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Jüdische Rundschau · 1916-03-24 · Heft 12 (24.3.1916) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXI (1916)
Issue
Heft 12 (24.3.1916)
Date
1916-03-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite ססו ür. JUEDISCIIE RUNDSCHAU Nr.!2 ״Die Juden Amerikas und des neutralen Europas“, schließt Bruzkus seine Ausführungen, ״haßen schon auf verschiedene Weise ihr Interesse für die palästinensischen Juden bekundet. Dies alles muß noch׳ vervielfacht und geregelt werden“. Immer neue breite Schichten der jüdisehen Bevölkerung und andere maßgebende Kreise müssen zu dieser Arbeit herangezogen werden. Die Juden müßten sich vor der gesamten Kulturwelt und dem bei Friedensschluß stattfindenden Diplomntenkongrcß eine geeignete Vertretung schaffen. Es müsse eine jüdische Volksorganisation geschaffen werden, die die jüdisch-nationale Politik zu leiten berufen sei. Am besten sei cs vielleicht, wenn der geplante amerikanische Kongreß diese Institvition ins Leben riefe. Die Konferenz der New Yorker Zionisten Am 6. Februar fand in New York eine Konferenz ihr Verlrclcr aller 28 Zionistischen Vereine und Orden New Yorks statt, an der 82 Delegierte teilnahmen. Die Konferenz wurde vom Vorsitzenden ries Z i o 1! - Do 1111 c i 1, Herrn Max Perimann mit einer kurzen Uebersiclit über die reiche Tätigkeil des Council während des verflossenen Jahres eröffnet. Im Namen des ״Misraehi“ begrüßte die Konferenz Herr M. Berlin und im Namen des Ordens B 11e-Zion Herr Joseph Baron des. Eine bedeutsame Ansprache hielt der Vertreter des Engeren Aktions-Komitees, l)r. Sehmarja Lew in; der vor kurzem in New York eingetroffeue Leo M o t 7 k i 11 schloß die Reihe der Begrüßungsreden. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit standen innere Organisationsfragen, Einige Vereine wurden beschuldigt, daß sie verhältnismäßig geringes Interesse der Nationalfondsarbeit gewidmet hätten, andere daß sie ihre Arbeit ausschließlich auf die ״Relief“- Tätigkeit beschränkten. Herr Rosengarten berichtete über die Jugendorganisation ״J o u n g I 11 d a e a“. Nach langen und heftigen Debatten wurde beschlossen, die Organisatioiisform des Council dahin zu ändern, daß zur Führung der Geschäfte eine Exekutive von bloß 10 Personen gewählt werde, die ihrerseits verpflichtet ist, wer Mal jährlich *len Delegierten der Vereine einen Belicht über ihre Tätigkeit zu erstatten. Eine ausgedehnte Debatte rief die!•'rage der OrganisationsbeZiehungen *1er Zionistischen Vereine zu *len Zionistischen Orden und die der Fiiiaiiziamig *1er Exekutive hervor. Zum Vorsitzenden des Council Wird von der Permnncnzkoinmission Herr Morris Rotten borg vorgeselilagen und einstimmig von der Konferenz, gewählt. Der neugewahlte Vorsitzende ist ein bekannter Zionist und Rechtsanwalt, der schon seit hat die Sprachen der Völker gesprochen; und in alledem ist er Orientale geblieben. Er hat die motorische Schrankenlosigkeit des Gritiulwescns mit ihren Begleiterscheinungen, der Herrschaft des Zeitsinns und der schnellen Bcgriffsfunktion, in sielt bewahrt, er bat den elementaren Eiuhcitstrieb und die immanente Forderung in sielt bewahrt, zuweilen verschüttet, zuweilen entartet, nie völlig erdrückt. Man wird sic im angcpaßtesten Juden entdecken, wenn inan sein Gemiit zu erschließen vermag; und welcher