Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXI (1916)
- Issue
- Heft 20 (19.5.1916)
- Date
- 1916-05-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Dank dir Arbeit und der ergiebigen Regen im kuu״ hinter siehe» die relucr in der Siediungsgeuossensc11alt in diesem Jahre recht schön und es ist zu hoffen, d■י•''׳ die diesjährige Ernte, die jetzt beginnen w|l gute f l'1'1׳ge *»״»gen wird, ' Der (iesundhcits/ustnnd ist erlrcnlielierweise dank dcn Ass.niieningsarbeiteii, die mit Hilfe der Gelder die der Nationalfoiids für Notstandsarbeiten in |׳alästi11a aufgebracht hat, dort vorgenommen wurden tn״ guici, Die Beköstigung der Arbeiter ist mit Hilfe der Gemüse- und Milchprodukte der I arm eine jjcmlich leiehlielie, Von den Kolonisten hat einer Mcrchawia verlasset« tead ist für die Dauer des Krieges nach Deutschlarid /.uruckgckclirt. Die anderen Kolonisten haben Ihre« Ifodeti trotz der großen Schwierigkeit fast ganz ^,stellen können und ■sehen einer guten Ernte eilt- ״egen. Einig« von ihnen haben Einkünfte aus versclnedeiien I landwerken, die sie betreiben, wie Schusterei, Bäckerei, Fuhrwerke 0ml Gasthof. 2 M es 111־, An den Boden von Mereliawia schlicht sieh Mesr« an, wo eine Arbeitergruppe ein Terrain von zirka 1000 Dunam bearbeitet. Diese Oruppe zählt 20 Arbeiter, unterhält 11 Pferde und acht Kühe. Auch hier konnten sämtliche im Etat vorgesehenen Arbeiten ausgeführt und die ganze fläche bestellt werden. Es wurden ausgesät: Weizen auf 52S Dunam, Gerste auf 330 Dunam, Ackerbohneu auf 99 Dimam, Erbsen auf 38 2/י Dunam, Vichfuttcr auf 0(1 Dunam, Vichfuttcr auf 11 Dunam, insgesamt!082 1/z Dunam. Aulii r diesen 1082 </■> Dunam werden noch mit Sommergetreide bestellt werden: I Imnsbobuen, Sesam und Durra und zwar auf einem Terrain von 700 Dunam, sodaß sich die gesamte Anbaufläche auf 178׳.; 1 3־ Diiikuii belaufen wird. Per Gesundheitszustand dieser Grup|>e, die hereib das dritte Jahr in Mcsra ansässig ist, ist ebenfalls ein guter. 3. Dagauia. Die Genossenschaft Dagania, die bekanntlich am östlichen Ufer des Jordans, an dem Austiitl ■ms dem Tibcriassee liegt, hat ihren langersehnten Anschluß an die Barm Kineret und die übrigen Kolonien des Tibcriassprcngcls gefunden. Die türkische Verwaltung hat nämlich an den Ruinen der allen Römerbrücke, die bei Um il Kauatra über den Jordan (iilirlc, eine ausgezeichnete Brücke errichtet, die jetzt die Verbindung zwischen Ostmul Westjordnnlaml im Sommer und Winter aufrecht hält. Früher mußte man sich mittelst einer Fähre von Dagania nach Kineret übersetzen lassen und nicht immer war die Ueberfahrt bei dem durch die Regennasser rasch anschwellenden Jordan leicht, ln der Qenossenschaft Dagania arbeiten zur Zeit 22 bc• ständige Arbeiter und außerdem sind zehn Tageloluicr licsdiäftigL An Arbeitsstieren hat die I arm jetzt mir noch acht Paar Pferde und Maulesel, Außerdem arbeitet ein Paar bei Regicriingsarheitcn in Ilcrscheha. Trolz des Mangels an Arbeitstieren und der vielen Störungen, die der Krieg mit sich brachte, konnte ,auch in Dagania die ganze im Etatvoransehlag vorgesehene Fläche bestellt werden. Es wanden gesät: 1030 Dunam mit Weizen, ■180 Dunam mit Gerste, 220 Dunam mit Bakia, '200 Dunam mit Ackerbohneu, 60 iHiiiam mit Erbsen, 60 Dunam Chtumis, 50 Dunam Versuchsfelder, insgesamt 2120 Dunam. her Stand der zirka 70 Dunam umfassenden l’flaii/imgen in Dagania ist ebenfalls ein