Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXI (1916)
- Issue
- Heft 4 (28.1.1916)
- Date
- 1916-01-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 30 J U E D i S C H E RUNDSCHAU r! I d י t ü 1 * s ij! ן Sclincur gelesen. Auch aus der spanischen Epoche der hebräischen Literatur werden (icdichte gelesen. In der Grammatik wird in dieser Klasse die Formen• lelire abgeschlossen und die Syntax begonnen. In der VIII. Klasse endlich werden Aufsätze historisehen und literarischen Inhalts geschrieben, die ganze (irammatik diirchgcnonuncn und eine Reihe weiterer Proben neuer, hebräischer Literatur besprochen. Neben dem Hebräischen wird speziell dem B i b e I u n I e r r i r h t grober Wert beigelegt. I licser Unterricht beginnt in Klasse II, wo die hebräischen Kenntnisse der Schülerinnen groß genug sind, um mit der Bihellektiire zu beginnen. In den beiden ersten Klassen werden biblische Erzählungen gelesen, während von Klasse IV an die Bibel selbst gelehrt wird. Im <1 c s c 11 i c 111 s u 111 e r r i c h t ist der Unterrieht in jüdischer und allgemeiner Geschichte nicht zu trennen. Beide Fächer werden deshalb gemeinsam unterrichtct. Die jüdische Geschichte bis zur Zerstörung des ersten Tempels wird im Bibelunterrieht durehgenominell, wobei darauf gesehen wird, daß die Schülerinneu stets die Karte zur Hand haben, um sich alles plastisch vorstellen zu können. In Klasse V wird die jüdische Geschichte von der Rückkehr aus dem ersten Gallith bis zu den Zeiten von Hillei und Schammaj besprochen. Daneben wird die griechische Geschichte in ihren Grundzügen bis zu Alexander dem Großen durchgeuommen. In der VI. Klasse wird mit der Zeit der Makkabäcrkiimpfc begonnen und der Unterricht kommt bis zum Abschluß des Talmuds. Im allgemeinen Geschichtsunterricht wird die römische Geschichte besprochen. Im nächsten Jahr folgt jüdische Geschichte bis zum Abschluß der spanischen Epoche, daneben die allgemeine Geschichte des Mittelalters, ln der obersten Klasse wird die jüdische Geschichte bis zur Schwelle der Gegenwart, d. h, bis zum Beginn der Kolonisation Palästinas fortgeführt. Entsprechend lernen die Schülerinnen die neue allgemeine Geschichte bis auf die heutige Zeit. 1111 R c c h c 11 u » t e r r i c h t wird mit den •I Spezies begonnen, dann werden allgemeine und Dezimalbrüche behandelt, während in den obersten Kl assen Prozentrechnung und Grundlagen der Algebra gelehrt werden. Die Schülerinnen erhalten aber auch gute geometrische 'Anfangskenntnisse. A11 Fremdsprachen wird Französisch und Deutsch gelehrt, wobei von Klasse zu Klasse auf das letztere immer mehr Wert gelegt wird. In der Klasse Vlll werden ״Wilhelm Teil“ und ״Hermann und Dorothea“ gelesen. Der G c o g r a p 11 i cu n te r r i c h t beginnt als Heimatkunde, mit der Besprechung der Tiere, Pfianzen, Dörfer und Städte der nächsten Umgebung ausgefülll. ln den Klassen III und IV wird dann die Geographie Palästinas mit aller Genauigkeit durchgcnommeu. Lehrplan der Klasse V sind allgemeine geographische Grundlagen, in Klasse VI wird das außerpalästinensische Asien, Klasse VII Europa und Klasse VIII die anderen 3 Erdteile durehgenommen. Mit Zoologie und Botanik wird in Klasse V begonnen, nachdem die Schülerinnen schon im Heimatkundeunterrieht die Grundlagen gelernt haben. Der Hiuptmerk wird auf palästinensische Fauna und Flora gelegt. Physik und Chemie hätten weit besser gegeben werden können, wenn der Sclude nicht die notwendigen Lehrmittel fehlen würden. Neben diesen Lehrfächern stehen die technischen Fächer Turnen, Zeichnen, Singen und Gartenarbeit. lieber das Ergebnis des Unterrichts zeigte sich in den Prüfungen, die in Gegenwart von Vertretern aller andern hebräischen Schulen Jerusalems Aufangs Aw 5075 vor sich gingen. Die Ergebnisse waren recht zufriedenstellend, besonders gut waren sie im Rechnen und in Geschichte und Palästinageographie. Von den Absolventinnen der Schule werden vcrschiedene das Lcbrerinuenseininar, die Jerusalemer Kindergärtnerinnenkurse sowie die landwirtschaftliche Schule in Pctach-Tikwah besuchen. Großes Wohltätigkeitskonzert der Berliner Zionistischen Vereinigung zugunsten des Hilfskomitees derZ.V.f.D. Es ist uns