aus dem Inhalt seines Denkens den letzten Rest des Judentums ausgerottet bat, der trägt es in der Form seines Denkens unausrottbar fort. Aber weithin erkennbar leben sic in den an Fertigkeilen der Zivilisation armen, aber an Macht des ursprünglichen Ethos und des unmittelbaren Geistes trotz eindiingender Verderbnis und Zer- Setzung reichen jüdischen Volksmasscn Ostcuropns. Man sehe etwa den epigonenhaften, dennoch auch jetzt noch wundersamen Chassid unserer Tage an; man sehe ihn zu seinem Gotte beten, von der Inbrunst geschüttelt, mit seinem ganzen Leibe das gleiche aussprechend, das seine Lippen sagen, ein grotesker und erhabener Anblick; man sehe ihn mit königlichen Gebärden und gesammelter Weibe das heilige Mahl des Sabbatausgangs begehen, an dem die Geheimnisse der Weltciiösung bangen; und man wird fühlen: hier ist, verkümmert, verzerrt, dennoch unverkennbar, asiatische Gewalt und asiatische Innerlichkeit. Auf diesem offenbaren oder latenten Orientalismus, diesem unter allen Einflüssen erhaltenen Seelcngrund des Juden baut sich mein Glaube 2'J J,׳ihren in New York wohnt, wohin er als 7-jiihriger Knabe aus Rußland kam. Es ist der Schwiegersohn des bekannten jüdischen Romanschriftstellers N. M. Srhavkewilseh (Stimmer), Mitglied der Exekutive der amerikanisch-zionistischen Föderation und des Relief- Komitees, Mitarbeiter großer englischer Zeitschriften und zählt zu *len beliebtesten zionistischen Rednern. Die Konferenz beglückwünschte den Führer der amerikanischen Zionisten L. D. Brnndcis zu seiner Ernennung zum Richter am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten. An unsere Freunde und Leser! Ein neues Quartal der ״Jüdischen Rundschau“ beginnt. Alle, die die ״Jüdische Rundschau“ in der letzten Zeit gelesen haben, wissen, welche Bedeutung das Organ der Zionistischen Vereinigung für Deutschland gerade jetzt besitzt. Werbet für die Verbreitung der ״Jüdischen Rundschau 1“ Redaktion und Verlag der ״J ii d I s c 11 e n Rundsc h a u“. Die jüdische Arbeiterschaft Palästinas im Kriegsjahre (Aus dem Sam nie!buch ״Bc s c h a a - su“). Schwer imil nicdcrdrückcnd war das vergangene Jahr für die palästinensische Arbeiterschaft. Im Zeichen der durch die materielle Not verursachten Auswanderung hatte *las Jahr begonnen und sein Ende wird charakterisiert <111 ich einen kurzen Brief aus einer kleinen Kolonie: ״Neun Arbeiter verließen gestern die Kolonie, vier gingen nach Recliobot, vier nach Neß-Ziona und ».einer nach Rischon-lc- Zion, Von allen Orten, in die wir uns jetzt zerstreuen, ist Kcschohot offenbar noch am besten daran. Hort gibt es jedenfalls noch Brot; in Risclion-Ic-Z.ioii dagegen ist man, auch wenn es morgens Brot gibt, nielit sicher, oh inan es auch abends erhalten wird. In Neß-Zioua gibt es überhaupt keine Kiiehc mehr. Zur Zeit stehen noch zwei Säcke Mehl zur Verfüguug, aber mit diesem Mehl aus7.ukommcn, ist sehr schwer. So kommt es, *laß tlcr Arbeiter morgens nach *lern Oemiß /ines Stück trockenen Brotes zur Arbeit geht, mittags auch dieses nielit hat und nicht einmal hoffen darf, daß er wenigstens abends zur rechten Zeit Brot haben wird“, — — — So stellt es in *lern kleinen Becr-Jakob, so auch in *lein großen Petach-Tikwa und den übrigen Kolonicii und zwar nicht bloß am Ende, sondern während der ganzen Dauer dieses schrecklichen Jahres. 1■ י.