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Jüdische Rundschau · 1916-05-26 · Heft 21 (26.5.1916) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXI (1916)
Issue
Heft 21 (26.5.1916)
Date
1916-05-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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J U E DI SC H E RUNDSCHAU Seite lt>9 Nr. 21 Kolonien vorhanden sind, uml da die Re1|11isi1in1U'n gewöhnlich auf die einzelnen Ka/as verteilt winden so 11>t gerade Merchawjah viel mehr als die anderen Faviuen darunter zu leiden. Monatelang wurde ein Teil der Arbeiter und der Zugtiere für militärische Arbeiten in Anspruch genommen, /.altlreiehe 1 nippen kaiiipieiien zeitweilig iu'Ihii der Parin uml dm Steuern wann 111 diesem Jahre lx'sonders hoch. I einer liabeu die Heuschrecken das Eiittergrtrcide vernichtet und die Weizenfelder beträchtlich beschädigt. Schließlich winde Merchawjah im Sommer H)I5 von einer Feuers- Iniie t helrolleu, bei der die Dreschmaschine, sowie Im < m ir und ferner größere Quantitäten'von Kichercd•• 1' und l’ferdebohnen im Werte von 7(MH) Praucs xeii.n■Ittet wurden. irotz alledem ist zu einem Pessimismus keine Vei•uilassiinfj. Mvrcltawjali ist dadureli, tlall nunmehr zu!יי Palme 11 von der Siedlung nbzweigen, ein wichti: u Knotenpunkt geworden. Die auf Vorschlag vim |)1 |nfle als Notslnmlsarbcücn in diesem Jahre durch- /iiinhrendeii Snnieriingsmallnahmcu dürften die Krankhi'iMierde vollständig zum Verschwinden luingen. Die Arie 11 der t ienossensehaft selbst, hat sieh gerade in ii'.-r Kriegszcit, nachdem sie zur Selbstverwaltung iil» י gegangen war, und die Wirtschaftsführung ohne ständigen Administrator übernommen hatte, sehr bewährt. Der palästinensisehe (icschäftsführcr leih hinüber mit: ״Die S i e d lu n g s g e n 11 s s e 11 - s c 11,1 f 1 h a t i n d e 111 j e . z l a b I a 11 f e n d e n W n t s e h a f t s j a h r mit a 11II c r o r d c 1111 i e 11 ein P 11er und 11 I n g e b 1111 g gearbeitet, <1 i e jedes Lob verdienen. Die Ordnung im Mole und in d c r. W i r t s c 11 a f t ist sehr g 111 1111 d zeigt, (lall die Arbeiter ihrer Aufg a b e g e w n c h s e 11 s i n d". Sehr zu beklagen sind aber die infolge der vielen Sch,ideu mul Unfälle entstaitdeucii Verluste, die bisher ,Hielt in ruhigeren Gegenden fast keiner Kolonie erspart blieben. Die Verluste während der ersten vin bis fünf Jahre sind daher nach Ansicht aller mal',׳:ebenden Autoritäten als Pionierkosten gerechtervu-me nicht aussehlieltlieh von der Siedlnngsgescllschult zu traget!. Es sollte über diesen Punkt Klar- In 1t!:(׳schaffen und sodann au eine neue Kapital- \\nInnig geschritten werden. Der Mangel an neuen Kapitalien hindert die Sivillnngsgcsellschnft, ihrer Tendenz, gcinäll /u einer /cnliale für alle genossenschaftlichen Unternehmungen der palästinensischen Arbeiterschaft zu werden. Vor allem konnte die alte Abmachung mit dem Nationalfnuiis nicht verwirklicht werden, den Itel rieh Pag an iah zu übernehmen, der provisorisch von dem Nationalfonds verwaltet wird. Dies ist um su licdaiici'lirher, als dadureli der planmällige Aushau ilii ser zn eitgrolitcn (ienossensehaft, die die Vorbrrritiingssehwierigkeiteii zum Teil schon üheruimdi 11 hat, gehemmt wird. Die Sicdlmigsgesellschaft verlnlgt mit besonderem Interesse die Entwicklung ihiM'i (iciiosseuschaft, die, aus einer freien Okkupat1n1is׳.