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Jüdische Rundschau · 1916-01-21 · Heft 3 (21.1.1916) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXI (1916)
Issue
Heft 3 (21.1.1916)
Date
1916-01-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 21 5fr. 3 Ukrainische Versprechungen ln de״ ״<! k ra i 11 ist■ In11 ־ Nachrichten" v״m U Dezember behandelt Reiehsrals.abgcordnctcr |)r | (11> ■in C 1׳ It 1' I s k y i das Pmhlcm der ״n a t i - ״ 11 ו, ו,■ n M i 11 (11׳ r 11 c i t c 11 in der Uk'rniua“ 11״ I!:'׳ der Bildung eines ukrainischen Staates ״der mi"■ autonomen nkrainiselien Gebietes. Es kann 11י'י« Cchelskyis Meinung für dieses <1,1,11 lir'■.׳ Gebilde als kein Nachteil angesehen w erden,!י '■ unter den Ukrainern dnrclKchndtlieh etwa!׳ . 1 ,״| ן Angehöriger anderer Nationalitäten leben. Die t ״ o alinnii» der nationalen Rechte der Niehlt!kr.ii!" יי'1 * * * S י ukrainischem Boden ist für den Verfasser ,■ine 1■m!!'.,!Verständlichkeit. ״Die Ukrainer so fuhrt ׳ "׳וי, ־׳ haben sich bereits einige Male ״l ,ln! 1.׳gc der Minoritäten in einer jeden Zweifel ,aiissil’.li׳ß .•mten Weise geäußert. Die Partciprn- ״rann.׳.׳ aller ukrainischen Parteien sowohl in Oesterreicli M auch in Rnllland sprechen diesbezüglich eine deiitlii 'יי Sprache. 1)111־ fremdsprachigen Minoritäten wird 111 allen ukrainischen Parteiprogrammen die V(1111:1,׳. ... der nationalen Minoritätsrechte in l'orin der k1 ׳!'int-IU'ii Autonomie, proportionaler Veriretim- ״eti e•d überhaupt volle Gleichberechtigung im ilffiml״ heu Leben gesichert. Von diesem Stand- |,m1U hat keine einzige ukrainische Partei Abstanil ״laim .11, so daß er als ein unangefochtenes Drin* / i ון di s pesaintukrainischeii politischen (iedankeiis ״tili 1! kann und soll. Dali die Ukrainer auch in der l'raxis ihrem Prinzip treu bleiben, beweist ihre wohlwollende Stell 11 n g 11 a h in e / u 11 c 11 jüdisch• 11 a t i o n a I e u li e s t >• e b 1111 g e 11 in Oisterreieli, das Linlreten «les ukrainischen .Führers Koni a n t s c h u k im Parlament bei der Waldrefonnrieh,nie 1111׳ eine jüdische W a 11 I k 11 r i e und einen jüdischen N a t i ס n a I k a t a s t e 1׳, die Bille der Ukrainer bei der Wahl von jüdisch- 11;11 ״11 י a I e n Abgeordneten in (>s(gali/ien 1!sw,, du silbe wohlwollende Behandlung der iialnmalen I (irderiiiujen der gnli/is'cheu Deutschen wie auch die ähnliche Haitun׳; der russischen Ukrainer der j 11 d i s e h e n , weillrulheiiisehen und tatarischen 11a׳:r gegenüber,“ Diesen Ausführungen Ueliclskvis ist nichts hiii/ii/nfiig('״ als der Wunsch, dal! «■ine Meinungen auch dann noch allgemeine Del• lim:! hcsit/eii, wenn die Ukrainer die Autonomie wirk- I11I1 1111־.dien solHen. Brief aus Kiew Wir erhallen von der holländischen Oren/e folgenden Briet aus Kiew : I nde Anglist machte sich, w ie in vielen anderen S1,;<!!,,1, auch in Kiew der Mangel au Kleingeld liilillm. Im Volke verbreiteten sieh hartnäckige < ienullt., dal) dje Juden sämtliches Kleingeld;inikaulteii 11ml 1 verbürgen. Der Polizeimeister von Kiew rief den 11:1111 M, an und ersuchte ihn, die jüdische Be- '״l'u;1111;׳ zu beeiltfluik'it, dali sie ihre böswilligen Ikt tili'■11.:en durch Ankäufen und Verbergen der Munzen t 11-teilen solle. Der Polizeiincistcr wies darauf bin. 41laut Bericht des Itczirksv׳orstehers (Pristaw) in dr 11 V'..Iksiiiasscn eine sehr erregte Stimmung ״egen die liidui herrsche, die in Exzesse gegen die Juden mKart 11 könne. Herr M. antwortete, dali die Juden mit it! 1a Geldmangel nichts zu tun hätten, (lall diese I vsdh ■mm.» jn ganz Rnllland z.11 bemerken 11ml diireh ,׳:!Igcmeiue Ursachen entstanden sei. I ine Weil!