—׳""". . . ׳״.... ׳־־•״־.. an eine neue geistig-religiöse Schöpfung des Judentums auf. 111 der Abgelösthcit und Aufgelöstlicit seiner abendländischen Existenz kann ihm freilich nur Stückwerk geraten; kühne Wagnisse des Geistes können unternommen, starke Worte des Geistes können geprägt werden; religiöse Erregungen können aus dem wettcrschweren Dunkel des Volkssehicksals anfblitzen; aber eine große Schöpfung, die sic alle in einer Synthese .vereinigt, die die Kontinuität des jiidisclien Werdens wieder anfiiimint und dem unsterblichen jüdischen Einheitstrieb wieder adiiqnaten Ausdruck gewährt, wird nur erstellen können, wenn die Kontinuität des palästinensiselten Lebens wieder aiifgcnomitten wird, aus dein einst die großen Konzeptionen dieses Einheitstriebes erwuchsen. Der Jude ist nicht der gleiche, der er damals war; er ist durch alle Himmel und Höllen des Abendlands hindurch• gegangen und hat an seiner Seele Schaden gelitten; aber seine Urkraft ist unversehrt geblieben, ja sie ist geläutert worden. Wenn sic ihren mütteiliciieii Boden berührt, wird sic wieder schöpferisch sein. Der Jude kann seinen Beruf unter *len Völkern nur dann wahrhaft erfüllen, wenn er von neuem und mit seiner ganzen, unversehrten, geläuterten Urkraft daran geht, zu verwirklichen, was seine Religiosität ihn in der Vorzeit lehrte: die Einwurzeiung im heimatliehen Boden, die Bewährung des rechten Lebens in der Enge, die vorbildliche Gestaltung einer Menschengemeinschaft auf der schmalen kanaanitischen Erde. Währeiul des ersten Kriegsjahres konnten St4. die Arbeiter durch *lie Mittel erhallen, die aus <03 Quellen flössen: aus den Mitteln der KolimisJ« aus denen des amerikanischen Hilfskomitees ״"} aus (lenen der Anleihe für Pflanzer. ,lJ Was die erste, von den Kolonisten "*■ן":.,",. Hilfe betrifft, so ist klar, daß diese Mittel' über,״ו' gering waren. Demi die Kolonisten hatten selb־! viel unter den Widerwärtigkeiten der Krise / leiden. Vielleicht wäre diese Hilfe von ,•rolter * Bedeutung gewesen, wenn die Kolonisten sich'bcmüln hätten, den jüdischen Arbeiter zu heschättieen Aber das ist ein Kapitel für sieh. Wer später einmal daran gehen wird, die Geschichte der Krise « schreiben, wird, wenn er zu diesem Punkt kommt sich nicht sonderlich begeistern können. ן >j* der Hilfe war eine ständige Quelle des Zankes 1״״t der Erbitterung. ° Die zweite Hilfsc|11el!e — der amciikanischt I lilfsfond — waren Gelder, die man *In! Ko. lonisten leihweise überließ, damit sie jüdisebt Arbeiter beschäftigen. Auch diese Hilfe war sehr gering. Trotzdem spielte sie eine große Rulle j! der Existenzfrage des Arbeiters. Die amerikanischen Gelder übten eine anregende Wirkung auf die eigenen Mittel der Kolonisten aus, denn wer aus diesem Fond Kredit erhielt, verwandte gezwungener, maßen oder unwillkürlich auch eigene Mitlcl m Beschäftigung lies jüdischen Arbeiters. I Ifhcrliaupt wird diese Institution noch gute Früchte für *|ic Zukunft zeitigen; der Arbeiter konnte seine Ansicht zum Ausdruck bringen und man berücksichtigte die Meinungen und Bedürfnisse der Elemente, die die Krise nur durch Arbeit überstellen wollten. Dndu ch vvitr die Möglichkeit gegeben, in großem Maße *lie Mittel des Hilfsfonds für die wahren Bedürfnisse der Arbeiter zu verwenden. Als das Projekt einer Anleihe für die Pflanzer nuftauclitc, schien es den Arbeitern, daß *las wirklich ein Rettungsanker sei. Diejenigen, *lie *lies*• Anleihe regelten, wußten es von vornherein so einzuriehten, daß ein gewisser Prozentsatz der Anleihe den bei den Pflanzungen beschäftigten Arbeitern als Lohn zugute kommen sollte, Dadmcli **׳eilte man de Existenz einer Anzahl Arbeiter sicher stellen. In der Tat bestand Grund zur Annahme, daß dies wenigsten* für vier, fünf Monate möglich sei. Die Arbeiter atmeten auf, denn sie dachten, daß sie sich jetzt nicht mehr für einen Arbeitstag in der Woche *er• dingen brauchten. Von nun au würde cs nicht mehr nötig sein, den oder jenen Kolonisten anztiflehen, daß er Kredit nehme und etliche Arbeiter hcsehiifligc; lind andererseits könnte man von seiner Arbeit leben und sich nicht als Kreditsuclu r, sondern als Arbeiter fühlen, der bestimmte Prinzip cn mul soziale Foidcniiigen stellt, die sein Ideal ati-muhcn. Die Arbeiter begannen also, sich an die Pll.n1• zimgsnrbcitcn zu machen. Die Anleihe diente bekanntlich dazu, unsere Püaiizungskultuien zu retten. Da cs de״ Arbeitern so schien, als oh die Brotfrage von der Inges- Ordnung nhgesetzt sei, hielten sie es auch ihrer• seits für ihre Pflicht au diesem Rcttungsvurk mitziiarbcitcn. Dies glaubten sie am besten d:n*h eine hingebungsvolle und verantwortungsbewußt■• <)t1,1litätsarheit verwirklichen zu können. Zu diesem Zwecke berieten sic sieh eingehend über ׳:in ׳ ordiniiigsgemäßc Durchführung der Arbeit und l>cgannen auch mit der Konzentrierung der bc-td und gewissenhaftesten Arbeiter, Die Anleihe erweckte also große I loifu.nigen. Im ersten Augenblicke schien es, als oh dmch sie nicht nur die Pllnnzimgcn gerettet würden, ■ i'iulcrn auch die Arbeiterschaft, auf tlcr die Krise •ihwer lastete, ei״*: gewisse Festigung erhielte. So schien es, aber alle diese schonen Illusionen zerstoben bald. Es war voraus/ttsvhett, Dil! ** *len PiDn/iiiigsIx’sit/cni, die die •Anleihe;m1׳t iluiien, nicht ein gehen wollte, daß mau sie zw.mg, sich diesem ״Pro/entchescliluß“ zu fügen. Eilige 11 sie d nicht worden 'planten Auch ziigängeliult('״, Aber trotzdem hätte die Anleihe uoh Wirkungen für die Arbeiterschaft gehabt, wc: vollständig, wie geplant, aiixgegcbcii und tröpfchenweise an die Kolonisten gegeben wäre. Nur ein Drittel der ursprünglich :׳ Anleihe tude *k11׳ Kolonisten gewann dieses Drittel war nicht jedem Kolonist* u lieh, denn nicht alle wurden für krcdilfälicr da sic noch mit früheren Verpflichtungen n״ IQö• stand waren. Das sind die drei I laupb|ncl!cn, die ■ s tl*1״־ Arbeiter ermöglicht hatten, sein Lehen im vn ilosseiien Jahre zu fristen. Ein regelmäßiges Einkommen von 17 D I ranc» im Monat galt als fast unerreichbares Ideal u1״ mehrere Fasttage hintereinander wurden zu eine normalen Erscheinung über *lie sich niemand!»1י wunderte. Heber die Folgen einer solchen Lehen*■ weise könnten die Arbeitervorsteher, Aerzic '1,'י Krankenpfleger manches erzählen. In dieser Weis gestaltete sich die materielle Krise der judäischcn Arbeiter in diesem verhängnisvollen Ja״rc׳ ■ ä •ו n Ir aus de der p! progr denen gCW’OI lag d im V ilm n des J C hier I nicht ganz« erbitt H1״tc Almo halb' den lungt Arhe satof ihre um Arb< mal men Krct zeu{ l>cte 711 rf Kok Unt aut To Bc .ge! Mc ,׳ie tät H! na hic in di- (h in Zt A׳ 01 di ״I dl ir V w V { fl 2 V s t

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