׳r11ppe entstanden, einen von Mvrclmvjah zum Teil ahüeiehenden Typus darstcllt. Nach dem Jahre 'זיוי l, damit einem kleinen Defizit abschiolS, brachte das Jahr 5f>7l nach Deckung aller Wirtschaflsaiisgaben und der Grundrente au den NationaUuuds den •min 1 n 1 lut r.i i'ht 1 ichc n Reingewinn von zirka 7000 cibiiiil, so bringt der Jude die Welt zur Einheit, iiiilmi er sieh /.wischen (len widerstrebenden Trieben seiner Seele e n t s c h e i (I e t. Nur scheinbar ist diese E1Ü-.1 luidmtg ein Vorgang in ihm allein. In Wahrbeit hangt das Schicksal der Welt v o n d1'׳ P 111 s e 11 e i (111 n g des Menschen uh, Uimr allen Gcistcsgeslaltimgeu der Menschheit ist <!.>■ Judentum die einzige, in der die Putscheidiing dis Menschen solcherweise Mitte und Sinn alles GesclulicusWird. Durch sie wurde der Okzident für die Lehre des Orients gewonnen. Keine der grollen religiösen Lehren ist im Abendl״'׳d entstanden. Das Abendland hat sie nur aufkciKNiiineti. Warum der S״״s1 so tibcrieich schöpfensehe t »h/ident gerade auf dem Gebiete des Religiösen .mSiichmcml blieb, das erklärt »über, wenn ich 1hu recht verstanden habe, damit, dal! der abendländische Mensch nicht die Ausschließlichkeit ** 1r׳ml, mit welcher der Morgenländer sein ganzes Das v i n auf das von ihm als wahr Erkannte einstellt. Ihr Puropiicr bat ein unendlich reiches Wissen, Tn״, Hilden. Der Morgenländer aber weift nur von drm Einen, das uottut. Allem Reichtum abcndläudi- *rher Kultur und Zivilisation stehen die wenigen Zeilen des 127. Psalms gegeniilwr: ״Wenn Gott das Haus nicht ־baut, bemühen sieh alle Baumeister verh'ebeus". Dali aber gerade die jüdische Gestaltung des orientalischen Geistes sielt die Welt eroberte, dafür sieht Bubcr den Grund in ihrer Alloffcnheit - sie "!•mite sidi an alle Menschen nicht bloft an erleMiic _ ״lld jn ihrer Richtung auf die positive Tat. N> ergibt sich für Buber als Ommizug der orientalischeit Wcltauffassung die Eutnveumg und Planes, der zwischen dem Jüdischen Nationalfonds lind der Arbeiterschaft verteilt wird. Das Kriegsjahr 500 ist naturgemäß nicht ohne Rückschlag auch für Daganiah geblieben. Daganiah Ist aber Zweifelsohne ein erfreulicher Beweis für die Entwicklungsmöglichkeiten der genossenschaftlichen Kolonien, Es wäre aullerordvutlieh erwünscht, dal! die Siedltmgsgcsellschaft durch die UetK'rualuue der Aktiven von Daganiah in I lohe von zirka 100 000 Praucs den jüdischen Natioualfonils entlastet. Der Nntionalfimds wird mir dann an der Gründling von Genossenschäften erfolgreich mitwirken und eine großzügige llodeiipolilik betreiben können, wenn ihm der <ienossenselialtsfoinls die Sorge für Inventar und Betriehskapital, sowohl der siedelnden, wie der okkupieremleu Genossenschaften ,׳ibiiimint. für jeden I all schließt der Bericht mit dem Wunsche, dall sich die weitesten Kreise über die Bedeutung der vom Kongreß beschlossenen Erweiterung des Genosseiischaftsfimils klar weiden, damit man d e 11 K o I o n i s a t i o 11 s m ö g I i c 11 k e i t e n n!1 e h Ericd e n s s e h 111II nicht mit I e e r e 11 II ii 11 d e n g e g e 11 ii 1י erst e 111. In der eingehenden Debatte, an der sieli alle Anwesenden beteiligten, kam vor allem der Wunsch /וווו) Ausdruck, mit dem Natioualfonils während des Krieges wegen der von ihm gewährten Vorschüsse zu einer Verständigung zu kommen. Aber auch nach Ordnung dieser Angelegenheit zur beiderseitigen Zul'rii ilenlieit bleibt das Vermögen der Siedlimgsgesellschaf! in den Aktivbeständen von Merchawjah festgelegt. Zwar ist vom jüdischen Nntionalfimds die Lösung der Wohnungsfrage speziell für die verheirah'tcn Arbeiter aus den Mitteln des Arbeiterheinistätten- oder Wolffsohnfotuls in Aussicht genommen, doch werden jjoclt immerhin beträchtliche Atifweu- (hingen seitens der Sieilhingsgesellsehaft zur Siehenmg Mereltawjalis 11ml weitere Mittel zur!,ehernähme oder Gründung von neuen Genossenschaften notwendig sein. Eine energische Fortsetzung der Werbeaktion für Anteillind Genttllselteine der SiedhmgsgcSeilschaft ist nach Aufstellung der Bilanz für das Jahr 10!