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Jüdische Rundschau · 1916-04-07 · Heft 14 (7.4.1916) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXI (1916)
Issue
Heft 14 (7.4.1916)
Date
1916-04-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Saite 118 JUEDISCHE RUNDSCHAU anderem die Rede, es wird versucht, unseren Kindern den herrlichsten Scl1.it/. des jüdischen Schaffens — die Bibel — «1 rauben und die nationalen historischen Kelten 711 sprengen.“ Herr A 11 c r in a n n verlangt, daß die Beratung keine bindende Resolution fasse, und die ״Alleinhcrrsehn ft des jidischistischen Programms nicht sanktioliiere.“ Her dritte hebriiisehe Generalredner, A. M.Golds t e i n, beginnt damit, daß er im!Namen der Zionisten die an verschiedensten Stellen wiederholte Verlernt!• düng, der Kampf gegen das Jidische werde von den , Zionisten zugunsten des Russischen geführt, auf das energischste zuriiekweist. ״Ueberall, wo cs gilt, zwischen der jidischen und der Landessprache zu wühlen — sind wir immer auf seiten der jidischen Sprache.“ ״Das Ideal der ״roten Wangen“, dem das Hebräische zum Opfer gebracht werden soll ~ warnt der Redner — ist ein gefährliches Ideal. Sic werden später gezwungen sein, die Konsequenzen dieses (leihen 11tilitarismus zu ziehen. Das Kind wird groß werden und erfahren, daß die Tatsache der Zugehörigkeit zum jüdischen Volke eine noch viel schwerere ״Last“ als das Studium der hebräischen Sprache ist. Wird cs dann nicht versuchen, sich auch von dieser ״Last“ zu befreien?“ ״In eueren I Linden liegt jetzt das Schicksal der Erziehung von mehreren tausend jüdischen Kindern. Unternehmt keine Experimente mit der Seele des Volkes, Zerreißt nicht die geschichtlichen Bande der nationalen Kultur!“ Der Standpunkt des Komitees wurde vom jiidischen Historikers. M. I) u b n o w verteidigt. Seine Anschauungen hinsichtlich der Schulfrage seien frei von jedem voreingenommenen Parteiurteil. ״Unsere Volkssprache — die jidische — muß als Vermittlerin des Unterrichts dienen und unsere nationale Sprache - die hebräische — zusammen mit den jüdischen und allgemeinen Kulturwerteu müssen den Inhalt des Programms nusinnchcu. Es ist auch unzulässig, das religiöse Moment von der Schule auszuschalten. Die Säkularisierung der Schule wie der Gemeinde ist ein dauernder historischer Prozeß und kein Schlagwort des Tages,“ Nach dem Schlußwort des Referenten Dr, Eigcr wurden folgende Resolutionen, von denen die 6. von Herrn Goldstein, die übrigen vom Komitee in Vorschlag gebracht wurden, angenommen: 1. In den Schulen der Flüchtlinge werden samtliehe Lehr״( geiist,ände — mit Ausnahme der russisehen Sprache und der russischen Volks- und Landeskünde . in jidiseher Sprache vorgefrngen. 2. Die hebräische Sprache und die Bibel werden entweder in der hebräischen oder in der jidischen Sprache unterrichtet. 3. Jüdische Geschichte wird in der jidischen Sprache, bei günstigen Umständen in der hebräischen Sprache vorgctragcii. •I, Das Religiöse nimmt einen entsprechenden Platz, in der Schule ein. 5. Die jidische Sprache bildet einen der Lehrgegenstände der Schule, (1, Beim Studium der hebräischen Sprache und der Bibel strebt die Schule danach, daß die Schüler nach dem Verlassen der Schule ein hebräisches Buch zu lesen und zu verstehen imstande seien. Eine für die Gesellschaft ganz neue Aufgabe Mellte die Behebung der Büchernot dar. In seinem Bericht über die Verlagstätigkeit der Gesellschaft erzählte Herr M. N. K 1׳ e i n i 11 über den I iiinger nach Büchern, der gegenwärtig