt wurde, Ein Antrag Pa- ין ort, Bern, ersucht um Berichterstattung des E. A. C. an das Landcs-Komitee der Schweiz. Es soll in einer Veisammhmg des I.andes-Komitve mit den Vorständen vier Vereine darüber referiert werden. Sa- II i n s k i, Zürich, verliest lind vertritt die Anträge vles ״Makkabi" organisatorischer Natur betr. Vertrauciisiiiüiuicrvcrsaiiiiiiluiig 11 ml Erzichungsfragen usw. Wegen vorgeschrittener Zeit werden diese Anträge dem I.amles-Komitee zur weiteren Behandlung überwiesen. Man schreitet zu den Wahlen, Als Vorort wird Zürich mit Dr, I'inkus als Präsident bestimmt. Weitere Mitglieder des Vorortes sind: I >. W e i 1! b a um, S a 11 i n s k i, Dr. S t e i n b e r g, J. W e 11 k. Nationalfonds-Sekretiir: Will). Simon, Zürich. Die Mitglieder des Landeskomitees sind: Dr. Arnstein, Dr. Wormser, Moritz Levy A. Hack, Basel, S. L c w i 11, St. Gallen, Henri Boneft, Dr. Steil der, Bern, Abcrson und Gold borg, Genf, Dr. levy, Biel, G. Roos, Luzern, Kranowski, Lausanne, A. J, Rom, Zürieh. Auch wird vier Präsident der Studcimmvcreinigung ״II cchflwe r“ dem Landcs-Komitee kooptiert. Nach dem Sch lull wort des Präsidenten und dv in üblichen Danke an den Leiter der Versammlung wurde der Dclegicrtcntag geschlossen. Kurz nach dem Dclcgfvrtvntag fand eine Sitzung des Laiules-Koinitccs statt, in vier Herr Dr. Arthur Ha ulke über die (ivsamtsituatioii der zionistischen Bewegung mul über die Arbeiten der Leitung r*• ferierte. Es wurde in allen wesentlichen Punkten Uebereiiistimnuing vier Auffassungen festgestellt, Konferenzen in Amerika Der Frühling ist von jeher die Zeit der K11״- lereuzeu in Amerika. Audi die jüdischen Org.nnsationcu der Vereinigten Staaten sind gewohnt, ihre Jahresversammlungen zwisdictt Pehaeh und Schabnotli einzuheriifen und blieben auch dieses J.1I11 ihrer Tradition treu. Aulter der grollen Konferenz, die in Philadelphia am 26. März, stattfand, mul den kleineren Stadtkonferenzcn, die ihr voraufgingiii, tagte gleichzeitig jn New-York eine k o n 11• r e 11 < der radikalen Arbeiterverba nde, du• in Upposition gegen den geplanten allgemeinen Kongreß einen besonderen Kongreh und zwar nach Beendigung des Krieges cinzuberufeii bcsdiloll. 111 diesen Frühiingsmonaten fand aulicrdem eine ganze Reihe Jaltresko11fereuz.cn und Beratungen statt, die die öffentliche Aufmerksamkeit auf sieh zogen. Die erste dieser Koiifervii/eri war die der ״nat i o 11 a 1 r a d i k a I e 11 Seil 11 len“. Diese Schulen, die von den Kreisen der jüdischen iiational-sozialisti• selten Arbeiterschaft, zumeist unter der Wirkung der Poale-Zion und sozialistischen Territorialiste» entstanden sind, gehören zu den neusten Sdiopiungen der jüdisch-nationalen Arbeiterbewegung in Amerika. Sie sind vorläufig als Ergänzung der allgemeinen Schulen gedadit. Der Unterricht findet daher vorwiegend bloß an Samstagen und Sonntagen in manchen Städten auch an Wochentagen nachmittags — statt. Jidiseh und Hebräisch, jüdische Gesdiichi«, Literatur, Volksdichtung, Singen usw. smil die Unterriditsgegeustände. Einige dieser Schulen haben sich bereits in wirkliche Volksschulen verwandelt und demgemäß ihr Programm erweitert. In dei kurzen Zeit ihres Bestellen» gelang es noch nicht, ihnen bestimmte I orm zu geben. Das Hauptziel ihrer Gründet war, in Amerika eine neue jüdische Schule für Erwachsctie zu schaffen, die ihren Anschauungen gemäß areligiös und zu gleicher Zt'11 national sein soll. Bis ,jetzt existieren solche Schulen in 10 Stadien der Vereinigten Staaten und Kanada*. Von diesen beledigten sich an vier Konlcienz, 1111׳ die zweite Jahreskonlerenz des Verbandes ist, 21 Delegierte, meistens Lehrer dieser Schulen selb-t. Im Gegensatz zu den Beschlüssen dei vorjährigen Konferenz, wurde diesmal beschlossen, dal! alle juilisclien Feiertage melit als konlessionelle, smidcni nationale zu betrachten seien und daher m den Schulen geleiert werden müssen, mit Ausnahme des Versöhnungstages, für den die Teilnehmer der Konferenz, keine nationale Grundlage finden koiuitvSi, und dessen Begehung daher dem freien Willen der I.ehret׳ überlassen werden mußte. Wie zu erwarten war, nahm auch die Sprachenfrage einen bedeutenden Platz in den Lkbattcn der Konferenz ein. Nach langen Auseinandersetzungen Wurde beschlossen: I. die Unterrichtssprache ihr Schulen ist die jidiselie; 2. hebräisch und |1d1-el1 sind obligatorische Lclirgegeiiständc der Schulen. Heber den Zeitpunkt des Beginnes des hebräischen Unterrichtes entscheidet jede Schule autonom. Lude Oktober soll ein Lehrerseminar eröffnet werden. Die Konferenz beschloß ferner die Herausgabe eiiu'1 pädagogischen Zeitschrift, einer Kiuderzeitsdirift und setzte eine Kommission für Schulbücher und Kinderiiteratur ein. Viel mehr Aufsehen erregte die J a 11 r e s k o n - ferenz vles ״A r be i te r r i 11 g s", vier viel bintere Volksschichten hinter sich hat. Dieser Verband war einst die einzige organisierte Körperschaft der jüdischen Arbeiter Amerikas und zu gleicher Zeit die Hochburg der .sozialistischen Assimilation. Lr stand von jeher in naher Verbindung mit der p!>ph־ lärstcn jüdischen sozialistischen Tageszeitung ״Vorwärt s“, die allen jüdisch-nationalen Bestrebungen ferne ist. Die neue zionistisch-sozialistische $!r״ mutig in Amerika, die mit den ״Vorwärts"-Krcise11 erfolgreich rcvalisierte, rief vor einigen Jahren einen ״nationalen Arbeiterverband1' und vor kurzem, nach der Spaltung in der Kongreß frage, einen neuen ״national-sozialistischen Arbeiter-Verband" ins Leben, der die national• gesinnte Arbeiterschaft und Intelligenz dem ״Ar• beiterring" entriß tmd Seine allbeltcrrsdiende Macht schwächte. Eine Woche lang dauerte die Konferenz des ״Arbeiterrings", der schon 16 Jahre seiner Exi-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.