Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXI (1916)
- Issue
- Heft 12 (24.3.1916)
- Date
- 1916-03-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 98 JU EDI SC HC RUNDSCHAU konstatiert anerkennend, wie scharf die Presse gegen die Assimilation auftrete und daß sie an der Losung festhalte: ״Das jüdische Volk stellt eine selbständige nationale Einheit dar.“ Heinz!' will darum auch! den verhängnisvollen Irrtum nicht aufkommen lassen, ״der nach der gegenwärtigen Sachlage wohl im allgemeinen deutschfreundlichen Bevölkerung nun flugs nationales (sc. deutsches) Empfinden anzudichtcn.“ ״Dieser Mangel an innerer Fühlung mit dem Deutschtum kann den Ostjuden um so weniger verübelt werden, als sic vom Deutschtum durch Sitten, Gebräuche und Lebensweise, offensichtlich auch durch Körperbeschaffenheit scharf geschieden sind, weit schärfer übrigens, als irgendein anderes der uns umwohnenden Völker.“ Heinze, der Autor des G r e 11 z 8 c 11111 ß a r t i k c I s, untersucht auch die Stellung der polnisch-jüdischen Presse zur Diskussion über die mögliche Einwanderung der üstjudcu nach Deutschland. Heinze glaubt, daß zweifellos auch für die Vorkämpfer des Ostjudentums die Notwendigkeit voriiegt, ״wenigstens in dieser kritischen Zeit, welche die Daseinsbedingungen der polnischen Juden grundlegend umziländern verspricht, die Masse der Ostjuden an den Wurzeln ihrer Kraft geschlossen zusanuncnziihalten und ihre Verschmelzung mit anderen Völkern zu verhindern.“ Das mag richtig sein, es darf aber* nicht vergessen werden, daß es sich bei jener von Fritz und Heinze begonnenen Diskussion ,über die Grcnzschlußfragc nicht darum handelte, ob und wieweit eine Auswanderung der Juden aus Russisch-Polen in den Westen wünschciiswert oder ihnen selbst schädlich sei, sondern darum, ob Ausnahmegesetze oder eine bestimmte doch nur gegen sic gerichtete'Praxis sic wiederum zu Bürgern zweiter Klasse mache 11 dürfen. Es ist anerkennenswert, daß dieser selbe Wolfgang Heinze jetzt von der Notwendigkeit spricht, ״die rassepolitischen Empfindlichkeifen der Ostjuden sorgsam zu schonen.“ Heinze dürfte gemerkt haben, daß die von ihm früher vorgescklagcnc Methode auch den Widerstand der Juden Deutschlands wachrief, daß also die Er- Wartung sich nicht erfüllte, in diesem Kampf gegen die Ostjuden würden deutsche Juden und Antisemiten Schulter an Schulter stehen. Daß die Allgemeine Zeitung des Judentums mit ihren Acußerungcn von Willy Cohn, Ludwig üeiger und Marlin Pliilippson eines der wenigen jüdischen Organe war, welche selbst diesen antijüdischen Standpunkt einnahmen, kann docli Herrn Dr. Heinze nicht wunderu und soll ihn ja nicht veranlassen, zu glauben, Ausblick Von Martin Buber. Aus dem soeben im Verlag Kurt W o I f f in Leipzig erschienenen Buche Martin ßubers; ״Vom Geist des Judenbims“, F.inc Besprechung dieser gesammellen Reden und Aufsäl/.c werden wir demnächst bringen. Der Untergang des jüdischen Staates hat die Geschichte des Judentums entzweigebmehen, wie es nie zuvor und darnach einem Volk widerfuhr. Indem es seiner tnorgcnliindischcn Erde entrissen wurde, wurde es zugleich der Kontinuität seines geistigen Werdens entrissen. Das ist aus zwei Dingen zu verstehen: aus dem Zusammenhang des antiken Juden mit seinem Lande und aus der Genesis seiner geistigen Produktivität. Einige Gelehrte, die sich mit der Psychologie des Judentums befaßt haben, sprechen mit axiomalischer Sicherheit die Ansicht aus, Israel sei ein Nomadenvolk gewesen und geblieben, und leiten allerlei wirkliche oder angebliche jüdische Eigenschaften davon ab. Diese Ansicht wird etwa damit begründet, daß in den biblischen Büchern, so bei den meisten Propheten, uns überall Bilder und Gleichnisse aus dem Hirtenleben entgegenträten, wogegen die aus dem Baucrnlcben äußeret selten seien. Das trifft auf keines der Bücher zu; ja in den älteren der prophetischen Bücher, deren Urheber am stärksten mit dem natürlichen