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Jüdische Rundschau · 1916-03-10 · Heft 10 (10.3.1916) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXI (1916)
Issue
Heft 10 (10.3.1916)
Date
1916-03-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Abonnements auf die wöchentlich am Freitag־ er• •chrinentic ,»Jüdlache Rundschau** koiten bei der Expedition und bei!Men!’״«tämtern vierteljährlich M. J,75 IniwhMh DowUchlamU. in Or«terreich• Ungarn M. 2,50, Im Ausland M, j jUdtnrhe Rundschau, G, nt. b. H. I fiFHUN VtM5, SttchsUche Straße 8. I Trlrphnn: Amt Uhlnnd 815, 84\ | PustM'Ji« ckkontor Berlin Nr. 17 392. L— _I v>״\!;■ V> r I I Anzeigen UC/ vkosten für di« sedhageepaHan« Pdb seile oder deren Reara 40 Pf.| St*18— Angebote und -Geeucbe •owio Varel—■ Mitteilungen und «Klein• Anzeige■* o O O O nur 30 Pfennig. O 0 C O Menuskripte werden, wenn Porto beiBef^ ateta ■urü.k gesandt Redektlonearbbit Mittwoch vormittag«. D Radaktto« JBdtadi• RtaJiiiw | BERLIN V. 15, Sldulach« Straft» lt I Telephon t Amt UbUnd 845, •46, U PoaUtLechkontar BarUn Kr. 17 392. I Nummer 10 i£Ü_ SMMIISCiS SGIT Berlin, den 10. März 1916 — 5. Adar II 5676 XXI. Jahrgang. Ausweis der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Schekel 1914,15: Dortmund 5, , Düsseldorf 17, , K״nif>sl1tiUc 14,—, Hannover 20,— , Leipzig 63, , t'iir 1013/14: 55,—; Mannheim 50,—, Posen ii, , Schekel 1915/16: Breslau 25, Cassel 2,—, Fiankluit a. M. 13, , Hohensal/.a 3,—, Hamburg I, . Karlsruhe 30, ־, Liiheek 10,- , Nordhauseii 5, . au■■ dem Felde 7,—, Laiidesbeitriigc: Berliner Zionistische Vereini- 1111״- (I״I5) 525, , Merzlchih Berlin <101 70 (ר, |)11v>el1lnrf (1015) 51, , Frankfurt a. M. 30,—, Hambim: (Einzelbeitrag) 3, , Hannover (1015) 20,- , Lcip/1:: (1014) 75, , (1015) 132,-, Lübeck 138,-, Minnheun (1015) 150, , Nordhansen 23, , Posen (l"li)ltl, , Pnipagandnfonds: Berlin: Frau l)r, llantke '3, , lliendor llantke 5,; Leipzig: S, Prec/ep 5,; küibnr: N, N, 3,; aus d. Felde; Inf. (ieorg Apt'el 0, , Unteroffiz. Beuger 5,—, Dr, Lrieh Kntviiumr '20, , Unferoffi/, Herbert Lew 10,--, lltiiim-li Mayer 20, (davon 10, — f. 1015),’ Unteroili/, Stein 10, , Diverse Spenden: Hamburg II,; aus dem relde _ 13,30. Eingang vom 16. Februar bis 8. Mürz. 1910: Schekel 1014/15 : 200, M.; Schekel 1015/1(1: 133־, M.; La ndesbei trage 1010 : 203,- M.; I* ro p a;; ,111 d a f o 1111 s 1010: 103, M,; Div. 8 ין e 1111 e 11: 20,30 M. GesauHeingang: S c 11 e k e * 1 1011/15: 3107, M.; Schekel 1015/10: (158, M,; La ndesbei- 0:1:; 1׳ l'itii: 073,50 M.; P r ״ p a g ,1! 1׳ d a f o 1t d s Pli.: I tu 1,80 M. *Presse für Geldsendungen: Zionistische Verelnlgung filr Deutschland. Berlin W 15, Sächsische Straüe 8, Postscheckkonto: Berlin 8001. Jüdischer Antisemitismus Vas nie hätte geschehen dürfen, ist Frdym■■ geworden. ,,1111 Deutschen Reich“, dem Drijan des Zeiitralvcreius I )cutsclier Staatsbürger Jüdischen (ilaubens, schreit ein deutscher Jude nach (imizschluß gegen seine ,,Brüder im Oden“. Fr nimmt es dem Rabbiner!>!׳. F elix (•old- ,"׳uni :!bei, dal) dieser gegen ein Ausnahmegesetz fnr die Ostjuden seine Stimme erhob, und mit der ganzen Kopflosigkeit eines Verängstigten heweist Herr l)r, Kurt Alexander die Not- Wendigkeit, dal) deutsche Juden für den (irenz- Schluß gegen Osten eintreten mühten. Per ״( iesamteiudruck“ der Ostjuden ״uiut Alexander -- sei hefreuulend. Ls dürfte sdnveri.illen, ,,unseren christlichen Volksgenosscn die Ueher/eiignug heizubringen, dalt man den ",Mliclicn Juden gegenüber ein schweres Un- ,echt begeht, wenn man sie von den deutschen ,11׳cn/en lemhält,“ Sonderbar; der Verfasser gesh’l1t