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Jüdische Rundschau · 1916-02-04 · Heft 5 (4.2.1916) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXI (1916)
Issue
Heft 5 (4.2.1916)
Date
1916-02-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seile 40 J U E DI SC H E RUNDSCHAU Nicht umsonst schloß der Vertreter des bumlistischcn /cntral-Komitces seine Rede mit dem Ausdruck des Erstaunens darüber, daß die nichtjiidischc Sozialdemokratie, die ״nationalistischen Gefahren“, die diese ״alljüdische“ Organisation bietet, nicht begreifen will und sogar der Meinung ist, daß die ״Vereinigung eines unterdrückten Volkes" nicht gestört werden darf. Unter den nicht jüdischen Sozialisten bezweifelt es doch heutzutage niemand, daß das Proletariat gemeinsam mit allen anderen Klassen seine Nation zu verteidigen verpflichtet ist. Welches Bedenken können diese daher gegen eine jüdische Einigung zwecks nationaler Selbst- 11 i I f e haben? Tatsächlich wird doch wohl niemand behaupten wollen, daß die nichtjüdischeu Sozialisten ihre Klasscnintcrcssen weniger zu schützen verstehen als die jüdischen. Es liegt auch kein Cirund vor, die sozialislische Reinheit der bundistisehen Leitung höher einzuschätzcn als die der bundistisehen Arbeiter-!nassen. Die Genesis dieser Antipathie der bumlistischcn Leitung gegen die allgemein jüdischen llilfskomitces ist augenscheinlich auf einem ganz anderen Gebiet zu suchen. Nicht die Klassen intcress e n des jüdischen Arbeiters wurden durch diese gemeinsame Tätigkeit gefährdet, sondern die z\ssi-!11 i l a t i o 11 s i d e o 1 o g i c , die für bestimmte Kreise der bundistisehen Intelligenz nicht weniger heilig ist. Die alte Tragödie der bundistisehen Bewegung offenbarte sich liier von, neuem. Die Arbeitermasseu wurzeln in der Tiefe des Volkslebens und empfinden naturgemäß naliuual; die leitenden Kreise aber gehören der alten assimilierten jüdischen Intelligenz an, die immer vou der Angst vor der ״Steigerung des nationalen Empfindens“ krankhaft verfolgt werden. Diese Angst war cs auch, die diesen merkwürdigen Einspruchs-Versuch der bundistisehen Leitung verlirsaclit hat. Deswegen konnte diese Direktive auch bei den sonst streng disziplinierten Parteigenossen nur wenig Widerhall finden. Deswegen sind die nichtjüdischen Genossen gar nicht in der Lage, die ״Gefahren“, die die jüdische Hilfsorganisation den Bundistenführern bietet, cinschcn zu können. Deswegen aber braucht es die bundistischc Leitung auch weiter nicht wmulernelmien, wenn sic in die Nachhut ihrer eigenen Bewegung gerät, S. ״Knight of Zion“ ln Chicago wurde am 5. Januar die diesjährige Konvention der zionistischen Föderation ״Knight of Zion“ eröffnet. Es waren ungefähr tausend Gäste anwesend. Der Vorsitzende, N. D. Kaplan, cröffiiete die Sitzungen mit einer Ansprache, in der er der llilfstätigkeil f ii r Palästina im letzten Jahre, der Entsendung des ״Vulkans“ und der Tätigkeit für das ,,Provision,•1l-׳Commik׳e“ gedachte. Er sprach sich für die Organisierung von lokalen Verbindungen im Bereich der Knight of Zion-Vereine aus. Der Sekretär der Föderation, 1 ierr Bernstein, berichtete, daß der ״Knight of Zion“ gegenwärtig' 53 aktive ״Kiiiglits" mit annähernd 3001) Milgliedern angeboren. Herr Steinberg, der Obmann des Nationalfonds , teilte mit, daß im Laufe dieses Jahres 0000 Dollars für den Nationalfonds und 1000 Dollars Scheckclgcldcr aufgebracht wurden. An den Venvaltimgs'bericht knüpfte sieh eine sehr lebhafte Debatte. Sonntag, den 5. Januar fand unter Vorsitz von N. D. Kaplan ein Massenmeeting statt, daß von