Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXI (1916)
- Issue
- Heft 13 (31.3.1916)
- Date
- 1916-03-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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faltig durchsucht, licm. umgangen werden, uni Verscucliiiugcn zu vermeiden, ebenso sollen energische Maßnahmen, bis zur Anordnung der Gewalt, ergriffen werden, 11 in die J 11 d e n in der R i c 11111 n g des Fe indes d 11 r c 11 /.u sto Heil, (gez.) Olicrstlcutnant S t a w r o g i 11. II. (1 e 11 e r a I R 11II k y i 111 iK r i e g e gegen di e J11 d e 11. Bekanntlich sind der russische Generalstab und die hohe Generalität der Mittelpunkt des Verleuindungsfeldzugs gegen die Juden Rulllands und die Triebkraft der Politik der grausamsten Evakuierungen. Die bedeutendsten russischen Feldherren haben sich an diesem Krieg gegen die «׳ehrlose Bevölkerung beteiligt. Zu ihnen gehört auch der jüngst zurückgetretene Oberkommandierende der Nordfront (Riga* Dwinsk), General Rullky. Am 27, Januar (9. Februar) 1915 telegraphierte der General an den Gouverneur von Plozk: ״Entfernt alle Juden aus dem Plozk er Oouvemement". Hierauf folgte ein zweites erläuterndes Telegramm: ״Es unterliegen der unverzüglichen Ausweisung alle Juden und verdächtigen Personen aus den Orten in der Nähe der Linie der Front (der Schladitenlinic) Und im Rayon der Konzentration der Truppen. Zweck der Anordnung ist, die Verhinderung von Feststcl* hingen zwecks Spionage". So wurde das neue Blutmärchen von dem kollektiven Landesverrat der Juden genährt. III. Oberste Leitung der Verpflegung der Armee der südwestlichen Front. Befehl vom 31. März 1915, ,׳Nr. 1815, gegeben in Lublin. Den vorhandenen Informationen zufolge, infolge des l kberfliisses von jüdischen Gemeiner! im Train und in den Anstalten (hinter der Front und ihres Verkehrs mit den örtlichen galizischcn Juden, erhalten osterrcichische Spione Angaben über das Leben hinter der Front und in der Front, die sie entweder von galizischcn Juden oder von russischen jüdischen Sol* daten beziehen. Außerdem benutzen unter dem Vorwand dienstlicher Erfordernisse russisch-jüdische Soldaten ihr Recht der Durchreise nach Rußland und führen Pakete und Briefe durch, wodurch Zensur und Beschau umgangen werden, lim diese unerwünschte Erscheinung zu ,vermeiden, hat der Oberkommandierende befohlen, alle jüdische Gemeinen, die zum Frontdienst tauglich sind und sich derzeit in. Anstalten hinter der Front befinden, unverzüglieh in die Reservebataillone zu versetzen, in denen sic sechs Wochen zur Abriehtung behalten werden, worauf sie in die Regimenter abzusenden sind, wo sie unter besondere Aufsicht gestellt werden. Vorstehendes wird zwecks entsprechender Weisungen mitgeteilt. (gez.) General der Infanterie: (Name unleserlich). Signiert: Generalmajor Serschewsky. Bestätigt: Für den ersten Adjutanten. (Name unleserlich.) Der Befehl ist ein weiterer Beleg für die systematisebe Nahrung des Verdachtes der Spionage gegen die jüdischen Soldaten durch die russische Armeeleitung. (J A K) Aus Palästina S t a d t v c r w a 11 u 11 g s w a I! I e n in Jerusalem. 