seihst, dal) cs ein schweres Unrecht 1ן'': d*'u < ireu/schlul) einzuführen und trotzdem ״:hirwoi!et er ihn, nur weil ihm die ent- *PKchende Aufklärungsarbeit in der deutschen A'lfenfliehkeit zu schwierig erscheint! Uebrigeus ־ meint er - milifalleii die Ostjuden bisweilen 1'wlit nur den Deutsche״, sondern auch den 1*■titschen Juden; d;dt hätten ihm viele deutsche mmbensgeuossen bestätigt. ^er iH'fremdende (iesamteiudruck, den 1111s״e Juden im Osten angeblich machen, existiert ,'ür in der schreckhaften Phantasie dieses Herrn, ",ז vermutlich alles gut Jüdische einen ״hefrem- *11‘־den (iesamteiudruck“ macht. Dal) die deut- ין" Soldaten, die nicht antisemitisch infiziert :!ncl’ hiisere Juden ganz anders empfinden als 1e Unsicherheit eines jüdischen Emporkömm¬ »Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffenilieh >rechflich gesicherten Heimstätte tn Palästina." Baseler Programm. lings, dafür gibt es viele Zeugnisse. Aber gesetzt, dem wäre nicht so, gesetzt alle Deutschen winden in der Tat Herrn Alexanders krankhafte Halluzinationen teilen, so wäre das noch immer für uns kein (iruiul, uns dieser allgemeinen1 Suggestion anzusehliellcn. 1111 Ocgenteil: dann würde es erst recht unsere Pflicht sein, die irrtümlichen Meinungen der deutschen Oeffcntliebkeit zu korrigieren und ihre Vorurteile zu zerstreuen. Denn wir sind nicht nur von der tiefen inneren Kultur des Ostjudentums, von der I lerr Alexander nichts weilt und vermutlich auch nichts wissen will, tief überzeugt, sondern glaubei! auch an die wirtschaftliche Brauchbarkeit und Nützlichkeit unserer Ostjuden. Alexander glaubt seiner ״Wahrnehmung“ bcsonderen Nachdruck und Glaubwürdigkeit zu geben, wenn er behauptet, dal) selbst Zionisten ilun bestätigten, auch sic würden die Ostjuden als ״fremdartige Ocmeiiischaft“ empfinden. Herr Alexander hat wohlweislich die Namen dieser ״Zionisten“ verselnvicgcn. Wir aber sind der uncrsehütterlichen Meinung, daß, wer die Solidarität von Ost- und Westjudentum, in welcher Form auch immer, leugnet, das Recht verwirkt hat, sich Zionist zu neunen. Aber was hat das alles mit (ireiiz.selilull zu tun? Der jüdische (irenzhüter wirft sich in die Brust; wir zivilisierten Menschen, die schon mehr als hundert Jahre sich der Emanzipation erfreuen, sollen plötzlich einen so unerwünschten ״Nachschub“ erhalten? ״Die Tatsache, dat) ein Jahrhundert Freiheit uns umgibt, ist nicht aus unserer Cicsamtentwickhmg fortzuleugnen. Sie hat unser Rückgrat gestählt, hat uns zu freien aufrechten Menschen gemacht . . . Wir sind aufgegangen im Deutschtum als deutsche Staatsangehörige jüdischen (ilaubens. Nun will Dr. (k)klmaim die östlichen Juden nach Deutschland verpflanzen“. Wozu waren denn die hundert Jahre Freiheit nütze, wenn wir jetzt nicht einmal den Mut auf brächten, diese lästigen Ostjuden, die 1ms auf Sehvitt und Tritt an unsere eigene! (iheltovergaiigeiiheit erinnern, von uns zu schütteln? Unsere teutonische Tradition erheischt es! Dabei vergessen diese Aermsteii (.!der wissen sie cs nicht? —, daß ihre Emanzipation gar keine Emanzipation im wahren Sinne ist, dal) ihre (ileichberechtiguug nicht das Resultat eines um die jüdische Eigenart geführten Kampfes, sondern lediglich die Folge eines billigen Tauschgeschäftes ist. (iegen jüdische Werte deutsche Rechte! Und diese. Herren, die ihr jüdisches (irundgcfühl für äußere Vorteile verhandelt haben, sprechen stolz und hochmütig von' Freiheit und Rückgrat! Und ahnen nicht, dal) in dem gleichen Augenblick, in welchem sie noch cffckthaschcrisch in dieser falschen Pose verharren, sich ein Volk aus dem Dunklen ans Licht ringt und sich die