vielen Tausenden besucht war. Ls sprachen 11. a. Richter Julius M a c k , Dr. S c 11 m a r j a h 1. e v i 11 und B rundeis. Letzterer sprach über die Tätigkeit des ״Provision,11־ Commitees“ und forderte zur euergischen zielhewußteu Fortsetzung dieser Arbeit auf. Den Rednern wurden stürmische Ovationen bereitet. Zur gleichen Zeit wurden auch an anderen Orten Versammlungen veranstaltet. In der zweiten Sitzung, Montag, den 6. Januar sprachen 11. a. Professor Köhler und Dr. Sch m a r - jah Lev in über die Kongreßfragc. Einen besonderen Eindruck machte die eine Rede des Professors Gallon vou der V i s e o 11 s i n - U 11 i v e r s i t y über den Zionismus. Es wurde eine Resolution über die Einberufung eines auf demokratischer Grundlage aufgebauten jüdischen _ Kongresses in Amerika gefaßt. Am Abend winde zu Ehren der Delegierten ein Bankett veianstaltet, auf dem Louis B r a 11 d c i s Richter A 11 s c 11 u I e r, Dr. Sch m a r j a 11 L c v i 11, Richter Henry Fischer u. a. das Wort ergriffen, Richter Julius Mack richtete an die Anwesenden einen begeisterten Appell zugunsten des ״Provisiotud-Commiiees“, tür das auf Ort und Stelle die׳ Summe von (>000 Dollars aufgebracht wurde. Die Neuwahlen nahmen einen ziemlich sturmisch.cn Verlauf. Es wurden Max Scliulmaiin 711,11 Präsidenten ־und Mr. B c m s tc 1 n als Sekretär gewählt. c* S f _ "• ■ ■ '־׳'■ « * •» Großes Wohltätfgkeitskonzett der Berliner Zionistischen Vereinigung zugunsten des Hilfskomitees derZ.V.f.D. Für das Konzert, das am Mittwoch, (len 9. Pcbinar, abends 8 Uhr, im Klindworlh-Schanwcrika-Saal statt findet, zeigt sieh 111 allen zionistischen Kreisen großes Interesse. Hierzu trägt liehen dem wohltätigen Zweck der Veranstaltung, die dem Mil Iskomitcc der Zionistischen Vereinigung für Deutschland neue Mittel zuführen soll, auch das vielversprechende Prograntln des Abends bei. Wir können allen Freunden nur raten, sich rechtzeitig Plätze zu sicher 11, billige Karten sind mir noch wenige vorhanden, Mendele Mocher Sforim Vor kurzem trat S. J. A b r a m o w i ts c h , der ״Großvater" der neuen jüdischen Literatur beider Sprachen, in sein achtzigstes Lebensjahr. Angesichts der Schrecknisse der Zeit und der großen Leiden der Jmlenlieit weigerte sich der Dichter, sein Jubiläum öffentlich zu feiern. In den literarischen Kreisen vou Odessa, Petersburg, Moskau usv. wurde trotzdem dieser frohe Festtag jüdischen Schaffens durch spezielle Versammlungen und lic(jrüllungs- Sendungen begangen. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, noch eine bessere Zeit für sein Volk nnbreclicn zu selten und dem Judentum׳ noch manches köstliche Werk zu ' schenken I AUS ALLER WELT Aus der Schweiz. Der deutsche Schriftsteller Karl Bleibtrcu glaubt das Gebot des allgemeinen Burgfriedens in Deutschland dadurch umgehen zu dürfen, daß er sich mit antisemitischen Ausfällen in die deutsche Presse der Schweiz flüchtet. Er behauptet in einem ״Glossen“ ühcrsdirichcncii Artikel der ״Neuen Zürcher Nachrichten“, daß Liebknecht cf 11 Jude sei. Eerner versteigt er sich in diesem Aufsatz zu lolgcnder stilistisch wiu inhaltlich gleich geschmackvollen Bemerkung: ״Diejeremiasse in Ueutsd!iland gehören nicht zum Hebräertum, das nun am Weltkrieg genug verdient und wieder fetten Frieden halten inötble und überhaupt zum Kapitalismus." I )r. Felix 1* i 11 k 11 s , der ihm in den ״Neuen Zürcher Nachrichten“ vom (1. Januar die gebührende Antwort erteilt, bemerkt sehr richtig, es fehle nur noch, daß Karl Bleibtreu den Juden den Vorwurf mache, daß sie diesen Krieg verschuldet hätten. Aus Amerika. (Ein ״Jude 11 tag“ in Amerika). Dem in Neiv-Vork erscheinenden ״Jüdischen Tageblatt" geht unter dem (1, Januar ein tcli'grnphisehe!