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Jüdische Rundschau · 1916-04-14 · Heft 15-16 (14.4.1916) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXI (1916)
Issue
Heft 15-16 (14.4.1916)
Date
1916-04-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 15,; 16 Seite 127 Das Finale der Duma-Interpellation Nachdem die Sozialdemokraten mul die ״Arbcits- ״arn׳i's am 8. Mürz a. St. den Saal der I Verlassen lullen und die Behandlung der Interju'llalinn ,״( den!0. verschoben worden war, wurde in dn! [Xmi'd'H Neu bekannt, datl ein Vertreter der Kcgicrmig die Ah-iclit habe, Erklärungen über die in der luterpcllalicn erwiilndeii Zirkulare zu gehen. Der rechte Flügel du progressiven Bk>eks erklärte daher den judischr'i Deputierten, drill sie, falls die Erklärungen der Kn'iennip befriedigend seien, gegen die Ami,׳dune der int! ipellation stimmen würden. Daraufliiu verbunten ׳he Kadetten von den jüdischen IK'pntierten, tl,K sie die Interpellation zurück/ichen, um ihre Ableliinin:׳ mul zugleich eine Spaltung des ltloeks /״ vermeid11 ׳. Am iü. Mürz erhielt, nachdem der Vertreter der j.rheiiuuilei“ im Namen der Fraktion einen Protest peuen du Verfahren des Präsidiums wahrend der Imieml« 1,■dte am S. verlesen hatte, der Vertreter der Kvirrung, der stellvertretende Direktor des pfili/eiili parlemeiits K. I). Kafafow, der Autor des Zilhulars vom 0. Januar, das Wort. Er erklärte, dall (11• Departement verpflichtet sei, auf Grund der im Ilep.o Icment eiiilaufcuden Nacbriebtcn für die Heliiml1 ׳; entsprechende Verordnungen zu erlassen. Die N.o hrirliten, auf Grund deren das in der Duma vom I '.,׳pulierten T s c 11 c 11 e i d z e!■erlesene Zirluilar v 1 י lallt wurde, habe das Departement ״von einer lu 'list autoritativen Quelle“ erhallen, die er jetzt k idir nicht nennen könne. Es habe aber dem Mi/cmI, portement die Absicht fcrngclcgen, damit eine P(11111״n!:;ilation zu fübren. War doch dieses Zirkular für du Ihliordeit und nicht für den Pöbel bestimmt. Im (ic < uleil, das Departement habe mit der Guterschiill 1 le'.selbeii stellvertretenden Direktors im Mai Pili u׳״l am 5. Februar P)l(1 Zirkulare erlassen, in wekIn וו Befehl gegeben wurde, etwaige Juden- 1ןןן>ו!01ון( /u ersticken. I 111 /weiter Vertreter der Regierung, der E'inaiizniiiiMei •1 liilfe W. W. Ku/. ntinsky, erklärte, dall ciih in ihr Interpellation erwähnte anlijüdisehe Ver- 01(10(111: vom 23. Juli schon am 7. September zurückg171״;e11 wotden sei. Pai.mi wurde die Debatte geschlossen mul nach einer kl. inen Pause zur Abstimmung geschritten. 111 tler l’nise wurde bekannt, dal) die 1 )ktobristeu dmtli die Erklärungen der Regierungsveitretcr völlig bt'ftiedi ■1 seien und daher gegen die Annalune der liilerpcll.iliiiii .stimmen würden. Nach Wiedereröffnnn!; du Sitzung erklärte der Vertreter der rechten Oklnlinut■11 im progressiven Block, Kapnist II, zur M<1ti\icrm1g der Abstimmung, dal) er, trotzdem er du Inierpellatioii unter׳zeichnet halle, sielt mit seinen!