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Jüdische Rundschau · 1916-03-10 · Heft 10 (10.3.1916) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXI (1916)
Issue
Heft 10 (10.3.1916)
Date
1916-03-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 82 JU EPISCHE RUNDSCHAU so schwer wir uns auch zu diese m vielleicht rigoros erscheinenden Standpunkt durch ringen, im wohlerwogenen Interesse der Ostjuden seihst, wie in unserem eigenen, zur V e r f e c 111 u n g d e s s e 1 b e n ents c I! 1 i e U e n 11 ml mit E n t s c h i e 11 c n h e i t alle n s e n t i m e n t a 1 e 11 Vers u c 11 e n , den Ostjuden in grobem Mabs t a b c A11 ( n a h in e in I) e 111 s c 111 a 11 d zu gewahren, e n t g e g e 111 r e t e 11. Pie O s t j u d c n sind hierfür noch nicht reif. Sie müssen erst die E r z i e 111111 g an sich c rf a 11 re!1, welche ein Jahrh 1111 d e r t d e 111 s c her K 111111 r a r h e i t a 11 d e 11 w ertlichen J11 d e n v o 11 /.o g e 11!1 a t.“ Pas ist die Sprache düs Wahnwitzes. Hier werden die Grundfesten unmenschlicher Gefühle angetastet und erschüttert. Hier steht ein Bruder gegen den anderen auf und zeugt wider ihn! Tausendjährige Blutsbande werden kaltlächelnd durchschnitten, und dies alles nur, um die sinnlos erregten Nerven eines verängstigten jüdischen Assimilanten, dem seine eigene Situation -- mit liecht — plötzlich bedenklich vorkonunt, zu beruhigen. Wir vertrauen darauf, dab das gesamte deutsche Judentum die Unmeuschliclikeit dieses unsauberen Wunsches eines Satten fühlen und sic weit von sich stoben wird. M. M. Die Judenfrage in der Duma Ain 9. Februar wurde die russische Reichsdimia eröffnet. Der ״Progressive Block“, der die Mehrheit der Duma-Abgeordneten umfnllt und im Hause tonangehend zu werden verspricht, hat bekanntlich auch die jüdische Frage in sein Programm aiifgenommcn. Nach seinem Beschlüsse vom August 1915 ist der Block verpflichtet, die Regierung attf/ufordern, ״den Weg der Erleichterung der jüdischen Lage zu hetreten“. Trotzdem schien der Block die Zeit ״nicht tür geeignet“ zu halten, die Judcnfragc noch wallrend dieser Session auf die Tagesordnung zu bringen. Das Programm der nächsten Aufgaben, die der Kadettenführer P. N. M i I j u k o w entworfen hat, enthält kein Wort über die־ Besserung der Lage der Juden. Die Judcnpolitik der Kadetten soll sich in dieser Session nur auf die Unterstützung der in der vorigen Session von den Sozialdemokraten gestellten mul mcht erledigten Anfrage über die imgesetzliche Behandlung der Juden im Kriegsgebiet beschranken. Seinerzeit wurde diese Anfrage der zuständigen Kmnmission übergeben, welche sie in 11 Sätzen formulierte. Zum Berichterstatter in der Duma wurde der Ahgeordnete A. M. M a s 1 e 1111 i k o w bestimmt. Da die Duma vertagt wurde, konnte seinerzeit die Anfrage nicht mehr vom Plenum behandelt werden. Sie wird hoffentlich der neuen Session vorgelegt. Die linksstehenden Parteien beabsichtigen auch einen Gesetzentwurf über die Aufhebung der nationak'11 und konfessionellen Begrenzungen, vielleicht auch eine Anfrage über das Verbot der jüdischen Presse cinzubringen. Ls stellt zu erwarten, daß diese letztere Frage von den oppositionellen Abgeordneten und besonders von den jüdischen Deputierten auch bei der Behandlung des (iesetzentwurfs über die militärische Zensur zur Sprache gebracht wird. Inzwischen gab schon die Behandlung der Regierungsdeklaratioii Veranlassung, die Judenfrage anzuschneiden. P. N. Miljukow sagte in seiner Rede vom I0./23. Februar, in welcher er die Lage der verschiedenen Nationalitäten Rublamls darstellte und die Unterdrüekungspolitik der Regierung kritisierte, unter anderem folgendes.