guter. Dje Genossenschaft hofft in diesem Jahre auf eine über den!)uirhsduiitt gehende Ende. •I. Kineret. Dagania, wie die ihr benachbarte Farm der P, L. I). C., Kineret, bilden einen wichtigin Stützpunkt für die Arbeiter, die augenblicklich an den Üalmarhcitcu bei Semaeli am Tibcriassee beschattig! sind. Auch in Kineret konnten sämtliche vorgesehenen Arbeiten von der dort angesicdellen Atbcitcrgmppc, die bereits das vierte Jahr den Boden benrheits-t, allsgeführt werden. Es wurde ansgesät: Wvizen auf 181 Dunam, Gerste auf 170 Dunam, Hafer auf 22 Dunam, Chumus auf 55 Dunam, Ackerboknen am ' 3 Dunam, Erbsen auf 22 Dunam, Bakia 33 Dunum, Bakiahcu auf 100 Dunam, l utler- ״!■ns auf 22 Dunam, Gemüse auf 30 Dunam, insfcsamt I0P) Dunam. Ihe I111־11־,־ hat fünf Paar Arbeitstiere, außerdem ö״ige Kulm•, die der Gruppe Milch für den Lebens- Unterhalt gehen, sowie Geflügel für den eigenen Bedarf, ״vsomkrs beschäftigt man sich itt Kineret mit dem Gemüsebau, für den 50 Dunam reserviert sind. Der Gesundheitszustand der Arbeiter ist ein guter mul aller Voraussicht nach wird dieses Jahr ein ertragreiches sein. 5• Mädchen farm Kineret. An die Ar- ״eiRrgmppe der P. t. D. C. in Kineret schließt sich 1|־' Mädchcufnrm an. Die Leiterin, I rau Dr. ״aisd-Sehochat, hat cs mit ihren sechzehn Mäd- ,eil durch ein großes wirtschaftliches Verständnis u״l! Hingabe zur Arbeit verstanden, trotz der tm- ״Wliniillig und spärlich aus dem Auslände eingchen- Mittel die Farm über Wasser zu halten. I ioffent-!'״״. wird es der Farm, die für die Erziehung der I dischen Frau für die Hauswirtschaft von hohem Nutzen ist, gelingen, nach dem Kriege sich auszubauen mul die Zahl der Mädchen zu vermehren. 5. Pari a. Einen ausgezeichneten Eindruck macht das am 1 ihcrinsscc auf einer Anhöhe gelegene Poria. 1101־/ der Verwüstungen durch die Heuschreckenplage im vergangenen Jahre haben sich die Pflanzungen wieder erholen können und sind größtenteils von dauernden Schäden verschont geblieben. In Poria arbeiten jetzt 42 Arbeiter, 13 Pferde und ein weiteres Paar, itas bei Mililiirnrbcitcn in Berscba beschäftigt ist. Insgesamt wurden bisher 2100 Dunam mit Pflanzimgen besetzt und zwar in der I laiiptsnehc mit Mandeln. Ein kleiner Teil des Bodens in Poria ist für den Ackerbau reserviert und in diesem Jahre wurden folgende Flüchen mit Qctrcidc und Viehfutler bestellt: Welzen 100 Dunam, Gerste 200 Dunam, Buhnen 80 Dunam, Vichfuttcr 50 Dunam, insgesamt ■100 Diiunm, Auch Gemüse wurde auf einer Parzelle von 40 Dunam angelegt. 6. Sarona. Nicht weit von Poria entfernt liegt die Kolonie Sarona, die kurz vor dem Kriege von der Chicngoer Achuzngcscllschaft gegründet worden ist. Diese Kolonie umfaßt 5525 Dunam, von denen 1 183,58 Dunam im vorigen Jahre und 674 Dunam in diesem Jahre mit Mandeln und Oliven bepflanzt wurden. Augenblicklich sind 42 Arbeiter in der Farm beschäftigt. 7. Migdal. Nördlich von Tibcrias am Ufer des Sees liegt Migdal, die Farm der Land- und Plantagengesellsehaft ״Tibcrias“. In Migdal sind jetzt folgende Pflanzungen vorhanden: 65 Dunam Orangcrie, 400 Dunam Oliven und Mandeln, 100 Dunam Weinberg, '15 Dunam Fruchlbaiungaricn, 10 Dimam EukalvpUnisalleen, insgesamt 500 Dunam. Außerdem wurde in diesem Jahre folgende Fläche für den Ackerbau verwendet: 660 Dunam Weizen, 330 Dunam Gerste und Hafer, HO Dunam Ackerhöhnen, 165 Dunam Futter, 330 Dunam verpachtet, hierzu kommt noch für den Oemüscbau bestellte HO Dunam und für Baumwolle 60 Dunam, insgesamt 1765 Dunam. Au Milchvieh sind in Migd.