•..litiselien Genossen gezwungen sehe, nach den Reden der Rcgicnmgsvcrtrctcr gegen die Anua.mic der Interpellation zu stimmen. Gm einer Ablehnung der Interpellation zuvorzukommen und nicht ohne Druck von seiten der Kadetten, machte der jüdische Abgeordnete M. C11, Born a seit, der als erster die Anfrage unterschrieben batte, folgende Erklärung: ״Wir erblicken in den Erklärungen der Regierung, dall die Zirkulare, von denen in unserer Anfrage die Rede ist, teils aufgehoben, teils durch andere entgegengesetzte Zirkulare entkräftet wurden, das Zugestamluis der Regierung, dall das bis jetzt gegen die Juden übliche Verfahren (Proteste rechts) unzulässig sei, mul insbesondere auch das Bestreben der Regicrnng, die antijiidischcii Exzesse zu ’unterdrücken, D,dier betrachten wir unsere Anfrage für erledigt und ziehen sie zurück.“ T s eh ch e 11 k 0 li verlangte im Namen der Sozialdemokratcn, die Anfrage trotz dieser Zurückzielnmg auf der Tagesordnung zu behalten. Der Vorsitzende erklärte, datl den Statuten der Duma gemäfl nur der erste Unterzeichner das Recht habe, über das Schicksal seiner Anfrage zu bestimmen. Er erklärte daher die Anfrage für zurückgezogen und ging zur Tagesordnung über. Von der Selbstbesteuerung der russischen Juden Bekanntlich wurde auf der Beratung der Vertreter der Kriegshilfskomitees (August 1* * *)15) beschlossen, eme allgemeine S e I b s t b e s t e u c r u u g in I lohe von 5 ״׳״ der monatlichen Ausgaben in allen jüdischen Gemeinden Rulllamls ciiiznführen. Diese Selh-ihesletuTtiiig, die noch bis heute überall auf das strengste durchgeführt wird, bildet das Grundkapital der I lilfkomitccs und ermöglicht die umfassende Selbsthilfe unter den Inden Rufllands. Mosk a 11 bat die Organisierung dieser Selbstbcsteueruug lückenlos durchgeführt. In Petersburg dagegen war es nicht so leicht, dem Gedanken der nationalen Selbsthcsteiiertmg unter allen Schichten der jüdischen Bevölkerung sofort Popularität timll.icbc zu verschaffen. Der uns vorliegende Bericht der Sclbstbesteucrungs- Kommission des Petersburger Oriskomitecs enthält einige Ziffern, die einen Einblick in die Grollzügigkeil dieser Ins jetzt niemals und nirgends unter den luden in solchem Malle gekannten allgemeinen Brudcrililfe gewährt. Die sieh selbst besteuernde jüdische Bevölkerung Petersburgs wurde in folgende 10 professionelle G1 tippen eingetcilt: Rechtsanwälte, Hebammen und I ckisehcr, Apotheker und Drogisten, Bankbeamte, Acrztc, Zahnärzte, Ingenieure, Handwerker, Apothckergeliilfen und Künstler. Jede dieser ״professionellen Organisationen“ bat ein von den Mitgliedern zu diesem Zweck gewähltes Büro, das die Steuern der Mitglieder regelmäßig cinzicht. Die Vertreter dieser Büros bilden einen Ausschuß, der die Selbstbestewenmg leitet und für das Hilfskomitee verantwortlich ist. Bis März 101b, also in den ca. ö Monaten des Bestehens dieses Ausschusses gingen von diesen Organisationen folgende Gelder ein: Rechtsanwälte u. ihre Gehilfen Hebammen und Feldscher . . Apotheker und Scrogislcn Bankbeamte. Acrztc. Apotheker und Drogisten Ingenieure. Handwerker. Apothekergehilfen .... Künstler . Insgesamt"! Vom Bezalel Ein Bericht I. W e r k s t ii 11 c n. Als der Krieg atisbracb, wurde allgemein befürchtet, daß die Kunstwerkstättcn des Bezalel in Jerusalem die plötzlich liereingebrodicne schwere Krisis nicht übenlauern würden. Ein gewöhnliches kaufmännisches Unternehmen, das mit den dem Bezalcl eigenen Schwierigkeiten zu kämpfen hätte, wäre während des Krieges wahrscheinlich schon längst zusammengebrochen, und wenn die Werkstätten dennoch noch immer bestehen und ihre Arbeit fortsetzen, so ist cs nicht zum wenigsten auf die Impondcrahilicn zurückzufulircit, auf (lenen die gesamte jüdische Arbeit in Palästina beruht. Die finanzielle Sicherstellung der Werkstätten während der Kriegsdaticr ist dadurch ermöglicht worden, daß sic neben den fortwährenden Zuschüssen seitens des Vereins ein monatliches Darlehn von f!00 Dollar vom Pro\j-ional Gommiitee for General Zionist Affaires in New York erhalten, das durch den Verkauf der sieh jetzt in Jerusalem arisammelnden Produkte tiacli Eriedeusselduß gedeckt werden soll. Seit der im Sommer P)l I erfolgten Ucbcrnalitnc der technischen l.cituug der Werkstätten durch den Kunstgewerbler Ea/ar St rieh haben die Erzeugnisse und ganz besonders die Silhenvarcn eine weitere Verbesserung in qualitativer Hinsicht erfahren und deren Absatz, dürfte daher künftighin viel leichter als bisher vonstatten gehen. Hie großen Vorräte an Rohmaterialien, die die Werkstätten bei Kriegsausbruch besaßen, genügten ihnen fast ganz für das erste Kriegs],ahr, während sie jetzt die notwendigsten Rohmaterialien im Lande selbst mifkatifen oder, soweit möglich, aus Berlin Male in Palästina. Zum erstenmal ging er von hier null Ai;׳! ntiuieu, und aus Sehnsucht kehrte er wieder, tf hat •uh ein kleines Stück Land gepachtet und UTgirulii, auf ihm Wunderwerke zu vollbringen... Me-ei Alte ist unser Liebling. Jeden Augenblick nlu-riascln er uns durch einen neuen witzigen Einfall. In-״ndrrs geschickt verstellt er den unten Stelu'iKi, ס die Körbe auf den Kopf zu werten, ohne ilniin sh •nvrz zuzufügen, und nur schwer kann mau ilm 11,11m; ertappen . Du hast kaum Zeit gefunden, *Idiicii 1'י pf zu wenden, da steht er schon unschuldig "11' ein 1 ,1111111, den Blick gesenkt, in seine Arbeit '*'dielt, mul• nur tief in seinem Auge spiegelt sieh 11er Srlu lm. tוסי Alle wurde von uns zum Baumeister er- 1111U um I heg;um aus dem erscbaufelten Erdreich fm״l W.!l; zu hauen. Mit ganz, besonderer Aufmerk- *'1״ikeii 1.( M ,yüt üeni Bau besebaitigt, ernst wie fl״ Kind ]min Spiel, und fleißig wie eine Ameise, )*(lei du׳! seinen Korb nur dort leeren, wo der Banmeiste 1!׳. hcfiehll, sonst . , . I)!|1I1 kein einziger war ihm ungehorsam. . ■Mir!!־ hui auf ihn, alle wollen einen richtigen aufgeworfen sehen . . . K.tiit!!ich ,11111 j,1 duvoii bcgeislerl, ein junger, """ -!i 'iiiger ,Mensch, --- klein gewacnseti, aber "1'' ׳; 1‘"״!•schwind wie der Teufel, Sem (lesichl K| i'r,n111.1׳ ■hraiint, und man möchte ihn kaum auf Jahre schätzen. Schnell ist seine Hede, schnell j1"1*1 l’huii.isie, schnell sind alle seine Bewegungen, r ">1r in Rußland und halte das ganze Rcieii bereist, 1' ihn 11,•!׳ Zionismus nach Erez Israel trug und ך י«■ zum ״Gesellen des Baumeisters“ avancierte, 1•, 1*'j Sam! schichtet sieh immer höher und höher. . *ייי id eme halbkreisförmige Festung fertig, hier W Tor, hier die Treppe - - - vv ' 1׳י' ׳ liegen die judäischett Städte, dort ist die I hIc El'ciie, die sich ihnen z.u Füßen aushrcitct . , . I «in• s'tdl ,*0י Feste Antipaters . . . Und liier *‘ neue jüdische Festung, aus Sand erbaut , . . I Sei.1 ' ' ,״ 'ic Sonnenstrahlen brechen sich in den I «r,,rl>lr״l’fc״ auf alle» diesen Gesichtern. Der Wind I 1 *c'״cn jeden mit leichten, kühlen Wellen, schmiegt sich au seinen Lei!! und liebkost seinen Körper . , . Ringsum flüstern I loifnuiigcn, Geheimnisse der Ver- 'gangenlicil, Geheimnisse der Zukunft , , . Nur die Stimme des Bauern, halb scheltend und halb spottend, reizt die Nerven: ״Lohnt es denn, für eine solche Dummheit soviel Zeit zu vergeuden?!" — ׳ - — * Arbeit des Körpers, leicht gesellt sielt ihr Vcrstimmutig. Da erklingt das Lied: עורו, אחי, אל חנוטו, לעבודתכם קומו, קוי1ו! Und der Chor fällt ein:!