• Bericht aus Washington zu, in dem es heißi: ״Aul Ersuchen des Herrn Harry Eise 111, des Schatzmeisters des ״Central Relief Committee“ für die jüdischen Kriegsopfer, legte der Senator James E. M a 1־ t i 11 aus New• Yorsey dem Senat eine Resolution vor, in der Präsident Wilsou aufgefoidert wird, in Amerika einen ,Judent a g“ zu bestimmen, an dein eine umfassende Sainmcltätigkeit zugunsten der jüdischen Kriegsopfer im ganzen Land .organisiert werden soll." Wie weiter berichtet wird, wurde die vom Senator M a 1׳ t h! eingcbrachtc Resolution vom Vorsitzenden des Senntsausscliiisses für auswärtige Allgelegeiilieiten, Senator Stonc, in Empfang geiHHUir.en. Aus England. London. In der ״Zion Hall" fand am Sonntag׳, den 0. Januar, eine Sitzung des Ausschusses zur Festlegung׳• des Arbeitsprogramms des neuen jüd i s c 11 e 11 Volks v e r b a 11 d c s statt. Nach längeren Debatten wurde das bereits früher vom Spezial-Komitee mit Zustimmung des. Priisideuten des Verbandes, Air. Lueien Wolf, ausgcarbeitete Programm des ״Verbandes“ angenommen. Es lautet: Der Volksvcrbaiul erstrebt: 1. die V e r t c i d i g 11 n g jüdischer luteressen überall und immer, wo die Rechte der Juden gefährdet sind; ׳ 2. die E r I a 11 g u n g politischer Olclch- 11 e r c e 111 i g 1111 g in denjenigen Ländern, wo sie den Juden voretnlialieu werden; 3. die Erleichterung der Immigration nach I a I u s 1111 a , die Gründung von Kolonien und Eranguiig voller politischer Rechte und der erforderliehen VcrwaUtiiigsprivilcgicn. im Programm wird auch festgesetzt, daß im ״Volksvcrbaiul“ mir diejenigen jüdischen Organisatioiien ihren Zusammenschluß finden sollen, die nicht dem ״Board of Deputies" angchörcn; ferner soll “cr ״Vcrbaiiu dein Board nicht entgegemivirken, (Nach stürmischer Debatte wurde dieser Punkt mit 7 gegen ü Stimmen angenommen) Au» Galizien Lemberg. 1111 Lokal der Gemeind«(•״״.. fand eine Versammlung jüdischer Bürger ,, unit deren Tagesordnung die Frage der Vcrtret aU der Juden im Lcmbcrger Ci c 1, ״;•. >״. * und der Rückkehr der jüdischen FlürhV I i 11 g e nach Lemberg stand. tn'• Eine lebhafte Diskussion rief der erste P u* der Tagesordnung hervor. Alle Redner kritisicrn. scharf die ratsache, daß noch kein ein/i■׳■es iüiikrh** Mitglied des üemeinderates nach Li'iiil’ien׳ zurur-t* gekehrt sei, trotzdem die Rückkehr schon & M״״?' freigegeben ist. Sie erklärten diesen Zustand für ״n haltbar. Es wurde eine Deputation, bestell,.!״ ן״ den Herren Prolessor Bromberg, J. Mln1j Abgeordneten Reizes, gewählt, die mit dem Re gieriingskommissär über die Ermöglichung einer iü! disclieu Vertretung sprechen sollten. * 1 2 3 * * * * ‘ Am 7. Januar wurde die Deputation vom Regie• rtmgs-Kommissär, Bc/irkslianptiiianii Grnhowskv" empfangen. Dieser erklärte, cs seien jetzt zwei Be!! ratsämter vakant, die er mit jüdischen Vertretern zu besetzen bereit sei. Die Deputation versprach demnächst zwei jüdische Kandidaten in Vorschlag zii bringen. 