׳ nach diesem Uespräcb wurden zwei andere jiidi-chc!'1 (soiilichkeitcii zum Doiiverneiir jjfebnleii, der si! 1!׳suchte, Malhuduuen zu ergreifen, um dem Man״« i ,11! kleinen Münzen abzuhelfen. Der (roiiverm׳m ־• ׳I( : ״Das Volk ist aufgeregt, l xzesse sind ׳!'. leb werde kein Poprom z.ulnssen, aber rs N (Miicliaus notwendig, (lall Mallnalmien ergriffen "׳erden,״ Auch dem Oouvcrnciir wurde erklärt, dal! di'1 Juden colli״ maelitlos seien, um dem (icklmangel ׳d’zulu li'eu, Bald darauf erhielten der Vertreter der Haisc, 10׳, Aelteste der Kaufinanusehaft, der Ver- Meter der elektrischen Straßenbahn, der Pastor, der Hahbmer ״m! der katholische Ucistlichc Enilndmigen, S"'I1 iuiiu Stabe des Kiewcr Militär-Bezirkes zu melde!ן. |),( die Vorladungen spät verschickt worden "«neu, so konnten zur festgesetzten Stunde nur drei fieladeiic erscheinen, 11er Vertreter der Börse, der dekiriselicn Siralleithahu mul der Rabbiner. Als sic '!" * 1iipiniips/immer erschienen, trat sofort der (!lief *u Verproviantiernnpfsannee des Kiewcr Militär- '1‘Olks, Deller,11 Mawriu, auf sie zu, und ohne sie zu ‘Mriillen und sie zum Sitzen einzuladen, wandte er?cj1 •י" den Polizeimeister, der sieh im Zimmer I wkirnl luid fragte ihn: ״Wer Ist dieser da? Der 1■ ןuiiiter?“ ״Daiu richtig, Ew. Exzellenz.‘' Da rauf I handle sich der General zum Rabbiner: ״Rabbiner, I bie dort in der Synagoge, daß sie sich anders 1 1״ ״.",cn müssen, nicht wie sich .... auffülireii. } ''iew ist alles teurer geworden. Das ist das Resultat der Spekulation, Wählend die!,reise für I leiseh und Brot herabgesetzt Werden müßten, steigen sie immer mehr. Schuld daran haheii die Juden, die die kleinen Münzen verbergen. Sie werden für alle diese Handlungen und Tatsachen die Verantwortung tragen,“ Das (iespriieh wurde in einem überaus lauten und groben Tone geführt. Als der Rabbiner den Versuch machte zu antworten und das Wort ״Exzcllenz“ aussprach, wurde er vom General unterbrochen: ״Keine Unterhaltung! Mit mir unterhält man sieh nicht. Mich hört mau mir, Gespräche sind nicht nötig. Sie werden als erster gehängt werden. Herr Poli/eimeister, sparen Sie keine Protokolle, wenn nur ein Schatten von Verdacht vorhanden ist, so strafen Sie ohne Mitleid.“ Während dieses Gesprächs traten mich die anderen Eingel.acleucn ein. Der General wandte sieh zum Pastor: ״Wer sind Sie?“ ״Der Pa'-tor.“ ״Wieviel der Ihrigen existieren in Kiew?“ ״Gegen 11)00 Seelen." ״Oho, alle ausweiseu.“ In das Gespräch mischte sieh nun der (!lief des Kiewcr Militärbezirks ein, der General Trolckc, der während der ganzen Zeit schweigend beiseite gestanden batte. ״Alle diese I iilhcraner erhielten vom I löelistkominandieremlen der südwestlichen Front die Erlaubnis, iit Kiew zu verbleiheu.״ ״Dauz. gleich.‘' Ilieiaiif wandte er sieli zu dem Aellcsleu der Kaufmannschaft, der auf die Notwendigkeit einer allmählichen Evakuierung der Stadt Uiiiwies. Beim Abschied wandte er sich nochmals an den Rabbiner mit der Bemerkung, dali dieser für die I iaiulliiiigen der Juden verantwortlich sei. Die Juden in den Warschauer Hochschulen Die in Warschau erscheinende liebräiselie Tages- Zeitung״ ׳II a / e fi r a 11“ vom 21. Uc/cniher v. J. bringt folgende Einzelheiten über die ungerechte Behandln!!׳״ von Juden au den Warschauer Hochschulen: I!