Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1916-03-31 · Heft 13 (31.3.1916) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXI (1916)
Issue
Heft 13 (31.3.1916)
Date
1916-03-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2651273-2651974-2651988--10564-2667998
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

8 entity mentions

Seite 109 Nr. 1 * JUEDiSCHE RUNDSCHAU fafiatl bcdandcn, die!,nliistinafrn^c von der Tagesydmnii: dis Kongresses zu streichen. Die Konferenz wählte dann 80 Delegierte, die auf der Organisations-Konferenz in Philadelphia' am 26. ■ Miirr die U» LI"1״' Resolutionen zu verteidigen haben An der Spitze der Arbeitervertreter in dieser Dclc- Jjtion dein Ing. P. Ruttc ״borg. Tme ähnliche Konferenz fand vor kurzem auch in Ciiie.ie״ statt, auf der eine grolle Anzahl Gesell• scli.dli ״ mit insgesamt ca. 100 000 Mitgliedern verirrten u■׳r. die dieselben Resolutionen lallte wie die Konieien׳■ in Manhattan. Brooklyn und Bronxvillo Indien iiin■ Konferenzen am 12. März ab.!:nu n wichtigen Schritt für die Kongrellhewegung stellt d>. Konferenz dar, die am 2(1. -20. Frhniar in Ai ent i Dien Stattrand. Mit Ausnahme der .. nahmen sämtliche jüdischen Organisiitiiiiieii. professionellen Vereine, Synagogcn-Wohltsti! kn! ,(׳Seilschaften und Orden in Argentinien an djoer Konferenz teil. In der Duma Bomaschs Rede über das Verbot der jüdischen Presse. — Eine Anfrage Am 20. Februar (3. März) behandelte die Reichs■ din'1.1 den Gesetzentwurf Aber die militärische Zensur. Oirsei Entwurf enthielt unter anderem den Passus: die Hefehlshaber tlcr Armeen 11,alten das Recht, pcrinthwlie Publikationen eiuzustdlen. Die Kadettenp.ntei Ix-antragte dazu die Bemerkung: ״die Sprache de- <h;׳.׳ols kamt nicht den Grund für seine I*instrllin!״ bilden". Zur Verteidigung dieses Zusalzes, der j:<:11׳>,׳ das Verlwit der jüdischen Presse gerichtet ist, erhielt das Wort der jüdische Abgeordnete aus 1011/ 1)1011' .׳. M. Bomaseh, der unter anderem fohlendes aitsfültrle: Am 5. Juli 1915 wurde an dem Scchstnillioiiciivoll, der Juden in Rullland ein gefährliches Expertment!mtemominen: es wurde seiner Sprache heraubt. Sämlliehe jüdischen periodischen Publikalio• not 7 Tageszeitungen, 2 Wochenschriften, 1 Zwei- Wochenschrift und 2 Monatsschriften wurden mit cim-tii Schlage eingestellt. Die Vorbereitungen dant beginnen schon vorher. Im Kiewer Militärkreis wurde jede jüdische Publikation schon im März verboten and in Odessa wurde eine hebräische Monatsidirifi!ווו April eingestellt. Der Briefwechsel in jidiselier Sprache war schon seit Ausbruch des Krieges: url! itci) und den jüdischen Massen, die sieh aus- «dilielilirli der jidischen Sprache bedienen, fehlte jcili Möglichkeit■ eines brieflichen Verkehrs innerfm,111(11 •r. Ein Sohn, der im Schützengraben liegt, darf aKo seine Mutter nicht von seinem Woltlbcfunk 11 benachrichtigen. Im September durften wohl einige /eihmgcii in Petersburg erscheinen. Hin jidisrltes Organ gab neun Nummern heraus und wurde ein. oslrllt, den beiden anderen wurde die Erlaubnis 'Redet enlzogcn, Sogar alle in der russischen Sprache erscheinenden jüdischen Piiblikatioiieu dürfen keinen hebräischen Text, ja nicht einmal ein hebräisches Z1t.1t hriiigen. Das Heft der jüdischen historischen Viericlj.ilirsschrift -- Jewrcjskaja Siarinn - wurde utIkuch, bis die hebräischen Zitate eines gesehnInliriien Dokuments mit schwarzer Halbe hedeckt vi. iirdett. Die ersten Nummern des Organs des iiidiseltcti Kriegshilfskomitecs ״Pomosehtsch" koimtfii nicht erscheinen, weil cs Verhaltimgsvorsdtrifielt für Flüchllingc auch in der jidischen Sprache fntliielt. Alle diese Zeitschriften waren niemals vorln׳- dralt hih! daher ganz, unverdächtig, so daß in dieser "11)0״: kein Grund