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Jüdische Rundschau · 1916-02-04 · Heft 5 (4.2.1916) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXI (1916)
Issue
Heft 5 (4.2.1916)
Date
1916-02-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Seite 39 Nr■ 5 J U E Dl SC H E RUNDSCHAU י*"«* die nach älteren 1 Wirtschaft zu erwarten den letzten Berichten bereits bei 10 dz pro 11a betrugen, eine immer |)as dritte Kulturgcbiet, das in der Bcsiedhingsdichte zwischen den beiden stehen dürfte, ist da• “Un das eigentliche Bergland, das, wie schon früher erwähnt, mir für bcwässcrungslosc!,.aiimkulturen im Kleinbetriebe benutzt werden Kann. Im ganzen dürfte Palästina in seinem späteren ffirtscliattsstadinin landwirtschaftlich sehr ähnliche Verhältnisse aiifwcisen, wie Sizilien, das hei ebenso ״öde Kiiltnrfliiche und ebenfalls gemischter Kultur rbcr 3 1/., Millionen Menschen ernährt. Die ai'iü'gelienen Dnrclischniltsznlilcn \11<>׳ Philipp. son von 1יי höchstens •10 Mensehen pro qkm für ,Ile diese (iehicte (inkl. der städtischen Bevölkerung, 1115 jetzt dürften es i1״ eigentlichen Palästina 26 bis 2יחי! י <|km sein) sind daher in keiner Weise nitreffeml. Neben den außerordentlich dicht zu besiedelnden Bewiisseningsgebicten und den vorläufig extensiver " kultiviervmlen Ackerbaugebieten dürfen bei der nötigen Kapitalinvcsticning und Arbeitsleistung auch die Bcrglämlcr mit der Zeit eine entsprechend dichtere Bevölkerung vertragen. Trotzdem Professor Philippsou behauptet, etnB d,c öslliclien Mittclineergebiete geologisch keine (;rädere iüsiedhmgsilichtc vertragen, hat z. 13. das benachbarte Libanongebiet, das gerade ein solches Berglaml ist wie das mittlere Palästina, also cigcntlieh sehr ungünstige Bedingungen aufweisen müßte, ohne die Stadt Beirut bereits ca. W) Einwohner pro Quadratkilometer, mit der Stadt Beirut ungefähr 00. Nicht die klimatischen oder geographischen Verhältnissc sind liier andere, sondern die politischen, da das Lihanoiigchict bezüglich seiner wirtschaftlichen Verwaltung autonom war. Wohl schon dieses Beispiel allein widerlegt die Ausführungen Professor Philippsims, denn wenn van die Bcvölkcriings- Ziffern dieses (ichictcs auf Palästina übertragen würde, so würde dieses eine ungefähr viermal so grolle Bevölkerung wie bisher ernähren können und seihst diese Berechnung wäre, weil die Besiedlung in Wirk lichkeit auf einzelnen Strichen eine dichtere sein könnte, wahrscheinlich noch zu ungünstig. Also nidil etwa 200 000 Menschen mehr hatten in Pnlä stina Platz, sondern mindestens viermal so viel wie bisher dort wohnen, nämlich rund 2 800 000 (statt 700000), oder die heutige Bevölkerungsdichte Siziliens rufrunde gelegt, ca, 4 500 000 Seelen. Wenn diese 11nterg־ebracht sind, können wir uns ja mit Herrn Professor Philippson über die Unterbrmping der weiteren Millionen osteuropäischer Juden in den Nachbargebieten, die, wie schon erwähnt, ebenfalls die gleichen Bedingungen aufweisen, einigen. Zu einer Kolonisierung von einer jährlich mögliehst immer größeren Anzahl osteuropäischer Juden gehört erstens Arbeit, zweitens eine großzügige Organisation und drittens Geld. Und ist cs wirklich w unerwünscht, wie Herr Professor Philippson es (bestellt, daß die deutschen Juden auch mit Kapital diese Kolonisation unterstützen? Durch die 1eit Jahren erfolgende Stimmungsmache in deutsch- ,Mischen Kreisen gegen die jüdische Kolonisation in Palästina, die sich in letzter Zeit besonders zu verstärken scheint, wird tatsächlich erreicht, daß man fee Bestrebungen als Utopie ansieht und abtut. Die Folge ist, daß der Anteil der deutschen Juden M den wohl über 200 Millionen betragenden jüdisehen Kapitalsinvesticrungen in Palästina so überaus kläglich ist. Liegt dies Resultat wirklich im politischen Interesse? steil yolksmnssen empor und mit bewundernswürdiger Energie und idealistischer Selbstaufopferung beeilte sich die jüdische Oeffcntlichkcit, die Wunden, die de innerre Feind geschlagen hatte, nach Möglichkeit zu heilen. Das war keine Philanthropie. Wohltätigkeit allein könnte nicht ein ganzes Volk zu solcher begeisterten Hingebung mitreißen. Das war und ist der eigentümlich jüdische nationale Vcrtcidigungskampf. Daß Minsk gibt und Kowno nimmt, ist ein reiner Zufall. Das jüdische