Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXI (1916)
- Issue
- Heft 17 (28.4.1916)
- Date
- 1916-04-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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I II I ■i ■ I! 1 Seite 138 Ja, ilratillen fallen Millionen ׳und m;111 11,1t das Klagen schon verlernt. Hier sind wir wie eine Familie noch, ein schweres Unglück 1111 einer Stelle erschüttert den ganzen Jiseluih, von Dan bis Herseba. So wirkte jetzt der plötzliche Verlust von I)r. Mosexivitz. In der Kolonie Rechoboth war Groll und Klein, Männer und Frauen wie wahnsinnig vor Schmerz, von Ru• chama bis Metullah auf das tiejste erschüttert. Frez Israel verlangt Opfer! Je mehr Opfer gebracht sind, je mehr l:hrengräber errichtet, deren Reihe im letzten (icschichtsabschnitt Karl Netter in Mikweh Israel eröffnet und au die sich in den letzten Jahren neben vielen anderen tcuern Namen Samuel H i r s z. e 11 he r g s , Sulamith Ru pp ins und F)r. Hermann Mosco■ vitz' Gedenksteine angcreiht haben, je mein׳ wertvolle Gebeine uns mit diesem Boden verbinden, desto geheiligter und teurer ist er uns, desto unverwischbarer aus unserem Sinnen und Trachten. Jaffa, 18. Adar. Jacob Thon. Die jüdische Presse 1. Die zionistischen Zeitungen Ocslerreichs haben vvälireml des Krieges eine heaeltleiiswerle Entwicklung' (InrcligeniaelU. Das wediselvolle Schicksal des in jidiseher Sprache erscheinenden Organs der galizischen Zionisten, des Lemberg er Jüdischen T a g ii I a 11 s,. ist bekannt. Vor der Besetzung Lernbergs dureb die Russen war dieses Jüdische Taghl,■dt das gelcsenste Organ Galiziens und warb für den jüdisch-nationalen Gedanken Interesse 11 ml Freunde auch in Kreisen, die bis dahin sieh um jüdische Fragen niemals gekümmert hatten. Mit ehr Besetzung Lembergs durch die Russen fand diese ruhmreiche Epoche des Jüdischen Tagblaffs ein plötzliches Lude. Die meisten Herausgeber und Redakteure flohen, nur einzeliu 11 Mitarbeitern, die um ihrer publizistischen Tätigkeit willen bekannt und darum besonders gefährde! waren, gelang es, sieh während der Russenzeit in I cmherg verborgen zu halten und dem Schicksal der Verschleppung zu entgehen. Kaum waren die Russen vor den siegreichen Verbündeten aus Lemberg gewichen, da erschien als eines der ersten Blätter das Jüdische Tagblatt, wenn auch zunächst nur auf grellfarbigem Lösch• und Packpapier, wieder und seither hat sich das Organ der galiz.isclicn Zionisten wieder zu dem publizistischen Zentrum des nationalen Judentums in Galizien lind der Bukowina entwickelt, seine «Mitarbeiter sind zum grollen Teil, soweit sie nicht im Felde stehen, zmückgekchrt, und erfüllen ihre publizistische Pflicht, indem sie gleich• zeitig im Dienste der uatiim,•den Kettlings- und Fiir• sorgetätigkeit, als Mitglieder der Srhndcnerhehiings- Kommissionen usw., das Fand durchreisen, die kleinen jüdischen Städte besuchen, das Schicksal der jüdischen Bevölkerung liebevoll und gründlich studieren 1111 d im I agehlatt für die Besserung der Verhältnisse, für die Bekämpfung der inneren und äußeren Feimk sorgen. So ist das Jüdische Tagblalt eine Fund• grübe für den Historiker unserer Tage, nicht zum wenigsten interessant ilureli die Spuren ries Zensors, der in Oesterreich in einem jüdischen Blatte niefit selten, mul besonders in Galizien, Ausführungen streicht, vvälireml es im wohlverstandenen Interesse des StaaU-s liegen muh, die Stimme des zuverlässig, slen Bevölkeumgsteils voll erklingen zu lassen. Die Kriegszeit schuf