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Jüdische Rundschau · 1916-03-17 · Heft 11 (17.3.1916) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXI (1916)
Issue
Heft 11 (17.3.1916)
Date
1916-03-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 92 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. n angeführt, «laß man Niwllicrtni^snrbcitvii auf <icn Dünen bei Jaffa, die mehr als huiulert Arbeitern samt ihren Familien Arbeitsgelegenheit geboten hätten, aus militärisehen Gründen untersagte. 1>וו./ג kommt, ilall zaltlreiehe Hamnaterialien, besotulcrs Zement, hydrauliseher Kalk usw. im Lande entweder nicht vorhanden sind, oder nur zu unerschwinglichen Preisen. So konnte unsere Notslandsaktkm nicht immer und überall so systematisch in Angriff genommen werden, wie sic gedacht war. An der Durchführung von öffentlichen Arbeiten beteiligten sich mehrere Institute. Der amerikanische Hilfsfonds, der Palästina-Arbeiterkinds und die Immobilien-Gesellschaft ״Palästina“ ermöglichten durch ihre Arbeitskredite an Arbcitsgenossciisehafteu Nivellivnmgsarbeiten, Wegebauten usw. vornehmlich in den Städten wie Jaffa und Haifa. Die llilfsaktiou des Jüdischen Nationalfonds hingegen erstreckte sieh auf die Kolonien. Ursache und Umfang der Arbeitslosigkeit sind in Galiläa und Judäa verschieden. In Galiläa hat die gröbere Mehrheit der Arbeiter in den genossenschaftliehen Farmen des Jüdischen Nationalfomls sowie in privaten l ärmen, einen gesicherten Arbeitsplatz. Nur die Saisonarbeiter, die zur Erntezeit heraugezogeu werden und zumeist aus Judäa kommen, sind durch den Krieg brotlos geworden. So waren in Unter-Galiläa zu Anfang des Krieges 150 jüdische Arbeiter beschäftigt, davon rund 200 auf den l ärmen des Jüdischen Nationalfonds. Der Ablauf der Saison hat sofort ea. 100 Arbeiter überflüssig gemacht und im November 1015 war die Zahl der Arbeitslosen! durch den Zufluß aus Judäa und teilweise Fiuscliränkimg der privaten Betriebe auf fast 200 gestiegen. Während so in Galiläa etwa •10 ";0 der Arbeiter ohne Beschäftigung geblieben ist,*gestaltete sich die Lage in Judäa noch schwieriger. Denn in Judäa sind die jüdischen Landarbeiter in höherem Grade von dem Arbeitsmarkt in den privaten Kolonien abhängig. Man schätzt ihre Zahl in Judäa auf ca. 1000, wovon die kleinere Hälfte in den Betrieben des Jüdischen Nalionalfomls, der Agudath Nctaim uml׳ auf privaten Farmen beschäftigt ist. Die Lage der Mehrzahl der Arbeiter, die auf private Kolonisten angewiesen sind, wird als äußerst kritisch bezeichnet. Die meisten Kolonisten haben aus Mangel au Mitteln ihre Arbeiten entweder eingestellt oder sehr eingeschränkt. Seihst diejenigen Arbeiter, die regelmäßig Arbeit haben, werden sehr unregelmäßig bezahlt. Barzahlung erhalten die Arbcitcr fast nur in solchen Fällen, in denen die Kolonisten aus dem amerikanischen Hilfsfonds oder von anderer Seite besondere Darlehen zur Beschäftigung jüdischer Arbeiter erhalten haben. In der Regel, herichtet das Palästinaamt, sind die Arbeiter gezwungen, die Schuldzettel, die ihnen die Arbeitgeber anstelle des Barlolms aiisfolgcn, mit großem Verlust in den Gcihm weh getan hätte, steckt schnell die Messerklinge hinein und operiert die gefährliche Stelle. Da kugelt sieh die Pomeranze aus ihren weiligelhlichen duftigen Wickeln heraus und wird kunstvoll durch Vetter Uri in gleiche I Lilbmöndchen zerteilt, Stück für Stück. — Kinder, verkündet die verlobte Tochter und stellt einen großen