׳ ״Die liotgedrmigcne Erweiterung des jüdischen Aiisiedlungsrayons bemüht man sicli jetzt wieder mögliehst einzusehränkeii, indem man sogar nicht vor den grausamen Zwangsatiswcisimgen unschuldiger Menschen zurückscheut. Die jüdische Presse ist immer noeli nicht freigegeben. Was in der Armee vorkam, und unsere Entrüstung hervorrief, wird jetzt auf die bürgerliche Bevölkerung übertragen, indem mau die ganze Schuld den Juden zur Last legt. Anfangs wurden die Juden als die an unseren militärischen Mißerfolgen Schuldigen erklärt. Jetzt sollen sie an der Teuerung schuld sein. Die Juden wurden der erregten Menge vorgeftihrt: liier sind die Schuldigen, schlagt sie, richtet sie, wie ihr wollt, uns aber lallt in Ruhe! So wurden zu den Provokationen noch Pogrome hinzugefügt.“ In der gleichen Sitzung sprach auch der Sozialdemokrat N. S. Tscliclicidzc, der einen bedeutenden Teil seiner Rede den Judenverfolgungen widmete. Die Rede wurde aber von der Zensur unterdrückt lind noch in keiner einzigen Zeitung veröffcntliclit, trotz der späteren Proteste der Duma. Den Gerüchten zufolge soll Tscliclicidzc einen Geheimbefelil des Polizei-Departements vom 9. Januar 1919 vorgelesen haben, der die Gouverneure verpflichtet, die Bevölkerung aiifziiklären, (lall die Juden die eigen(- liehen Schuldigen au den |M>litischeti Mißstiinden Rulllamls seien. Audi der jüdische Abgeordnete I* riet! in a 1!!1 kam zum Wort, Audi seine Rede wurde von der Zensur vielfach geändert. Die Moskauer Zeitungen erhielten die Erlaubnis, sie mir in der gekürzten Wiedergabe zu bringen, die in der Redaktion der ״Petersburger t elegrapheu Agentur“ veröffentlicht wurde. In den Petershnrger Zeitungen waren gröbere Auszüge wiedergegeben, die aber mit unzähligen weilten Flecken durchsetzt waren. Unter anderem sprach er: ״Nachdem das erste Kriegsjahr, dieses für alle schwielige für das jüdische Volk aber doppelt sclnvicläge mul blutige Jahr zu Ende war, und unter dem Druck der öffentlichen Meinung zum Minister ein Mann ernannt worden war, der, obgleich ein An- (länger der rechten Partei, doch aufrichtige Mcimuigen hatte, dachten wir, daß das zweite Kriegsjahr für uns viel leichter sein werde. Leider war dieser Frühling sehr kurz und ein dunkler nebelhafter I lei bst ist schnell eingetreten. Im Ministerium fand ein neuer Wechsel statt. Diesmal siegte die Reaktion und dieser Sieg machte sich bald in der jüdischen, Lage bemerk har. Zum Minister des Innern wurde ein Mann er- Damit, dessen Beziehungen zu den Juden noch von seiner Tätigkeit als Gouverneur in Nisehni-Nowgorod genügend bekannt sind. Schon die Tatsache seihst, dall ein Führer der extremen Rechten /um Minister ernannt wurde, hat eine symptomatische Bedeutung für die Juden. Die Behörden zogen sofort seihst daraus den Schluß, daß die wenigen Erleichterungen die während der Zeit des vorigen Ministers gemacht wurden, jetzt wieder aufgehoben werden dürfen. Per neue Minister erklärte zwar in einem Interwicw, er habe die Absicht, den Erlaß vorn 13. August weitherzig zu deuten, in ■Wirklichkeit aber tat er das Umgekehrte. Line ganze Reihe Gouvernements wurden für die Juden von neuem geschlossen. Von Petershing wurden sogar jüdische Flüchtlinge ausgewiesen, die sich mit Genehmigung der Polizei dort mit Hilfe ihrer Verwandten niedergelassen hatten. Dasselbe geschah auch in Moskau. Es wurden sogar verwundete Soldaten nusgewiesen, Familien von im Felde Stehenden, und Gymnasiasten lind Gynmnsiaslinnen, die vom Tatjana-Komitee Unterstützung hekommen. Neulich erhielt sogar die Tochter des erblichen Ehrenbürger Llirje einen Ausweisungsbefehl aus Petersburg mit der Weisung, sich nach Wilna zu