111 Jerusalem werden gegenwärtig die Stadtverwaltungswahlen vorbereitet. An Stelle der fünf austretenden Mitglieder der Verwaltung, werden fünf neue gewählt. Seitens der Juden wurden als Kandidaten )die Herren Joseph E I j a s c 11 a r, Izchak Adass, Israel P o r a 111 und Jaakow Valero aufgestellt. * Ein Jesaja-Abend in Jerusalem. Am 15. Ailar (19. Februar) veranstaltete der Lehrervercin in Jerusalem einen J e s a j a - A b e 11 d. Die Feier wurde durch ein vom Künstler A. Strich inszeniertes lebendes Bild: die Vision Jesajas (Jcs. 6) eröffnet. Nach einem gehaltvollen Vortrag des Herrn David Jellin über das Zeitalter, die Ideenweit, die Wirkung und die Sprache des Propheten wurde das Bikl ״Und es -wird sein am Ende der Tage“ vorgeführt. Nach einer kurzen Pause bjgaiin der musikalisch-deklamatorische Teil des Programms. Ein Chor von 60 Schüler und Schülerinnen, geleitet vom Direktor der Musikschule A. Z. I d e I - sohn sang und deklamierte verschiedene Stellen aus dem Buch Jesaja. Ein kunstvoll aufgeführtes lebendes Bild: ״Steig auf «inen hohen Berg, Verkünderin Zion“ (Jes. 40,9) schloß unter dem Gesänge des Chors ״Tröstet, tröstet mein Volk!"•den Abend. Ein großes Gemälde ״Jesajas", gezeichnet von einem Schüler des ״Ikzalel“ Cliajim Na wo 11 (Oliickmanii) zierte den Saal. IXr Abend hinterlieli einen tiefen, unvergeß- Hellen Eindruck. Vorträge. In dem vom Fraiienverein veranstalteten Vortragszyklus hielt Herr A. M. L i f s c 11 i t /. einen Vortrag über die ״Lehre der Psychologie von Herbert und Wundt“ und 'Herr Sch. Schüler über ״Jcliuda Halcvi“. * T a chk e 111 o 11 isc 11111e in J a I f 11. Der Unterricht an der Schule wird in normaler Weise fortgesetzt. Es wirken augenblicklich 13 Lehrer alt der Schüfe. Die Scliülcrzahl, außer dem Kindergarten, betrügt 176, die auf neun Klassen verteilt ist. Die Schüfcr zeichnen sieh durch tüchtiges Wissen in jüdischen und profanen Lehrgegenständen aus; ihre Ordnung und Zucht ist lobenswert. Im vergangenen Sommer nahmen auch die Lehrer und Schüler an der Bekämpfung der Heuschreckenplage teil. Für die im Llternhause schlecht ernährten Schüler ist ein Mittagstisch eingerichtet, der bis jetzt von 22 Schülern besucht wird. Auch mußte für die Kleidüng einiger Schüler gesorgt werden. So teilen die Lehrer ihre sehr kleinen Bissen mit den Schülern. Spenden sind zu richten au!Herrn Moritz S. Wolff, Postscheckkonto Nr. 7991, Hamburg. Hilfswerk für Palästina FfuiKlertt.'iuseiule von Juden ,in Rußland, Polen und Galizien sind durch den Krieg aufs Furchtbarste betroffen worden. Vieles ist schon geschehen, um die Not in diesen Gebieten zu lindern; große, jüdische Organisationen haben das Hilfswerk für diese Unglücklichen organisiert. Unbemerkt von der ()Öffentlichkeit haben aber auch unsere Brüder im Heiligen Lande mit der .bittersten Not zu kämpfen, und eben jetzt erreicht uns ihr Hilferuf, der die Juden aller Länder auffordert, die Juden Palästinas und das jüdische Kolonisationswerk vor dem Untergänge zu retten. Wer mit der Lage der palästinensischen Judenlicit vertraut ist, der kann es ermessen, was es für sie bedeuten mußte, als sie durch den Krieg von fast allen Verbindungen mit der Außenwelt abgesdinitlcn w’urdcn. Leben doch in Jerusalem und anderen Städten des Heiligen Landes rausende frommer