יד. חי "יי, לי עטלי Dieses ״Lied", dessen Verfasser unbekannt, und dessen Kehrreim einem arabischen Lied nacbgcbiklct ist, erscholl den ganzen Nachmittag über, und die Hände klatschten den Takt, Die hübsche Melodie rriruue alle und hielt die Schar frisch bei der Arbeit. Die Arbeit ging immer weiter. Schon war man | iiiclimT Meter lief gekommen. Scholl wurden die V/iimle des Brunnens misgehnnt und durch wen? Diucli die jungen ״Intelligenzler“. Mail unlerwühlt den Boden des Hruunens, etwa einen halben Meter, וו!,(! darüber lagernde Erdreich senkt sich mit einem Male in die Tiefe, zu unserer größten Freude. Wann gelangen wir endlich zum Wasser? Nach der Bcieclimiiig erst in drei, vier Tagen, aber in Wirklichkeit hoffen alle auf ein Wunder, das uns das Wasser sofort, sofort bringt . . . Der Kalksand wird immer feuchter, wird schon naß - - ist es nicht ein Zeichen dafür, daß das Wasser nahe ist? Doch >- nein! Man gräbt ein »roßes Loch in der Mitte, etwa einen Meter tief, ״ml noch immer kein Wasser , , . Naß Ist der Sand, weil er nicht von der Sonne durchwärmnt ist. Und über dem Wasser wird der Wall vergessen. Alle wollen jetzt schaufeln, vielleicht gelingt cs ihnen, zuerst auf das Wasser zu stoßen. Alle wollen /um niindesten die Körbe hcraufzichen, vielleicht werden sic das Wasser zuerst sehen, Und alle arbeiten schweigend . . . ״Zieht, he, zieht!“ Das ist der einzige l aut, der das Schweigen unterbricht. ״Und du, Fünfzehnjähriger, weshalb ziehst du nicht?“ Die ״Fünfzehnjährigen", das sind die alten Ar* beiter, die vor fünfzehn Jahren herübergekommen waren und nur zu einem geringen Teil hiergebliebcn sind. Die Alten und die Jungen mitunter treibt der Teufel mit ihnen sein neckisches Spiel . . . Die Alten sehen scheel auf die Jungen, weil diese sieh für besser halten; und die jungen blicken auf die Alten wie auf Invaliden, wie auf altes Gerümpel,., ״Sich unsere Arbeit, I tnifzchnjährigcr!" Dies ruft ein ״Junger“, der witzig z,u reden und zat antworten weiß. Seine Gestalt ist gerade und aufrecht, sein Gesicht glänzt, seine Augen׳ funkeln, und seine Schritte sind stark und kräftig. Stets neckt er die Alten, wenn er sich seiner Ar- 1 beit rühmen will. Er Ist so angesehen, daß selbst die erfahrenen Bauern ilm um Rat fragen 11ml ihn den ״Ingenieur*' nennen. Die Alten selten sieh von ihm beschämt, werfen auf ihn einen Blick voll Verachtung, zahlen es ihm mitunter dopjrelt heim, mitunter schweigen sic. Manchmal fühlen sic ihre Nachlässigkeit, und eine gewisse Bitterkeit und Beschämung spiegelt sich in ihrem Gesiebt. Wie waren sie denn einst? Waren sic denn, nicht jung? Haben sic nicht gearbeitet, nicht geträumt? Waren sie denn Bauern, die auf Kosten des Barons gelebt haben? Sind denn nicht hier ihre funkelnden Augen erloschen? Und ihre aufrechte Gestalt, hat sie sidi nicht hier im Lande gebeugt? . . . ״Ihr werdet im Leben keine Fünfzehnjährigen werden t — antworten sic den Jungen — alle seid ihr unverläßliches Gesindel, bald seid ihr auf und davon! . . ,"

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