unter der jüdischen Bevölkertmg Rußlands herrscht, besonders seit Wilna und Warschau, die I laiiptz.entreii der jüdischen Vcr• läge von den Deutschen okkupiert wurden. Es mangelt an religiöser Literatur, aber auch au Lehrbüchern. Das Komitee sah sielt verpflichtet, die noch vorhandelte hebräische und jidische Literatur atifzukaufen. Es kaufte auch 1500 Bibelexemplare von der Bibelgesellschaft, Da aber dies nicht ausreichend war, trat das Komitee mit dem hebräischeu Verlag ״Moria“ (Odessa) in Verbindung, um die besseren Lehrbücher in Neudrucken hcrstellcn zu lassen, und beschloß eine Serie von 50 hebräisehen und jüdischen Kinderbüchern sofort heraus- »igebeu. Der Berichterstatter schlägt vor, daß die Herausgabe der verschiedenen wissenschaftlichen Bücher in hebräischer und jidiseher Sprache eine -besondere Gesellschaft auf sich nehmen solle. Am besten gründe die Bildungsgesellschaft selbst eine solche Verlagsgesellsehaft, Nach den Referaten des Herrn G. A. Goldb e r g über die Erneuerung der Tätigkeit der B i b I i o t h e k k o m nt i s s i o n , die seit Ausbruch des Krieges in den Hintergrund getreten war, des Herrn S. L. Ka menet zky über die Ausbildungskjiise für Lehrer und des Herrn Straschun über die Organisation der Abendkurse für Erwachsene, erklärt der Vorsitzende die Tagesordnung für erledigt. N. J. Stief dankte dem Komitee und den Lehrer, die keine Mühe scheuten, auch in diesen Schrecknissen der Zeit die jüdische Sdtule aufredit zu erhalten. Er gab seiner Zuversicht Ausdruck, daß die Gegensätze, die in den Reden der sich bekämpfenden Strömungen so kraß hervortraten, durch den lebendigen Geist der praktischen Arbeit ihren Ausgleich finden werden. Brief aus Wilna (Vוו» ׳ unserem Bcrichtcrstattc r). Trotz der schweren ökonomischen Lage entpfin- (Id man die Folgen des Krieges nicht so hart, <1,1, die politischen und kulturellen Bedingungen es sind, die 1ms darüber liiiiwcgheben. In kultureller Hinsicht genügt es, darauf hinzuweisen, daß die beiden Theater, sowohl das deutsche als auch das jüdische jeden Abend ausverkauft sind. Nicht minderen Eh folg haben die Konzerte, welche zum wohltätigen Zweck veranstaltet werden. Zeitungen werden hermisgegeben, darunter eine jidische, welche ganz vorzüglich ist. Auf das Erscheinen cincsl hebräi» sehen Blattes dürfen wir ebenfalls hoffen. Es wurden auch viele Schulen, Abendkurse und sogenannte Volkswnivcrsitäten ins Leben gerufen. Letztere sind zeitweilig geschlossen, werden aber nach einiger Reorganisation wieder ihre Tätigkeit beginnen. Die Juden batten ihre eigene Volksuniversität, in welcher verschiedene Wissenschaften in hebräischer und jidiseher Sprache vorgetragen wurden iiml nehmen (die Arbeiter) außerdem an einer polnischen Universität Anteil, wo alter nicht polnisch, sondern jidiselt vorgetragen wird. Die Zahl der Hörer wechselt zwischen 300 -700 allabendlich, Besonderen Erfolg halten die Vorträge des Herrn Rechtsanwalt S. Rosen bn um über die älteste jüdisclie Geschichte. Der Kampf zwischen Hebraisten und Jidischistcn trägt zur I lehmig der nationalen Stimmung recht viel bei. Unter den Schulen sind Itervoi zuheben: ein hebräisches Gymnasium, von den Zionisten gcgründet. I Icbräisehe Abendkurse für Erwachsene, die von (100 700 Personen eifrig besticht werden und von den Juugzionisten gegründet wurden. Sic werden auch sehr gilt geleitet. Ferner gibt es Lehrkiusc, die von den Zionisten zur Heranbildung von Lehrern für hebräische Schulen geschaffen wurden. Von den Jmigziouislcu ist auch eine hebräische