Pokal auf den Tisch, — vergeht nicht die Kerne, werft sie da hinein. Man wird sie nufweiehen und einpflnnzcn . . . Sie sagt es zu den Brüderchen, meint aber and) den Vater. Die Kleinen versprechen der Schwester bei ihrem Unternehmen mitzuhelfen und die Augen sind nach den zarten rosigen ״I lalbmömlchcn“ auf dem kleinen Teller gerichtet. Die erste ״Broche“ macht Vetter Uri selbst. Er zerkaut ein Stückchen und schluckt es andächtig hinunter. Er schließt ein schielendes Auge und das zweite dreht er nach der Zimmerdecke und schüttelt mit dem Kopf: — Eine hervo—orragende Pomeranze! Kinder, kommt 11er ,.. Zuerst geht der Jüngste hin, das ist schon sein gutes Vorrecht. Wo es eine gute Sache gibt, ist er der Erste nach dem Vater. Mit hoher Stimme quietscht er den Segensspruch, schnappt nach seinem Halbmöndcheii und verschluckt sich. — Nicht so rasch ... — tadelt ihn gutmütig Vetter Uri, — keiner wird es dir wegnehmen. - Und wo ist das Kernchen? fragt die Braut und nimmt den Pokal in die Hand, — Ja, ja, wo ist das Kernchen? hilft Vetter Uri mit. — Verschluckt, erschreckt sich der Jüngste und wird bis hinter die Ohren rot. — Verschluckt?? — Ja — a . . . Und Tränen kommen dem Kleinen in die Augen. Verstohlen schaut er sich um nach den älteren Brüdern. Sie schweigen. Es ist aber schon geschclien ... Er weiß . . . jetzt wird ihm kein Vater mehr helfen. Man wird ihm die Pein antun. Von heute an wird er einen neuen Zunamen haben — ״Kernchen״... schäften für N.ilinmgsmitlcl einzutaüsehen, Die Arbeitslöhne sinken dabei fortwährend, wahrend die Lebensmittel immer teurer werden, in Galiläa hat der Jüdische Nationalfonds I lätiserhautcn imtcrnommen uml Assnnicningsarbeitcn durchgeführt. Für 20 Arbeiteihäiiscr in Mcrchawjah uml Kinercth wurden im vorigen Jahre rund 30 000 Frcs. ausgegeben. Ob weitere I läuserha'utcii in diesem Wirtschaftsjahre möglieh sein werden, steht noch nicht fest, angesichts der bereits gekennzeichneten Schwierigkeiten. Die Assanicrungsarbciten umfaßten die Eutsteinung und Umzäunung von Terrains in und neben Mcrchawjah, und die Austrocknung der Sümpfe in Kinercth, die die I l.uiptursachc des Fiebers in dieser Gegend waren, in diesem Jahre werden diese Arbeiten fortgesetzt und ein Arm des Jordans, der gleichfalls den (iesimilheitszuslaiid der Einwohner gefährdete, verschüttet. Auch in Mcrchawjah werden einige Hutwüsscrungsarbeiteii dnrchgdtihrf, und der Umbau eines allen Brunnens. Die Arbeiten werden auf Grund von Berichten des verdienten Leiters der Anti-Malaria- Abteilung des Herrn Dr. Hillcl Joffe und der Pläne des Ingenieurs Kantor und anderer Sachverständiger durehgefiihrt. Im Jahre 1015 wurden bereits für diese Zwecke rmiil 10 (KM) Frcs. ausgegeben, und die Aufwendung in diesem Wirtschaftsjahre 5676 sind gleichfalls mit 11) 000 Frcs. veranschlagt. In Judäa, wo die Notwendigkeit derartiger Amelioricriingen auf den Ländereien des Jüdischen Nationalfotuls nicht vorliegt, werden wir den Arbeitslosen entweder durch Arbeitshäuser!!,inten zu Hilfe kommen können, deren Umfang augenblicklich nicht angegeben werden kann, sowie durch einen Arbeitskredit in andcrer Form. Es wird ein Mchlvorrat für 1000!) Frcs. ,ingeschafft. Aus diesem Vorrat erhalten Arbeiter aut Grund von Anweisungen ihrer Arbeitgeber, insofern diese durchaus kreditfähig■ sind, Mehl, bez.w. Brot. Dabei werden die Arbeiter keine Verluste von 30— ו!,״ 10׳ beim Umtausch ihrer Lohnseheine erleiden, sondem das Brot zu normalen