auch int Westen Oester• reiclis zwei von jüdisch-nationaler Seite gegründete Organe in jidiseher Sprache. Aber sowohl die Wie■ n c r Morgen/eitu 11 g , als auch die Pia g e r Jüdische Z e i 1 1111 g haben ihr Erscheinen ein• gestellt, seil gröbere Massen der gali/ischen Juden wieder in ihre I leimafsorte znrückgckelirl situ! mul seit wieder das Lcmhcrgcr Jüdische Tagblalt erscheint, Aber auch das Schicksal und die Entwicklung der zionistischen Presse Oesterreichs in deutscher Sprache ist der Erwähnung und der Beachtung wert. In Prag erscheint die ״S e I b st w e h r“, deren Itcdaktion wahrend der ganzen Kriegszcit Siegmund K a t z e 11 e I s o 11 besorgt. Ls ist der Redaktion der ״Sclbstwchr“ gelungen, ihren publizistischen Pflichten und ihrer zionistischen Aufgabe während der ganzen Kriegszeit gerecht zn werden, den aktuell jüdischen und jüdisch-nationalen Aufgaben zu dienen, aber aticli das Interesse der Judenschaft Böhmens, zu der noch die grollen jüdischen Llüchtlüigsmasscu aus Galizien kamen, für die Bewegung zu wecken und festzuhalten, die au der Erneuerung jüdischer Volkskraft über die Abhilfe vorübergehender Not hinaus arbeitet. Die ״Sclbstwchr" entbehrt innerhalb der zionistischen Organe aller Länder nicht einer gewissen besonderen Farin-, die ihr und ihren Aufsätzen auch auberhalb Oesterreichs die Aufmerksamkeit zionistischer Kreise verschafft. Wir haben jüngst in der ״Jüdischen Rund- J U EDI SCH E RUNDSCHAU *'*‘*+4 schau■‘ einen Aufsatz ״Die Hochmütigen“ von .. Brod aus der ״Sclhstwehr“ verüflcntlichl. Auf diesen Aufsatz antwortet in der Nummer vom 17. April der ״Sclhstwchr“ Dr. Oskar Epstein, indem er der Ansicht Ausdruck gibt, dali nicht so sehr der Hoch-!mit der I loehmütigcn innerhalb der zionistischen Reihen anzuklagen sei, als das mangelhafte System der zionistischen Arbeit. An die Stelle mechanischer Snmmclarhcit müsse eine lebendige׳ jüdische Arli-eit, schon innerhalb der Gemeinden, treten. ״Nur das Erlebnis einer vorwärtsstrcbemlcn, jüdischen Gemein• scliafl wird den dazu notigen (ienn-insimi hervorbringen, der iinlurnotwcmlig nach Palästina weisen innlf. Erst jetzt wiede, erfahre ich, um wieviel mehr Kniffe zu ihrer Erarbeitung bereit sielten, als wir ahnen. Rufen wir sie zur Arbeit!“ Eine sehr lesenswerte Auseinandersetzung ging in der ״Selbstwehr“ zwischen Kurt lliller, dem Herausgeber des auch von uns besprochenen Sammelbnelies ״Das Ziel“, und A. IE, einem Mitarbeiter der ״Selhslwehr", vor sieh. A. II. halte Kurt lliller in der ״Sclbstvvchr“ vorgehalten, daß es auch der akiivistiseiu'1! Richtung, die sieh im ״Ziel" attsgcsprachen 11.11, nnschcineiul doch nicht so ganz ernst um die Verwirklichung ztt tun sei; er verweist auf die Männer, die aiis ihrem Zionismus heraus gezeigt haben, was es heißt, ein Ideal zu verwirkliehen. Kurt lliller eutgegnete in der ״Selbstvvclir“ und erhält nun in Nr. 13 der ״Selbstwchr“ eine neue Entgegnung von A. 11״ die, rein ]loleinisebem Geiste fern, den Kern der Auseinandersetzung faßt. Die ״Jüdische Zeittiiig" in Wien hatfe wählend des Krieges unter der Ungunst der Verhahnisse des öfteren melir zu!eitlen als die Selbstwehr“, hatte aber ihre besondere Bedeutung als Zentralorgan der Jüdisch-Nationalen. In der letzten Zeit 11.11 sich die ״Jüdische Zeitung“ von Woche zu Woche fast in ihrer publizistischen Erscheinung vervollkommnet. Die Nummer vom I 4. April ist als Pcli.'icli-Niunmcr erschienen und bietet ein außerordentlich reiches und repräsentatives Bild. Nach einem