begehen. Im Ministen1,־t wurde ausdrücklich erklärt, daß die Juden, die außerhalb des Ansiedliiiigsriiyons Wohnrecht besitzen, dort auch Häuser kaufen dürfen. Der Minister des luiieru führte aber darüber eine Korrcspomlcnz mit dem jiistizminister lind erklärte, daß den Juden dieses Recht nicht gewährt werden könne. Der Minister bemühte sich auch mit allen Mitteln die Bevölkerung davon zu überzeugen, daß die Juden die einzigen Schuldigen der gegenwärtig im l ande herrschenden Teuerung seien. Dies führte zu den unerhörten Ereignissen in Moskau, wo am lullen rage Juden auf den Straßen gefangen genominell und verschickt tvurdeii. Der einzige Trost der Juden war das freundliche Entgegenkommen der russischen Bevölkerung der inneren Gouvernements gegen die unglücklichen jiidischeu Flüchtlinge. Zu gleicher Zeit, da die Potizisten den Juden nicht erlaubten, auf dem Bahnhof den jüdischen Flüchtlingen Lebensmittel zu überreichen, gaben ihnen die russischen Frauen und die russische Jugend Nahrung, Wohnung, Beschäftigimg iisw, Ls öffnete sich 1ms das wirklich gulc I Ic'i'z des großen russischen Volkes, welches wohl versteht, daß Juden keine inneren Leinde sind, sondern die ersten, die unter (len Schlägen des äußeren Feindes zu leiden hatten. Auch die Ge- Seilschaften ztir Unterstützung der Kriegsnotlcilemlcn mit dem Taljana-Komitee an der Spitze, machten keinen Unterschied zwischen den Nationalitäten der Bedürftigen. Wie anders aber war die Stellung der Behörden! Trotzdem wiederholt beschlossen wurde, die Juden aus dem Kricgsgchict nicht mehr zu entfernen, schickte' die Militärmacht die Juden aus einer Reihe von Städten und Städteheu heraus, wohei sie nur einige Stunden Frist zur Vorbereitung erhielten. Ja im Städtchen Tclcchany wurden bloß H) Minuten Frist gewährt. Die ganze jüdische Be- Volkermig des Kriegsgebietes Ist völlig ruiniert. Wie das Ritualimmlmüreheii vor Ausbruch des Krieges, werden jetzt neue Märchen erfunden und verbreitet. Spionage, Teuerung, Mangel an kleinen Münzen an all diesem sollen die Juden schuld sein, obgleich es wohlbekannt ist, daß auch in den anderen kriegführenden Ländern Mangel an kleinen Münzen herrscht, Wenn irgendein Jude sich weigerte, einen Rubel in kleine Münzen zu wechseln, verötfeilt lichten es sechs Gouverneure in den Zeitungen. Zur seihen Zeit speicherten Christen große Summen Silbergcld auf und niemand schreibt darüber.“ _Nr.JQ^ Der Deputierte Fried mann liest aus der off ziellen Armee-Zeitung ״Armejsky Wjcstuik“ wasch echte Pogromliteratiir vor lind geht zur Pogrom', politik der Regierung über. ״In einem offiziellen Zirkular eines I>׳!».irtinH nts des I iiiaiizministeiiuins wurden die falsche״ <TenicTitc verbreitet, die Juden seien von den Deiilsehe״ |K.. stochen worden, Rußland zu schaden. Dieser provo. kalorische Aufruf kann mir ein Ziel haben /u Pogromen auf/11het/e11. Aus dem 'Doknim1.|, ,)״s Tscliclicidzc hier vorlas, ist klar zu ersehe״ womit sieh das Ministerium des biiii-rtt u1״| ,|a,j Poli/cidepartcment gegenwärtig beschäftigt. Die Zen sur hat dieses Dokument zu veröffentlichen verboten Als dieses Dokument aber das Ziel hatte, der Pogromagitation zu dienen, gaben die Behörden wohl die Erlaubnis, es zu verbreiten. In diesem Dokument wurden die Juden aller Verbrechen beschuldigt. Sic wurden als die Ursache aller Unglüeksfalle, die bis jetzt Rußland erlitt und noch erleiden kann, hingestellt. Alle wissen wollt, daß jetzt in Rußland keine Revolution herrscht und daß es keine Streiks gibt trotzdem wurden die Juden mich dessen beschuldigt’ Außerdem wurde eine neue Verleumdung erfunden׳, die Juden agitieren dafür, daß man die Gelder aus den Sparkassen