Miid-' chcnschiile für Anfängerinnen gegründet worden. Von früher her existiert noch eine hehtäische Mädchenschule für Erwachsene, Außerdem besteht noch eine jüdische Schule mit reichem hebräischem Prograinin samt der obengenannten Volksuuivcrsität, die von der Bildungsgesellschaft gegründet ist und ganz besonders ht'ivoigehoben zu werden verdient, Audi an Privatschuleii in Grtippcnform fehlt es nicht. Sogar kulturelle Klubs sind vorhanden, deren Tage jedoch gezählt sind. Die Zionisten und die Jungzionisteu planen ebenfalls die Gründling eines Kltibsk Was aber att Bedeutung alles andere übertrifft, ist das freie politische AufatmenI Auf Frontgebiet im okkupierten Lande! Vor allem keine Pogroms zu gewärtigen! Die Juden müssen nicht fürchten, öffentlich gepeitscht oder ohne jeden Anhaltspunkt als Spione verhaftet zu werden und ohne Gcrichlsverfahmi an tlcu Galgen zu kommen. Auch Sibirien hat keine Schrecken mehr. Der Jude hat auf einmal, wie durch einen Zauberstab, aufgehört, sieh als Paria zu-fühlen und kämpft energisch für seine politischen, bürgerlichen und nationalen Rechte. Schon manche Errungenschaften sind aiif/.uwciscn; die deutschen Behörden und an der Spitze der Oberbürgermeister v, Pohl sind in dieser Beziehung über alles Loh. Sein Verstand, seine I ttttgewölmlichc llcrzensgüte zeiget! ihm stets den I rechten Weg. Es muß bemerkt werden, daß die i deutschen Behörden in dieser Beziehung einen schwc* I ren Kampf mit eingewurzelten Ordnungen auszukämpfen haben und auf Schritt und Tritt auf ein fait atvompli stoßen. Die jüdischen Wohltiitigkcitsvereine werden so behandelt wie die polnischen; bei der Verteilung von unentgeltlichen Brotkarten erhalten die Juden den gebührenden Anteil. In allen Kommissionen, die dem Oberbürgermeister als Berater zur Seite stehen, sind Juden in genügender Zahl vertreten. Auch zur Stadtverwaltung wurden zwei Juden (Dr. Raclimilewitsch und Rechtsanwalt Koscnbnuin) tix 11 z großen Widerstandes seitens der lYiIeii heran■! gezogen. Jetzt wird geplant, 21 Stadtabgcordnctc ztt nominieren, darunter 8 Juden. Es kommt übrigens nicht auf die Einzelheiten, sondern auf das Pr inzip der Gleichberechtigung an, welchem man nach Möglichkeit durch die Praxis zu entsprechen sucht. Besonderes Verdienst hieran hat der Oberbürgermeister v. Pohl. A11 der Spitze der zionistischen Arbeit steht Herr Rechtsanwalt S. Koscnbaum, der sich als Anwalt der zurückgebliebenen Juden und der zahllosen Flüclitlinge eine einflußreiche Stellung erworben hat. Der zionistische Gedanke ist im allgemeinen im< Werden ____ Nr, 14^ und wird von den Jimgzioiüstcn aufs kräftigste geregt, deren energische, lebenskräftige 11m| t|e|_ innerliche Tätigkeit Lob mul Anerkennung verdien! Die Arbeit bestellt hauptsächlich in der Erh1iltma gesellschaftlicher und kultureller Aufgaben, auch zionistischem und agitatorischem Sinne. Ft':r Sähekcl und Nationalfonds wird nach Möglichkeit gesorgt werden. * Die ״Jüdische Rundschau“ wird in Wilna mk großem Interesse gelesen und findet den Ivifall qlt Leser, die sich durch sie über alle wichtigen jtkft. sehen und zionistischen Fragen informieren. Juden und Mohammedaner Die in Bagdad erscheinende arabische ZeiUchrilt ״AI Salmr“ veröffentlichte vor kurzem einen Aut. satz über die Beziehungen zwischen Juden und Mohammedaner. Der Verfasser gibt seiner Freude über die gute» tiud freundschaftlichen Beziehungen Ausdruck, di« zw ischen Juden und• Arabern in Mesopotamien umldeg übrigen arabischen und syrischen Gebieten her! ehe», ״Diese