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Jüdische Rundschau · 1916-01-14 · Heft 2 (14.1.1916) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXI (1916)
Issue
Heft 2 (14.1.1916)
Date
1916-01-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 11 j״r die«״ Z'n'ck lH’s״ndcrs!«*gestellte Maschinen L r.mzc Brot auf dem Lande zu vernichten, und kjlien deshalb sogar schon Brandstifter ausgcsamlt. dieser Sache sollen auch auf sehr vorsichtiger Blätter und Flugschriften in rtcutscher Sprache verbreitet werden. Nach denselben Angaben sollen an <ler Ausführung dieses Planes die IXnitschcn, die russisclie l'ntertancn sind, sowie auch die Juden, dt durch Bestechung dafür gewonnen sein sollen’ Anteil nehmen. Ungeachtet dessen, daß diese Mit• tfilunpen, wie oben bereits erwähnt, nicht geprüft ,jdd, es möglich ist, daß sie nicht absolut juvc'rlässig sind, hat das Departement in Anbetracht <|W f'Mstcs dieser Angelegenheit die Ehre, Sie, Ew. Hoch ׳ uhlgcboren, ztt ersuchen, von dieser Sache die Ihnen unterstellten Behörden, vor allem die Zoll- Behörden in Kenntnis zu setzen und sie darauf hinzuweisen, daß, falls sie von solchen Nachrichten etwas m hören bekommen, sic unverzüglich darüber an Ew. I lochwohlgcborcn berichten sollen. Gleichzeitig haben sic allen Steuerinspektoren und ihren Gehilfe!! klar zu machen, daß sie auf ihren Dienstreisen die Beamten der Kreis- und Dorfbehörden mit dem Inhalt dieses Zirkulars bekannt zu machen haben, mit dem Hinweis, daß alle Mittel angewandt werden müssen, tun ähnliche Verbrechen, wenn sie geplant sein sollten, zu verhindern. Brief aus Rumänien Vuc gewöhnlich müssen wir damit beginnen, auf die Mallregel״ der Behörden gegen die einheimische jüdische Bevölkerung hinzuweisen. Dieses Mal handelt es sich um neue Ausweisungen der Juden aus den Dörfern. Familien, deren Väter oder Söhne schon monatelang bei den Waffeiiülnmgcu sind, bekommen plötzlich den Befehl, ihr Haus und Out i 11 ח e r 11 a 1 b dreimal 24 Stunden zu verlassen. Die Bemühungen, die grobe Ungerechtigkeit dieser Maßnahme nach/uwcisen, sind in den meisten Fallen vergehlieh. Man Verlangt F ii h r U n g s z c u g - Bisse von dem Bürgermeister des Dorfes, in welchem die Ausgewiesenen früher gewohnt hatten. Solche Zeugnisse sind in den meisten Fällen nicht zu heschalten. Es ist vorgekommen, daß Leute auf Grund dieser Verfügung in Soldatcnuniformcn ihre Heimat verlassen mußten, — Endlich haben wir eine offizielle Statistik der rumam-chen Juden. Das statistische Bureau des ■Ministeriums bringt genaue Angaben über die jüdische Bevölkerung Rumäniens vom Dezember 1012. Danach ühl'o die rumänische Jmtcnheit 230 967 Seelen, davon »m Männer und 121659 Frauen. Dies ist die Ge - samt za 111 der in Rumänien wohnenden Juden ohne Unterscheidung der Staatsz.ugchörigkci». Davon gehen 3001dl -10(109 Juden fremder Stnatsziigchörigkcit ab, so (lall cs also höchstens 210000 Juden rumänischer Staatsangehörigkeit (d. i. 3 0/0 der Gesamtbcvölkcrimg Rumäniens) gibt. Interessant ist, daß die Zahl der Fremden nach dem neuesten ״A r b c i t s k a 1 c n d c r“ von 1916 in Rumänien 702000 beträgt, wovon 276 000 Bulgaren sind. Gegen diese, die Zahl der Juden um 40 000 übertreffende bulgarische Bevölkerung Rumäniens ü'ürde noch nie ein Wort der