Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXI (1916)
- Issue
- Heft 11 (17.3.1916)
- Date
- 1916-03-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus Palästina Wir erhalten nus Palästina folgenden Briet; Pctach-Tikwah, 27. Januar Geehrte Redaktion! Wir bitten, diesen Brief in einer der nächsten Nuiinm 111 ihrer geschätzten Zeitung zu vvröffcntheben. 1:11 e r n und Kollegen! Wir I 'nterfertigten ans Petach-Tikwah lassen Buch ci-rn, daß unsere Lage nicht schlecht und unser (!—undheitszustand hetriedigend ist. Wir erwarten mit Sehnsucht von Euch Brief. Wenn uuiglieh, somit uns (leid. ,Euer. Sohne und Kollegen, die Euch ein froh- ÜchcN I'. hach und Erlösung wünschen. I). und M, Kurie (Bialystok), und O. Liehe rm an 11 (Bialystok), s. 111 s e 11 i 11 s k i (Bialystok), I», und Ch. Klausner (Wilna), M I s c h ־ S e h a t o in (Priedmaiiii, Binsk), I. K ס n z i 11 s k i (Lomscha), il. Löwenstein (Mariampol). I*. S. Wir ersuchen alle jüdischen und deutschen Zciiiui::( n in Polen und Litauen, diesen Brief zu Vfp'dfciiltichen. ״Der Jude“, eine Monatsschrift 11er Verlag R. Löwit, Wien-Berlin, gibt in einem Prospekt bekannt, (lall in den nächsten Tag 11 in .seinem Verlag eine neue Monatsschrift) ״Der Jude", erscheinen wird. Wir entnehmen dem Prospekt: ,,I ).1s ändere Schicksal eines grollen Teiles des jüdischen Volkes ist in eine Uimvaiidlnng eingctirtci), die sich nicht vollziehen dar!, ohne dall das seine Zukunft bejahende Judentum sein .Wort dazu spricht. Die Zeitschrift ,,Der Jude“ wird il.uvnstcllcn versuchen, was an lebendiger Krall, politischer Bedeutung, wirtschaftlichem Wert, kultureller Leistung, religiöser Inbrunst im Judentum, und vornehmlich im Ostjiulentum, ruht. Sie will von dein gesamten ostjiklischcn Leben Zeugnis ablegen. Sie will in Ciegenwarts- und /iikmiftsfragen sein Anwalt vor der Ocffent* lichk.it werden, Sic will unrichtige und scliiidliehe Anschauungen durch die richtigen ersetzen. Als eine in Deutschland, von deutschen Juden herausgegehene Zeitschrift wird sie berufen sein, niitziiarbeitcn an der Bewältigung der Krisen, in und (km Duft einer solchen Frucht, Jetzt ist cs wieder mfgelebl, mit demselben Duft und Aussehen. Jfi/1 i-.o da. Bis über ein Jahr zur gleichen Zeit «erden mc das nicht wieder sehen. Min fallt es mit dünnen Eingerchen an, man riecht, 1!1:1n staunt. \I1, ein solcher Leckerhissen! sagt der Jiiii:-!r, Ali, wie sic duftet! --- Das wächst in Ercz Jisrocl erklärt der imme.Bocher“ und wird slolz und ernst. Muhim׳ l-'eige verschließt es in der Kommode. Aber die runde, duftige, flammende Frucht lebt in der kindlichen Vorstellung wie ein süßer Traum. Sic M-liciiit reich und' neu unter den harten grünen Acpivhi und den sauren (iiirkcn, welche die Kinder den i.in/cii Winter über gesellen batten, I ii'liidi ״aht che glückliche Stunde der Purim- ״Sude“. Die Pomeranze sitzt obenan, in einer (icwllsch.nl von Törtchen, Marmeladen, Feigen und Ikintniiis und leuchtet wie ein grober Topas aus ''* 1»ein vielfarbigen Mosaik hervor. Muhme Feige l'cderkl .s mit einein Tuch und übergibt es dein Scl1(1laei1-1i11111es*T räger. Die Pomeranze reckt ilitcn 'Anbei unter dem Tuch hoch, als oh sie sagen wollte: ״kh bin da, es wird mir nichts geschehen, einen Feiertag, Kinder!