ו in ׳Aussicht genommen. Zugleich aber soll der sog. ״Geiiossensehaftsspciuk•“, d. 11. den Behagen unter 81) M. (100 Pralles) besondere Aufmcrksamkcit /!!gewendet werden. Es sollte angestrebt werden, die Genossenschaftsspendc, die dein Anteil des Jüdischen NalionaHomls au der Siedltmgsgcsellschaft ״Erez Israel" zugute kommt, zu einer ständigen Samiuelruhrik zu gestalten. Die Oeffentlichkcit sollte nachdrücklich über die Wichtigkeit dieser Speinlenait für den (ienosseusehaftsfonds aufgeklärt werden, die einerseits die Deckung von Okkupationsvcrlustcn in Merchawjah, andererseits eine planmäßige Wirksamkeit zur Erschließung von Neuländcreicn mit Hilfe wandernder Pioniergruppen nach dem Kriege ermöglichen soll. In den Au fsichtsrat wurden hierauf folgende Herren gewählt: Jnsti/rat Dr. Bo 11 e n I! c i m e r, Ingenieur S. Kaplansky, Ingenieur Johann K r e m e 1t e z k v , N. de L i c in e , Dr. Fr. Oppenh e i m er, A. S i in o 11 s und Professor Dr. O. Warbiirg, zu Geschäftsführern die Herren N. Groß und Dr. A. R 11 p p i 11. das Streben nach Einheit, als Gruitilzug des jiulisehen die Verlegung dieses ganzen Prozesses in das I nne re des Menschen. Demnach als Sinn der Welt für den Juden: Erlösung der Welt in der innern Versöhnung der Gegensätze durch die Entscheidung der Tat. Diese Analyse bestätigt sielt in der Untersnrbimg des jüdischen Mythos, Die jüdische Mythologie in der Schichtung, die lltibcr an ihr zu entdecken glaubt, zeigt eine immer stärker werdende Tendenz zur Vereinheitlichung und Verinnerlichung des Göttlichen. Sie beginnt mit den Elohim, die in der ursprünglichen Vorstellung eine im I landein verhmidetif Mehrheit kosmiseher Kräfte gewesen sein mögen, kristallisiert daun aus dieser (iötlcrwolkc den einen Jahve heraus, gewissermaßen ein Uauptwcscn Haler den vielen Göttergeualtcii, das in der dritten Phase zum einen einzigen Gotte wird, dessen Diener, die Propheten, nunmehr leidenschaftlich gegen alle (i«'»t 1 ei Vielheit auf treten. Ganz falsch aber wäre es, damit den Prozelt der jüdischen Mythenhildung als abgeschlossen zu hctiachteii. Die mythische Schöpferkraft der Juden wendet sieh tiumuchr von Gott - der immer tmhilillicher wird - desto eifriger der Welt zu. Die Welt wird jetzt verinnerlicht als Gottes Welt erlebt uml nimmt nun clrenso die ganze Fülle religiöser Phantasie des Volkes auf wie den elementaren Drang des Volkes nach Einheit. Nun Gott einer ist, mul! auch die Welt immer mehr eine, intil) Gottes Welt werden — durch den religiösen Menschen. Zugleich aber zeigt sich die spezifisch jüdische Art der Emhcitstcmlcnz: die Verinnerlichung. Andere Völker sahen in ihren Mythen die Götter auf die Erde berabsteigen, irdische Gestalt annchnien. Der Jude mythisiert umgekehrt: er erhebt das natiirliehe Geschehen zum göttlichen, Gott braucht nicht erst in eine Gestalt herabzusteigen, die ganze Erde Die neue Verwaltungsordnung der Stadt Warschau Seit längerer Zeit arbeitete das Warschauer Bürgerkontitee an einer neuen Wahlordnung. Authentische Nachrichten über die Grundlinien dieser in Vorbereitung befindlichen Wahlordnung sind nicht bekannt geworden, Die deutsche Zivilvcrwaltung hat nunmehr in eigener Machtvollkommenheit cingcgriffcn lind eine Stadtorduung lür Warschau mit einer Wahl- Ordnung für den S 1 a d t r a t erlassen. Das ״Vcrordmiiigsbl.