Intoleranz geschrieben. Im Jahre 1899 betrug die Zahl der Juden 266 652, also ungefähr 4 0/0. Die Abnahme dieser Zahl ist durch die große Auswanderung vom Jahre l'HM) zu erklären. Im Zeichen des Aufschwunges, den die z io - "'stische Bewegung seit Mai d. j. nahm, stand die anfangs November nach Galat z einberufene zionistische Konferenz. Die Konferenz war von einer großen Anzahl Zionisten hesucht und besonders war die zionistische Studentensdraft stark vertreten. Das Referat des Vertreters des Herrn Dr. Jacobson, fand begeisterten *Jcifall, der zugleich die Anerkennung der Arbeit “cr zionistischen Leitung zum Ausdruck brachte. — Was die Arbeit des rumänischen Lokalkomitees ״nbetrifft, so wurde viel beraten und kritisiert, aber 1m l’fmzip bläh alles beim Alten. Die Leitung wurde *1«ler in die Hände des Herrn M. Heinrich Schein * s Vorsitzenden gelegt. Das Komitee besteht ans den erren:!)!■, J. Niem iro wer, Dr. J. Nacht, ׳ h c h w a r t z f c 1 d , Jean Silberstein und Nocl ri״g. Das Komitee besitzt das Recht der Koopta- 10״. Die Konferenz wählte vier Propaganda- ® החח i s s i o n e n , in Bukarest, G a 1 a t z, * . s' ״ml י' okschani. Auch K u 11 u r k o m 158Ionen wurden konstituiert. Die Tätigkeit nach der Kon f c ren x hat bcrcits begonnen. In Bukarest veranstaltet der Kulturverein ״S aro n“ allwöchentlich ׳ sehr gut besuchte Abende, Außer verschiedenen Vorträgen hält der Vorsitzende, Dr. J. Niemirowcr, einen Ocs c h i c h t s k ti r s u s ab. Der Vortragszyklus soll Im ״C u r i c r u I Israelit“ später veröffentlicht werden. Derselbe Verein hat auch in seinem Verlag ein sehr interessantes Buch erscheinen lassen: ״Chnssidischc Erzählungen" von Dr. J. N i c m i - r o w c r. Der Zionistische Stiidentcnvcrein ״Hasmo- 11 a c a" entfaltet in diesem Wintersemester eine rege Tätigkeit. Außer Propaganda, Schckclsammhingen und Vortragstournccs der Mitglieder in der Provinz hat der Verein ebenfalls einen regelmäßigen Geschichtskursus, Vorträge, Unterricht in der hebräischen Sprache u. s. w. eingerichtet. Nach dem AAuster der in Deutschland erschienenen K. J. V.- Blätter gibt die ״Hasmonaca“ im Verlag des ״Saron“ eine periodische Zeitschrift heraus, welche studentische Organisationsfragen und andere aktuelle Probleme behandelt. Die Zahl der Mitglieder der ״Hasmonaea" mehrt sich von Tag zu Tag. Von den beiden genannten Vereinen wird der seit einigen Monaten gegründete hebräische Verein ״S i n a i“ unterstützt. Der Verein hält einen Kurs zur Erlernung der hebräischen Sprache ab. Die Zionistische Leitung in Rumänien richtete bald nach der Galatzcr Konferenz einen Appell an alle Zionisten Rumäniens betreffs Reorganisation, Schekclsammhiiig, Palästina-Hilfsfonds usvv. Der Aufrut fand im ganzen Land ein mächtiges Echo. Alle Ortsgruppen beginnen sich von neuem zu organisieren. Die vier Propaganda-Zentralen schicken Mitglieder in die kleineren Städte, um dort die Arbeit zu fördern. Die zionistischen Veranstaltungen, das Erscheinen von Publikationen national-jüdischen Inhalts, die rege Fühlungnahme der Zionisten in den verschiedenen Städten, die Pflege der hebräischen Sprache, dies alles gibt uns Veranlassung, auf die Wiederbelebung und Entwicklung des Zionismus in Rumänien zum Wolilc des Gcsamtjudcntums große Hoffnungen zu