“ Die Kinder begleiten sie a״l ihn וו Reisen mit sehnsüchtigen Blicken. Sie «osen, so viel Beschwerden wird die Aermste ans- 511׳heu!iiii-M'ig |,js sjL. wjeder mit dem Sehaniincs ׳,»keamnui wird. Und so wars. Eine Muhme tauschte sie mit einer Zitrone aus und schickte die Pomeranze' einer anderen Verwandten. Da hat ‘j1|l|me fT׳igC schon eine Zitrone; da schickt die »,»mc Feige die Zitrone jener Verwandten, da hegegoet ihr dort wieder die Pomeranze und sic ‘‘,»sehen di re Plätze. So erhält Muhme Feige ,״rc Pomeranze zurück . . . Man deckt das Tucli Jllf: «itzt m•, der Spitzbube, darunter, auf seinem fwieren Platz, wie ein Heerführer und ist König " die Leckereien und Bonbons. Die Kälte der '11 ninnacht liegt wie Tau auf ihm. Es scheint, '1* ob er ein wenig müde und erkältet von seinen Krisen In einer so fremden, kalten und! ««bekannten Nacht lächle. denen die Juden in Polen, Litauen und Kurland -stehe״. Die Zeitschrift ״Der Jude“ wird die .soziologischen Uinschichtiingen behandeln, die auf die Struktur des gegenwärtigen Judentums citiwirkeu. Neue Ausblicke für die jüdische Zukutift können dabei gewonnen werden. Die Problcme der Wanderung und neuen Siedclung jiidischer Massen bedürfen einer allseitigen Dar- .Stellung. Sic sind durch den Krieg in ein neues Stadium getreten. Der Zusammenhang der jüdischen Wandertmgsfrage mit den Zukunfts- Festgruß ins Feld Liebesgabensendung zu Pessach. Auch zum diesjährigen Pessnclifesle wollen wir allen liccrcsdicnsttiicmlen Freunden eine Pessnehgabe widmen. Die Pcssarlignbc des letzten Jahreswie die Ctiamikkngnbe mit der Chanukka-Sondernummer der ״Jüdischen Rundschau» — hat unseren Freunden viel Freude bereitet und den Spendern herzlichen Dank gebracht. Darum haben wir nach für dieses Fest ein Buch als Liebesgabe gewählt: ein jüdisch-literarisches Sammelbuch, dessen Zusammcnstellung die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“ besorgt und In dem Oiiginalbeiträge und Ucbcrsclzungen aus der besten neuhcbrUisclien und jidisclien Literatur zu einem Bild jüdischen Schaffens znsammengcschlossen werden. Wir bitten alle, die uns bei unseren früheren Liebesgabensendungen in freudiger Bereitwilligkeit unterstützt haben, uns wieder zum Erfolg der Widmungsgabe zu verhelfen. Es gilt wiederum einmal, ein Zeichen des Verbundenscins denen zu senden, die die Zeit und die Pflicht unserer Arbeitsgemeinschaft entzogen, unserer Uesinnungsgemein- Schaft und Freundschaft nicht entfremdet ,hat. Niemand wird sich ausschlicilcn. Geldsendungen sind zu richten an die Adresse des Herrn Max Wollstclner, Charlottenburg, Roscherstr. 5, Postscheckkonto Berlin 3847. Zionistische Vereinigung für Deutschland. fragen des Orients ttnd weltpolitischen Problemen ver-schicdcncr Art ist deutlich geworden. Bc- -sondere Darstellung soll finden, was die jüdisclic Kolonisation in Palästina bisher geleistet hat und welche Bedeutung und Entwicklung»- Möglichkeit in ihr ruht. Grund und Sinn, die Arbeit und die Aussichten des Zionismus werden erörtert werden. Die Zeitschrift ,,Der Jude“ wird alle Fragen des jüdischen