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Jüdische Rundschau · 1916-04-07 · Heft 14 (7.4.1916) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXI (1916)
Issue
Heft 14 (7.4.1916)
Date
1916-04-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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J U E D l S C H E RUNDSCHAU Seile 117 NI. >4 ftitsch*'"•1 111111 Semjonowa nach Nowoscljc. Als |f don •'"* *h'״l den K;uiimanu Kopilow Llfn, ־■UHvtc sich die Semjonowa auf ihn mit dem Ruf 'liier!st er, ich erkenne ihn. Die Helenedes en-i.iiinleii Kopilow, daß er die Frau /um ״£ ״ Male im Leben sehe und daß er niemals von |r״f1nl icm.itul Kinder /ur Erziehung genommen habe, lijlfi'״ Er '"1•׳eie sofort von der Polizei vcrliaftd mul!״ den Wald, nach dein von der Scnijoiio"•' he/eiehneteu Ort geführt. Dort gab ihm fa Pin-m eine Schaufel mul befahl ihm die Leiche dc, Kmde ,nis/ugraben, Vi<;leicht haben Sie hier etwas versteckt, innuirteie Kopilow, dann graben Sie. Ich habe jjjcJits!eil’n:;en und habe nichts zu suchen. Prot/tLm die Untersuchung im Hause Kopilows tcinrii \0i10lt ■pintkt ergab, wurden Herr und I ran I Kojiilon 1 ■!haltet mul das Haus von der Polizei bcwnelii■ '.leh zwei Tagen kam der 1,ntersuchiuigsjidiiei n״d der Staatsanwaltsgehilfe nach Nowoscljc uiiteisiulU1 ׳ giuudlich den angegebenen Ort im H'alile und fanden tlort im Schnee die Leiche des toten Kind! s mil einem Strick um den I!als. Zur l.'iiii 1 sucliiing der Leiche wurde aus Petersku!/ der muh Beilis-Prozell her berüchtigte Sachi'crst.iiid'ue, Piofessor Kossorotow berufen. Aber ״di ei!;iiißie fcststellcn, dal! die Leiche des Kindes keine Wunden hatte und das Kind den Erstickmipnul gestorben war. Semi׳׳nowa wurde bald darauf verhaftet. Im GcfinigtiK gestand sie, dall sie selbst den Mord begangen habe, damit sie ein reicheres Kind au Stelle da ־.es Kostja nehmen könne. Um sieh der Strafe zu entziehen, schob sie die Schuld auf die Juden. So :;1 laug es, auch dieses Rituahiiordmiirclien, das ntw'Ophr zu verschlingen drohte, atif/.iuleeken und t» unschädlich zu machen. Auf der Petersburger Beratung der Bildungsgesellschaft Da•.״■ l’ctershurgCT Komitee der Gesellschaft zur Verbreit um; von Bildung unter den Juden Rußlands (״M e f i / e h a s k o I o“) hatte vom "10.-22. Fchruar (2. •V M.uz) eine Beratung, um die ililduugsfragvn der Juden, insofern sie sieh durch die Ereignisse des Krieges neu gestalteten, zu behandeln. An der Beraniiia nahmen außer den Mitgliedern des Komitees auch Veureier der Abteilungen in Moskau, Charkow׳, Kie», hkul-k, Samara, Jekateriiioslaw, Kasan mul Sar.iiiiv 1! 11, ferner Ah;;eordnete der ״Ghcdcr-Kommi--um‘■. der ״Lchrcnu1tcrstüt/1!11״sko1111nission“, der ,,Oes'.'llseiia11!111' (iesuinlhcitspflcge“ u. n. insge-,mit 110 I!elegierte, Der \di sitzende der Gesellschaft 1)1, J, K. K,11 /11 <• I > ,, h n berichtete über die bisherige Tätighat m n Ausbruch des Kriege־;, die hauptsächlich in der I liliMirheit bestand, die alle Aufmerksamkeit der jüdi-elien Oeiiemlidikeit in Anspruch nahm. Die j Bikluiigs - Gesellschaft bekümmerte sich um die j nnmem11־ indischen Scluileu und sonstigen Büdungs- »ttst.dtvn. Sogar den alten Chadarim und den Jeschis'otli, die sonst außerhalb