וון den Studenten au der Universität, die nicht l ateinisch können, die Möglichkeit zur Erlernung des I;deinischen zu geben, wurden besondere Kurse eingerichtet. Zu diesem Zweck wurden die Schüler aut verschiedene Parnllelkiirse verteilt. Wie erstaunt aber waren sie, als sie plötzlich bemerkten, dal! ijie jüdischen von den iiichljüdischeii Studenten getrennt waren. Die Ursache für diese Art der Teilung ist unbekannt geblichen, Die Studenten der polnischen Hochschulen gründeten einen Verein ״Hrmlerltilfc". In Paragraph I der Statuten dieses Vereins lieilit es: Jeder Pole ohne Ansehung der Religion, also auch ein Jude, der sieh als Pole fühlt, kann Mitglied des Vereins werden. Trotz dieses schöllen Paragrajihen aber wird kein ״Pole mosaischen Glaubens" in den Verein aufgeiHimmeii. Vorige Woche ereignelc sieh folgendes: Einige Studenten der Warschauer Hochschulen kamen in die Studvtdcuküchv und hatten sieh schon Karten gekauft. Als man aber erkannte, daß es Juden waren, verweigerte man ihnen die Mahlzeit und keiner der anwesenden uichtjüdisehcti Studenten protestierte dagegen. ■ .—1 Kurse für Wissenschaft des Judentums in Warschau . Ein Echrcrinstitut, das die Vorbereitung jüdischer Religionslehre!׳ für Mittelschulen zum Ziel hat, ist vor kurzem in Warschau ins l.elien gerufen worden. An der Spitze des Instituts steht der bekannte Deleime Rahli. Dr. S. A. l’osnansky. Außer dem I.eitel׳, der über Bibel und jüdische Geschichte lesen wird, bestellt das!.chrerpersonnl aus den Herren Ing. Einhorn (Hebräisch und hebräische I.iteratur), D o I d s o b e I (Polnisch 11ml polnische Literatur) und Dr. J. Weinberg (Geschichte und Deutsch). Unter der Leitung׳ des Pädagogen und Schriftstelleis Sch. L. Dorüon sind in Warschau im Debände des jüdischen Gymnasiums ״Höhere Kt! rse zur Vorbereitung von Lehrern und zur V e 1 v o 11 s t ii!1 d i g u 11 g i » h e b r ä i s c h e 11 I. e h r g e g e 11 s t ä n d e n“ eröffnet worden. Als Do- /enteil sind genannt: Sch. L. Gordou für jüdische Deschichte, liebräiselie Grammatik u. Geschichte; llillcl Zeitlin Dir Deschichte des Talmud u. Rcligions- Philosophie; I׳'. Lach« wer für mittelalterliche Poesie 11. neueste Literatur; Dr. 11 i 11 (I e s für Auatoniie 11. Physiologie; Ing, Einhorn für Physik; Ing. Ze m ach für Botanik und Zoologie. Alle diese Vor- Icsungcn wurden in hebräischer Sprache gehalten. Außerdem wurden noch Vorlesungen über deutsche Sprache und Literatur, polnische Sprache und I.iteratur veranstaltet. CI1. A. Rn b i 11 o w erhielt die Genehmigung, Vorlesungui über Talmud, tnlmudisclic Philosophie und Ethik in Warschau zu halten. American Federation of Labour für die jüdische Emanzipation 1 )10 I ö d c r a t i o n d e 1 A m c r i k a n i s c 11 0 11 Gewerkschaften mit ihren!!'/:׳ Millionen Mitgliedern, eine der mächtigsten Organisationen der Vereinigten Staaten, hat, wie die ״Jüdische Arbeiter- Korrespondenz" meldet, bei ihrer jährlichen Konv e 111 i o n i n S a 11 1׳ ranzisco auch zu den Juden- Verfolgungen Stellung genommen. In ihrer letzten Sitzung nm 21. November hat sie aut Antrag der Vertreter einer der grüßten jüdischen Gewerkschaften, der I) a 111 e n k I c i d e r - A r b e i t e r - IJ n i o 11, eine Resolution gelallt, in welcher sie die Regierung der Vereinigten Staaten aultordert, ihren I iutluli und ihre guten Beziehungen zu den Regierungen der europäischen Nationen zu gehralleben, um für das jüdische Volk eine volle Befreiung in diesen E.