die beiden Völker verbindende I n und. schaft sagt ״AI Sahftr“ ist eine naliirlidt• Erscheinung in unserem l.eben und kamt als Uc. weis für den Fortschritt des ottom,mischen Staat« dienen. Das jüdische Element kann dem imilmntincdanischcn in allen Dingen, die das Land hetrellca, nützlich sein und ebenso bietet das muselmanisch• Element freundschaftlich dem jüdischen seine II,־md Intel Weiß seine wertvolle Mitarbeit zu schätze״. Und# bringen unserem Reich wahrhaften Nutzen: da* erste re durch seine politische und leitende Tätigkeit, das letztere durch seine wissenschaftlichen und kaufmäinusvhcn Fähigkeiten, Man braucht nur einen Blick auf die Geschieht» des Judentums und des Islams zu werfen, um sich zu überzeugen, wie sehr eines mit dem anderes verbunden ist und wie beide I laml in Hand ■:!11011, wenn cs sich um das Wohl ihrer Heimat lundclt. Ganze Geschlechter gingen an den beiden stamme»*, religiotts- und sprachvcrwamlten Elementen *oriiber, ohne daß es irgend eine Reihung zwischen ilmcn gegeben hätte. Wenn es aber hie mul da zu lliffcrenzen kam, so waren diese nur auf äußere Einfliisse zurückzuführen, die nichts mit Judentum oder Islam zu tun haben. Kaum gab es eine Gern rmion, die flieht durch historische Tatsachen bewiesen hä Itc, wie bedeutend der Nutzen ist, den die Juden dem Lande, sei es auf kommerziellem, sei es atu wissen• schaftlicheni Gebiet geleistet haben. Beide Elemente haben e i!1 gemeinsames Schicksal. Alles was mit dem Islam geschah, geschah auch mit dem Judentum. Wenn es den Juden gut ging, ging cs mich dem Islam gut“. Ikr Autor schließt: ״Wenn die Juden mul Araber miteinaudci wetteifern, so geschieht das nur aus dem Streben und dem inneren Bedürfnis, den wahren Fortschritt de» ottonianischcu I leimatlmides zu fördern“. 7.0 diesen Ausführungen des arahisehui Blatic* bemerkt die in Jerusalem erscheinende Tage•/! itun(t ״I I a c h e r 111“ vom 9. Februar: ״Wir kennen nicht das Motiv, das det gc* schätzten Verfasser veranlaßt, dein jüdischen Volk• seine rückhaltlose Sympathie aiisziidrückeu. 5(11011 lange hörten wir in der arabischen Presse י!lohe Worte nicht mehr. Aber mag das Motiv sein, welches cs will, wir freuen uns über diese Worte, die aus dem fernen Mesopotamien, aus der elinr!ligcit arabischen Residenz des Kalifats, zu uns drtiigc». Diese Erklärung zeigt uns deutlich, daß nir:u m״ hier, in Palästina, sondern mich dort, an den Uirrt! de* Euphrat und Tigris, beide Bevölkcrungsclctneme *n Eintracht und Freundschaft miteinander leben Biese Worte im ״Salmr“, der bedeutendsten ar.ibiwlic• Zeitung in Bagdad, entsprechen in der Tat dt n Oe* fühlen der Freundschaft, die die Juden ihren u!וחגיי״■ mcdanischen Brüdern entgegeubriugen“. Morgenthau über Palästina Der amerikanische Botschafter in Konsummopel Henry Morgenthau, der vor kurzem eine Uf- Imibsreisc nach Amerika unternommen hat, hieß;1״j 5. Mär? auf dem Jnhresmectiug der ״E d u c a 11 <י י• ח ׳ Alliance“ in New York eine Rede, in der er md di• große Bedeutung Palästinas für die Zukunft der Jude» hinwies. ״Palästina“, sagte Morgenthau, ,,ist der Stolz der Juden. Dort können die Juden zeige*! was sie vermögen. Dort kann eine hochentwickelt« Kultur entstehen, dort kann eine nationale Atrno• Sphäre geschaffen werden, von dort aus kann ein« öeeinflußung der gesamten Judcnheit bewirkt werden. Dort können wir der Welt zeigen, d.tll *י in1standcvsind, auch tür u n s etwas zu tun. יי* י" wenn wir für uns nichts zu tun vermögen, w»

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