# 20 Melkkühe, die jetzt täglich 70—80 Liter Milch geben und 60 Stück Jungvieh, Außerdem acht Paar Pferde, von denen drei Paar bei Rcgieriiiigsarbeitcn in Berschcba arbeiten. Die diesjährige Ernte wird etwas über den Durdisclmitt ausfailcu. Leider hat der Umstand, daß die Felder infolge des Mangels an Arbeitstieren nicht genügend vorbereitet wertlcn konnten, den Erträgen etwas Abbruch getan. Aus Mangel an Arbeitstieren konnten die Pflanzungen bisher noch nicht völlig aufgeackert werden, während im vorigen Jahre um diese Zeit die Pflanzungsfiächc bereits drei Mal gepflügt, war. Das Gemüse wird meistenteils an die Arbeiterküchcn zu billigen Preisen abgegeben, Augenblicklieb sind 60 Arbeiter in der Farin beschäftigt. Insgesamt arbeiten in Galifäa zur Zeit über 600 Arbeiter, die sich auf folgende Plätze verteilen: Mcrchawia 80, Mcsra 30, Mcsdia 5, Scdjera 25, Raum 42, Jalmicl 25, Poria 40, Dagania 35, Semaeli 70, Kineret 85, Migdal 60, Melliamic 3, Mizpa 4( Nijincd Subcch 8, Rosch-Pina 7, an versdiiedenen Plätzen zirka 90, insgesamt 609. ״Treue“ Durch ein Versehen ist in der in der letzten Nummer der ״Jüdischen Rundschau“ enthaltenen Besprcclumg des Snnimclbiidics ״Treue“ nachstehender Passus uusgeblicheu: Von Arnold Z w c i g ist ein Bruchstück aus seinem noch unvollendeten Drama ״Der Abtrünnige" veröffentlicht. Aber sdmn dieses Bruchstück von außerordentlicher Kraft und Bewegtheit läßt uns eine Schöpfung erhoffen, die den ״Ritualmord in Ungarn“ zum mindesten ebenbürtig sein wird. Der Dichter scheint mit seinem starken Talent berufen, der moderne dramatische Gestalter der tiefen Problematik jüdischen Seins zu werden. Propagandafonds der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Wir bitten alle Gesinnungsgenossen, ihren Beitrag zum Propagandafonds umgehend an uns abzuführen. Der Propagandafonds ermöglicht uns die Fort- Setzung unserer Arbeit! Zahlungen sind auf das Postscheckkonto Berlin 8091 der Zionistischen Ver• ei ilgung für Deutschland zu, leisten. Zionistische Vereinigung für Deutschland " Berlin W. 15, SEchtlache Str. 8, Der Weg des ״Juden“*) Wir haben aus der Feder Ucrthold F c i w c H eine eingehende Besprechung des ersten Heftes der von Martin Buber herausgegcbeucn und geleiteten neuen Monatsschrift ״Der Jude“ gebracht. Diese Besprechung gab der Hoffnung Ausdruck, daß ״Der Jude" auf seinem Wege allgemeines Verständnis und tatkräftige Freunde finden werde. Der Wunsch scheint sich in sehr erfreulicher Weise erfüllen zu wollen. Das erste Heft des ״Juden" hat eine ganz außrrordcntlirlic Verbreitung gefunden. Mit einem Schlag ist, wie der Verlag R. l.üwit initteilt, der neuen Zeitschrift eine fast unerwartet große Zahl von Abonnenten gewonnen worden, die von Tag zu Tag wächst. Eine große Zahl jüdischer Zeitschriften (wie ״Dr. Blochs österreichische Wochenschrift“ in Wien, die ״Jüdische Zeitung“ in Wien, das ״Frankfurter Israelitische I amilicnblatt“ und das ״Jüdische Echo“ in München), sowie angesehene Tages- Zeitungen (z. B. die ,,Frankfurter Zeitung“, die Straßburger Post", das ״Prager Tagblatt“ u. a.) haben sofort nach dem Erscheinen des ersten Heftes der Zeitschrift Besprechungen gewidmet, die erkennen lassen, daß man sich allenthalben der überragenden Bedeutung des netten repräsentativen Organs bewußt ist. In den nächsten Tagen erscheint schon d.is zweite Heft der Zeitschrift. Es enthält an leitender Stelle einen Aufsatz ״Rivalen oder Verbündete?