Preisen eiiikaufen können. Die l.olmscheine bleiben als Schuldscheine der 11ctreffenden Arbeitgeber in den Händen ries Jüdischen Nationalfomls bis nach dem Moratorium, So hat der Jüdische Nationalfomls bereits 60 000 Frcs. für Notstandsarbeiten nusgegehen, also viermal so viel, als er au Spenden für diese Aktion eingeitommen hat. Zu der Hilfsaktion des Nationalfomls muß auch die Versorgung der städtischen Bevölkerung mit Lcbensmittehi gezählt werden. Mit Rücksicht auf die Situation wurde bei der Aufstellung der Wirtscliaftsplane das größte Gewicht auf den Anbau der Nalmingsmiitel, des Gemüses, sowie auf die Fürderuug der Milch- und Gcflügehvirtscliaflcn gelegt. Um einen Begriff von den Leistungen der National- Danach kommt die Reihe an die übrigen Poincranzciistückchen, von unten hinauf, bis cs zum ״Omore- ISodier“ gelangt. Der nimmt sich sein Teil, ergötzt sieh eine Weile daran, indem er dabei einen guten Geschmack mul einen siilkn Gruß aus Lrez-Jisroel lülilt, von dem er oftmals im Glieder geträumt hat. Pomeranzen wachsen doch nur in Ercz-Jisroel... . l'iid die ״Brodle“? ertappte ihn Vetter Uri und richtet auf ihn seine schielenden Augen. Bonicli atto ailouaj... plappert verschämt der ״Gniore - Bocher“ und das Ponicrnnftcnstückchcn bleibt ihm im Halse stecken. Oh, ein gestörter, ein gestörter Gruß aus Erez-Jisroel! Aber der Vetter Uri begnügt sich damit nicht! er tadelt ihn, den ״Omore-Bochcr“, er solle bei dein Jüngsten eine ״Brochc“ zu machen lernen, ja er soll es lernen ... Er prophezeit ihm, daß er noch bei dem Jüngsten einstmals die Oefcn heizen werde, ja, ja, er wird sic heizen, und ... Aber da, auf einmal erinnert er sich: ך־ Feige, warum kommst du nicht versuchen? Ein Glück, daß er sich erinnerte. Wem! nicht, f*ott weiß, wann er mit seiner Strafpredigt zu Ende gekommen wäre. ־־־ Auch ein Geschäft, — erwidert Muhme Feige, geht hin, macht ״sehchcchcjonu“ ׳und Iaht sich! Ei ei, welche schöne Sachen es auf der Welt gibt! Uml man läßt sich in ein langes Gespräch über Pomeranzen ein. Miilunc Feige sagt, wenn sie eine reiche Frau wäre, würde sie alle Tage eine . , . halbe Pomeranze essen. A11 eine ganze wagt sie gar nicht zu denken. Denn wie kann mau es über sieh bringen, mitten am bellen Tag eine ganze Pomeranze für 8''ע Kopeken zu vernasche״? — Vetter Uri aber hat einen höheren Schwung. Er war do.lt einmal in Nisehni-Nowgorod zur Messe. Er lächelt mit seinen schielenden Augen. Nein, wenn er ein reicher Mann wäre, hätte er sielt den Saft von fünf Pomeranzen auf einmal ausdrücken lassen und hätte ihn in einem Glas getrunken. Das wäre was! Das Weib und die Kinder staunen über den Reichtum einer solchen Phantasie und stellen sich fonds-Wirlschalten zu geben, wollen wir mir ,]je Quantitäten des im Jahre!914 gelieferte״ \,V,I/Cn1 angeben. Es lieferten die Arhcitergeuossens(halten: Mosra 226(101 |{g Dagania 162 560 Mcrchawjah 05 806 Kinercth 26 16(1 Hittin 12 866 55()81>"י kjj Wichtig sind bei dieser Verproviantierung-aktion nicht so sehr die gelieferten Mengen von Weizen Gemüse, Milch usw., als die er/ieite Wirkung auf die Regelung der Lcbensmittelprcise. Die Getreide- Reserven der Nationalfonds-Fnrmen haben am Anfang des Krieges den Lcbensmittcl-Wucher verhindert. Wjr Italien unser Getreide zu normalen!,reisen abgegeben 11ml es ist wert, erwähnt zu werden, daß wir VG izen im Betrage von über dt)DOD Frcs. gegen Kredit und lediglich unter Garantie der Bank abgegeben haben. Da durch diese