setzen. E. S. Die Parlamentswahlen in Saloniki (V o 11 unserem Bcrjchtcrstattc r.) In den Wallten, die am 19. Dezember stattfanden, hat die Partei Gunaris einen vollständigen S׳ieg errungen. Da sich die Venizclisten und Sozialisten der Abstimmung enthielten, gab cs mir zwei Parteien: die Partei Giinaris, der sich alle Juden Salonikis ansehlossen und die ihnen fünf Sitze im Parlament zusicherte, und die griechische Partei ״Ethnikon Ko/na", die sich offen als antisemitisch erklärte. Diese Partei vergiftete im Verlauf der letzten zwei Wochen vor den Wahlen die griechischen Volksmüssen durch gehässige Schmähungen in ihren Manifesten und ihrer Presse; sie sprach von einer H ebrai s i e r u n g Griechenlands, weil die Juden ihre eigenen Deputierten zur Verteidigung ihrer Rechte und speziellen Interessen verlangten. Der Sieg der ״Etlmikon Konta“-Partci würde 32 Antisemiten in die Kammer gebracht haben, in welcher dann kein einziger jüdischer Repräsentant gewesen wäre, der die Rechte der griechischen Judcnheit wirksam vertreten hätte. In diesem Parlament, in dem wir keinen Verteidiger unserer Interessen gehabt hätten, würden sich unsere Feinde als Herren aufgespielt haben. Sie hätten cs sich angelegen sein lassen, die Juden niederzuhaltcn, ihre freie Entwicklung zu hindern, ihre religiöse und kommunale Autonomie zu unterdrücken, ihre Vorrechte nufzuheben und vielleicht auch die Gleichheit vor dem Gesetz und die Meinungsfreiheit, deren sich alle Elemente in Gricchenland erfreuen, zu bedrohen. Die Partei ״Ethnikon Koma" hatte natürlich Juden und Muslims von ihrer Liste ausgeschlossen. Die drohende Gefahr eines Sieges dieser antisemitischen Partei rüttelte die jüdische Bevölkerung unsanft aus ihrem lndifferentismus auf, dank dem sehr aktiven und methodischen Wahlkampf, den die ״j ü d i s c h -11 a t i o n a l c W a h I v c r e i n i g u n g“ mit Unterstützung des mächtigen und einflußreichen jüdischen Turnvereins ״M a k k a b i" durchführtc. Unsere Stannncsgcnosscn ürarfen alle ihre Stimmz.ettel in die gtmaristischen Urnen. Der Sieg der Ouiiaristcn sichert uns einerseits fünf jüdische Sitze in der griechischen Kammer und bedeutet andererseits die Niederlage der ״Ethnikon"- Partei. So hat der Antisemitismus eine Niederlage erlitten, bevor er recht das Licht des Tages erblickte. An erster Stelle unter den fünf gewählten jüdischen Deputierten steht Dr. Maurice C o f f i n a s , früherer Deputierter. Dr. C o f f i n a s , ein sehr angesehener Arzt in Volo, hat in edler Weise sein Können in den Dienst der vom Glücke Enterbten gestellt. Er hat in Volo ein Hospital für Arbeiterfrauen und ein Asyl für arme Kinder gcgründet. Er Ist ein aktiver Zionist und als solcher wurde er von den Zionisten Altgrieehenlamls zum Wiener Kongreß delegiert. Dr. Coffinas hat unermüdlich während der Dauer seiner Kammcrtäogkeit für die Konsolidierung der jüdischen Gemeinsehaft und die Zusicherung gewisser Privilegien der jüdischen Wohltiitigkeitsvcreine Salonikis gearbeitet. Herr Haimaki Cohen, ebenfalls früherer Deputierter, ist ein ausgezeichneter Jude. Er ist eine der bedeutendsten Persönlichkeiten Altgriechenlands; er hat schon öfter den großen Einfluß, dessen er sidj in Athen erfreut, zu gunsten seiner Stammesgenossen geltend gemacht. Man macht