Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXI (1916)
- Issue
- Heft 25 (23.6.1916)
- Date
- 1916-06-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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\r. 25 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 2 5 stm/ zahlt tmü in tictu gegenwärtig 51 IHM) Arbeiter urgaiiisii'rt sind. Iווו?.entrinn der Verhandlungen slan- <!<•'11 die Orgaiiisatioiisfrage״, die Beziehungen des Verbandes /»in ״Vorwärts‘' und die Sekretariatsfraue, die besondere Streitigkeiten erregte. Bernerkeiiswcrt und für die gegenwärtige?eit charakteridoch sind die Debatten und Resolutionen über das Programm «ler Selnilen des Verbands. last auf jeder Jalncskonl'crcnz war ton neuem die!•'rage der jüdische» I i/11'lnmg aufgetaucht und wurde stets von einer kleinen oder größeren Mehrheit als eine iixiküonare Forderung, die mit der sozialistischen t H'siiitnmg des Arbeiters nicht in Einklang gebracht w(.ixten könne, abgclehnt. I ür die Delegierten einer ״Arbeit erring "•Konferenz klangen daher die Worte enu■•- alten I uhrer iles Verliaudes neu und beinahe ket/eriseli: ״Wir haben in den letzten Jahren in vielem uuigelcrnt. Die /.eit, in der wir dachten, cm Radikaler müsse ein Assimilant sein, ist vorüber. Wir wollen jetzt vor aller Oeffemliehkeit aussprciiicii, dal'׳ wir trotz unseres erprobten Sozialismus Juden geblieben siml. Mögen cs alle wissen, daß unsere .yiailie jüdisch ist und unsere Kultur die jüdische. Mit 52 gegen II Stimmen wurde beschlossen, Selnilen ga die Mitglieder des Verbands zu schallen, in denen jtidiM'lte llesebiclite und jüdische Literatur untermilkt wird und die Jidisch als Unterrichtssprache liahell. Der I11b1a1sd1-/i011isl1s1l11״ ׳I latoren" bemerkt zu ila'jcin Besehlull: ,,Wohl kamt ein solcher Nationalisums, der ausschlictlhch auf der jidisclieu Sprache alluii beruht und sich nicht von unseren nationalen Urwurzel», der Itebräisdrett Sprache und Literatur, nährt, die Wunsche der nationalen Volljttdeit nicht betriedigen. Wichtig sind aber für uns nicht die Resultate, sondern die Tendenzen und inneren I ritis• In alte. Wo ein nationaler Wille vorhanden ist, dort muH auch das volle nationale Bewußtsein kommen.“ Anfang Mai hielt auch der Verband der reforniiateii Rabbiner seine jahrcskontcrcuz ab. Wie die Zeitungen mitteilen, soll dort eine pessimistische Stimmung in bezug auf die künftige Ausdehnung der Rifoiinbewegnug geherrscht haben. Die Jugend habe für die Relornibestrebuug im jüdischen Kultus wenig Interesse und das ״Lastend“, das eigentliche ostjüdische Viertel New Yorks sei kulturell so getunken, dali dort kein Verständnis für die Ideale der Reform zu finden sei. Der misrachistische ״I laibh“ fügt dem Bericht über diese Konferenz hinzu: ,!Es wäre ein trauriges Zeichen für die Judcnheit Ntvt-N orks, wenn die Refonurabhincr Amerikas mit v\w ttthieden gewesen wären“. Bald darauf hat in Ncw-York auch eine Beratung des ״V e r h a n d e s c r 1110 d o \ e r Rabbiner in den VereinigtruSiaateu tt 11 d Kanada“ siattgefumicii. Aul den T3. Mai berief das ,,/. e 111 r a 1 - K o - m i t e e der Hilfsorganisation für tl i c notleidenden Juden inden k r i c g f ii 11 r e nden Landern“ eine Tagung in!,lüladelphia ein. Nähere Nachrichten darüber liegen noch nicht vor, Aul dieser Konferenz sollte ein genauer Gcldberidit erstattet und die weitere Tätigkeit der I lilfsorganimiioii geregelt werden. Demnächst werden auch die Jaliresberatimgen des M 1 s 1,1c 11 i v e r b a 11 des, des Ol den ״B r