tles Tätigkeitskreises der GiM'llschait liegen, fühlte sie sieh zu helfen verplhelitet, Wem! es der Gesellschaft' gelungen ist, in )11111• die Sehulwerk in allen alten mul neuen Mtiiiistätti'u der jüdischen Bevölkerung aulvccht zu erhalten, ־.o gehört der Dank in erster Reihe dem jihli- *dien Io hier. Die Gesellschatt vergäll auch den jüdischen Schriftsteller nicht, nachdem die hebräische u!i1l )idi-chi׳ Presse vollständig lahmgelegt worden war. daliiit var die jüdische Literatur mündig genug, um ihre Ir.igcr und Schöpfer nicht auf Hilfe aiigosn׳M11׳ sein zu lassen. Da kam das grolle tiner- Redete f'ii. hiek und die Gesellschaft nahm im Be- '*uiStstiii ihrer Pflicht auch die neue Aufgabe auf ,*di• Die Haupttätigkeit der Gesellschaft bestand ™r1״, die Flüchtlinge in den neuen Städten mit 1 ■!len /h versorgen, für sie Lehrer zu finden, und Lchrbudu■ 1 m jidiseher Sprache, die die Unterrichtswill• jn ״!ן, neuen Scluileu ist, heratiszugebeu. I eher die Finanzlage des jüdischen Sehulwerks '"״ יiK'iieii Ansiedhuigsrayon“ berichtete das Mitglied d's Koiiihet s, s. J. W e i ß c n b e r g. Um den neuen ''*!gaben gewachsen zu sein, mußte die Gesell- *dtait neue Geldsummen von auswärts bekommen. p normale Budget von ca. 75 000 Rubel, das aus Mitgliederstcucrn und den Prozenten des Grund- «Pitals jitlnlich cinkommt, entsprach heuer nicht der ”ohl־ der Ausgaben. Zu Hilfe kam die monatliche ״1״״Stützung des Komitees der Großfürstin lat- *ic auch die Qelder der amerikanischen Judenluit, die vor kurzem 30 000 Rubel für das Flüclithngsschulwerk sandte. Um das jüdische Scluilwescu in Rußland für die Zukunft auf eine sichere Basis zu stellen, wird eine Selbstbeste ucru 11 g zum besten der jüdischen Schule nötig sein, ähnlich der Sclbsibesleiiermig, die mit gutem Erfolg jetzt durch die Kriegshilfsorgaiiisation durchgeführt wird. 1111 Mittelpunkt der Debatte stand der von Dr. 3■ B. Liger erstattete Bericht über das Programm der neuen Schulen für die Flüchtlinge. Die Haiipiuisacheii, die die Gesellschaft zwangen, das Programm ihrer Schulen zu revidieren und bis zu einem gewissen Grad neue Bahnen einzusclilagcn, sah der Berichterstatter 1. in der Erweiterung der Eiligkeit der Gesellschaft infolge der Evakuierungen und 2. in dem kurz vor Ausbruch des Krieges — am 1. Juli 1011 gegebenen Gesetz über die Volksj ... TREUE LUNK KlDISCHE SAMMlil.SCHRIFT Die von Leo Herr mann redigierte Sam- I ineksclirift, die den Titel ״Treue“ erhalten!tat tii’d von der Zionistischen Vereinigung für Deutschland den Freunden im Felde als Liebesgäbe zum Peßachfcstc gewidmet ist, ist nunmehr fevtiggestellt ttml für die Empfänger ins Feld zur Versendung gebracht. Die Sammclschrift tunlaßt 111 Seiten und stellt ein hübsches Büchlein dar, das unseren Freunden im Felde sicherlich herzliche Freude bereiten wird. Es enthält nachfolgende Beiträge: Leo llcrrm an 11: Worte der Widmung; Moses Cal Vary: 1111 Bannkreis des Ilebrüischvii; Max Brot): Auftritt des Dichters; Martin Bit her: Zwei chassidisehe Geschichten; R. B e r 11 s t e i n - W isclt ni t z.e r: Moses in Stein und Bild; Arnold Zweig: Der Abtriiunigc; Hugo Bergmann: Jakob Cnlian; Jakob Dali;111: Urgleiclinisse (Aus dem Ilebräisclieu übertragen