8 * * Zu diesem Zweck wurde unter dem Vorsitz von Prof. Bromberg eine Vorwahlvcrsaiimilmig der Re. nräsent,inten der jüdischen Parteien einherufeii, tun die Kandidaten zu bestimmen. Als Kandidaten 'wurden nominiert: Dr. R. Sokal (von der Gemeindcvtr• waltimg), Prof. Bro 111b erg (von den Zionisten) und Architekt UI a m (vom Jüdischen Biirgerklub). Da nur zwei Plätze zu besetzen waren, zog Dr. Ringel im Namen der Zionisten, die die eigentlichen Initiatoren der Aktion waren und denen es in erster Reihe auf das Prinzip der jüdischen Vertretung ankam, die Kandidatur des Prof. Bromberg zurück. Dr. Sokal sprach dann von seinen Beziehungen zu den Zionisten. Er war nämlich immer ihr (icgiier. der russischen Invasion zurück• die Zionisten in dieser schweren Invasion und nachher, geleistet Ucbcrzeiigiing, daß die Zionisten um jüdische Volkslcidcn handelt, wurde beschlossen, die und Architekt Ulam - Als er aber nach kam und sah, was Zeit, während der haben, kam er zur üherall, wo es sich die Hauptarbeiter sind. Es beiden Herren — Dr. Sokal als Kandidaten vor/.nschlagen. Die genannte Deputation teilte diesen BeschluB dem Bczirkshaiiptinann Grabowskv mit, der versprach, ihn mit seiner Befürwortung nach lljala zu übermitteln, Tisch in i c 11 i t z. Achtzig Prozent der jüdischen Bevölkerung befindet sieh in sehr großer Not. Da! Elend hat sieii dadurch noch gesteigert, 11:111 ein großer Teil der Bevölkerung ans Handwerkern, besonders Kürschnern, besteht, die zurzeit besdufti• guugslos sind. Herr Dr. Anselm Landau, der im Auftrag des jüdischen R e 111111 g s k o 111 i tcca in Lemberg die Stadt besuchte, gründete dort ein Ortskomitee, dem vom Lemberger Komitee 1500 Kronen zur Verfügung gestellt wurden, •Die Stadt hat ungefähr 2500 jüdische Einwohner. Olinia. Zwei russische Invasionen hatte die Stadt zu überstellen. Von den 5000 Einwohnern sind 3000 Juden. Der Ort und seine Einwohner haben unter der Russcnherrsch.if! schrecklich gelitten. Es wurde ein Ortskomitee des Lemberg er jü- (I i s c 11 c 11 R e 11 11 u g s k o m i t e e s gegründet, das von der Lemberger Zentrale 1000 Kronen zur Linilerung der ersten Not zur Verfügung erhielt. Z'loczow. Die jüdische Volksküche und T e c h a 11 e , die vom Lemberger jüdischen Kc'tungskomitce unterstützt wird, set/t ihren Betrieb fort und erweist sich immer mehr als eine notwendige, segciibrinpetide Institution. •— Vor kurzem uclitc d nahm der jü- Allgeordneter Heinrich Reizes die Stadl 11׳ bei dieser Gelegenheit auch die Wünsche disehen Bevölkerung entgegen. (K r i c g s \v a i s e 11 f ii r s o r g e) Das ״Jüdische R1111111 g s k o m i t e!■“ für Galizien gibt einen Fragebogen Ix/n.lien der geplanten Hilfsaktion für Kriegswaisen tu ran ׳, der nach sämtlichen Orten der galizisdieu Provinz, uisanilt wird. Die Fragebogen werden ein authentisches statistisches Material zur brennenden Frage der Krieg*‘ waisen-Fürsorge liefern. Aus Russisch-Polen. Warschau, Auf Veranlassung der deutschen Vn u a'iuiig*• hchördc wurden F o r t b i I d 11!1 g s k 11 r s v 111 i ' diseber und hebräischer Sprache 11 jüdische Volk s s clmllchrcr crötmci• ״Fortbildungskurse" tragen einen amtlichen * und werden aus öffentlichen Mitteln erhalte!'• Initiative der deutschen Behörde bat in den 'u.l 1,י Kreisen der jüdischen Bevölkerung lebhalte 'w> s tuung hervorgerufen. Bei der Eröffnungsfeier, bei welcher der ׳'י!' liehe Schulrat Ott (» eine Ansprache I1i׳'ß. auch der Schriftsteller N. Prilutzki, Dr c lieb und der Vorsitzende der Warschauer 1״(, Sfat Ewer“, Sch. L. Gordon. Herr Schulr.r ' erklärte bei dieser Gelegenheit, daß die c,, Behörde ernstlich bemüht sei, ucii Juden 1111 t ״s pierten Gebiete ihre Eigenart zu belasse׳ ,״ schon deshalb, weil sic mit dem aiisgesprt) Willen einer so zahlreichen Bcvölkerungssrhtcli gemäß rechnet, zweitens aber auch, ')׳eil * Geiste der Hager Konvention entsprechen ' - Qe. dem Sieger vorschrcibt, 111 dem von ihm besetz biete bis zum Friedenssehluß grundlegende rungen nicht vorzunchmcn.

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