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Jüdische Rundschau · 1916-01-21 · Heft 3 (21.1.1916) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXI (1916)
Issue
Heft 3 (21.1.1916)
Date
1916-01-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 22 JUEDISCHB RUNDSCHAU IVr |:rl 1,1(4 des Abends war /in» hi'sti־1־11) ״׳ S c h 111 k 11 1 11 c bestimmt. Auch in ilcn 11 c 1י r ii i s c 11 c 11 K i 11 d e r g ä r I1' 11 |er11salc»1s landen ־ erhebende Cliniitikahfeiern stall. i־s wurden von ih n Kleinen Ihealraliselie und turneriselie Darbietungen /um heslen gegeben, Von unseren Schulen IV. Die 11 e h 1׳ ii i s e 11 e R e a I s e 11 n I e in 11 a i i a Ihese Selinle wurde durch den Ausbruch des Weltkrieges insofern hesouders hart getroffen, als ihr I ijtir, Herr l)r. Arthur Biram, sowie der I ehret־ l'iir Mathematik und Physik, Herr l)r. laehaiier, /ur Lrfiilhfiig ihrer Dienstpflicht nach |)eutseldaml /uriukkih»ttu. I־ernt׳r konnten die neu engagierten Lehrer für die technischen I heller ihre Slclltmg nicht antreteu. Ls gelang jedoch, dieser l U'lielstämle sow eit Herr zu werden, dall eine l bitethrechiiiig des Unterrichts nicht ciulvnt. Ls ist auch klar, dall die l olpcn des Krieges, der sieh ja in Palästina stark bemerkbar macht, auf die Stimmung von Lehrern und Schülern einwiikten. Auch hier war Anspannung aller Lnergie nötig, um die zu einer gedeihlichen Ar heit erforderliche Samiiiliiny; zu finden. Die Schule sieht die Erziehung ihrer Zöglinge zu moralischen, selbständigen und Willensstärken Melisehen als ihre Hniiptunignhc an. Sie legt deshalb in den Unterklassen auf Zeichnen, Modellieren, Papierarheit, (inrtcnbestilluug u. dergl. ein großes Gewicht. Zur Entwicklung des sozialen Sums Log die Bekämpfung der Heuschrecken hei, an der die Schüler der Realschule sich S Tage latifj beteiligten. Der (iesumlheits/iistaud der Schüler war bis;1:111' 3 Typhusfiille ein (liireltwcg erfreulicher. Die Schüler baden regelmäßig unter Aufsicht der Lehrer im Meere, Die einzigen Krankheiten, an der unsere Schüler häufiger litten, waren die hier so häufigen Aiigciikrankhcitcn, jnshesomlcre das Trachom. Eine Aer/tin untersucht in regelmäßigen Abstiindcn die Augen sämtlicher Schüler und behandelt die Krankcu. Diese Behandlung wird auf unsere Kosten auch in den I cricii fortgosel/t. Die Seliülcr/ahl betragt zurzeit 101 Schüler, von denen 07 Asehketiasim und 7 Selardim sind Von den Schülern slainincu 02 aus Haifa, S aus den Kolonien, •i aus dem Ausland. Die Schule, deren Ausbau noch nicht abgeschlossen ist, hat 3 Elementar• und •I andere Klassen. Um den scfarilisdiea Killdein in größerer Anzahl den Besuch der Schule /t! ermöglichen, ist ein Vorbei eitungskiirs citige■ richtet worden, an dem sich bereits 2(1 Kinder bc- (eiligen. Diese werden im nächsten Semester in die Schule atil'geiiomnicn werden, die überhaupt im knminenden Jahr auf starken Zuwachs rechnen kann. Die Schule ist im Verlauf des Schuljahres als ottom,■mische Mittelschule anerkannt worden. ״Die Nacht auf dem alten Markt“ Dclier das im Verlage von R. Löwit in Wien kür/lich erschienene kostbare Werk ״Pere/, Die Nacht auf dem alten Markt" in der Ucbersct/uug von Hugo Z 11 c k c 1111 ־ a 1111, urteilt Stefan Zweig in dem jüngsten Jahrgang des Deuts e 11 e n B i h I i o p 11 i I c n - K a I e 1 d e rs: Der Name des Nachdichters Pt heute der berühmten. Hugo Ziickcrmana hat, che der Krieg dm zu den vielen anderen