üt des Warschauer General- Gouvernements" veröffentlicht in Nr. II die Ver- Ordnung über die 11 e u e Stadt v e r w a! t u n g Warschaus, deren wesentliche Punkte war im nachstehenden mitteilcii. Alle Einwohner der Stadt Warschau und ihrer Vorstädte (die laut der Verordnung vom 8. April der Stadt eiiiverleiht wurden), sowie auch die deutsehen und österreichischen Staatsangehörigen Warscliaus gehören zur Stadtgemeimle, besitzen das Recht, die öffentlichen üemvindeciiiricliüuigcu zu benützen, und haben die Pflicht, die Lasten der Gemcinilc zu tragen. Zu den städtischen Angelegenbeiten gehören 11. a.: die Verwaltung des Stadt- Vermögens und der Gemeindesehuklen, Aufstellung 111111 Durchführung des städtischen I laushaltplattes; städtische Armenpflege, öffentliches Schulwesen, Sorge für die öffentliche Gesundheit. Sicherheit und Sittlichkeit, Wasser-, Licht- und Kraflversorgtmg usw. Die städtischen Angelegenheiten werden durch einen Magistrat und einen Stadt rat geleitet. Der Magistrat besteht aus dem Stadtpräsidenteil, (als Vorsitzenden), zwei Bürgermeistern (als Gehilfen), und zwölf ehrenamtlichen Ratsherren. iXr Präsident wird vom Generalgonverneur ernannt, die zwei Bürgermeister vom Vcrvvaltuugschcf. Die zwölf Rats- Herren werden vom Stadtrai nach proportionclleni Wahlsystem für drei Jahre gewählt. I>er Stadtrat besteht aus neunzig Mitgliedern, die von den Bürgern der Stadt ebenfalls für drei Jahre gewählt werden. Der Vorsitzende des Stadtrats wird vom Vcrwnltungschcf aus der Zahl der gewählten Rats- Iterreu ernannt. Die offizielle Sprache der Stadtverwaltung ist die!Klinische. Bei Koircspomlcn/cn mit den Bchörden mul! eine deutsche lieber■setzung beigefiigt werden. Das aktive Wahlrecht zum Stadtrat setzt folgende Bedingungen voraus. IX׳r Wähler muH I. die Staatsangehörigkeit des Königreichs Polen besitzen; 2. 25 Jahre alt und männlichen Geschlechts sein; 3. in Grult-Warsehan mindestens zwei Jahre ununterbrochen wohnen (dabei gelten Verschickung durch die russische Regierung uml Abwesenheit infolge des Krieges nicht als Unterbrechung): I. einen gültigen Pall besitzen; 5. zu einer der später erwähnten Kurien gehören. Ortsartnc und Bettler haben kein Wahlrecht, Beköstigung in Volksküchen ttsw. gilt aber nicht als Armeimntcrsfiitzimg. Ehr das passive Wahlrecht wird außerdem gefordert, daß der Gewählte I. 30 Jahre alt 2. männlichen Geschlechtes sei; '!. bürgerlichen Leumund besitze ist voll seiner Herrlichkeit, Ennken seines Wesens leben in allen Dingen. Daß ״unser Herr auf der Eitle ging", ist dem Juden eine unfaßbare Vorstclhing, dal! aber irgendein Irdischer sich zu Gottes Thron erhebt, ganz natürlich und selbstverständlich. Der Mensch kann selbst Zeuge und Richter gegen Gott sein: so innig verflicht die jüdische Mythe Mensch und Gott, Menschentat und Gottesseliicksal, Die innigste und vielleicht größte religiöse Konzeption des jüdischen Geistes hat hier ihren Ursprung: die Lehre von der verbannten Scheehiiiah, der (lottesgloric. * Buhers Huch will kein historisches sein. Nicht umsonst trägt es das Wort des Propheten Ifosca als'Motto; ,,Brechet ettrh einen Nciihmch; es ist die Zeit, jahve zu suchen". Zu dieser unserer Zeit spricht BiiIkt: ״Die jüdische Religiosität ist nicht, wie viele glauben, ein Gegenstand zwar von besonderer Würde, aber von tiuerheblichcr Aktualität für die sogenannte ״Lösung der Jttilcnfrage", pon- (lern sie ist, wie von je, so auch jetzt, für das Judentum der einzige Gegenstand von absoluter Aktualität, Triebkraft seines Schicksals, Richter seiner Bestimmung, die Gewalt, deren Aufflamtncn es neu beleben, deren völliges Verlöschen es dem Tode überantworten würde. Erneuerung des Juden- 111 m s bedeutet in Wahrheit: Erneuerung der jüdischen Religiosität". Buber spricht nicht näher über die Beziehungen dieser Erneuerung zu den aktuellen Problemen der jüdischen Gegenwart. Es seien hier einige Worte zu diesem Thema gesagt.

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