Transaktion unser Barbedarf m Palästina während des Krieges um diesen Betrag gestiegen ist, können wir ihn zu den Aufwendungen des Jüdischen Nationalfomls zur Linderung des Notstandes hinzu rechne 11. Der jüdische Nationalfomls hat -omit insgesamt über 100 000 Frcs. für Notstandszwecke in Palästina während des Krieges zur Verfügung gestellt. — Es ist angesichts der gc Schilderfe 11 Notlage zu hoffen, daß alle Freunde des Jüdischen Nationalfonds und produktiver Arbeit in Palästina 1111 se• re Be in ü 11 u 11 ge n t a t k r ä f t i g unterstützen werden, die Hilfsaktion in Palästina nicht nur auf Grundlagen von Gaben und Almosen, sondern durch Arbeit ,und Beschäftigung zu organisieren — Kriegsbeitra# der Zionistischen Vereinigung für Deutschland 4. Ausweis. Allcnstcin: M. ö, ■ Louis Lcwald, Frau N. Rehleid. Argenau: M. 6, Erna Golm. Aschcrslcbcn: M. 6,-- Georg■ Herz, Bayreuth: M. 10. Ad. Bloch. Berlin: M. 250,— Dr. Isak Straus 11. Fraif; M. 103 — Verbindung ״Hcbronia“ (N. Einhorn, L. Finhcdcin, Goldenberg, Hcrscovici, Horwitz, Lebovici, D. Löwen• ton, Mendel, Lupcscu, Popper, G. Stym, M.!1״Hak, Reismann, J. Stern, E. Stambler, G. Weidmann, W. L. Kramer, E. Teitel, M. Hahcrmann); M. 100, M. Ruppin; M. 20,- Dr. Wintritz; M.!2,— Sichert Wolff; M, 10,— Dr, II. Falk, I». Gärtner. Apoth. Kromolowski, H. Müller, Anni Roer, Frau Dr. S imllcr, Wci'lheini; M, 8,— Gharl. Ginsberg, Dr. Woh-olin; ein volles Glas mit rosigem, schleimigem Poinnanzen• saft vor, oben einen weißen Schaum uitd im Schaum ein Kernchen heriimschwimmcml . . . Da bleiben alle eine Minute schweigend tun den Tisch sitzen und schauen mit träumerischen Auen auf die gelben, feuchten Kernchen, w elche die Tochter- Braut hei allen Teilnehmern an der Pomeranze gr-nmmelt batte. — Sie begießt sie mit Wasser und , 11H sic durch das Glas. Eins, zwei, drei, vier . . . ganze neun Stück hat sic. Oh! Eine Woche später wird sie sic in Blumentöpfe eiiipfhmzen. Und muh der Hochzeit wird sic sic inituehmcii in ihr Heim, mc wird sic bei sich ans Fenster stellen und sie unter umgestülpten Gläsern wachsen lassen . . . Meint ihr doch, das ist das Ende? Da habt ihr aber vergessen, daß eine Pomeranze auch 11׳׳di eine Schale hat . . . IV. Filier von den Kleinen entdeckt, daß, wenn man ein Stückchen Pomcranzcnschale gegen die I ampc hält und darauf drückt, sic eine ganze Fontäne (litrriisichtiger, dünner, wohlriechender Stäubchen springen läßt, uml daß, wenn man sie dem zweiten Brüderchen ins Auge spritzt, er zu blinzeln anfängt . . . Aber bevor er noch Zeit hatte, seine Erfindung zu vcivnllkommnen, bekommt er einen tüchtigen Patsch auf die Hand, und alle Schnlcnstückc verschwinde!' in der Schürze Muhme Feiges. Ihnen ist doch nichts zu gut, diesen Bengels, als ob das Kartoffelschalen waren . . . Wen1< ״c noch ein bischen dazu bekäme, könnte man doch daraus Eingemachtes kochen ... Das redet sich aller so leicht. Bis sich eine Kollektion von Pomeranzeuschalcn für Ein!gern,irhtes nnsammeln wird, kann der Messias kommen. Man legt das über Nacht in die heiße Rohre zum Trocknen. Die goldroten Schalenstückc, welche noch gestern Nacht so frisch und saftig auss.dicn, sind heute faltig, schwärzlich-braun, cingcschrinnpn und hart, wie alte ״Mesuscs". Da nimmt Mulunc Feige das scharfe Küchenmesser und zerschneidet sie zu länglichen Streifen, danach zu kleinen vier• kantigen Stückelten, schüttet es in eine Flasche, gieß•

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