nahm, die heute verloren und schon fast vergessen sind, mit einem Gedicht von den vielen, die seine Jugend schuf, sieh Un- Sterblichkeit gerettet. Sein ״() e s t e r r e i c 11 i s e h e s Reiterlied" halt seinen Namen nun über die fließende Zeit, ein schlichtes Denkmal ans drei Strophen, aber eingeschrieben schon in vieler Ciedaelilnis. Doch der für Oesterreich fiel, wirkte mit seiner besten Kraft für sein anderes Volk, für das Judentum, mul eine der vielen Bemühungen, die er schöpferisch, agitatorisch, dichterisch imleinahm, ist diese l lebertraguug des größten jüdischen Dichters, J. L. I’erc/, den das gleiche Jahr uns genommen, Es ist ein Traumspicl, spukhaft mul doch sinnvoll, ein Spiel zwischen \Mitternacht und dem ersten Hahnenschrei, erfüllt vom Geheimnis der Nacht mul dein leisen Raunen der dumpfen Dinge. Au Wyspianskis ״Hochzeit" gemalmt es leise in seinem Willen, den Sinn und die Bestimmung eines Volkes im lyrischen Symbol zu fassen und, unfähig sieh dramatisch in Gestalten zu verdichten, löst cs sich in Stimmen und Musik melodisch auf. Ein weicher, ganz leise schwingender Tau klingt aus der Seele eines Volkes mul Zuekcrmami hat diese weiche Wehmut wundervoll wiedergegeben,die Zartheit und stille Einfältigkeit des Todes vortrefflich bewahrt. Schattenhaft wie ein Marionettenspiel gleitet das Spiel vorbei, seine Spur ist mir Musik, ein Licht- Nr. 3 gl,111׳/ von Wehmiil mul sanfter Melancholie. Was daran so rei/hafi ist, wird kaum ans dieser neuen Loiimmg ursächlich Ins/ulösen sein: die dichterische Fähigkeit J. L. I’ere/’, die man aus seinen Novellen schon kannte, , Figuren sinnvoll zu beseelen, die Atmosphäre von l'rcmdheit und Melancholie, die wie ein farbiger Dämmer über dem ganzen Volke hegt, ,־ms seiner Wärme gezeugt mul sanft erglänzend im Schimmer des Wortes, die Leiiifühligkeit lies ILichters alle Lleimule greifen hier harmonisch ineinander, ein kleines Kunstwerk besonderer Art zu schaffen. Kaum komiie die Jüdische IJebhaber-iBibliothek glücklieber eingeleitet werden als durch dieses Buch, das von Martin Bnlier mit bedeutenden Worten präsentiert wird und das in für Oesterreich ganz außerordentlich geschmackvoller Weise hergestellt ist. Ein reiner, klarer Driiikspicgel, treffliche Anordnung nach Entwill ien von ( .. Schuld.־!, der Einband von L, K o 11111 g e r /eigen, dall mau .־!lieh in Wien ein Bmli würdig und erstklassig darbieten kann, wenn man nur wirklich will. ״Mult 6s Jövö“ Die zwei I1|/.lcu Hefte der von!>!־. Josef Patai redigierten ungarisch-jüdischen Zeitschrift Mult es Jövö sind mit hervorragendem literarischem und künstlerischem Inhalt erschienen. Das Oktoberheft bringt ein Gedicht von Redakteur Dr. Patai, von dem in derselben Nummer auch eine historische Erziilihing aus der Zeit der Auflösung Polens veröffentlieht wird. Außerdem finden wir in der Nummer Artikel, L.r/äiilimgcn, Gedichte von den hervorragend• sliu ungarischen Schriftstellern, w־ic mich von manehern Ausländer. Ingenieur Josef A w i 11 aus l.emberg schreibt über die Kunst Wilhelm Wachtels, des l.cmlicrgcr Malers, dem der gati/.c künstlerische Teil des Heltes gewidmet ist. Ungefähr 40 prächtige Reproduktionen bekunden die grolle und tiefe Kunst dieses jüdischen Künstlers, der bisher in der jüdisehen Welt noch nicht genügend gewürdigt wurde. Der Künstler seihst gibt eine Sellistbiographie in Briefform, an Dr. Patai gerichtet. Das Novcmlierheft des ״Mult ds Jövö“ befallt sieh mit