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Jüdische Rundschau · 1916-04-28 · Heft 17 (28.4.1916) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXI (1916)
Issue
Heft 17 (28.4.1916)
Date
1916-04-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 137 f f I I Nr. 1ל slinn übcrsieilcUcn und sich in Tel-Awiw nieder• Jicik'״, t'ine wirkliche Bereicherung für unseren Kreis, denn sie wußten mit ihrem feinen, teilnehmenden Wesen und mit ihrem Sinn für eine schone I lauslichkeit um sich eine Atmosphäre von h'iedeii lind Hcr/enswärme zu verbreiten deren Zauber jeder erlag, der in seine Nähe Icam. Und nun sind alle diese lieben Menschen jn so unsägliche Trauer verseht! Und wir anderen alle — soll uns denn unser lieber Doktor Moscovitz wirklich für immer entrissen sein.'1 Sollen wir uns niemals mehr au seinem nie versagenden Optimismus, an seinen Hoffnungen und Zukunftsplänen aufrichten diirfen? I s ist vorläufig• noch unfaßbar, daß kurz nach brau Professor Clara Schapira und Ernst Goitein nun auch dieser vortreffliche Mensch und Mitarbeiter ins Grab gezogen worden ist. Treue in Erfüllung seiner Pflicht war der Anlaß zu seinem Tode. Treu wie im Leben hat er sich auch im Tode bewährt. So werden auch wir ihm die Treue halten und seinen Namen und seine Arbeit nicht vergessen, solange wir selbst an dem Werke arbeiten, dem der Entschlafeiic bis zu seinem letzten Atemzuge seine Krälte weihte. Jerusalem, 21. März 1016. Dr. Arthur R u p p i 11. Von der alten Garde Ls war in der Purim-Nacht, als wir bei einem Erennde drei Jubilate feierten: drei Mitfjicdcr des Aufsiclitsrats des hebräischen üvmnasiums hatten 5, 6 und 7 Dezennien absolviert, ln den guten alten Zeiten hätte man in Tel-Awiw solche wichtige Anlässe sich nicht anhätifeii lassen. Da jeder der drei Jubilare wenigstens drei Körperschaften als aktives, verdienstvolles und ge.sehät/tes Mitglied angchört, hätte der engere I mmdeskreis, der allen drei Familien der Jubilare nahesteht und allen Körperschaften, in denen sie wirken, mindestens ein Dutzend Feste zu feiern gehabt und freilich auch, um der Feste Freude nicht,-ungemischt zu genießen, einige Dul/nul Reden, anliören müssen. Jetzt aber akkumuliert man die freudigen Anlässe, weil man sparsam ist, nicht mir mit I’etrolciimbeleiielitimg, gezuckertem Tee und Gebad-Siu togateu, verblaßten Erinnerungen aus l.mgc verschwundenen Zeilen, sondern auch mit guter Laune. Kommt man schon an einem Abend bei liehl- und tcespendcndeii Freunden zusain- Ideen, Vielleicht ist das Schimpfwort schon so einfccwtiiYcll, dall viele Neurationalislcn seinen Inhalt sich /um Programm machen. Demgegenüber wird immer wieder der wahre mul tiefste Charakter der Aiiiklarmigsbcwcguiiß licratjsziiseliülcn mul als neuer Rationalismus zu entwickeln sein. Als k’iickscliiag gegen die Kapitulation der Linsicht vor dem historisch Gewordenen, gegen den 'iiihegrcn/icn Respekt vor der Wirklichkeit, die doch das (iou und liöse gemischt enthält, ist er befreiend Und imlweiuliß. Gerade unseren politischen Freunden, die ihre Arbeit der Wiederherstellung■ eines verleugneten und vielfach verlassenen wertvoll Wirkbclien, (ks jüdischen Volkslebens, widmen, lag cs nahe, in das I \t1c1u der Treue zu verfallen, nnzucrkeiincn, "as da Ri, mid das Menschenrecht der Kritik herabnisd/vti!)aber die Freundschaft vieler Zionisten (״r die Konservativen, daher ihre Stellung gegen die Demokratie, die doch nur äulkre, nicht innere Rangstufen aus der Welt schaffen will. Andere sahen das Unbestreitbare, daß die Einsicht nur geringe Macht bat, und mm, statt daraus zu schließen, eiaß man mit aller Kraft für ihren Sieg kämpfen müsse, schlossen sie, daß sie eine schöne Spielerei und praktisch zu «machlässigen sei. Sic wandte״ sich der Vcrhcrr- ׳mbnng eines durch keine Vernunft repulierten sozhlcn Tnehlehcns zu, dem kritiklosen Auslcbcn der *eilksinstiiiktc, auch wenn sie Hall und Finsternis wollten, I)!•!!