sich von der Achtung, die er in Aitgriechcnland genießt, ein Bild, wenn man weiß, daß der König oft sein Gast in Trikola war. Herr Leon Oattcgno, Mitglied des jüdischen Gemeinderats in Saloniki, interessierte sich stets für Gcmeindcangelegcnlieiten und besonders für die Unterrichtsfragen. Herr Pcppo M n 11 a h , früherer Deputierter, hat in der letzten Kammersession eine sehr lebhafte und fruchtbare Tätigkeit entwickelt; er tat stets sein Bestes, um den Interessen des Vaterlandes und seiner Stammesgenossen zu dienen. Herr Maliah verstand es, sich in kurzer Zeit die Achtung der Regierungskreise zu erwerben und wurde in einem Zeitraum von wenigen Monaten ein einflußreiches Mitglied der nationalen Gunarispartc;. Herr Salomon M e i r ist eine iicue Erscheinung. Er ist einer der Leiter des Bankhauses Baruch und Salotnon Levy in Volo und hat die Leitung de» Hauses Salomon Meir in Trikola innc. Lr ist edclr denkend und tätig. Kürzlich machte er der jüdischen Gemeinde ein Geschenk von 10 00t* Eres. Herr Mc'ir trägt sich mit der Absicht, in Athen ein Bureau ni gründen, das eine Art Filiale der jüdischen Gemeindc Salonikis sein soll. Dieses Bureau soll alle Reklamationen prülen, die man ihm übergeben wird. Die ״jüdisch-nationale Wahlvcrcinigung" veranstaltete in dieser Woche ein Bankett zu Ehren der fünf jüdischen Deputierten vor ihrer Abreise nndi Athen. S. R. Londoner Brief Die wirtschaftliche Lage der jüdischen Volks-!nassen in England zeigt seit einiger Zeit wieder eiue andauernd niedergehende Tendenz. In den ersten zwei Kricgsmonaten, וווו August und September 1914, herrschte unter den jüdischen Arbeitern großes Elend, da die Arbeitslosigkeit fast allgemein war, Unervvartcterweise kam dann eine Periode der ״Prosperität", die vom Oktober 1914 bis Ende Juni 1915 anhiclt. Das Schneidergewerbe, in dem die jüdische Arbeiterschaft zum größten Teil beschäftigt ist, arbeitete mit Volldampf für den Kriegsbedarf. Seit Juli aber hat wieder eine grolle Arbeitslosigkeit unter den Juden platzgegriffen. Der Heeresbedarf wird nämlich gegenwärtig durch die großen Fabriken gedeckt, während die kleineren Werkstätten, die in jüdischen Händen liegen, bei der Erneuerung der Militäraufträge übergangen worden sind. Die Arbeitslosigkeit in Ostend Londons wird auf ()0 0/0 geschätzt und auch unter den jüdischen Arbeitern vier Provinz sind die Zustände sehr betrübend. Die Bewegung zugunsten vlerG I e i c h b e re c h t ig u n g der Juden der kriegführenden Lander macht »mterder jüdischen Arbeiterschaft große Fortschritte. Der A r b cit er v er band für jüdische Rechte, der seinen Sitz in London Ivat, umfaßt bereits 40 Gruppen in der Provinz. Letzthin hielt er im jüdischen Theater in London unter dem Vorsitze seines Ehrenpräsidenten Apple ton, des Sekretärs des englischen Gcwcrkschaftsbundcs, eine imposante, von 3000 Teilnehmern besuchte Demonstration»• vers a m m 11111 g ab, in der die Verbrechen der russische irR e g ie r u n g an der eigenen jüdischen Bevölkerung aufs schärfste gegeißelt wurden. Die Idee eines eintägigen jüdischen Generalstreiks zur Zeit des Friedenskongresses der Mächte zur Unter- Stützung der jüdischen Forderungen wurde enthusiastisch aufgenommen. Auch in Leeds, Man-

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