“ von Max Mayer. Martin Buber geht mit einem Aufsatz ״Das Gestaltende“ auf jüdische Probleme ein. Ein außerordentlich aktuelles Thema behandelt Salmans Aufsatz ״Die jüdische Selbstverwaltung in Polen". Lazar Abramson charakterisiert die ostjüdischc Gemeinde. Der bekannte Warschauer Schriftsteller llitlcl Zcitlin erörtert die Aufgaben der polnisehcn Juden. Adolf Böhm wertet die jüdischen Positionen in Palästina, üskar Epstein spricht ülier zionistische Gcgcnwartsarbeit, Arno Nadel über jüdische Volkslieder. Andere größere und kleinere Aufsätze stammen von Max Brod, Martin Buber, Albrccht Hcllmann, Hugo Bergmann, S. Niger u. a. Es ist ein außerordentlich reichhaltiges Heft, das den Abonnenten der Zeitschrift sicherlich Freude und Anregung bereiten wird. Dr. Arthur Mahler Am 2. Mai ist in Wien Dr. Arthur Mahler gestorben. Am 1. Ij.ir trug man ihn zu Grabe. Die zionistische Bewegung verliert 111 ihm eine Persönlichkcit von eigenartiger Prägung. Arthur Mahler hat sich durch seine Arbeit fiir den Zionismus und den jüdisch-nationalen Gedanken besonders in Oesterreich außerordentliche Verdienste erworben. Sein Wirken hat die Aufmerksamkeit der großen Oeffcntlichkcit auf ihn und die Idee, der er sich verbunden batte, gelenkt. In der Zeit seines parlamentarischen Wirkens im österreichischen Abgeordnetenhaus wär er der bekannteste Vertreter des jüdisch-nationalen Gedankens im parlamentarischen Leben. Sein Eintreten für die jüdischen Interesse״, sein offenes Bekenntnis zum Zionismus, seine hervorragende rednerische Bcgabung hatten dem jüdischen Klub im österreichischen Abgeordnetenhaus, «lein er neben den Reichsrats• abgeordneten Dr. Iknim St rau eher, Adolf Stand und Heinrich Gabel angchörtc, die Bedeutung einer politisch wertvollen Vereinigung gegeben, hinter der man die Kraft des jüdischen Volkes und die starken orgaiiisatoriselien Möglichkeiten der jüdisch-nationalen Bewegung erkannte. Dr. Arthur Mahler wurde am 1. August 1871 in Prag geboren und empfing seine erste Erziehung in der jüdischen Schule Jakob Frev. Er studierte an den deutschen Uiiivcrsitülen Prag und Wien Archäologie und promovierte zum Dr. plnl. Im Jahre 1902 erschien seine Schrift ״Polvklct und seine Schule“ und Im Jahre 1905 eine Schrift über die Gcmäldcsamtnhing im Louvre. Er war Mitarbeiter der Revue arciicologirpic und des Jahrbuches des deutschen archäologischen Instituts. Seine Schriften brachten ihm die Dozentur für klassische Archäologie an der deutschen Universität in Prag. Er wurde dann Profcssor am amerikanischen archäologischen Institut in Rom. Das k, k. archäologische Institut und die Acadcinic scicntifi(|11e in Paris ernannte ihn zum karrespomlicrendcn Mitglied. Dr. Mahler machte große Studienreisen in Europa und kam auch als Forscher nach Klcitinslcn und Nordafrika. Seine Forschungen bezogen sich nicht nur auf das rein archäologische Gebiet. So widmete er sich auch religionswissensduiftlichcn Forschungen und übersetzte S. Rcinachs Werk ״Orpheus, allgemeine Qcschichtc der Rcligionen“ aus dem Französischen. *) Der Jude. Verlag R. Löwlt, Berlin-Wien. Berliner Vcrlagsstclle Berlin N 37 Weißcnburger Str. 6. Jahresabonnement IO M.. Einzellicft 1 M. (Das erste Heft wird nachgeliefert.)