Leben des Volkes zusammenhingen, wie etwa beim ersten Jesaja, das Blättchen habe einen Wert und einen maßgebenden Rückhalt. In anerkennenden Worten spricht Heinze über den Charakter der Warschauer jüdischen Presse und weist die Behauptungen des polnischcn Assimilantcii Bernhard Lauer vom T i c f s t a n d dieser Presse, zurück. Nochmals wird wiederholt und unterstrichen: ״Jetzt ist die polnisch-jidisclic Presse — wohl noch mehr als ihre galizischc Schwester — eine berufene Hüterin ihres Volkstums . . . Ausdruck und Stütze ihrer Sprache wie ihres ganzen Volkstums ist sie in erster Linie; dessen Aufrcclrtcrhaltung und damit die Trennung von Deutsch und Jidisch liegt aber im nationalen Interesse beider Peile.“ Gerade im gegenwärtigen Augenblick ist der an so hervorragender Stelle erfolgte Hinweis Dr. Wolfgang Hcinzcs auf die jüdische Tagespresse Warschaus von besonderer Bedeutung. Soeben haben nämlich d i c Z c i t u n g e n ״H a z c ־ firah", ״Moment“ und ״Hai nt“ erst die Erlaubnis erhalten, Abonnements in Deutschland anzunehmen und die Zeitungen nach Deutschland und ins neutrale Ausland zu versenden. Damit wird das Verlangen vieler erfüllt, die immer wieder die Zusendung der Warschauer Organe, besondere der ״Hazcfirah“, erbaten. Aber wenn diese Zeitungen nun wieder nach Deutschland kommen, werden sich ernste Leute auch׳ anderswo als in Warschau selbst über die Verhältnisse genau informieren können. Liegt darin nicht wieder eine neue Gefahr, Herr Professor Geiger? Ob nicht auch dahinter wieder die Zionisten stecken? L. H. Bezug der Warschauer hebräischen und jüdischen Zeitungen Laut Verfügung der Prcssebchördc des Generalgouvernements Warschau ist von jetzt ab die Ausfuhr der Zeitungen liazefirah, H a i 111 und Moment nach Deutschland und dem neutralen Ausland gestattet. Wir sind bereit, Abonnementsbestellungen auf diese drei Zeitungen cntgcgcnzunehnicn. Jüdische Rundschau, Verlag. kommt auf zwanzig Bilder aus Feld, Garten und Weinberg kaum eins aus der Viehzucht. In Wahrheit haben wir voit der Zeit vor der Erobening Kanaans ־zu wenig zuverlässige Kenntnis, um die Behauptung wagen zu dürfen, die Juden seien damals ein reines Nomadenvolk gewesen; und soweit wir die biblischen Erzählungen als Quelle anzuschcn berechtigt sind, können wir ans ihnen das Gegenteil herauslcsen; Isaaks Segen an Jakob ist der Segen eines Ackerbauers und Josefs Traum vom Garbenbiudcn der Traum eines Ackerbauers. In der palästinensischen Zeit aber zeugt das ganze Schrifttum von einer Liebe zur Scholle, von einer Verklärung des Bodenbaus, wie wir sic bei wenigen anderen Völkern finden; göttliche Drohungen und göttliche Verheifiungen haben fast immer den Acker zum Gegenstand; und Jesus Sirach spricht das Gefühl der Jahrhunderte aus, wenn er sagt, der Pflüger erhalte die ewige Schöpfung in ihrem Bestand. Selten hat cs ein Volk gegeben, das so in seiner Seßhaftigkeit beschlossen und beseligt war. Und das ganze geistige und religiöse Leben des alten Judentums war eng verbunden mit dem Leben der Erde, mit dem Leben dieses vertrauten Bodens; Gott war der Lehnsherr des Ackere, seine Feste waren Ackerfeste, und sein Gesetz ein Ackergesetz; m welcher Höhe allgemeinen Geistes sich die Prophetie auch erhob, sie wurzelte immer in diesem natürlichen Leben, und ihre Forderung wollte in diesem natürlichen Leben verwirklicht werden — immer wollte ihr allgemeiner Geist einen Leib aus dieser besonderen kanaanitischen Erde anzichcn. Die jtidische Religion lehrte (und das außerpaulinische Nr. 12 Die Zukunft der Palästinas Der Aufsatz eines russischen Zionisten | 3 Die in Moskau erscheinende zionistische ycj(. > schrift ״Jcwrcjsknja Shisn“ brachte in j|)rer J Nummer 5 vom 1. Februar (mss. Stils) unter i 1 dem Titel ״Friedenskongreß und Palästina" einen ) 1 Aufsatz von Julius Bruzkus, dessen Inhalt i I wir in seinen wesentlichen!hinkten im folgenden r I wicdcrgcbcn. I Die Ausführungen Bruzkus’ beginnen