durch Moses Smoira); Bill {i o r i t> ה : AUjüdische Geschichten; David I r ic 11 in a n 11: Die Westwaiul (Aus dem Hehräisclieu übertragen durch A. Uoltiusohn); Mar* tin liuber: Uebcr Aguon; S. I, Agnoii: Er- /üliluiigcii (Aus dem Hebräischen iiberlrageii); David I r i s c 11 m a 1111: Am Grabe Kabels (Aus dem I lebraisclieii übertragen durch A. Robinsolin); Rafael Seligmann: Heber Sclineur; S. Schnelle: Das Pärchen (Aus dem Ilebrätschen übertragen); Z. I)i es e nd r uck: j Selioflm,11111׳; G. S c 11 o f f m a 11 n: Rache eines Leierkaslens (Aus dem I lebräischen übertragen I durch Z. IX); Scholcm Ale j ehern: Ein Rat J (Aus dein Jidischen übertragen durch Nathan1 ׳ Birnbaum); Hadassa bat 11 Mordcchai: Ein Erlebnis in Safed; Otto Eberhard: Dreißig Jahre Bilu. sehulni, dem zufolge alle l.ehrgegcnstiimle - außer j der russischen Sprache und der russischen Volksmul Landeskunde - in der Muttersprache der Schüler vorgetragen werden dürfen. Demgemäß führte das 1 Komitee, als es zur Gründung neuer Schulen schritt, gegenwärtig hat die Gesellschaft 100 Flüchtlingsschulen mit ca. I5ÜÜ0 Schülern, bei einem Jahresbilliget von 100 000 Rubel — folgende Bestimmungen ein: Sämtliche Fächer -- außer den obengenannten - werden in jidiseher Sprache vorgetragen. Die hebräische Sprache, Bibel und bei günstigen Becliiigimgen, d. 11. wenn die Schüler damit erst im I, Schuljahre beginnen auch jüdische Geschichte können auch im Hebräischen vorgetragen werden. Dem religiösen •Unterricht muß ein entsprechender Platz in der Schule gewährt werden. Zu den Lchrgcgciistämleii zählt auch der Unterricht der jidischen Sprache. Die russische Sprache muß gründlieh erlernt werden. Diese Bestimmungen wurden vorn Komitee hei der Gründung und Subventionierung von Schulen stets eingehalten. Wie der Berichterstatter mitteilt, ist die Moskauer Abteilung in den in ihrem Rayon bestehenden Schulen vo*1 diesem Programm abgewichen. In einigen Seht!• len dieses Rayons wurde z. B. der jidischen Sprache 7 Stunden wöchentlich gewährt, also fast ebensoviel wie der hebräischen, die mir 8 Stunden wöchentlich gelehrt wird. In anderen Schulen wird auch der religiösen Erziehung wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Der Referent schlägt daher vor, diese Grundzüge des Lehrplans des Komitees anzunchmcn und sic in allen Schulen ordmingsgemaß durclizuführcn. Der Hauptheschluß ries Komitees, daß die Unterriclitsspraclie für die allgemeinen Lchrgcgcnständ« die jidisclic sei, begegnete fast von keiner Seite ernstlichen Einwendungen. Der Leiter der padagogischen Tätigkeit der Gesellschaft €11 €h. F i a 1 k o w ־ erzählte, unter welchen Umständen das Komitee gezwungen war, diesen Beschluß zu fassen. Die Kinder der Flüchtlinge kamen entweder aus kleinen Nestern, wo es außer Chadarim keine Schulen, oder ans größeren Städten, wo es wenig Schulen gab, Dieser uem Glieder entstammenden Jugend, die keine andere Sprache so gut beherrschte wie die jidisdie, mußte man möglichst schnell ein großes Maß jüdi• scher und allgemeiner Kenntnisse bcihriiigcn. Da gab es keinen anderen Weg, als die Umgangssprache der Kinder zur Vermittlerin der Schulbildung zu machen, So lautete das Gebot des Lebens. Außerdem war es auch eine ernste politische Frage. Sämt• liehe Völker Rußlands bauen ihre Schulen auf ihre Muttersprache auf und die Juden dürfen dabei nicht zurückstehen. Aber ohne eine weitgehende Berücksichtiguug der hebräischen Sprache kann diese Erziehung nicht national sein. Daher muß die hebräische Sprache in der Volksschule gründlich hetrieben werden. Die heftige Debatte, die sieh dem Bericht .