Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXI (1916)
- Issue
- Heft 8 (25.2.1916)
- Date
- 1916-02-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 68 | U C Dl SC H C RUNDSCHAU 1 komitcc“. Desgleichen arbeiten Zionisten im ״Hanger Komitee für jüdische Flüchtlinge“, das während des Krieges eine sehr segensreiche Wirksamkeit entfaltet hat, in hervorragendem Maße mit. Die von der Londoner Zeitung gegen die nieder■ ländischen Zionisten gerichtete Kritik dürfte vielleicht insofern nicht ganz unzutreffend sein, als es seitens der Zionisten an wirksamen Bemühungen gefehlt hat, das soziale und geistige Niveau des besonders in Amsterdam (aber auch in anderen Städten) zahlreichen (iliettojudeiitums zu heben, das in der Tat trostlos vernachlässigt ist. Zwar sind auch «auf diesem (iebictc Versuche von Zionisten unternommen worden, die aber an der Indifferenz der Ghettobcvolkerung gescheitert sein sollen. « l;s ist den Lesern der ״Jüdischen Rundschau" bekannt, dali auf dem letzten I)elegiertcntage des Niederländischen Zionistenbundes mit knapper Majoritat ein Antrag angenommen wurde, Mitglieder, welche künftig eine Mischehe eingchen würden, aus dem Landesverbände n 11 s z 11 s c h I i e li e n. Die Bcrcchligmig zu dieser Malinalime, die unter Umständen dahin führen kann, (lall ein mit einer Nichtjiidui verheirateter Zionist in Holland nicht, in anderen Ländern dagegen wollt organisiertes Mitglied unserer Bewegung sein kann, wird aus dem Statut des N. Z. II. hergeleitet, wonach Biuidesinilgiieder, die sieh gegen die Tendenzen des Zionismus vergangen haben, ausgeschlossen werden sollen. Nun stellt aber das Statut der zionistischen Weltorganisation au den Seltekcl/ahler auller der Anerkennung des Basler Programms keinerlei weitere Forderung und teilt den Srhckelzahler der Ortsgruppe und durch diese dem Landesverbände (bezw. SoiKlcrvcrbande) zu. Mithin würde ein elwaiges Aiisschliiliverfahrcn des N. Z. H. den Ik'sliiiummgen der Weltorganisation widersprechen. Nachdem inzwischen der Mischche-Beschliili dem übrigens vorwiegend prinzipielle und nur sehr geringe praktische Bedeutung beiziimesseu ist in der holländischen Tagespreise und, im ,,Joodsehen Wächter“ eine ausgiebige, ztim Teil temperamentvolle Erörterung erfahren hat, scheinen sieh die Wogen der Erregung über die Streitfrage gelegt zu haben. Die Verfechter des Antrags, zumeist ״Anti-Ciegeiiwartsarheitler“, suchten den Gegnern klar zu machen, dall diese, da sie die ״Golusarbcil" nicht vernachlässigen wollen, eigentlich für den Antrag eintreten müßten. Von anderer Seite wurde die Annahme des Antrags lebhaft bedauert. Bei solch wichtigen Beschlüssen solle in Zukunft, wenn mir eine geringe Mehrheit dafür vorhanden sei, ein Referendum veranstaltet werden. Der Landesverband sei nicht kompetent gewesen,• eine Resolution anz.uiiehmcii, welche die gesamte Weltorganisation angche, und schlielllieh sei dadurch Religiöses in den Zionismus hereingetragen. Ls scheint nun, dall die Mehrheit der hiesigen Zionisten mit der getroffenen Entscheidung einverstanden ist. Aus dem ,,Notfonds“ des N. Z. II. sind Kiii /lieh dem Jüdischen Nationalfonds 10 00!) holländische Gulden zur Gewährung eines Darlehens an die Aclmsa-Gesellschaft für Roriali überwiesen worden. (Siehe ״Jüdische Rundschau“ Nr. 7). Das Darlehen soll ein Jahr nach Friedensschluli zurückgeznhlt werden. Es ist immerhin bemerkenswert, dall die holl,indischen Zionisten den Palästinafreiinilen in Amerika finanziellen Beistand leisten, , Wohl hat die amerikanische Judcnhcit schon grolle Opfer für Palästina gebracht. Dali die Holländer