Aufsatz, von Adolf Stand schreibt l)r. Ileriiiaiui K a d i s c h über ״Die nalionnle l'ragc an ihrem Wendepunkte“, S, Meiseis über ״Die jüdische Tragödie“, Ein Beitrag von Mathias A c 11 e r heißt: ״Die drei Gruppen - und wir“. Otto Abeies gibt inner dem Titel ״Ostjuilen“ Tagebueliblätter aus der Eliiditliiigszeit. Dr. Egon Zweig schreibt über das I lill'swerk der Wiener Zionisten für die Kiicgsthu'htliiige. Diesem Beitrag sind recht intercssanh- Bilder beigegehen. Dr. Wilhelm Stein schreibt über Moritz S t c i n s c 11 11 e i d e r als Vorläufer des Zionismus, Er erzählt, daß Moritz Stein- Schneider, der in der Zeit seines Ruhms ein so scharfer Verfechter des Assimilafioiisgtdaiikcns war, in der Zeit seiner Jugend, als er im Jahre 1833 nach Prag gekommen war, durch Abraham ücnisch, einen höhmischen Juden, für zionistische (ledankengiinge ge- Wonnen wurde. 111״ geheimen Konventikchi, zu denen 11111• wenige geladen wurden, besprach man eifrig die Heimkehr eines Teiles des jüdischen Volkes nach Palästina und die Wirkung dieser Tatsache auf die geistige Hebung der Zurückgebliebenen." Von Prag ging Steinschneider 1813 nach Wien und gewann hier Albert l.oewy aus Attssee für den palästinensischen Plan. Steinschneider wurde;ins Wien atisgewieseu mul weilte von 1812 1814 wiederum in Prag, wo er zusammen mit S. L. Rap.iport und Michael Sachs den ״Jiidiselu'11 KiiHurvcrcin“ gründete. Es ist interessant, daß Dr. Wilhelm Stein so, entgegen späteren Behauptungen Steinschneiders, feststellen kann, daß sich dieser bei seinem ersten Aufenthalt in Prag tatsächlich in׳ zionistischen Gedankcngangcn bewegte. Siegfried S e h m i t z schreibt in derselben Nummer der ״Jüdischen Zeitung“ über Zeichnungen, die Uricl B i r n h;1 u 111 hei Hugo Heller in Wien ausgestellt hat. Mit einem ״Aufruf an die Juden Oesterreichs“ triti in der ״Jüdische« Zeitung" der Jüdische Nationalverein in Oesterreich hervor. Weitere Aufsätze orienticivii über ״Dir- Osijtulenfrage und die jüdische Presse Deutschlands“, den amerikanisch-jüdischen Kongreif, die Lage des Zionismus mul anderes. Aus den zahlreichen literarischen Beiträgen in dieser Nummer sei ein Gedieht (nach dein Neuliehräischen des CI1. N. Bialik) ״I 111 Volkston“ von Max Brod erwähnt. Es ist, alles in allem, eine so lebendige jüdiselu- Publikation, daß sie der ״Jüdischen Zeitung“ sicherlich neue Aufmerksamkeit gewinnen wird. Ein besonders bemerkenswertes Ereignis, auch für die jüdische Zcitschriftcnlitcratur in Oesterreich, ist das Erscheine״ des ersten Heftes der von Martin Bubcr geleiteten und herausgegebenen Monatsschrift ״Der Jude“*). Da der Verlag dieser Zeit- *) Das Apiilltcfi der Monatsschrift ״Der Jude“ ist in Deutschland durch den Verlag R Löwit (Abteilung ״Der Jude“), Berlin N, 37, Weißcnburgcr .Straße ü, zu beziehen. Der gesamten Auflage der heutigen Nummer der Jüdischen Rundschau“ liegt cm Prospekt des ״Juden“ bei. Eine ausführliche Besprechung des 1. Heftes der Zeitschrift wird In einer der nädhsten Nummern erscheinen. Nr. 17 schrift (R. Löwit-Vcrlag) von Berlin um) von aus diese neue Zeitschrift heraiisgih! und sc|,on dem ersten lieft verschiedene österreichische steiler (wie Mathias Aclicr, Hugo lu-igim,־* ״ ‘״״ Brod, Berl Locker usw.), mitarhciteii, so ist Lf״j* diese Zeitschrift ein besonders starkes Zeugnis de Zusammenhangs der lebendigen jüdischen Kräfte h י und dort. '■ Der amerikanisch-jüdische Kongreß Vorkonferenz ln Philadelphia Dr. Louis S. R 11 h i ״ s o h n , Großmeister