i i 11 Abraham", des zionistischen Orden ״II11 r Zion“ und endlich auch die Jnhrcskoiifcrenz der ״A mencan Zionist Federation“ staltlimlen. Vielleicht darf auch in diesem Zusammenhang ikhIi eine allgemeine wissenschaftliche Tagung er- "ahm werden, an der sich viel Juden beteiligten und die den Tragen der hebräischen Sprach(׳ und der jf■- ilixtu'ii (icisteswelt einen grollen l’latz emräumte: 11'T O 1 i e nt a I i s t e 11 k 0 n g r e Ii in Washington, l-inen eingehenden Vortrag über jüdische Bibliogra- Vhiv und nameuthch über die reiche Sammlung Ucbaiselier Bücher und Handschriften in der Kongreilbbliothek hieit der Leiter der semitischen Ab- K'ihmg dieser Bibliothek, Professor Israel Scliapiro lieber hebräische Lexikographie sprach ge istfeid1 und tiefsinnig der bekannte Lexikograph, Schrift- Meller und Heraus gelier eines grollen hebräischen Eexikons (M1II011) Elieser Beu-Jeliuda aus Jemsalun. Hugo Blum | Als Knaben sah ich ihn in der alten, ein- '״'Wificn Synagoge zu Halberetadt beten. Lr meinte ** ernst mit seinem Qotte. Der Andächtigsten ünct■ war er. Lin wahrhaft heiliger Schauer ging 0׳י" ihm ans und ergriff mich, der ich selbst noch Knabe war. Seine Augen schauten nur dann «>f, wenn er seinen vom Alter gebeugten Großvater greisen Rabbi Chairo auf den Almcmor lunauf?״ Tliora geleitete; aber nicht Stolz über die ®זי, den gelehrten Oreis führen zu dürfen, spraeh aus seinen Augen, solidem nur demütige, rührende Bescheidenheit, Den Jüngling horte ich als ersten die Namen: Herzl und Zionismus neunen und bekennen. Als einer der Ersten in I lalbcrstadt erfaßte und vtrbreitete er die zionistische Gedankenwelt. Wie eine ־ Offenbarung war cs sogleich über seine für alles ('«rolle und Tiefe empfängliche Seele gekommen. Dabei blich er mit seinem ganzen Herzen der Thora treu und zeigte als einer der Ersten, daß Zionismus und Thora keine Gegensätze sind. Der Mann besprach und beriet oft mit mir Dinge iles geschäftlichen Alltags. Auch hier, wo mancher sonst Vornehme nur an seinen Vorteil denken zu dürfen glaubt, War er rein und lauter. Von jüdischem Edelsinn war auch sein Alltag iliirehdruiigcn. So war Hugo Blum Jude mit Leib und Seele. Im Denken und Fühlen, in Handel und Wandel, im Arlvcitcu und Genießen erfüllte er das Gebot ,,Heilig sollt ihr sein“. Hierin war er konsequrut bis zum äußersten. Er kannte keine Kornpromissc mit dem Unliciligcu. So sehr ihn auch auf allen Gebieten Wissenswertes interessierte mul beschäftigte, das Liebste waren und blieben ihm Thora und Zionismus. Jeder fortschreitende Gedanke im Zionismus wurde ihm zu einem inneren Erlebnis, das in seineu ITeundes- und Bekanntenkreisen befruchtend wirkte. Er war nicht mir Schckrlzahlcr und Vers.uiiinliiiigslnsuclier; zwar war er auch hierin eifrig. Aber er tat mehr. Er lebte als Zionist. In der Oeffemliehkeit trat er zwar nie hervor; sein Glauben an die Menschen ließ ihn wohl andere, die ihm in Wirklichkeit nicht glcichkamcn, an Bedeiittmg übiTsrliatzeii, sexlaß er sieh bescheiden im Hintergründe hielt. Aber durch den Zauber seiner Persönlichkeit, den Adel seiner Gesinnung, die Ueberzengungskraft seiner Gedanken gewann er dem Zionismus mehr echte Anhänger als viele Versammlungen der öffentlichen Propaganda. Nun hat der Sturm, der über Europa rast, auch Ilm vorzeitig von uns genommen: einer tiickisehen Krankheit ist er an der Ostfront erlegen. Als einfacher Armiermigssoldat war er hinausgezogen. Mit der gleichen Selbstverständlichkeit, mit der er sie in der Heimat erfüllte, tat