aber diesen verhältnismäßig grollen Betrag aufgebracht haben der Rest des Notfonds wurde für den Zentralf o 11 d s bestimmt ist eine Wirkung ihrer erfolgreichen Organisationsarbeit. Letzteres gilt im besonderen Malle für die N a t i o 11 a 1 f o 11 d s - S a m 1111 u n g c 11. Am 15. Sehewat (an diesem Tage gab cs auch eine festliche Veranstaltung der Amsterdamer Misrachi - Jugendgruppe) wurden mehr als 100 Bäume für den Herzl- Wald gestiftet. Die Eintragung des jüdischen!Jederdirhters Jacob Israel de Haan ins Goldene Buch des National-Fonds brachte über 200 Gulden ein. Die Verlosung einer Strucksclien Radierung ergab mehr als 300 Gulden. Für den Sommer wird ein Agitations- ״F c I d 7. u g“ von Gruppen junger Zionisten (insbesondere Studenten) durch alle grollen und kleinen Ortsgruppen des Landes vorbereitet, der in erster Linie den Interessen des Jüdischen Nationalfomls dienen soll. Einzelheiten über den Feldzugsplan später. Zum Schlüsse die erfreuliche Mitteilung, daß die nach Schevcningen übcrsicdcltcn Antwcrpcner Vereine ״A g u d a t h S i o n“, ״K a d i m a 11“ u. ״M j s r a c 11 i“ ihre -regelmäßige Tätigkeit wieder aufgenommen l haben, so daß der belgische Landesverband, f aü den sich jetzt auch der jugendvercin ״H a s c h a - je har“ ,»angeschlossen hat, hoffentlich bald wieder j im Rahmen der Ciesamtorganisation Ersprießliches wird leisten können. B. Hallcnstein. Kultur- und Gemcindewesen im ״neuen Ansiedlungsrayon“ Es ist zu erwarten, daß die jüdische Hilfsorganisation sich mit der Unterstützung der Ellidttlingc und Regelung ihrer wirtschaftlichen l-agc allein nicht begnügen wird. Sie wird auch dafür Sorge tragen müssen, daß in den neuen Nicderlassimgsstädtci! die iiohvoiiilüo'len religiös( n und iiatioiialkulturellcii Bedürlnisse der jüdischen Flüchtlinge befriedigt werden. Die S t a t i s t i s c h e K o 111111 i s s i o 11 des Mosk aucr Hilfskomitees unternahm eine Untersiichuiig über den Zustand des Gemeindewesens und die allgemeine jüdische Kiilturlage der Städte, in denen die jüdischen Evakuierten Zuflucht fanden. Da zum (ielurt der Tätigkeit lies Moskauer Komitees ganz Zciilralrußlaitd gehört, kommt dieser Untersuchung eine besondere Bedeutung zu. Sie versandte an samtliehe Nicderlassuugssfädte Rundfragen über die An- Wesenheit von Gemeindeverwaltungen, Rabbinern, Synagogeii. Schulen, Bibliotheken, Bildungs- und Wohltätigkeits-ticsellschaftcn zur Zeit der Ankunft der Flüchtlinge. Bis heute sind von 13׳ Städten der 0 Gouvernements Zeiitralrußlands Antworten cingclaulen, die zeigen, in welche fremdartige Zustände die gestrigen Mitglieder der alten jüdischen Gemeinden I.Italiens und Polens gerieten 1111(1 wieviele Arbeit die jüdische Oeffeiitlichkeit noch entfalten muß, um die minimalsten nationalen Bedürfnisse der Juden m diesen Slädteu zu befriedigen. Unter diesen 13׳ Städten sind nur (1 vorhanden, die vor der Anktinlt der evakuierten Flüchtlinge mehr als 30, und mir 3, die mehr als 100 jüdische Familien zählten. In (1 Städten wohnten zwischen 20 und 50 jüdische Familien, in 10 Städten weniger als 20; in 13 Städten weniger als 10; in 2 bloß je eine jüdische Familie und in 2 keine einzige. Wie das jüdische Kiiliiirwesen in solchen Stadien aussieht, wo einzelne Juden in eine inehrtausendköpfige nichtjiUliselie Bevölkerung eingestreut sind, ist leicht begreiflich. Eine Gemeindeverwaltung gibt cs nur in 17 dieser Städte; Synagogen besitzen II Städte, Schoehliyi 20, Rabbiner bloß 7. Aber Friedhöfe haben 38 dieser Städte. Wohltätigkeitsgescllsclinften existieren mir an 7 Orten. Noch schlimmer stellt es mit den