Volkstums behandeln. Das eigene, innere Lehen der deutschen Juden Na, Kinder, da habt ihr mich zurück, warum habt ihr Angst gehabt? III. Purim gellt vorüber. Die Pomeranze liegt in der Kommode in voller Ganzheit und cs ist ihr wohl. Tischt man Verwandten zu Schabbcs auf, liegt sie obenan, wie eine Königstochter linier den plebejischen Acpfchi und Wclsclinüsscii. Man bctrachtet sic, man fragt wie teuer, man schätzt wie sachverständige reiche Leute, die solche Früchte gewöhnt sind, und man legt sie wieder auf ihren Platz. Die Acpfel mul die Nüsse verschwinden allmählich, die Pomeranze aber entschlüpft immer aus den liiimlen der Verwandten und bleibt ganz. Schklovver Verwandte sind doch, Gott bewahre, keine I rellhälse und wissen sich zu benehmen. Und ,,wenn der Adar ׳ kommt, schafft man sich Freude" . . . Ungefähr zehn Tage nach Purim schreibt man in Muhme Feiges Stube ״Tnojim“. ■Muhme l'eige verlobt ihre ältere Tochter mit einem feinen jungen Manu. Liegt weiter clio Pomeranze an der Spitze, senkrecht unter der Hängelampe, als ob ihr zu Liebe die ganze Freude wäre. Eine Backe zwar ist schon ein biseben verlegen, wie bei einem alten General, trotzdem hat sie immer noch ihr majestätisches Aussehen. Sic schmückt den Tisch mit ilner reichen, exotischen Fremdheit. Die Kinder, von dem A B U-Schiitzen bis zum elfjährigen ״Umore• Bocher“ hinauf, haben schon manchmal die Mmter erinnert, ihr Andeutungen gemacht, dall cs schön bald Zeit wäre, auch versuchen zu lassen ... ״schehechejonu“ zu machen, mehr wollen sic ja 'i’iieht als ,,schehechcjonu". Da schrie sic Muhme Feige tüchtig an: Taugenichtse, verfressene Gesellschaft! Wenn es daran halten wird, ״schchcchcjonti" zu machen, wird man cs ihnen schon mit dem lirodvcr Schanimcs ansngen . . . Vater und Mutter werdens allein nicht nufcsscn. Da brauchen sic gar keine Angst haben. Bei den ״Tnojim“ kommen die Buben nicht aus dem Zittern heraus: vielleicht fällt cs dem Bräutigam ein, ״schclicchcjonu" zu machen. Kann man denn wissen, welche Oclüste einem Bräutigam und ihr Verhältnis zum Deutschtum und zu den allgemeinen deutschen Problemen wird besonderc Berücksichtigung erfahren. Die Zeitschrift ,,Der Jude“ wird keinen Zweifel daran lassen, daß im Judentum der Wille zur eigenen Art und eigenen nationalen Entwicklung vorhanden ist. Sie wird aus diesem Willen zur Selbst* behauptung heraus Kampf künden all dem, was eigene Art und Zukunft des Judentums verwischen und zerstören will. Sie wird der Ausdruck der jüdischen -Selbstbehauptung sein, bcsonders wenn es sich um die Abwehr feindseliger Angriffe handelt, gegen die sie nicht Entschuldigung und schwächliche Apologetik setzen will, sondern unbeirrte Darstellung dessen, was ist. Die Zeitschrift ,,Der Jude“ wird herausgegeben und geleitet von Dr. M a r t i n B u be r.“ Die Liste der Mitarbeiter, die der Prospekt ankiindet, läßt eine außerordentlich wertvolle Zeitschrift erwarten. Notstandsarbeiten des Jüdischen Nationalfonds während der Kriegszeit Die Einleitung einer Notstandsaktion des Nationalfonds wurde in der Sitzung des Direktoriums vom 8. November 1914 beschlossen. Die steigende Arbeits* losigkeit in Palästina hat die Unternehmung von größeren öffentlichen Arbeiten zwecks Linderung der Not zur unabweisbaren!