mit I ] dem Hinweis, daß auch in den letzten Jahr- ׳* < hunderten das jüdische Volk nicht niifgrhört; hat, an bedeutsame Ereignisse im politischen i Leben des Volkes die alten Hoffnungen auf ' seine Erlösung und Rückkehr nach Palästina zu knüpfen. Er sagt: ״In der Geschichte eines Volkes gibt es ebenso wie im Leben eines Menschen Augenblicke von besonderer Bedeutung, die sicii selten wiederholen und die -- glcichgiltig, ob sie ausgenützt werden oder nicht — auf das /iikfinftige Schicksal einen entscheidenden Einfluß ausüben! Diese Worte Pinskers, die er einst in den schwersten Tagen unserer ersten Taten ge• sprochcn hat, kommen uns jetzt ins Gedächtnis, da das ganze Leben der östlichen Judcnhcit aus seinen Ufern geschleudert worden ist und die blutigen Ereignisse uns mit einer unheimlichen Geschwindigkeit an den Rand des Abgrunds bringen . . . Klares Bewußtsein unserer Zick und eine stolze Hartnäckigkeit sind erforderlich, in solchen Augenblicken den Weg ins Freie zu finden. Jedesmai, wenn die Geschichte der Völker an den Scheideweg gekommen war, tauchte hei uns die Frage auf, ob denn noch nicht die Zeit der Verheißung gekommen sei, in der das jüdi• sehe Volk in seine Heimat ziirückgefülut wird, Der Zug Napoleons nach Aegypten hatte die Hoffnungen besonders gestärkt. Salvador!' in Frankreich, Noy in Amerika, Heß in Deutsch• fand, Disraeli in England und Kalischer in Posen — alle diese Träumer des Ghetto bezauberten das Volk durch׳ ihre poetischen Bilder der nahen Erlösung, Aber erst zu Ende des Pt. Jahrhunderts, nachdem hunderttausendc jüdischer Proletarier jährlich aus Osteuropa nach neuen Ländern auszuwandern begonnen hatten, verließ ־ die palästinensische Bewegung ihren religiösen j und romantischen Boden und faßte in der realen! Wirklichkeit Fuß. Pin.skcr und Mer/I haben Urchristentum ist ihr darin treu geblichen) nicht I wie das paulinische Christentum ein I linatis• tragen der Botschaft in die Völker, nicht wie! der Islam ein Erobern der Welt für den < il.mbcn, sondern die Entwurzelung im heimatlichen Bo• den, die Bewährung des rechten Lebens in der Enge, die vorbildliche Gestaltung einer Men• schengemeinschaft auf der schmalen kannniiiti•; sehen Erde. Und die am tiefsten 11 rspn'in:;liehe : Schöpfung des Judentums, der Messianismus, ist v nur die gleiche Idee, als letzte Erfüllung ge• ״ dacht, in die absolute Zukunft projiziert, da der Herr allen Völkern auf dem Berge Zion ein > Mahl richten wird von reinem Wein, darinnen ן keine Hefe ist. Alles Schaffen nahm seine Kraft und seine Gestalt aus dem organischen Zu• j samiricnhang mit dieser Erde. Und mm wurde ,, dieser Zusammenhang zerrissen, mit ihm zerriß , der innere Zusammenhang des jüdischen e ie istes. Gott wurde aus einem Lehnsherrn des Ackere der , Schutzherr der Frömmigkeit, seine Feste^ aiu fl Ackerfesten Feste der Synagoge und sein Gesetz kj aus einem Ackergesetz ein Ritualgcsct/; der Geis f Jj wurde von seinen Wurzeln gelöst. Damals wur- (■ d e n die Juden ein Nomadenvolk.;1 Aber noch ein Zweites kam hinzu. a I geistige Leben der orientalischen Völker, in dem fl die Gefahren des motorischen Men ׳dien ni! fl seinen sublimsten Möglichkeiten verknüpf• § und die Preisgabe des Selbst an den Taumel e j Welt sich von den gleichen Wurzeln nährt w! | die Besinnung des Selbst auf seine t1״“ fl Welt unwandelbare Innerlichkeit, cntwickcl si 4 oft in der Form eines Kampfes: des Kamp•1״ schöpferischen Geister, der Führer und fcr106 י s Nr. auf <1 Plane sie die intern! sehe 1 einer die At denen liegen» gratioi seinen Regie! die In Ocffih und n von JI Disra( Rcalis sehlic! ,Wüns auf d grtüic I sehe politi! denui sich Fried eint auf ( von land probl heim rend Amei auch hand kann schie man< und Und natic sein, Erez Aufr daß natic Sie gioE 50 siel» K('g< Eine dies lehn man des ei na Klat dem der sehe trag zwe bibl die daß K«S ,Wo Kar zifi? isra die Fm lane Gre abe sag die wer kan me: tun Un drii