ן gegenüber bleiben uns die politischen Ideale der Aufklärung erweitert, doch unverrückt, bestellen: Freiheit der persönlichen Lebensführung, «w«'t sic nicht andere schädigt, der Meinung ״״d «s Wortes; Gleichheit der äußeren Möglichkeiten, «mit der innere Rang sich bewähre und durchsetze; «redliches Zusammenwirken der In ihrer Eigenart entwickelten Völker, die mcssianischc Vision der ״״dcrlichcn Menschheit. 111,1 heiterer zu sein, dann hat man auch!s dagegen, wenn des Wächters Ruf ״Hab,׳llta“ dem gemütlichen Zusammensein ein jähes Ende bereitet, indem man daran erinnert wird, daß die neunte Stunde geschlagen bat und somit die Zeit des erlaubten Verbleibens außer dem Hause verstrichen ist. Vielleicht bat nur der Purim mit der für diese Nacht aufgehobenen Polizeistunde das dreifache Jubiläum zustande gebracht. TAan durfte «auch gedanklich die drei Feiern auf einen Termin vereinigen, da alle drei Jtibilare, von einem gewissen Gesichtspunkt betrachtet, einer Gattung angeboren. Sic alle drei: der siebzigjährige Abraham Löw, Schwiegervater unseres Ko so ff und Schwager des allbeliebten alten Eliahu Kaplan, der 60jährige, aber noch jugendlich streitbare Schriftsteller Mordecliai ben H i 11 e I H n k o 11 c n und der 50jährige Eliahu Berlin gehören zum gleichen Kreis derjenigen, die im zweiten Abschnitt ihres Lebens nach Palästina kamen, nicht um den Restbetrag durchzuschlafcn, bis das allerlöscndc Lude kommt, sondern in Erfüllung eines lange verfolgten Ideals, tun im hcißerscluitcn Lande mit verdoppelter Kraft zu wirken und die Verlüste da draußen verbrachter Jahre auszugleichen. Nicht jedermann gelingt dies. Gar mancher hat die passende Zeit schon versäumt. In der Regel nämlich besitzt man nur bis zu einer gewissen Altersgrenze diejenige Elastizität, die einem ermöglicht, sich den neuen Verhältnissen physisch und, was noch schwieriger ist, seelisch anzupassen. Hat man den Akkliinatisatiouspiinkt überschritten, dann wird man oft sich selber und den anderen nicht zur Freude, sondern zur Last. Diejenigen, die 1111 5., 6. und 7. Lebensjahrzchnt diese Elastizitätsgrenze nicht erreicht haben, bilden eine besonders erfreuliche Bereichening unseres Lebens liier. In den letzten zehn Jahren hat sich, ganz besonders in Jaffa, diese Kategorie recht stark vermehrt; in den drei Tel-Awiwer Purim-Jubilaren begrüßen wir feine Repräsentanten derselben. Der gemeinsehaftlielie ('.barakter/ug dieser Mcnschenklassc ist Lust mul Freude au der positiven Arbeit, die geradezu ansteckend wirkt. Gibt cs wenig Kritik zu üben an den Mensehen liier, dein Lande und den allgemeinen Verhältnissen? Wer würde eins übersehen 1 Aber während die einen mit der Kritik, die in Nürgelei ausartet, Genüge getan zu haben glauben, suchen die anderen mit gutgemeinter Arbeit erkannten Schwächen cntgcgeiiziiwirkcn. Besoudas in dieser schweren Zeit der Prüfung fiel dieser A1 tunterscliied sehr scharf auf. Gar mancher bat das Uebcl viel zu schwarz, gemalt, über Unabwendbares zwecklos geklagt, sich und anderen das schwere Leben noch mehr vergällt, bei der Gattung unserer Jubilare aber traf man immer angespannteste Arbeit, um das in den Grenzen der Möglichkeit Liegende zu erreichen, Mut und Sorglosigkeit in Fällen, in denen cs sich um schwere persönliche Entscheidungen handelte, Unverzagtheit und Zuversicht in Fällen unabwendbarer, schwerer allgemeiner Schläge. Die Frische und Standhaftigkeit dieser Vertreter der älteren Generation war für viele von den Jiingeich eine sichere Quelle der Erholung und erncuter Widerstandskraft. In derselben Purim-Nacht rang einer der besten Typen dieser ausgezeichneten Gattung, die uns allen aus ihrer klaren, guten und edlen Seele reichlich zu spenden pflegen, einsam, fern von Frau und Kind und Freund, einen verzweifelten Kampf mit dem Tode. Unser Freund Dr. Moscovitz fiel auf dem Felde der Ehre, ein Opfer treuer Pflichterfüllung und Selbstvcrgcsscnheit. Dr. Moscovitz war ein Jasager. Hervorgegangen aus der Wiener Studentenschaft, der ersten treuen Garde Herzls, war er einer der ersten und intimen Freunde und Mitarbeiter Herzls und der ersten A. C.