ווו• schloß, drehte sich hauptsächlich um die Frage, welchen Platz, der Unterricht der hebräischen Sprache und Literatur 11ml der Unterricht der jidischen Sprache im Lehrprogramm einnchmeii soll. Es wurden seiten! der Jidisehisten und der Hehraisten je 3 General• Redner aufgestellt. Als Wortführer der Jidisehisten sprachen die Herren N. Stief, J. Okunj und M. Raskin, seitens der Hebraisten J. L. Alter■ mann, CI1, N, Bialik und A. M. Gold st ein. Mit Ausnahme des letzteren sprachen alle Kcdnct jidiseh, Was die Gcneralredncr der Jidisehisten auf dieser Beratung verlangten, war die Ausschaltung des Hebräischen von der Volksschule. ״Das Kind darf nicht nationalen Tendenzen zum Opfer fallen,“ sagte Herr N. Stief. ״Sic glauben nicht an die Zukunft des jüdischen Volkes, das Sie für lahm halten und ihm daher eine künstliche Knicke, das Hebräisch«, in die llaiule gehen wollen. Wir glauben an die Lebenskraft des Volkes und hr.'iichcu keine füllst• liehen Arzcncien, Wir träumen von einem gesunden jüdischen Kind, das nicht blutleer und schwach ist, sondern einen ״gojischen•‘ Kopf hat uiul rote Wangen.“ ״Hebräisch“ — erklärte ein zweiter jidiscliistisclwir üencr,׳ilredncr ״ist eine Sportsache, die in einer Volksschule nicht betrieben werden kann. Die Qrtm«llagen der normalen jüdischen Volksschule müssen a 11 g e 111 e i 11 - w i s s e n s c h a f 11 i c h e Bildung s• fächer in der jidischen Sprache sein." ״Wir streben“ - - sagte Herr Ra-.kin - ״nach der!;rollen europäischen Kultur, hemmt uns nicht durch religiöse Ketten und klerikale Baude! Mögen sich dit Assimilantcn an die Bibel fesseln, denen sonst vom Judentum nichts übrig gebliehen ist. Wir aber wollen eine europäische Schule in der jidischen Sprache aufhaucn.“ Ch, N. Rialik dankte den jklischistischen R«• j Präsentanten für ihr offenherziges Auftreten gegen das Hebräische, das den Kampf erleichtert. Herr Stiel sehne sieh nach einem jüdischen Schüler mit einem gojischcn Kopf und roten Wangen. Dieser Wunsch lasse sich leichter und radikaler erfüllen — durch die Taufe! Die Bedürfnisse des Volkes seien die Richtlinien für die Volksschulen und die Erziehung guter Söhne des Volkes sei die /Uifgabc der Schulen, Nur die Sprache ist die nationale, deren Ursprung im Ursprünge des Volkes selbst wurzelt, die zu• sainmen mit dem Volke entstanden und mit ihm zusammen organisch verwachsen sei. Mit einer Krücke würde keiner geboren, mit dem Hebräischen aber sei das Volk in die Welt gekommen. Krücken seien daher vielmehr die sonstigen Sprachen, die das jüdi• sehe Volk auf dem Wege seiner Geschichte wiederholt benutzt und wieder abgelegt habe. Auf eine solche Sprache alles zu setzen, sei eine Gefahr. ,,Ich bin kein Feind des Jidischen“ — erklärte der Dichter — ״hier aber ist tatsächlich von etwas gatu

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