jüdischen Portraits, worüber der Kunstsainmler Paul Diamant-Wien eine lehrreiche Studie gibt. Das Portraitmaterial des Heftes umfaßt in zirka 70 vorzüglichen Reproduktionen einen Zeitraum von um gefahr '1000 Jahren, darunter ganz unbekannte lind sein־ seltene Stücke ans der Sammlung Diamant. Redakteur Dr. Josef Patai veröffentlicht in derselben Nummer eine Chassidischc Legende und einige Uelicrseizungeu aus alten und neuen hebräischen Dichtern. Außerdem finden wir im tieft die besten ungarischen Schriftsteller vertreten. Die Zeitschrift ״Mult es ןövo" ist sicherlich eine der schönsten und kirnstleriseh hervorragendsten Publikationen, die von jüdischer Seite lierausgegehen wurden, so daß cs denen, die der magyarischen Sprache nicht mächtig sind, auch durch die Illustrationen viel Anregendes bietet. Der Aboiniemeiitspreis für das Ausland beträgt ganzjährig 20 M. Rcdnktion und Administration befinden sieh in Budapest, Podmaniczky uteza b. Großes Wohltätigkeltskonzert der Berliner Zionistischen Vereinigung zugunsten des Hilfskomitees derZ.V.f.D Der Termin für das in der vorige״ Niimirtc a»gekündigte Konzert zugunsten des I lilfskcniik׳« der Zionistischen Vereinigung für l)eutseh|.1״(| ln״() aus technischen Gründen verschoben w erde״, £j״, genaue Angabe des Termins sowie des 1 ,mgraim״* wird in der nächsten Nummer erfolge״. Deutsche Zionisten! Die Zionistische Vereinigung für Deutschland verlangt von ihren Mitgliedern den Kriegsbeitrag, damit sie arbeiten kann, wie cs die Zeit und ihr Ziel von ihr verlangt. Die Aufgaben, die uns gestellt sind, sind groß. Die Zahl unserer Freunde, die der aktiven Mitarbeit in unseren Reihen augenblicklich nicht zur Verfügung stehen, ist immer mehr gewachsen. Alle Kräfte müssen wir anspannen, wenn wir erreichen .sollen, was notwendig und was möglich ist. Darum richten wir nochmals an jeden Zionisten, der dieser seine Pflicht bisher noch nicht nachgckonimcn ist, die Aufforderung, uns nicht im Sticii zu lassen. Den Minimal-Beitrag von 6 M. muß jedes Mitglied der Zionistischen Vercinigung für Deutschland entrichten. Wer es kann, tue mehrl Der Geschäftsführende Ausschuß der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. AUS ALLER WELT Aus Frankreich. Der Pariser Korrespondent der jiitlistit-ru--.ischen Zeitung ״J e w r e j s k a j a N e d j e I j a" wandte Md au einen bekannten jüdischen D c ״ ון | i 11־11 •! ״ des französischen Parlaments,!חןן, ״״ nach det! Beziehungen der jüdischen Deputierten (lfs französischen Parlaments zur jüdischen t 1״ Rußland zu fragen. Der Deputierte ,־iiitwoiute f״|. geudes: ״Mir, als französischem Deputierten, fallt seltr schwer, Ihre Frage zu beantworten. Das könnte als Einmischung in die inneren Angelcgenhcite״ eines fremden Staates gedeutet werden. Ich drucke der Sache, die Sie verteidigen, meine volle Svnipatlue ans Sie müssen aber verstellen, welche Vorsicht ich d'ahtl üben muß.“ Der Korrespondent behauptet, daß diese Angst vor öffentlichem Auftreten in jutlisth-nissistlHit Angelegenheiten, das jetzt nicht ohne politische Hedeutung wäre, auch für die anderen iiim jüdischen Abgeordneten des französischen Parlaments eltarak• tcrislisch sei. Seltr unerfreulich sind die Nachricht(■״ aus Frankreich über die Hilfstätigkeit für die jüdischen Ausgewiesenen in Rußland. Die ״Alliance lsraelite“, die sielt dieser Arbeit statiitnigcniäll unterziehen müßte, hat ans Komitee in Petersburg 100 (MX) Frcs. ihres