erfreulicherweise gelungen, als Termin für das Wohltätigkeitskonzert zum Besten unseres Hilfskomitees den 9. Februar 1910 bcizubchaltcn und für die Mitwirkung eine Reihe bekannter Künstler zu gewinnen, deren Namen aus dem weiter unten veröffentlichten ,Programm ersichtlich sind. Wir bitten unsere Freunde, in Anbetracht des guten Zweckes, dem der Reinertrag dieser Veranstaltung zugeführt wird, für den Besuch des Konzertes in ihrem Bckanntenkreise eifrig Propaganda zu machen und sich auch selbst rechtzeitig Karten zu besorgen. Aus Palästina Die wirtschaftliche Lage in Palästina wird immer schlimmer. Die Rcgciipcriode setzte dieses Jahr erst am 29. November ein, so daß die Pfianzungeii unter der langen Trockenheit litten. Im ganzen Lande fehlt es an Geld, besonders den lärmen der Privatgesellschaften, wie Kucham«, Kerkur und Kfar-Urie. Verschiedene Kolonien konnten Eukalyptus• b ä u m e verkaufen, so daß sie wenigstens einige Einnahmen hallen. Die Kolonie Petaeh-Tikwah verkaufte eine beträchtliche Anzahl dieser Bäume für 12 0(1(1 I res., die Gesellschaft ״Pardcss" verkaufte 7000 Bäume, die einen Wert von 000 10׳ I res. darstelle״, an die Eisculiahnverwaltimg. Die Lehensinitlelpreisc steigen von Tag zu lag, einige der nötigsten Lebensmittel sind fast ganz ausgegangen. Viele Arbeiter sind beschäftigungslos und infolgedessen in sehr schwieriger Lage. Die Zahl der Arbeitslosen in Galiläa beläuft sich auf 181. Man versucht Notstandsarbcilcn einzurichten. In Judäa, wo die Zahl der Arbeitslosen und ihrer Familien sogar 1500 beträgt, ist ihre Lage naturgemäß noch viel trauriger. Nicht einmal diejenigen Arbeiter, die ihre rcgelmäßige Beschäftigung haben, können laufend bezahlt werden. Barzahlungen an Arbeiter werden mir daun geleistet, wenn die Kolonisten über besondere Darlehen verfügen, die ihnen von dem amerikanischen Hilfsfonds oder anderer Seite gegeben werden zum Zwecke, jüdische Arbeiter zu beschäftigen. Für gewohnlich sehen sich die Arbeiter genötigt, die Gutscheine, die sie von ihren Arbeitgebern erhalten haben, mit beträchtlichem Verlust zu verkaufen, um auf diese Weise wenigstens die nötigsten Lebensmittel einkaufen zu können. Wenn mail noch bedenkt, daß dabei die L ö h 11 c noch sinken mul andererseits die Lehensmittelprei.se von Tag zu Tag steigen, kann man sieh ungefähr einen Begriff von der herrschenden Not machen. Es ist für die meisten Arbeiter schon eine Selbstverständlichkeit geworden, daß sie einen oder zwei Tage in der Woche nichts zu essen haben. Wir können angesichts dieser trostlosen Lage in Palästina mir immer wieder auf die dringende Notwendigkeit hinweisen, unserer [י a 1 ä s t i ח a - FI i I f s - a k t i o n jede nur irgcmlmöglichc Unterstützung zu gewähren. Die I lilfssammhmgcii sind noch nicht überall richtig cingeleitet, cs gibt noch Tausende von Juden, die ihre Pflicht Palästina gegenüber vollkommen vernachlässigen. — Es gelang eleu russischen Juden, in fast allen Städten eine Selbst beste ucrung zugunsten der Vertriebenen lind Flüchtlinge ilurclizuführen, und diese Sclbstbcstcucrung hat sich sehr bewährt. Sie müßte in allen europäischen Liitidem uuehgoahmt werden, um unsere Palästi11a-I lilfsaktion zu unterstützen. In den Vereinigten Staaten hat Rev. Dr, Stephen S. W ise, Mitglied des Amerikanisch-Jüdischen Hilfskomitccs, einige Vorträge zugunsten der Palästina- Hilfsaktion gelullten, deren Ergebnis mehr als 55 000 Dollars betrug. Er besuchte Los Angclos, San Franciseo, Sacraniento, Portland und Seattle, wo er in großen Versammlungen sprach. Zweifellos würden die europäischen Jud e n auch beträchtliche Summen beitragen, wenn man nur energisch und in der richtigen Weise an sic heranlrätc. (Beiträge werden vom Paliistinalülfswerk, Berlin W. 15, Sächsische Str. 8, Postscheckkonto Berlin 8091, angenommen.) * (S t a d t v c r w a 11 u 11 g s w a h 1 c n in Jerusalem) In diesen Tagen finden die neuen Wahlen in der Stadtverwaltung statt. Nach dem Gesetz werden die Mitglieder der Stadtverwaltung für vier Jahre gewählt und zwar alle zwei Jahre abwechselnd die Hälfte der Mitglieder. Zur Zeit ist die Amtsdnuer von fünf Stadtverordneten abgelaufen; unter ihnen befindet sich der Jude Jizchok Efendi Ed cs, (Von der Tätigkeit des Pastcur-Instltutes in Jerusalem), Der in Jerusalem erscheinenden hebräischen Tageszcitung ״H a c h c rut" entnehmen wir folgenden von Dr. Arje Belum, dein Leiter des Jerusalemer Pasteur-Institutes, erstatteten Bericht über die Tätigkeit dieses Institutes während der Zeit vom 15. November bis 15. Dezember v, J. Dieser Berieht ist auch dem türkischen Gesundheitsamt in Jerusalem zugegangen. 