er dort draußen die oft harte, schwere Pflicht. Besondere Vcrgiinsligungcn, ״bessere“ Posten, die er hätte bekommen können, lehnte sein Gcreclitigkcits- und Kameradscliaftssinn ab. Er hatte das Fundament des irtililärtsiiicn Systems 1md seiner Erfolge erlaßt, daß jeder da aiiszuharren habe, wohin er gestellt wurde. So war er freu bis zu seinem letzten Atemzug, geliebt und bewundert selbst von seinen Vorgesetzten und Kameraden, itn Leben wie im Sterben ein lebendiges Bild der Treue. Lrez. Jisracl, das Land seiner Sehnsucht, nach dem sei״ Vater noch iin Alter gewandert, um dort zu sterben, sollte er nicht mehr sehen. 1111 Haine der Erinnerung aber wird sein Name dort nicht vergessen werden. I >r. Michael Meyer z. Z. im Lazarett. AUS ALLER WELT Au* Rußland. (Auf dem A d v o k a t c 11 k o n g r e ß.) /u Ehren des 50jährigen Bestehens des russisehen Advukatenrates wurde Ende April in Petersbiirg ein A d v o k a t e 11 k o » g r c ß cinbemieu auf dem unter anderem auch ein Vortrag von Rechtsanwalt J. S, G o I d c n vv c i s e r über die ״F 1 e in d v ö I k e r in der russischen A d vok a l u r“ stattfund. Im Anschluß an diesen Vortrag faßte der Kongreß eine Resolution, die die Atiiliclnnig der Beschränkungen bei der Aufnahme von Aiigeliöiigeii der rußläudiseheii Fremdvölker in den Advokatenstand verlangt. (Von der Selbsthilfe.) I >ie Gesellschaft zur Pflege der Gesundheit der Juden öffnete eine Abteilung zur Versorgung der kranken Greise und kleinen Kinder mit Milch in den Städten, wo die meisten jüdischen Fluchtlingc konzentriert sütd. Diese neue Einrichtung wurde unter dem Namen ״Ein Tropfen Milch" in den Städten Samara, Krcmcntschuk, Jelisawetgrad, Jckatcrinoslaw, Romni, Melitopol lind Marlupol organisiert. (Neue Bücher.) Im Verlag ״Moria“ Odessa, erschien der erste Band der gesammelten Schriften des jüdisch-russisehen Schriftstellers Bcn-Ammi in einer hebriiisehen Uebcrsetzung. Der Band enthalt Erzählungen und Skizzen, die von Ch. N, B i a I i k , Bcrko witsch und anderen übertragen wurden. Demnächst erscheint in russischer Sprache ein Buch von A. Goldstein ״Silhuetten jüdischer Schriftsteller“. Das Budi enthält kritische Studien D. Berkowitsch, renn er, M. S. FeloviHMioivm.1 . uuwn v»i über D. Bergclsohn, J. Ch. N. Bialik, J. Ch. Br erberg, Uri G 11 1׳ s s 1 n Jakob Kali», H, D. א o m b c r g , A. Reisen, l). S c h i m o 11 0 w i t s < h, S. S e h 11 e u r und 8, T s ch c r n i ch <1 w s k v. Berichtigung Wir werden darauf aufmerksam gemacht, daß in dem Aufsatz: Srhalom Alejihem als Zionist der letzten Nummer der Jud. Rundschau ein Irrtum un• tcrlaiifen ist. Es w ird dort behauptet, Sihatom Alej- ׳ ehern habe als Delegierter an der Kattowitzer Konfeich/, die übrigens nicht 1855, sondern im Oktober 1884 abgeli,•du» wurde, tcilgenommeii. Diese dem Aufsatz des Herrn Nisscubatim in ״I lazcfira" entnominelle Behauptung ist falsch, da offenbar eine Verwechslung mit Saul Pinchas Kabimiwitz ושפ״רו vorliegt. Schalom Alcjchcni lebte zur Zeit der Kattowit/.er Konferenz als Kaufmann in Kiew und trat damals öffentlich noch mellt in bemerkenswerter Weise hervor. TURNEN und SPORT Der Sonntag des IS. Juni war ein Ehrentag für den Berliner Bar-Koeliba und ein Tag der Freude für alle diejenigen, die diesem Lieblingskind des neuen jüdischen Geistes im Westen in Liebe und Wertschätzung zugetan sind. 111 diesen ■schwerem Kriegstagen, da fast seiner vollwertigen Mamtschalten 1111 Felde stehen und!er, in liulicrcm Maße noch als andere Berliner Vereine, auf ״Ersatzwirtschalt“ .angewiesen ist, war ihm ein Erfolg beschieden, der nieJit allein Seme Erfolge aus den letzten rriedcnsjalircii völlig in den Schatten stellt, sondern auch überhaupt Leistungsfähigkeit und das sportliche Können seines jungen Nachwuchses in ein wohl auch für die Nächststchcfldcn überraschcndcs Liebt stellt mul ihm einen der ersten Platze in der stattlichen Reihe gleichst rebender Vereine in der Reiebsliaiiptstnilt sichert, Das unerwartete ist in dem am 1 ergangenen Sonntag stattgehabten ,.KriegsstaffeUeiilauf Sicm- Stern“ des Verbandes Berliner Athletik-Vereine Erciguis geworden. Zahl und Qualität der teilnehmetuien Mannschaften, sowie Ort uml die bcsoiideren Zeitumstänik■ machten den diesjährigen Ersatz für den durch den Krieg aufgehobenen 5tnffcttcnlauf ,,Potsdam-Berlin“ zu einer sportlichen Veranstaltung׳ glänzendster Art. Die etwa 12 Kilometer lange Strecke ״Stem-Gmncwald“ ״Stcru-T1crg;1rtcn“ der deutschen Metrojxile prächtigste uml vornehmste Arena, wurde zum fröhlichen Tummelplatz für nicht weniger als v i e r 1111 d f ii 11 f / i g erprobte Mannschäften einer stattlichen Reihe renommiertester Groß-Berliner Sportvereine, an deren Spitze der Berliner Sportklub mit 7 Mannschaften marschierte. Von diesen virrundfütif/ig Mannschaften schieden bald sieben aus. U n t e r 11 e 11 du r c 11 s Z i e I g e - g a n g e n c 11 s i c b e n 11 n d v i c r i g S c 111 uß m ä 11 - ח e r 11 errang Srharlinski (Jüdischer Turnverein Bar Kochba) in i t '20 Minuten 1•) Sekunden d c ח vierzehnten Platz und den vom S p o r 111 a ti s K o h I in e v g e s t i f t e - t e n prachtvollen silbernen Pokal als S i e g e s p r c i s. Bin Berücksichtigung des Umstandes aber, daß einige Sportvereine mehrere ,Wannschaften zu entsenden in der Lage waren (der Berl. Sport* klub I und der Sportkluh Charlottenbiirg 1 Mannsrhaften) ging unser Rar Kochba als ungefähr sich e 11 f r r aus dem Wettlauf hervor. Als Turnverein aber errang der Berliner Bar Kochba damit zugleich, da mir zwei andere Turnvereine vor ihm durch* Ziel gingen, den dritten Platz! Und wahrlich: c« waren die schlechtesten nirlit, die hinter ihm zurückhliehcn. So die Berliner S!»ortvercinigimg, Berliner Turm rschaft, Lübecker Türmerein, Jugendklub Neukölln 1 Mannschaft, Verein für Körperkultur, Allgemeine Turnersrhaft Charlottenbürg, Pionier Er*,1t/-Bnta!lion. Kaiser Franz Gronaliier Regiment. . Diesen glanzvollen Erfolg des Berliner Bar Kochha vermag man erst richtig zu würdigen, wenn man ihn mit den Ergebnissen des letzten Fricöcnsjahres vergleicht. H114 war Bar Kochba zw eiutulzwanzig'■ ster unter 51 Mannschaften! tOIT und 1<H2 freilieh war Bar Kochba 15. und 17 Niedergang, Entartun״, munkelten voreilige Kritiker, Nun, der achtzehnte Juni des zweiten Kricgxjahrcs hat tlie Schmach abgewälzt. Die Scharten von 1015 sind ausgewetzt. In neuer weithinstrahlender Jugend gebt der , Bar Kochba" unter seiner trctllichen über'alle Maßen 'verdienten Führung -- der Name seines Tumwartes Hirsch kann auch in diesen! Zusammenhänge unmöglieh ungenannt bleitx-n! — einem neuen Aufstieg entgegen. Die sorgfältige Saat der Kriegszeit wird im kommenden Frieden zu neuen Erfolgen reifen. L, R. Nachrichten Breslau, Der Zionistische Mädchenklub veranstaltete unter Leitung von Frau Rechtsanwatt Lachmann, am 4. d. Mts. zum Schabouthfeste einen Blumenverkauf, dessen Reinertrag von 325 M. dem Palästina-Hilfswerk zugeführt wurde. — Warschau. Die ״Jüdische Rundschau« ist bei Freld, Rymarskastraßc 15, zu haben. t