für ihre Einstellung vorlag. Auch *he technischen Zcnsurschwicrigkcitcu konnten die Einstellung nicht veranlassen, da die Zeitschriften «״d Zeitungen in grollen Zentren erschienen, in Warschau, Wilna, Odessa und Petersburg, wo solche llimlenii;se leicht beseitigt werden können, Fs fht akd keinen einzigen logischen Grund für dieses '׳’erbot. Es bleibt ״nr ein Grund Antisemitismus, Rinnml tvj|| scj״c Wut über das Haupt der Juden trg1clien. Dieser Jemand hat sich den Kriegs- 1״stand zunutze gemacht. Jedenfalls ist cs eine ״«erhörte, nach ״ Mittelalter riechende Malhegel, ganzes Volk seiner Sprache zu beraube״, J״l die es das gleiche Recht hat wie alle anderen Rußland bewohnenden Völker . . . Bomaschs Rede rief auf den Bänken der Linken ״cifali hervor. Der Zusatz wurde von der Reichsduma angenommen. Am 2(1. Februar (7, Mürz) wurde in der Duma an den Ministerpräsidenten, das Ministerium des Innern und das Finanzministerium über das ungesetzliche Verfahren der Behörden gegen cjje Juden eine Anfrage gerichtet. Der Anfrage waren auch Dokumente beigelegt, die das schändliche Verhalten der Polizei wahrend der Moskauer Judenhetze und die Vorsetidiing provokatorischer Gchcimzirkularc bestätigen. Die Anfrage ist unterzeichnet von dem jüdischen Abgcordneten Fried mann, den Kadetten Miljukow, R o d i t s c 11 c w , M a k 1 a k o w , den Sozialdctnokraten T s c 11 c h e 11 k e I i, Sachanow, dem Progressisten Jcfremow und mehreren anderen. Für unsere Freunde im Felde Allen unseren Heeresdienst tuenden Frettnden wollen wir zum Pellncbfcst eine Liebesgäbe bereiten. Wir wissen, dal) wir ihnen durch ein solches Zeichen liebevollen Gedenkens eine Freude schaffett, die über manche schwere und traurige Stunde der Einsamkeit hinwegliiift. Wir wollen nichts versäumen, um ihnen allen das Bewußtsein zu gelten, dal) sic uns, wenn sie auch1 unserer Arbeit entrückt sind, nicht heraiisztilasetulc Glieder unserer Gemeinschaft sind. Alle unsere Freunde bitten wir ilnlttT auf das dringendste, uns in unserem Werk zu unterstützen. Zweimal zum Chauukahfeste, einmal zum Peliaehfcste haben wir schon während des Krieges gleiche Liebesgaben an Unsere Freunde im Felde geschickt. Wir erwarten, dal) keiner unserer Freunde, der bei jenen Gelegenheiten geworben, gesattt- Hielt und gespendet hat, diesmal fehlen wird. Wir haben uns, folgend den deutlich ausgesprochenen Wünschen unserer Freunde im Felde, entschlossen, als PefSacligabe ein erlesenes Sammelbttcb zu widmen, dessen Redaktion Herr Leo Herrmattn übernommen hat. Das Buch, das wir unseren Freunden im Felde widmen, wird so sein, daß wir wünschen, in die Lage zu kommen, es möglichst an alle uns zur Verfügung stellenden Adressen senden Z w e i g mit. Das Buch enthält folgende Beiträge: Leo Herrmann, Worte der Widmung; Moses Calvary, Im Bannkreis des Hebrä• isclicn; Max Brod, Auftritt des Dichters; Martin liubcr, Zwei chassiUischc Geschichten; R. I) ernst ei n -Wiscbnitzcr, Moses in Stein und Bild; Arnold Zweig, Der Abtrünnige; Hugo Bergmann, Jakob Cahan; Jacob C;111 a n, Urgleichnissc; Bin G o r i o n , Altjüdische Geschichten; David Frischmann, Die Westwand; Martin Buber, Uebcr Agnon; S. J. Agnon, Aufstieg; S, J. Agnon, Totentanz; David Frisch mann, Am Grabe Raitels; Raphael Scligmann, Ucber Schnüttr; S. Schn cur, Das Pärchen; Z. Di esc nd ruck, Scboffmann; G. Sc hoffmann, Rache eines Leierkastens; Scholcm Alejclvem, Ein Rat; David Einhorn, Die letzten Wächter; Hadassah Bath Mordecliai, Ein Erlebnis in Saffed; Otto Eberbard, Dreißig Jahre Bilu. ’ f ‘1*• Pogromagitation in Petersburg Unter diesem Titel veröffentlicht die Petersburger ״Rj cts eit" folgendes: Auf dem Aiidreew-Marktplatz in Wassiljewsky. Ostrow in Petersburg hielt ein Holigan eine ältere Dame