Grundkapitals gesandt mit der Erklärung, daß die ״gegenwärtigen Zustände leider zu ungünstig seien, um einen . erfolgreichen Appell an die jüdische Ocffcntlichkcit zu richten". Dasselbe tat auch die JCA, Einige führende Dersottlichkciten sprachen davon, eine Hilfsbewegung ins Lehen zu rufen. Bis heute ist aber in dieser Ricltttutg nichts geschehen, Prof. S, Levi vom (;״liege de France hat auf privatem Wege 13 000 Lres, gesammelt, alter eine öffentliche Aktion ist bis jetzt nicht unternomine» worden. Die Zionisten, mit Herrn Seg.1l an der Spitze, haben einen Appell in jidischcr Sprache veröffentlicht, und ca. 12 000 M. gesammelt. Das scheinen aber ausschließlich Spenden der ״<! jüdis c h e tt Kolonie in Paris zu sein. Au» Österreich. (L ine j ü d i s c h e D e p 11 t a t i o n b e 1 nt M i 11 i s t e r des Inner »). Am Ml, v. M. erschien unter Führung des Abg. Heinrich Reizes eine ans 3 jüdischen Burger״ aus (iali/icn bestellende I) e n tt t ,11׳ i o 11 beim Minister des I tt 11 ern , Prinz 11 o It e 11 I o It e , mit ihm die Wünsche der rück/tihcfördcrmlcu gali/iscln״־ f'luchtlittge vorzubringen. Prinz Hohenlohe nahm die Erschicnencn freundlich auf lind hörte den Ausfall• rimgen des Abgeordneten Reizes mit sichtlichem Interesse zu. Der Sprecher schilderte eiiieebnid die triste läge der in iltre Heimatorte rtiihD'limidcn galizischcn Flüchtlinge, besonders der jüdische״, (leien Wohnstätten völlig zerstört, die binnelmuH'-gigt•״• stände ausgenliiudcrt und ihr Vermögen total vermelltet ist. Besondere Berücksichtigung Midi •.■ne die jüdische Bevölkerung Galiziens, die bekaimtl.elt ton den Russen in brutalster und schomiitgslo-e••!! r (Leise behandelt wurde, Abgeordneter Reizes lut daher int Namen der Deputation, daß der Mn׳M>־1־ des Innern in erster Reihe der jüdischen Ih - ׳-enmg Galiziens seinen Schutz angedeihen lassen יחוו! e.itnciii• Üch den Zeitpunkt der Rückkehr der t Lui'tlmge nach Lemberg und in die anderen ״-tg.iiizi.-ehen Orte wenigstens bis Ende März 101(1 \u 'eichen möge. Prinz Hohenlohe antwortete, er sei lau. ere /eit an der ostgali/ischin Front gewesen und h.d■c daher seihst wiederholt Gelegenheit gehabt, sielt '<>11 de״ vielen Opfern, die dieser Krieg der jnde״; )־ n IR'־ völkenmg attferlegte, persönlich zu uln 1/1 .. ■ D versprach, sielt der jüdischen Bevölkerung w.tli/ieiis warmstens nn/iiuehmcn und inshesomlen die An gclegcnheit der I hiehtlingsniekkehr 1111 .״״'־»' (R’r Bittsteller zu erledigen. (Der diesbezügliche 1 ermin ist auch unmittelbar darauf verschoben winden)■ Prinz Hohenlohe konferierte dann 1ml dm ein■ /einen Mitgliedern der Deputation und er-nelüi sie, sie mögen ihm stets alle Fälle bekannte( ben, in welchen der jüdischen Bevölkerung Dniiiltt /״Kj■’־ fügt wurde, er werde sie genau prüfen. I r 1־11'.׳»' dankbar sein, wofern er über die Lage der Jude■1 in Galizien gut informiert werden wird. Die Deputation, der auch unsere < icsit1t!ttt'gs־ genossen Lang » a s und W i t 11 i 11 anglhörten, dankte zum Schlüsse dem Prinzen Holteitlohc hu seine freundlichen Worte und Zusagen. Au» OaUtfen Im Aufträge des jüdischen Rcttungskoinitecs bc• neuste Dr. Anselm Land a tt die jüdischen Städte u Galizien, um dort die Hilfe für die!notleidende ß'1’ Bevölkerung zu organisieren. Auf seiner Reise tric11c Dr. Landau ein reiches und wertvolles Maten über die Lage der vom Krieg heimgcsuehteii £״״«• selten Juden.

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