*flicht gemacht. In dein Direktoriumsbeschluß wurde hervorgehoben, daß die Aktion des Nationalfonds nicht für Unterstützungen bestimmt ist, sondern daß er nach seinem Grundprinzip Arbeitsgelegenheit schaffen und zu diesem Zwecke Notstands arbeiten und die Errichtung von Arbciterhäuscxn in Angriff nehmen soll. Unsere Notstandsaktion litt indes unter zwei erschwerenden Umständen. Die Eingänge für diese neu geschaffene Rubrik des Jüdischen Nationnlfonds sind nicht groß. Sie betragen bis Ende Fehrtiar kaum 15 00(1 Frcs, Andererseits haben cs die politischen Verhältnisse im Lande nicht gut möglich gemacht, einen großzügigen Plan von öffentlichen Arbeiten zur Ausführung zu bringen. So ist z. B. die Erbauung von Arbeiterhäusern mit der Erlangung einer Baucrlauhiiis verbunden und diese war, infolge der Ungunst der Verhältnisse*, zum Teil aus militärisehen Gründen, zum Teil infolge der unfreundlichen mißtrauischen Haltung örtlicher Behörden nicht immer zu bekommen. Als Beispiel der Schwierigkeiten sei bei den ״Tnojim“ ankonunen können. Die Mutter steckt ihm ja stets den besten Bissen zu. Der Bräutigam aber ist ein Bräutigam aus Schldmv, ein ehrlicher Bräutigam. Er weiß, daß eine Pomeranze nicht dazu da ist, daß sie Bräutigame bei den ״Tnojim“ essen, sondern, um den Tisch zu schmücken. Er hielt sie nur einen Augenblick in der Hand und seine Gurgel läuft ihm in die Kehle und wieder zurück. Und die 'Persönlich• keit der Pomeranze bleibt wieder unberührt. Da kommt aber der gdiiekliehe Freitagabend. Die Pomeranze ist nicht mehr so rund und nicht mehr so duftig. Ihre Jugend ist schon vorbei. Aber das macht nichts: doch eine Pomeranze! Nach dem sabbatlicheii Abendmahl ist die Stimmung gehoben. Die Kleinen fühlen instinktiv, daß man dieses Mal endlich ״schchecliejomi“ machen wird und stellen sich gleichgültig. .Man hätte meinen können, die Pomeranze wäre garnicht auf der Welt. Wendet sirli ,Muhme Feige zu Vetter Uri: — Uri, nimm mul verteil unter den Kindern die Pomeranze, wozu soll sie noch liegen? Vetter Uri, ein bärtiger Jude mit schielenden Augen, ein geborener Poineranzencsser, der iii seinem Leben sicherlich schon ein halbes ITutzcmi wenn nicht mehr Pomeranzen gegessen hat, setzt siel! obenan, öffnet die große Klinge seines ״parwen“ Messerchens, ein aller Sawjalovv - und beginnt mit vier Operation. Die Kinder stehen tun den Tisch lind schauen den Vater ehrfürchtig wie einen seitsamen Zauberer an; dabei wollten sie es schon endlich einmal sehen, was da drinnen ist und freilieh auch versuchen. Aber Vetter Uri hat Zeit. Vorsichtig und ruhig schneidet er auf der Frucht gleiche Radiussc von einem 1*01 zum anderen. Zuerst macht er vier, dann acht solche Linien, in gleidien Abständen (er ist ja, wie gesagt, ein Meister!) und beginnt zu schälen , . , Alle hören zu, wie die fleischige, elastische Schale zischt. Langsam lösen sich die geometrisch riehtigen, roten Schaleustückc ab. Hier und dort aber ist die Pomeranze ein wenig verlegen und es reißen sich mit der Schale saftige Stückchen Fleisch auf. Dort macht der Vetter Uri: ״Fftl“, als ob es