wirkliche Gleich• herechtigung erkämpft, die ihnen fehlt. Wovor Alexander eine besondere Furcht zu haben scheint, sind die jüdischen A'rbeitcrmasscn, die sich nach dem Muster von London und New York in den deutschen Großstädten konzentrieren könnten. Ein jüdisches Proletariat in Deutschland empfindet er als den Höhepunkt aller Schrecknisse. ״Wir brauchen unsere Blicke nur nach dem Eastcnd Londons oder ins Ghetto New Yorks zu werfen, um zu sehen, wohin ungehinderter Zustrom von Elementen in Volks-!nassen führt, die an Kultur höher stehen, als sic. Wir würden in Berlin statt 110 (MH) Juden in Bälde eine Million Juden haben.“ Diese übertriebene Vorstellung von einer ostjiidischen Ein- Wanderung ist schon vielfach widerlegt worden. Die jüdische Emigration aus Polen wird in nächster Zukunft keine grollen Dimensionen annehmen. Soweit Ostjuden aber gezwungen sein sollten, aus/uwundern, werden sie sich als nütz!- liehe, produktive Elemente im Lande ihres neuen Wohnsitzes erweisen. Aber Herr Alexander bcgniigt sich nicht damit, seinem Unwillen über dieses jüdische Proletariat Ausdruck zu verleihen, seine Furcht treibt ihn noch zu einet Verleumdung; ״Dem gewerkschaftlichen Zwang suchen sic sich dank ihrer individualistischen Denkweise zu entziehen .... Ein Blick nach London und New York bestätigt uns dies, denn dort gelten die Ostjuden als Lohndrücker schlimmster Art.“ Was Herr Alexander mit diesem angeblichen Widerstand des Ostjuden gegen gevverkschaftliehen Zusammenschluß meint, ist 1ms unerlindlieh. Sollte er von den großen Arbcitcrorgani« sationeri in New York und London wirklich noch nichts gehört haben? Odei glaubt er, daß jüd i s c h e Arbcitcrvorbändc cbon keine ״richtigen“ Verbände seien? Die Hauptangst des Demi Alexander aber besteht darin, daß es den deutschen Juden nicht gelingen könnte, ihre ״Brüder aus dem Osten" richtig ״einziidcutschen“. Er findet es gewagt, die germanisatorische Kulturkraft der deutschen Juden einer solchen ״Belastungsprobe“ auszusetzen. Wie leicht könnte es geschehen, daß das deutsche Judentum unter dieser Last zusammenbräche! Der Grcnzhütcr nennt diese (icrnranisicrungstätigkcit Kolonisierung. Was er darunter versteht, verschweigt er sorgsam. Uns aller ist es nicht verborgen: er meint die Assimilierung der Ostjuden. Wir glauben allerdings auch, daß diese ״Arbeit“ den jüdischen Assimilantcn nicht gelingen wird. Die Ostjuden werden sich schwerlieh zu dem traurigen Ideal einer allmählichen Lntjiuhmg, das Alexander offenbar vorschwebt, bekehren lassen. Dieser jüdische ״Kolonisator“ wünscht also ein unbedingtes Einwanderungsverbot für die Ostjuden. Da aber ein Ausnahmegesetz für die Ostjuden auch den Westjuden gefährlich werden könnte ־ mit der genußreichen Freiheit der letzten hundert Jahre scheint es eben doch nicht sehr weit her zu sein — zieht Herr Alexander auch die übrigen ״auf dieser Kulturstufe stehenden Elemente“ in den Bereich seiner gesetzgeberischen Vorschläge. Sie sollen mit unter das Ausnahmegesetz gestellt werden, bloß um das Ocsetz nicht antisemitisch erscheinen nt lassen: ״Ein Ausnahmegesetz, welches sich nur gegen die Ostjuden richtet, müßten wir schon vom Standpunkt des Prinzipiis obsta mit aller Entschiedenheit bekämpfen. Von dem Einwandernngsverbot dürften jedoch nicht die Ostjuden als Juden betroffen werden. Deshalb muß sich das Ausnahmegesetz gegen alle auf dieser Kulturstufe stehenden Elemente ohne Rücksicht auf ihre Religionszugehörigkeit richten. Damit wird dem Verbot der Charakter des judenfeindlichen Ausnahmegesetzes genommen. Wir müssen,

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