Kowno hatte ebensowenig innere Gründe zum Untergang wie das jüdische Minsk. Der Pfeil, der Kowno traf, war in Wirklichkeit gegen die gesamte Judenhcit Ruß- Luids gerichtet, deshalb empfand cs die gesamte judenhcit als ihre Pflicht, den Blutsturz zu stillen. Auf dieser Höhe der nationalen Selbstbetätigung verschwand völlig jede innere geistige, Wirtschaftliehe und politische Differenzierung. Alle die die nationale Jugend als unverbesserliche Diskutcure zu betrachten gewohnt waren, wurden in Staunen versetzt. Die assimilierte Intelligenz von Moskau und das volkstümliche Schlobin, der kadcttischc Jude Sliosberg und der Zionist Ussischkin, der ehemalige Führer der proletarisch-jüdischen Parteien und der typische Vertreter der jüdischen ״Schtadloncs"-Politik, der Jlllllllllllllllllllllllllllllllilllllllllllllllllilllllllllllllll (\Mltälig!:eitskonzert f H der jj | Berliner Zionistischen Vereinigung j Ü zugunsten des §j | Zionistischen Kriegshilfskomitees j I Klindworth-Scharwenka-Seal, Lützowstr.76 | 1 Mittwoch, 9. Februar 1916, 6 Uhr | 1 Mliwlrkendei B — s | Mark Günzburg: Klavier § rpr 3 | FelixRob.Mendelssohn: Cello | | Elisabeth Lesser | Alfred Wittenberg | Leo Gollanin: Gesang Streichquartett: j B. Kroyt, Schachmeister, 1 A.Schirmann,B. Grossmann 1 Korten zu 4, 3, 2 und 1 Mark bei Bote ® Bode, § H Tletz und Im Büro der Zionistischen Vereinigung § H fflr Deutschland, Berlin W. 15, Sächsische Strafte 8. g Violine Bundistische Bedenken Autler den allgemeinen Leiden, die der *dtkrieg den russischen Juden gebracht hat, und “cn besonderen Schrecknissen, die mit der Tat- Sache gegeben sind, daß gerade das jüdische ™siedlungsrayon den Kriegsschauplatz abgab, hatte 1'russische Judenhcit noch einen speziell gegen s'c gerichteten Kampf zu bestehen. Die russische ״'Ricrung war cs, die mitten im Völkerringen ihren Wen den Krieg erklärte. Juden als solche, ohne ״"tmehied von Stand, Klasse und Richtung wurden 5 Feinde des russischen Staates bezeichnet und man Pur gegen sie wie gegen regelrechte Feinde vor. ״ ttnem Schlage wurden alte angesehene jüdische '״winden entwurzelt und Hundcrttausende von Ju- *,1"»aren <*er Hungersnot ausgelicfert. Einen Augen- 'k lang wollte die russische Judenhcit verzagen. a״n *ber stieg die alte Lebenskraft in den breite- Hebraist wie der jidischist, der Orthodoxe wie der Sozialist -- mit demselben Eifer und Pflichtbewußtsein stellten sich alle in den Dienst des Volkes. Voran gingen die weiten Schichten der einfachen jüdischen Massen, deren Sclbstbcstcucrung in der Höhe von mindestens fünf Prozent des jährlichen Budgets die vielen Millionen ausmachtc, die von der Hilfsarbeit verschlungen wurden; und an ihrer Spitze — die akademische und proletarische Jugend, die in dieser ernsten Stunde freudig ihren Enthusiasmus und ihre Liebe dem Volke cntgcgcnbrachtc. Auf die Psyche der einzelnen Gruppen wird sich wohl der Einfluß dieser folgcrcichcn Ereignisse verschieden gestalten. Der fromme Jude wird vielleicht unter dem Druck der Leiden noch religiöser gestimmt werden, der nationale wird schmerzlicher die Bodcnlosigkcit des jüdischen Seins empfinden und für die verantwortungsvollen Wiederhcrstclhmgsaufgaben intensiver Kräfte sammeln, der Revolutionäre wird seine Faust krampfliaftcr ballen. Diese Differenzen werden vielleicht klarer zutage treten, wenn die jüdische organisierte Ocffcntlichkeit zum positiven Schaffen übergehen wird: zur Gründung von Schulen, zur Wiederherstellung alter Kulturinstitutionen usw. Solange aber nur von Brot und Milch und Kleid und Dach die Rede ist, solange der heimatlose Evakuierte und Flüchtling einen Rat not hat, wo er in dem weiten für ihn neu geöffneten Rußland Fuß fassen *oll und keiner unter den Juden ihm vorläufig einen ausreichenden und gewissenhaften Rat erteilen kann; solange Väter ihre Kinder suchen und die Büros von Männern und Frauen belagert werden, die sich vergeblich bemühen, einander zu finden — solange vergißt das Volk alles Trennende, und geschlossen, wie eine Herde, in die ein Löwe cinbrach, eilen seine Söhne zur Fahne der in aller Eile gegründeten ״Komitees zur Unter- Stützung der jüdischen Kriegsnotlcidcndcn“, die alle oben genannten Aufgaben zu erfüllen haben. Dies geschah, noch bevor die leitenden Or• gane der