ändern zu eilangen. Ecrucr beschloß sie, denselheu Appell an die organisierten Arbeiter aller kvicgfülnenden Länder zu richten. Obwohl die I׳.asxung der Resolution des amerikanischen Gcwerkschaftsbundes bezüglich des Charakters und des Umfanges der Rechte, die für das jüdische Volk in den kiie;;fühlenden Ländern verlangt werden, an t 'ukl.iihcit leidet, id sic immerhin ein bedeutsames Zeichen der Zeit. Diese Kiuulgelmug der Arbeiter- Schaft wird auch im Weißen Hanse sehr henclilel werden. Ls braucht nicht angenommen zu werden, daß die jüdische Abstammung des mächtigen t ührvrs der amerikanisrln n Trade Unions, Samuel D o in p e rs , als t Irsaehe dieser Sympathiekundgebung zu helraehteu ist. Im Gegenteil. Herr Samuel (iuitipers, einer der I l.nipfgeguer der Durchdringung der amerikanischen (iewerksehaftsbeweguug mit wahrhalt proletarischem und sozialistischem Deist, legt Gewicht darauf, seine /iigcliorigkeit /um jüdischen Volke zu verleugnen und geholt 11. a. auch zu den gefährlichsten D c g n e i n der f 1׳ e i e u E i n w a n - de rung. Er h.'iltc an eine Kmidgcbnng zugunsten der verfolgten Juden am wenigsten gedacht, wären nicht sehr starke jüdische Gewerkschaften Angehörige der Federation of Labour. Außerdem muß erwähnt werden, daß der Sekretär der englischen General• fcder.tlion of Trade Dnious, Mr. A p p I e t o 11, zugleich I hrruvorsil/i nder des 1.0 11 doller Ar beit e r v e 1׳ b a 11 des f ü r j ü d i s e h e R e c 111 e , au die Federation of Labour hez.w. an deren Präsidenten einen Appell gerichtet hat, bei der Tagung in S a n E ranzisco der imlcnlrüektcii Juden zu gedenken. So folgte man in San l'rnn/iseo dem Beispiel von Bristol. Diese immerhin interessanten Vorkomninisse werden den Machthabern in, Pc t c r s b 11 r g zeigen, daß es ihnen nicht gelingen kann, den Verzw eifhingsschrei der Juden Rußlands zu ersticken. Aber auch manche Krei e in London und Paris werden die Kundgebungen der organisierten Arbeiterschall der Länder englischer Zunge zugunsten der Juden zum Nachdenken zwingen. Aus Palästina (N e ne II e n s e 11 r e e k c 11). Am 11, und 20. Dezember v. j. wurden in Jernsalein wieder große Schwärme einer neuen Denschreckciiart ׳)״sichlet. Die Heuschrecken übertrafeu die frühem! an Küipergroße und wiesen matt-rote, fast s1lnv.il/li( he l'ärlmii׳״ auf. Ls wurden zahlreiche Einwohner in die 1 '111;:('Innig der Stadt geschickt, 11m die neuen Schädlinge zu vernichtcu. (נ h a 11 u k a h 1' e i e r i 11 d e 11 J e r 11 s a I e m e r Schul en . An! I. Dezember v. J. fand in den Räumen der Alliance-Schule in Jerusalem ein von der 11 e h r ä i s e 11 e 1׳ T ö e h t e r s e h 111 e in J e 1׳ u s a - 1 e in veranstalteter U h a 1111 k a 11 - A he 11 d statt. Der große Saal war überfüllt. Neben den angesehensten jüdischen Bürgern der Stadt waren auch viele hohe Rcgieriingsbeanite anwesend, 11. a. der Direktor d e s V a k 111' s D j e in 11 Be y , der Adjutant I) j e 111 a I Paschas, des Oberbefehls• ha b eis in Syrien. Auch der griechische 11ml s p a n i s c 11 e K o 11 s 111 w ohnten ׳der Leier bei. Der Abend wurde mit einem Chorgesang der Schüler mul Schülerinnen der Jerusalemer hebräischen Schulen ciugeleitet. Es wurden Stücke von Lewandovvski, Haydn, Rnbinstcin, Händel, Verdi, Bcctlioven, Schumann 11. a. zu Gehör gebracht. Der ״Bczalvl“-Mcistcr Herr Strich führte lebende Bilder biblischen Inhalts vor, die mit großem Beifall aiifgenommen wurden. Zum Schlüsse wurde ein symbolisches I riedensbild unter den Klängen der von einem unsichtbaren Chor gesungenen Friedens- Verkündungen Jesaias ״Und sic werden ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden“ *nthüllt.

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