de» Unabhängigen Olden l’ritli Scha'.otn, cröflncte die Vorkonferenz zum amerikanisch-jüdischen Kongrell am 26. März in Philadelphia. Es waren anwesend: 357 Delegierte, welche 28 national-jüdische Organisationen in 81 Städten und 28 Staaten und 3381 angcsdilosscnc Vereine vertraten. Nach Erstattung einiger Referate und eingehender Debatte wurden folgende Resolutionen angenommen: I. P r o g r a m nt des K o n g r e s s e s. 1. a) Der Kongreß beschäftigt sich mit der Frage den Juden volle bürgerliche, politische und religiöse Gleichberechtigung in allen den Ländern zu sichern wo ihnen diese Rechte voientliallen werden. ’ 11) Der Kongreß beschäftigt sich mit der Frage den Juden nationale Rechte in den Ländern zu verschaffen, in denen solche Rechte überhaupt aner• kamit sind oder anerkannt sein sollten. 2. Der Kongreß beschäftigt sich mit den Problemen der jüdischen Entwicklung in Palästina in allen ihren Phasen. 3. Der Kongreß beschäftigt sich mit der Frage der Zusammenarbeit mit den Juden in allen anderen Ländern betr. der Förderung des Konga-Il-Programnies. I. Der Kongreß beschäftigt sich mit der Frage der Schaffung einer Kommission, welche die- Boratungen des Kongresses der Friedens-Konferenz unterbreiten soll. 3. Der Kongreß beschäftigt sich mit der Frage der Zweckmäßigkeit, einen Kongreß als eine perntaiu-nte Institution cinzuset/cn. 6. Der Kongreß beschäftigt sich mit den Probleme« wirksamer Hilfeleistung in den!.ändern, die vom Kriege betroffen sind. 7. Der Kongreß beschäftigt sich mit den Problemen der jüdischen Wanderung in allen ihren Formen. 8. Der Kongreß beschäftigt sich mit der Frage der finanziellen Verpflichtungen, welche aus der Kongrcß-iVowegting entstehen. II. Datum des K o n ״ resscs, 1. Es liegt im Sinuc dieser Konferenz, <1.1 B der Kongreß, so schnell es ausführbar ist, zusammen* berufen werden soll. 2. Das Exckutiv-Komitee soll sofort <1,1/11 schieden, die nötigen Vorbereitungen für die Zusamiiieiihenifiiiig des Kongresses zu treffen. Diese Vorbei eil tmgvit sollen am 3. September lülö durchgcfulirt und bcendigt sein. 3. Vom Exckutiv-Komitee wird verlangt, d< n Kongrell für ein Datum zwischen dem 3. September und dem 31. Dezember!')16 cin/uhcrufen. 4. Der Kongreß soll unter keinen Umständen später als am 31. Dezember l'Jlö ahgehalten weiden, wofern nicht der E x e c 111 i v-(.' <> u n c i I mit •heiviertel Majorität seiner Mitglieder einen entsprechenden Beschluß faßt. 3. Int Dringliehkeitsfaü ist das Exckutiv-Komitee berechtigt, den Kongreß innerhalb von JO läge• nach seiner Ankündigung cinzttberufcn, III. Ort des Kongresses. Es wurde einstimmig beschlossen, den K<׳ugrc# in Washington abzuhalten, IV. Wahl der Delegierte n. 1. Die Konferenz akzeptiert das Prinzip eines demokratischen und allgemeinen Stimmrechts in bezug auf den Jüdischen Kongreß und die Wahl hierzu. 2. Die Mitgliedschaft eines jeden jüdischen M;m״e* oder einer jeden jüdischen Frau in einer lokalen jüdischen Organisation soll ein solches Mitglied zu einem rechtmäßig eingetragenen Wälder mache״ I i״e jede solche Stimme kann auf Wunsch von ihm <״ler von ihr mittels der lokalen Organisation abgegeben werden. 3. Das Exekutivkomitee ist berechtigt, Mittel tmtl Wege zu finden, um die Teilnahme an de» Kongrcßwahlen jedem jüdischen Mann und jeder jüdischcn Frau, die einer lokalen Organisation nicht nngcschlgsscii sind, zu ermöglichen. V, Exccutiv Council. Oer Exccutiv Council soll aus 70 Mitgliedern bestehen, außer einem Ehren-Vorsitzenden und einem