ziehe. Zu gleicher Zeit wurde aber eine Statistik veröffentlicht, die zeigt, daß die Kassengehler sieh vermehrt haben. Wenn jüdisehe Hauser von den feindlichen Kugeln und Schrapnells verbrannt wurden, behauptete man, die Juden hätten selbst ihre Häuser in Brand gesteckt, um dem Feinde Signale zu gehen. Eine so zynische Pogromhetze rief eine gedrückte Stimmung unter der jüdischen Bevölkerung hervor. Aus unserer bitteren Erfahrung wissen wir es, daß niemals Pogrome stattgcfumlcii haben, wenn die Regierung selbst sie nicht haben wollte. Eine solche offene verbrecherische Pogromagitation, wie dieses offizielle Zirkular vom 9. Januar 1916 kann gewiß schreckliche Folgen für die .schutzlose jüdische Bevölkerung haben.“ Herr F r i c d ni a n 11 schloß seine Rede mit folgendem Appell: ״Von der Tribüne der Duma rufe ich das 170-Millionen-Volk au: Wißt Ihr, daß mit verbrcchcrischcn Mitteln versucht wird, Euch auf die Bahn des Blutvergießens zu stoßen? Die' öffentliche Mcimmg'soll cs erfahren: falls durch die schändliche Tätigkeit der Regierung jüdisches Blut vergossen wird, fällt die Schuld auf die Regierung selbst." (Beifall links.) Konferenz der Zionistischen Föderation in England An! Sonntag, den 13. Februar wurde die diesjährige Konferenz der englischen Zionistischen I öde• ration in M a n e bester eröffnet. An der Konfcrciiz 11,׳dunen 48 Delegierte aus London und den ProviuzstüdU'K teil. Zahlreiche RcgriißuiigwIiKdien waren eingelaufen. Das Bcgrüßiingsselircibr■11 des K o p e 11 ״ a gc 11 e r Bureaus der Zionistischen < גזי •nisation lautete: ״Für unsere Organisation so wie mr die ganze Welt gibt es jetzt nur eine Parole: aus• z.uharreit und siegreich zu sein. Die Organw!11011 intakt zu halten, das Erbe llcrzls, unsere j*1 ,sitioiien in Palästina zu erhalten und zu schützen, uii'.u V. vrk trotz aller Stürme gegen alle Gefahren zu sihinnen, das ist die große Aufgabe, die die ZioiiNihIuזי י ׳• ganisation zu erfüllen hat. Das jüdische Volk hat durch den Krieg aufs höchste gelitten, seltnerer als alle anderen Völker, die am Kriege beteiligt sind. Mancher tapfere und junge Gesiiimimi'gcit'issc, dessen man sicherlich in Ihrer Versammlung gcdenken wird, ist auf dem Schlacht fehle geblichen, und mancher Verlust ist unserer Kolo11isntio11׳.-־ubcit in Palästina zugefügt worden. Natürliciicrwei-e hat der Krieg den engen Zusammenhang /wisdu n den einzelnen zionistiseluti Föderationen gelockert, Wiu cs hat sieh die Notwendigkeit ergeben, einige hesondere Maßnahmen zu ergreifen, um die MoBn'li• keit eines ständigen und regelmäßigen Verkehrs mit allen unseren Landesverbänden zu schallen. Unser jüdisches Werk in Palästina hatte viele Wcehscuälle dureh/iimaelu n. Tausende von Juden halien das Land verlassen, darunter einige׳ unserer treuesten und aufrichtigsten Pioniere. Diejenigen jedoch, die im Laude blichen, hatten viele l’rulu"^en und manche Ungerechtigkeiten zu erdulde״ < .״׳ doch, wenn wir die augenblickliche Lage bctr.wuei, so können wir sagen: . , ... Unsere Organisation besteht, und die Position in Palästina ist erhalten geblichen. K‘״ jener Positionen, die in Palästina in dreißigjährige mühevoller und aufopfernder Arbeit 1111 יי י," unserer Väter geschaffen worden ist, konnte /erstp^ werden. Inmitten großer und starker keilen bearbeiten die Kolonisten weiter ihren ”*** ’ die Farmen haben nicht aufgehört, ihre Ar fortzusetzen, die hebräischen Schulen sind o geblieben. Aber noch ist das Elend groß, eine Fülle von Pflichten lastet auf uns! Die trau k wirtschaftliche Lage in Palästina bleibt *ta״d'R. .. Quelle schwerer Bedrängnis. Die Unmoghcl ׳

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