1. Wutschutzabteilung, Die Zahl der Gebissenen, die sich an das Pasteur-Institut wandten, betrug in diesem Monat insgesamt 30, darunter: 9 Juden, 19 Mohammedaner und 2 Christen. Von diesen waren IG in militärischen Stellungen und 14 Bürger. 2. I ״ der Serologischen Abteil״״ wurden folgende Untersuchungen vorgcwimiw II Fälle von Da r m t y p 1111 s , 8 Fälle von ficbcr und 07 Fälle von Syphilis. a' 3. I n der V a c c i 11 o 111 e r a p c 111 i $ c h c n I mpfabteiluug wurden 8 Kranke gegen AcceR Furunkulose 11. a. geimpft. Außerdem werden <1• Arbeiten zur Herstellung von Pockensenim fortmetn und Impfungen mit diesem Präpnrat vorge1mmmf״ Vorn ״Hapoel Hazair“ Sehr geehrte Redaktion1 Wir bitten Sic, den Abonnenten und Freunden unserer Zeitschrift folgendes milzuteilen: Wir wissen nicht, ob wir in diesem J;d!re unsere Pflicht gegen unsere Abonnenten vollauf erfüllt bähen• nicht die Hälfte tier Nummern, die ihnen versprochen war, gelangte in ihre Hände. Die Nummern konnten nicht regelmäßig erscheinen. D/er literarische Teil war vielleicht auch nicht immer zufriedenstellend Aber wir taten, was in unserer Kraft stand und was unter den obwaltenden Umständen möglich war. Gegen die Erschwerungen, die der Krieg mit seinen veränderten Lcbensverhältiiissen mit sich gc• bracht hat, kämpften wir mit allen Kräften an, um die einzige jüdisch-literarische Zeitschrift, die noch vorhanden war, zu erhalten. Da wir die absolute Notwendigkeit des Wcitcrbcstehcns dieser Tribüne, die alle Teile der jüdischen Gemeinschaft in der gegenwärtigen schwierigen Situation Zusammenhalt, deutlich erkennen, beginnen wir mit der Herausgabe des neuen — neunten — Jahrgangs. Wir wollen keine großen Versprechungen machen. Wir haben, kein Recht, viel zu versprechen. Aber das können wir sagen: nach Möglichkeit werden wir 11ns bemühen, unseren Lesern Gutes zu bieten, Die Erfüllung unserer Aufgabe ist jetzt sehr schwer lind verantwortungsvoll, schwer in finanzieller und geistiger Hiiisichtf Wir hoffen, daß die Abonnen• teil und Freunde unserer Zeitschrift uns die Last dieser Verantwortung mit tragen helfen, um dem ״Hapoel Hazair“ seine Wcitercxistcnz trotz der zur Zeit bestehenden Schwierigkeiten zu ermöglichen. Jaffa, Marchcschwan 5676. Achtungsvoll Redaktion ״Hapoel Hazair“. Im Anschluß an diesen Brief des Hapoel Hazair teilen Wir mit, daß eine kleine Gruppe von Abonnenten und Freunden des ״Hapoel Hazair“ in Berlin auf privatem Wege eine Sammlung für die Zeitschrift veranstaltet. Bisher sind teils als Abonneincntsgcldcr, teils als Spenden ca. 400 Mark gezeichnet worden. Es wäre dringend geboten, wenn auch amlerorts Freunde des Hapoel Hazair sich dafür einsetzten, daß diese wichtige Zeitschrift nicht zur Einstellung ihres Erscheinens gezwungen sein wird. Spenden und Abonnements nimmt zur Uebcrwcisung entgegen: Betty F r a n k c 11 s t e i n , Berlin W. 15, Sächsische Straße 8. Deutsche Zionisten! Die Zionistische Vereinigung für Deutschland verlangt von ihren Mitgliedern den Kriegsbeitrag, damit sic arbeiten kann, wie es die Zeit und ihr Ziel von ihr verlangen. Die Aufgaben, die uns gestellt sind, sind groß. Die Zahl unserer Freunde, die der aktiven Mitarbeit in unseren Reihen augenblicklich nicht zur Verfügung stehen, ist immer mehr gewachsen. Alle Kräfte müssen wir anspannen, wenn wir erreichen sollen, was notwendig und was möglich ist. Darum richten wir nochmals an jeden Zlonisten, der dieser seine Pflicht bislief noch nicht nachgekommen ist, die Aufforderung, uns nicht im Stich zu lassen. Den Minimal-Bcitrag von 6 M. muß jedes Mitglied der Zionistischen Vtf׳ einigung für Deutschland entrichten. Wer es kann, tue mehr I Der Oesch&ftsffihrende Ausschuß der Zionistischen Vereinigung "f Deutschland. /