Juden, die auch zur Friedenszeit durch mildtätige jüdische Spenden aus allen Ländern am Lehen erhalten werden müssen. Aber auch die neuen jüdischen An- Siedler Palästinas, die in den jüdischen Kolonieii mit ihrer Hände Arbeit den alten Boden zu neuem Leben erweckt haben, die sich unter Mühen und Entbehrungen ihren Lebensunterhalt selbst verdienen, auch sic sind durch das Unglück des letzten Jahres, sehr wider ihren Wilien, gezwungen worden, an die Hilfsbereitschaft der jüdischen Oeifcntüchkcit zu appellieren. Der Krieg hat den Export der Landesprodukte unmöglich gemacht. Infolge des Mangels an Petroleuiu konnten die Pflanzungen nicht bewässert werden. Die Felder konnten nur ungenügend bcstellt werden. Zu allem Unglück kam noch hinzu, daß Palästina im vorigen Frühjahr durch Heuschreckenstlnvürme heinigesucht w׳urde, welche die Ernte des Jahres zum großen Teile vernichtetcn. Dabei sind die Preise für die notwendigsten Lebensmittel seit Ausbruch des Krieges auf das Vielfache gestiegen, und heute herrscht in breiten Schichten der Bev ö I k e r u n g die Hungersnot. Um dieser Not wirksam zu begegnen, haben sich in Deutschland eine Anzahl Palästinaorganisationen zu einem ,,Hilfswerk für Paläs t i n a" ztisamniengeschkxssen. Anallcdcuts c 11 e n Juden tritt jetzt angesichts der sdliwierigen Lage, in der sich׳ die Juden Palästinas befinden, gebieterisch die Pflicht heran, ihren bedrängten Brüdern im Heiligen Land» zu helfen. Mcjge niemand sich dieser Pflicht entziehen! Hilfswerk in Palästina Geldsendungen sind zu richten an: Hilfswerk für Palästina, Berlin W. 15; Postscheckkonto Berlin 4192. ZIONISTISCHE BEWEGUNG (Zionistische Föderation ״M i s r a c h i") Die Tätigkeit des ״Misrnclii" hatte unter dein Kriege sehr zu leiden. Da das Hnuptfekl seiner Arbeit im Osten lag, war es ihm fast!nimm״, lieh, In diesen vom Kriege lniiiigesiiehteii Gebieten seine alten Verbindungen aufrecht zu erhalten Jetzt, wo die Verhältnisse stabiler geworden sind luit sieb das Z.entralbureau des Misrachi mit seinen alten Vertrauensmännern in Russisch-Polen und üalizien in Verbindung setzen können und hofft nunmehr auf eine günstigere Entwicklung der Arbcitsmöglichkeilen. Unter diesen Umständen war cs zu Ivegrüßcn daß das Zentral-Bureau des Misrachi gleich im Bc-’ ginn des Krieges den Sekretär des Misrachi, Herrn Redakteur M. Berlin, nach Amerika sandte, der die Verbindung mit den dortigen Misracliistcn enger knüpfen und Propaganda für den Misrachi entfalten sollte, Herr M. Ikrlin hat in dieser Hinsicht sriion viel geleistet. Seit dem 1. Januar 1916 gibt er auch das Verbandsorgan ״H a i bri" in hebräischer Sprache in New York wieder heraus. AUS ALLER WELT Au» Amerika. (M o r g e n t h a u i 11 K e w York) , Zu Ehren des Botschafters Morgen! hau wurde in New York ein liesondercs Komitee von 66 Ehrenbürgern eingesetzt, das dem Botschaftcr den Dank New Yorks für seine bisherige Tätigkeit in der Türkei ausdriieken sollte. Zur Ver- Sammlung, die zu diesem Zweck veranstaltet wurde, kamen ungefähr 5000 Menschen. Unter den Rednern befand sich auch der Vorgänger Morgenthaus in Konstantinopel, Oskar St rau II. In den Interviews mit den Vertretern der jüdischen Presse schilderte Morgcnthau die wirtschaftliche Lage der Juden!