an, die ein kleines Kind auf dem Arm trug, und rief ihr ״Jüdin“ zu. Gleichzeitig flüsterte er einer daiieheiistehenden christlichen I ran etwas zu, die so• fort noch einige Frauen rief, die die Dante mit dem Kind umringten und zu schreien begannen: ״Die Jüdin hat das Kind gestohlen, um es für ihr Pcßachfest zu schlachten." Trotz der Proteste der Frau wurde sie sofort von einigen hundert Personen, meist Frauen, umzingelt und eine regelrechte Pogromhetze begann. Der danebenstehende Schutzmann wurde von der Menge aufgefordert, der Frau das Kind wegzimchmen und die Dame ins Revier zu führen. Die mehr 11ml mehr anwachscmlc Menge begleitete die Frau unter Schmäh- und Schitttpfwortcn ins Polizeirevier, Einige begannen Schmutz und Schttccballen auf sie zu werfen. Auf der Polizei stellte sich heraus, dal) die Dame eine Christin mit dem russischen Namen Tschistjakowa war und das Kind ihre Enkelin, die Tochter eines im Felde stehenden Offiziers. Trotzdem wollte sieh die Menge noch immer nicht auflöscn und hörte noch lange den Pogromreden antisemitischer Agitatoren mitten auf der Straße zu. Endlich gelang es der Polizei die verhetzte Menge zu verjagen. zu können. Danttn bitten wir tim beschleunigte Ab- -sendung aller Spenden: die Versendung des Buches gebt in den nächsten Tagen vor sich, damit cs rechtzeitig zum Peßachfcstc in den Händen aller Freunde ist. Geldsendungen sind zti richten an die Adresse des Herrn Max Wöllstein er, Cbarlottenhurg, Roschcrstraße 5, Postscheckkonto Berlin 3847. Zionistische Vereinigung für Deutschland. Ein neues Buch Im Auftrag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland wird ein von Leo Herr!nann redigiertes Saminelbucb für die Freunde im Felde als Pcssachgabe herausgegeben. In diesem Samnielbneli ist eine R e i 11 e der jungen heb r ii i s c Iv eu Dichter vertreten, die die starken Hoffnungen der jungen jüdischen Kunst verkörpern. Das Büch enthält aus ihren Werken originale Uebersetzungen, die den Geist der Kirnst treu vviedergeben. An dem Satmnclbuch arbeiten Repräsentanten jüdischen Schaffens, u. a. auch Moses Cal vary, Martin Btt her, Max B ro d, Hugo Bergmann, Arnold Russische Dokumente L Das nachstehende Dokument ist dem Bericht des Zentralkomitees der ״Kadcttcn"-Partci über die Jtidcnfragc an den Dclcgiertcntag der Partei vom IQ, bis 2t, Juni 1015 beigelcgt. Es stammt anscheinend atts der Zeit des Wechsels des Höeltstkommamlicrctiden (August 1015). T elegramnt tl c s S t a b s d e s 3. Armeekorps. Der kommandierende General hat befohlen, die betreffenden Anordnungen des Telegramms des Obersteu Leiters der Verpflegung der Feldarmee zur Ausfültitmg zu bringen. Auf Befehl des Höeltstkomtitandiereink'it wird die zwangsweise Evakuierung beim Rückzug gänzlich aufgehoben; Flüchtlinge, die freiwillig nach tmsereti (ionveriii'incnts folgen, sowie die Einwohner an den Grenzen werden nach den östlichen Teilen der Gouvernements Wolhynien und Podoliett geschickt, dir nach Galizien zurüekkehren wollen, sollen nicht .ungehalten werden, wenn cs nach militärischen Erwägungen zulässig ist. Die Verteilung der Flüchtlinge soll in einigen Kolonien erfolgen, an Stelle der evakuierten Kolonisten. G a 1 i - zische Juden sollen in unsere Grenzen nicht zngelassen werden, die inzwischen in unsere Gebiete mit den Flüchtlingen eingedrungen sind, sind nach Möglichkeit nach Galizien zurückzusenden. Gegenwärtig befinden sich längs der österreichischen Grenze Lager von Juden, die vorher aus den Militärravons ausgewiesen und nach Rußland nicht herein-' gelassen wurden; beim Rückzug unserer Armee und beim Passieren der Grenze sollen diese Lager sorg- 1 ■ 1 f/1 ־ JL 1 /.ionisten! z«aj alt den Kriegs be!trag!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.