Bildmigsanstaltcn. Bloß 12 Städte besitzen ״Cliadarim" oder jüdische Schulen, nur 2 Städte 11alicn jüdische Bibliotheken, 2 Städte Abteilungen der Biklungsgi Seilschaft und bloß I Stadt besitzt eine Samstagschule für Erwachsene. liier muß also noch' fast alles von neuem gcschaffen werden, und schon jetzt, wo die Ruinen der alten Kulturzentren noch so frisdi sind, beginnt schon die heimatlose und entwurzelte Flüchtlingsinasse in aller Eile ein neues jüdisches Milieu auf dem neuen Boden zu schaffen: in Bi rutsch wird eine Synagoge gebaut, in Maloarchungalsk ist ein Glieder gegiiinilel, in Scmljansk, Karstajki, Borisuglebst wurden neue jüdische Schulen eröffnet, in Kazkiw ein jüdischer Kindergarten, in Tula eine Bihliothek ... Hilfskomitee der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Tätigkeitsbericht Seit achtzehn Monaten verbreitet der Krieg seine Schrecken, fast ebenso lange sind wir bemüht, zur Linderung der großen Not unserer aufs härteste hetroffeilen Brüder und Schwestern tmsern ganz hescheiden(״־ Anteil mittelst unseres Hilfskomitees heizutragen. So ist es auch einmal unsere Pflicht, den gütigen Spendern, die unsere Arbeit ermöglichten, Rechenschaft darüber zu gehen, wie wir die uns zur Verfügung gestellten Mittel verwendet haben. Bis zum Ablauf des Jahres 1915 sind uns rnml 30 000 Mark zugeflossen, von welcher Summe auf die fünf ersten Kriegsmonate August bis Dezember 1014 allein 13 000 M. entfallen, während das ganze Jahr 1015 mir rund 17 000 M. an Sammlungen ergab. Es ist dieses Nachlassen der Gebefreudigkeit zwar mcnschlieh verständlich, aber im Hinblick auf unsere Aufgaben (Joch sehr beklagenswert. Wächst doch die Notlage mit der Länge des Krieges zti immer größeren Dimensionen, Immer mehr Männer werden ihren Familien entzogen, die um so leichter in Not und Elend geraten, da die Teuerung immer noch wächst, ohne daß z. B. die österreichischen Behörden die Unterstützung der Kriegerfamilien auch nur im mindesten erhöht hätten. So rekrutiert sich ein großer Teil unserer Schutzbefohlenen eben aus solchen Familicn österreichischer I lecrcsangchöriger, in denen zumeist noch Krankheiten herrschen und die ErWCrbsfähigkeit der Frauen verringern oder ganz zerstören. Im Anfang des Krieges hatten sich eine Reihe von Qcsimningsgcnossinncn zur Verfügung gestellt, die aus eigenen Mitteln noch die Versorgung je eine*• Familie übernahmen und so eine ganz intensive Für- Nr. 8 sorge der Hilfsbedürftigen ermöglichten. Leider ״,ן die lauge Datier des Krieges auch hier Ermüüunr gezeitigt. Um so freudiger wurden wir es begrüß« wenn diese /eilen die Anregung dazu neue Helferinnen zuztifüliren; denn gerade nie dauernde Beziehung zu den einzelnen Fnniilicn erwirbt uns das Vertrauen der Unglücklichen, macht uns mit ihrem Erleben vertrant und ermöglicht oft ohne große pekuniäre Opfer viele I lilfeleistmig« durch guten Rat, Fürsprache tisw. An Gehhmter• Stützungen für solche Familien, worunter sieh sehr viele galizisehe Flüchtlinge befanden, denen wir vitj. fach auch mit Einrichtung ihrer Wohnungen helfet mußlcn, sind etwa 15 000 M. verausgabt wonkn Ferner hatten wir auch im vorigen, wm im gegen! wäriigen Winter ein Kleidcrdcpot eingerichtet das reich Versorgt wurde und vielen F ricre11(|en und ft.', dürftigen zum Segen wurde. Wir konnten ans dessea Bestand auch verschiedene Gefangenenlager, inshesondere mit Mäiincrklcidtiiig, versorgen. Allen gütigen Spendern sagen wir im Namen der Unglücklichen'at dieser Stelle herzlichen Dank und sind (ur weitert Zusendungen, insbesondere von Kinder- und Frauenkleidung und Wäsche׳ sehr dankbar. Eine amletv