jüdisch-politischen Parteien zur Frage Stcl- ‘ lurig nehmen konnten. Die Zeit war viel zu ernst . und kurz. Vielleicht vergaßen auch viele völlig an die Formalität, die Parteileitung zu fragen. Jedenfalls schien es klar zu sein, daß die Führer der jüdisch- , politischen Parteien eine solche Arbeit nur segnen ‘ können und werden. Dies schien auch den jüdischen Arbeitern und der Volksintclligcnz, die dem jüdischen Sozialdemokratischen ,,Blind" angehören, eine Selbstvcrständlichkeit zu sein. Ohne die Parteileitung zu fragen, folgten sie ihrem inneren Rufe und taten alles, was auch jeder andere pflichtbewußte Jude tat. In vielen Städten der Provinz beteiligten sich die Bundisten an der allgemeinen jüdischen Kriegshilfsarbeit und traten auch die jüdischen Hilfskomitees ein. Sie schienen überzeugt zu sein, daß die Führer der Partei ihre Arbeit billigen würden. Darin haben sie sich aber getäuscht. Was für die Massen eine klare Volkspflicht war, der jeder Jude nachkommen muß, erregte bei den Führern großes Bedenken. Der ״Bund" sei berufen, die Reinheit des Klasscnbcwußtscins zu bewahren; dieses sei nach den Oedankengängen der ßundistenführer, in den! Sinne zu verstehen, daß der ״Bund" keine gemeinsame Tätigkeit der jüdischen Arbeiter mit der nichtbundistischcn Judenbeit zulassen kann. An diesen gemeinsamen Hilfskomitees könnten sich auch Fabrikbesitzer, ja sogar Zionisten beteiligen — ergo müssen diese Komitees bekämpft werden. So erfahren wir aus der letzten Nummer des in Genf erscheinenden bumlistischcn Parteiorgans, daß ״bald nach AusbrueH des Krieges das Zentralkomitee seine Aufgabe darin erblickte, das Eindringen der alljüdischen Politik in die Arbcilcrkreise zu bekämpfen" und auf Grund dieser Ucbcrzcugung später beschloß, ״den jüdischen Arbeitern zu empfehlen, sich an den allgemeinen jüdischen Hilfsorganisationen nicht zu beteiligen." I>er Vertreter des Zentralkomitees mußte wohl später mit Bedauern konstatieren, daß nirgends diesem Beschluß Folge geleistet wurde. Das Zentralkomitee war sogar, unter dem Druck der ■widerspenstigen bundislischen Masse, gezwungen, diesen Beschluß zurückzuzichcn. Die Stimmung der bundistisclien Führer änderte sich aller dadurch nicht. Auf einer bundistischen Versammlung in Petersburg, auf der den 7 Bundisten, die sich an der Konferenz der jüdischen Kricgshilfskomitccs als IXdcgicrte beteiligt hatten, verschiedene bittere Vorwürfe gemacht wurden, erklärte der Vertreter des Zentralkomitees ausdrücklich folgendes: ״f>ic Arbeit in dieser alljüdischcn Organisation gießt Wasser auf andere Mühlen und wenn wir gezwungen sind, uns daran zu bcteiligen, so müssen wir es als unvermeidliches U e bei betrachten", da eine solche Vereinigung ״unbedingt eine nationalistische Gesinnung hervorrufen wird und gefährlichsten nationalen Hoffnungen Raum gibt." Von demselben Standpunkt aus kann der Vertreter des Zentralkomitees sogar einmal die allgemeine Sclhstbesteiicnmg nicht billigen, da ״die Idee der Selbstbesteuerung zum Besten eines jüdischen Komitees eine ungeheure nationalistische Stimmung verursachen muß." Also heraus aus den allgemeinen jüdischen Hilfs- Organisationen! Wenn ein Bumlist zusammen mit einem Zionisten ein Ambulatorium für kranke jüdische Flüchtlinge gründet, gefährdet er die Reinheit des Klassenbewußtseins, und wenn ein Arbeiter zusammen mit einem Kaufmann an einem Tisch die Zahl der bedürftigen Evakuierten registriert, begeht er ein Verbrechen gegen seine proletarischen Interessen. Der Evakuicrungscrlaß kannte zwar keinen Unterschied zwischen Zionisten und Assimilantcn, als staatsgefährlich sind wohl alle Juden, der Arbeiter wie der Großindustrielle gekennzeichnet u׳orden und in den unheizbaren Synagogen sdtlicfcn auf dem harten Boden Tausende Und Abertausende ruinierter Familien, die zu den Exploiteuren ebenso wie zu den Exploitierten gehören. Der Feind erkannte zwar unsere nationale Solidarität an und kämpfte ״a 11 j ü d i s c h." Wir aber dürfen nicht gemeinsam unsere Wunden heilen, sonst sündigen wir gegen die allerheiligste bundistische Auffassung des Sozialismus und können noch, Gott bewahre, ״gefährliche nationale Hoffnungen hervorrufen." 11׳ Zionisten! Zahlt den Kriegsbeitrag!

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