י a I ä s t i n a s und ermahnte, großzügige Oeldsammlungcn zu ihrem Bisten zu veranstalten. Au» Oesterreich. Auf Anregung des Freiherr 11 Louis von Rofh- Schild hat sich vor einiger Zeit ein ״Oesterr e 1 c h i s c h e s Zentralkomitee zur Waltrung der staatsbürgerlichen Interessender jüdischen I he v ö I k e r u n g im nördlichen K r i c g s g eh i e t c" gebildet, dem als Präsident Herr Landtagsahgcordnctcr Dr. Philipp Ritter von Oompcrz, als Vizepräsident Herr Reichsratsabgeordneter Karnill Kuratnla, ferner die Herren Richard Bcttelheiin, Universitätsprofessor Dr. Salonion Ehrmaun, Bergrat Max Ritter von Giitmami, Direktor Dr. Paul Hammerschlag, Dr. Felix Kat/au, Dr. Frirdr. Kaufmann (Prag), Johann Kre menet/kv, Moritz Edler von Kuffner, Dr. Arthur Kurancla, Direktor Wilhelm Kux, Jonas Löw-Bcer (Brtinn), Dr. Bruno Pollack Edler von l’arnati, Dr. Arnold Rosenbacher (Prag), Herreiihausmitglied Hofrat l!r, loset Scliey, Freiherr von Koromla, Genieindcrat Dr. Rudolf Schwarz-Ililler, Dr. Theodor Sonnenschein ffroppau), Sigismund Freiherr von Springer, Dr. Alfred Stern, Ingenieur Robert Stricker und Direktor Alexander Weiner angehören. Die Vertreter des Komitees wurden von den Spitzen der Zentralbehörden tmd den leitenden Persönlicbkcitcn der für die Verwaltung des nordliehen Kriegsgebietes maßgebenden Acmtcr empfangen und hatten Gelegenheit, vor denselben jene Gesichtspunkte zu entwickeln, welche behufs Sicherung der politischen Gleichberechtigung und der kulturellen Hebung der jüdischen Bevölkerung dieser Gebiete in Betracht kommen. Die Aufnahme des Komitees war bei allen diesen Empfängen «ine durchaus wohlwollende und sachlich entgegenkommende. In einer Reihe dringender, die staatsbürgerlichen Rechte der jüdischen Bevölkerung berührender Fädle hat das Komitee im Wege schriftlicher Vorstellung Abhilfe erbeten. Das Bureau des Komitees befindet sich: Wien IX, Univcrsitütsstraßc 8, Au» QalDIcn Lemberg. Der Magistrat beschloß, sämtliche billigen Küchen auf/.uheben. Von den 50 Volksküchen, die während der Russcninva sion bestanden, waren nur 12 geblieben. Aber auch diese kosteten dem Magistrat 80000 Kronen monatlich, Das Gesuch des Magistrats an die Regierung, die Küchen für «las Halbjahr Januar-Juni 1916 mit einer Summe von 300OfK) Kronen zu subventionieren, wurde abgclchnt. Der Magistrat sah sich daher gezwungen, die Küchen zu schließen. St anislau. Das Zionistische Komitee leistet im Verein mit Vertretern der jüdischen Kultusgemeinde Ersprießliches auf dem Gebiete der -Hilfe lür die kricgsnotlcidendc jüdische Bevölkerung der Stadt. Das Holzvcrtcilungskomitee hat bereits seit dem I. Januar d. J. 34 Waggon Holz und 4 Waggon Kohle um den halben Preis verteilt. Diese Aktion schützte die jüdische Bevölkerung vor der Gefahr des Erfrierens und beanspruchte eine Summe von 8000 Kronen. Ein Zentner Hartholz und Kohle, der bei Beginn der Tätigkeit des Komitees 5 Kroncsi kostete, wurde an die Armen für 2 Kronen verkauft. Ein Zentner weiches Holz wurde für 1 Krone abgegeben. Die Volksküche, die ebenfalls vom 410־ nistischen Komitee geleitet wird, hat bis jetzt ug* lieh 1200 Portionen warmen Essens verteilt, in letzter