Kategorie Hilfsbedürftiger, «leren Versorgung uns namentlich im Anfang unserer Tätigkeit oblag, "ar die große Anzahl hier studierender junger Teilte, die zumeist von ihrer lleim.it und ihren Eltern ahgeselniitten wurden mul ploi/heh mittellos blichen, oder auch solcher aus neiitralea l.andcm, die durch Verkchrxsehwierigkeiteii oder nudi mit (lern Kriege im Zusammenhang stehende Not• läge in ihrer Heimat plötzlich hilflos dnstanden. Hier mußten wir zunächst eingreifcit und verausgabten io den ersten Monaten dafitr fast unsere ganzen Mittel Nach und nach bähen sich die Verhältnisse ׳׳«. bessert, die jungen Leute fanden mehr und mehr Arbeit, nachdem sich die Gemüter beruhigt hatten und die Nachfrage nach Arbeitsfähigen immer größer ward. So geben wir jetzt nur für meist Kranke oder erwerbsunfähige Studierende monatlich elwa 200 M. bis 300 M. an Zuschüssen aus und können unsere Mittel im wesentlichen für darbende Frauen lind Kinder verwende״. Ervvälinl sei noch, daß wir a Roschhaschana in Heiden Jahren Festmahlzeiten für die alleinstehenden jungen Leute veranstalteten, die wir als recht wohlgelungcn bezeichnen dürfen. E* nahmen je ca. 50 Personen daran teil. Eine andere, sehr dankbare Aufgabe erwuchs unt seit der Okkupation polnischer und litauischer Oebiete durch die Vermittlung von Briefen aus jenen Gegenden an ihre Angehörigen in Gefangenenlagern oder im Ausland, wobei wir durch unser National• fondsbüro im Haag Unterstützung erfuhren. Wurde und wird dabei auch eine schwer schätzbare Summe von Arbeit geleistet auch an Porto kostet sie Erhebliches so Italien wir doch gerade durch diesen Teil unserer Arbeit viel Segen stiften, manclie Vctbindung zwischen Angehörigen nach langer Trennung wicdcrherstellcn, maiiehe Eltern trösten und mandien Ehegatten Beruhigung über das gegen-citige Schicksal geben können. Damit wir aber unsere Arbeit auch weiterhin fortsetzen, damit wir weiter Not lindern, Trost und Hilfe bringen können, dazu brauchen wir weitere Hilfsbereitschaft, dazu brauchen wir S p e nd e 11, und zwar möglichst r e g e I m ä ß i g w jederkehr c n d e S p e 11 d e n i 11 E o r m e i 11 e r Be- Steuerung. Denn unser Fonds ist so gering, (laß wir immer schnell seine Erschöpfung fürchten müssen, wenn er nicht regelmäßig aufgefüllt wird. Wir bitten, den stets bewährten Opfersinn auch weder zu betätigen, damit auch wir du reit halten können. Hulda Zloeisti. Geldsendungen sind an das Bür;> der Ziouistisehen Vereinigung, Berlin W. 15, Sächsische S r. 8 (Postscheckkonto Berlin 8091), Kleidersendmigen sowie Erklärungen zur Mitarbeit an Frau Huldt Zloeisti, Weißenburger Str. 6, II, zu richten. ZIONISTISCHE BEWEGUNG Amerika. (Ein ״Sch ekel tag“ des ״Order Berit- Scna lom") Der ״Independent Order Ikrit-Schalom" veranstattete am 19. Dezember ein großes Massenmecting in Philadelphia, auf dem namhafte Redner über die Bedeutung und die Aufgaben des Ordens sprachen. Bekanntlich hatte der Order Bent-Sch.ilom auf seiner letzten Konvention die Bestimmung einet allgemeinen ״S ch ek c It a g c s“ in Amerika א• schlossen. Diese Veranstaltung wird, wie bekannt־ gegeben wird, in der ersten Hälfte des Mo»«*;Januar stattfinden. Nicht weniger als 126 LpK“ in 126 amerikanischen Städten mit einer Gesamt* mitgliederzah I von etwa 50000 werden «■ dieser Veranstaltung teilnchmen. > י; de wi St Bi sc ß* tn zw NI xd Z. St /.( er! ui se V1 Io WI ß« m zu ui S1 de sl K1 vi K; III re ve ei, *l 111 1 I ZI li( Li III S< zv m 111 m Ol G A zl (U V• li< 1 di vv 1h «< : ar nt ui li< H I nt D ni is׳ Ul O dt V. O m dl 1 m 1 ze sa ei; A. kt) dt in 1 Et At in! um ür 10!1י