-Mitglicdcr, ebenso blieb er Freund und Mitarbeiter Wolffsolins, er war aber auch ein Jasager in bezug auf die praktische Arbeit in Palästina. In erster Linie zog er die Konsequenz für sich selbst und ergriff die erste Gelegenheit, die ihm eine schwache Möglichkeit bot, mit seiner Familie nach Palästina zu übersicdcln. Am Haager Kongreß lernten wir uns kennen und waren bald, wie viele Zionisten bei dieser Gelegenheit, gute Freunde. Als ich ein halbes Jahr später nach Palästina übcrsicdelt war, trat bald darauf [Tr. Moscovitz mit mir in Korrespondenz, um mir seinen innigen Wunsch, bald in Palästina sieh niederzulassen, eindringlich ans Herz zu legen. Ich hielt mich verpflichtet, mehr zu warnen als anzulocken. Ich wies auf die vielen äußeren Schwierigkeiten des Lebens hier hin, besonders empfindlich für eine Familie, die an europäische Bcqucmlichkeiten gewöhnt ist. Er ließ sich nicht nbschrecken, ebensowenig wie seine Frau, an deren Adresse ich meine Warnungen in erster Linie richtete. So vermittelte ich dann die Anstellung in Rcchoboth. Als ich ihn bei der Ankunft vom Schiffe abholtc und seine Frau, eine elegante, feine europäische Dame erblickte, wurde es mir ordentlich bange. Ich befürchtete die schweren Enttäuschungen, denen dieses gutineineridc Mcnschcnpaar liier entgegengehen müsse. Meine Befürchtungen sind aber keineswegs in Erfüllung gegangen. Trotz aller Schwierigkeiten und vielen Unbehagens hat Dr. Moscovitz und seine Familie sich ausgezeichnet liier eingebürgert. Es ist nicht für jedermann leicht, der lange Jahre Mitglied des A.C. war und an der Leitung der alle Länder umfassenden Bewegung sich mitbeteiligt fühlte, sich hier in einen engeren Wirkungskreis cinzuordncn. Dr. Moscovitz verstand cs. Er hatte eine hohe Auffassung von seiner Aufgabe als Arzt in Palästina, mit aller Liebe und hochstein Interesse nahm er Anteil am Leben seiner Kolonie und allen Erscheinungen in Palästina. In den letzten Jahren ist die Kolonie Rcchoboth, die zu ihren Peßaclispielcn ganz Judäa bei sich vereinigte, eine der beliebtesten Kolonien geworden. In dieser Kolonie mit ihren vielen liebenswürdigen, intellektuell hochstehenden Mensehen, ist das Haus Moscovitz zu einem ließen, geistigen Mittelpunkt geworden, eine Freude für zahlreiche Palästinenser und die vielen Palästinabcsuchcr der letzten Jahre. ,,Das Schönste in Palästina ist Rcchoboth, das Schönste in Rccliobotli ist das Haus Moscovitz“, schrieb vor einigen Jahren ein dankbarer Besucher. Moscovitz verarbeitete seine hiesigen Erfahningen für seine europäischen Freunde, brachte sie immer in Zusammenhang mit imsenn ganzen nationalen Regenerationsprogramm, freute sich enthusiastisch über jeden Fortschritt im Lande, sah in dem allmählichen Aufschwung die Erfüllung Herzlschcr TräiTme und träumte selbst noch von einem Sanatorium am Karmel und Kincretbsee. Ja, er träumte und glaubte viel. Und mit seinem starken Glauben impfte er vielen Zweiflern Hoffnung ein. iJlllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllilllN s Die «,Jüdische Rundschau' in Russisch-Polen Die in Russisch-Polen und Litauen bestehenden deutschen Postanstalten in Bcndzin, Bialystock, Ciechanow,Czcnstochau,Gostynin,Grodno, Grodzisk, Grojec, Kalisch, Kolo, Konin, Kowno, Kutno, Lenczyca, Libati, Lipno, Lodz, Lowicz, Mitau, Mlawa, Pabianice, Plock, Plonsk, Ponicwicz,Przasnysz,Brzcziny,Rawa, Rypin, Schaulen, Sieradz, Sicrpce, Skiernicwice, Sochaczew, Sosnowice, Suwalki, Tomaszow (Kr. Brzeziny), Warschau, Wielun, Wilna und Wloclawek nehmen Bestellungen auf die ״Jüdische Rundschau“ zum Abonnementspreis von M. 1,75 vierteljährlich entgegen. Ebenso werden Be- Stellungen aus die&n Städten auch bei der Unterzeichneten Administration entgegengenommen. Administration der ,Jüdischen Rundschau״ Berlin W. 15 Sächsische Str. 8. iiiiuiufuiiiuiitiuiuiiuiuiiiiiutuuiiiuiiiiuniiEiitfliiniKiuiufHuuutitmuiumuuiutuimui |^|111un11111n111l1m11n11u11H[Bmil1nilllMIBH!lll!m!lllll!HlllllBIIMSIHIIIilWIBIIIIIIIIIiillMHIMUMIIHIIWIIIIBIMWI!UillMltlWIHIIlilE

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