Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXI (1916)
- Issue
- Heft 2 (14.1.1916)
- Date
- 1916-01-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 10 JUEDISCHE RUNDSCHAU der viele Juden ihre eigenen weiblichen Augehörigen benutzen, wenn sic dadurch ein gutes Geschäft machen können?... Sie sollen die Träger der westlichen Kultur in Polen sein? Die Schamröte steigt uns in das Gesicht, wenn wir einen solchen der Wahrheit geradewegs zuwiderlaufenden Satz zu lesen bekommen.“ Diese unerhörten Verallgemeinerungen, die des schärfsten Antisemiten würdig sind, wagt Philippson zur Kennzeichnung der ostjüdischen Kultur. Und wodurch erklärt er den Tiefstand des Judentums in Polen? ״Zu welchem entsct/lichcn materiellen und moralischen Elend hat die jahrhundertelange 'Trennung zwischen Juden und Christen in Polen und die daraus erstehende Unterdrückung der Juden unsere unglücklichen Stammesbrüder herabgedrückt.“ Selbst der friedliche l.cscr wird /ngeben, daß eine solche Geschichtsauffassung aller Vernunft spottet. Wenn sich die Juden in Polen vor Jahrhunderten schon vollständig polonisiert hätten, philosophiert Philippson, wären sic heute nicht in so bemitleidenswerten Verhältnissen. Dali sie ihr Judentum aufrecht erhalten haben, wird ihnen zum Verbrechen angerechnet, da(1 sie nicht richtige Polen geworden sind, wird ihnen vom deutschen Assimilalionsstandpunkt aus nicht verziehen! Diese Assimilationsideologie ist wahrhaftig konsequent. Weil aber die Juden nicht schon ״vor Jahrhunderten“ den nationalen Selbstmord begangen haben, wenden sich Geiger, Cohn und 4 Philippson von ihnen ab. Wenn ihnen aber, wie vom Dozenten Hirsch geantwortet wird, daß nicht die nationale Verschiedenheit die Rcchtlosigkeit hervorrufe, sondern eben der primäre pol- I nische Antisemitismus, der fortdauere, wenn auch formale Rechtsgleichheit vorhanden sei - wie in Galizien —so antwortet den־ Historiker Philip!)- son: ״Aber weshalb stehen denn die Juden Galiziens ökonomisch wie moralisch auf einem so niedrigen Standpunkt? Gerade weil sie cs hartnäckig abgelehnt haben, sich irgend mit dem herrschenden Polcntum zu verschmelzen, weil sie sich sorgfältig von den Christen absolutem und ihre ״jiddische“ Sprache anstatt der polnischen festgehalten haben.“ Hier artet die Methode in Wahnsinn aus. Man weiß, daß gerade die vom Polonisicrungsbestreben erfaßten Schichten des galizischen Ostjudentunis die moralisch tiefsteliendcn Schiebten darstcllcn; man weiß, daß die Unterdriiekungstendenz der Polen den Juden gegenüber auch vor jenen nicht Halt macht, die sich dem Poionisicnmgsvcrlangcn fügen; man weiß schließlich, daß diese Polonisicrung notwendigerweise zur vollständigen Entjudung führt: Philippson bleibt starr bei seinem Kredo. Und er ist nicht gesonnen, dem Ostjuden etwa die Entscheidung über ihre eigene Zukunft zu überlassen, er ist ״liberal“ genug, * den ״Staat“ — vorläufig gibt cs allerdings, Herr Professor Philippson, den polnischen Staat noch nicht zu Zwangsmaßnahmen einzuladen; ״Niemand kann einer Staatsleitung zumuten, den scharfen Dorn eines in Sprache, Gesinnung und Gebräuchen ahsolut fremden Volkes im eigenen Fleische zu dulden.“ Auch die Deutschen in Polen werden sich für diese Theorie und diese höfliche Einladung des ״liberalen“ Juden zu bcdanken wissen. Um die Probe auf das Exempcl zu machen, würden wir Philippson, Geiger und Cohn, diesen unbedingten Bejaliern des Assimilationsprinzips, die Verpflanzung in botokudisclies Erdreich wünsehen. Ob sie dort auch sofort mit ihrem Prinzip Ernst machen würden? L H. Kriegsbeitrag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Unser dritter Ausweis erscheint erst in Nr. 3 der ״Jüdischen Rundschau“ vom 21. Januar 1915. Geldsendungen sind zu riditen an die Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W. 15, Sächsische Str. 8, Postscheckkonto Berlin 8091. Zionisten I ln diesen ernsten Zeiten, die auch für unser jüdisches Volk von größter Tragweite sein müssen, ruft das Zionistische Actio11s־Con1it£ seine Freunde zur Arbeit für den Zion ist i* s c h e n Z e!11 r a 1 f o 11 d s. Der Zentralfomls bezweckt, der Leitung der zionistischen Bewegung die Möglichkeit für die Durchführung ihrer Arbeiten zu gewähren. Es gilt den Zusammenhang der Zionistischen Organisation aufrecht zu erhalten, die jüdische Siedlung in Palästina vor schlimmem Ungemach zu scluit/eu und die zukünftige Friedcusarbcit vorzuber,eiten. Dazu bedarf die Leitung größerer Geldmittel. Möge jeder Zionist wissen, daß wir uns in einem entscheidenden Augenblick unserer Geschichte befinden! Wenn jeder seine Schuldig־ keit tut, werden wir unser Ziel erreichen. Das Actions-Coniltä der Zionistischen Organisation Zentralkomitee der | Zionistischen Vereinigung I für Deutschland P1 c n a r s i t z u n g v o 111 9. J a 11 u n r 1916. In der Sitzung waren vom Geschäftsführenden Ausschuß die Herren Dr. Arthur H a 111 k e , Dr. Alfred Klee, Dr. Hans G. lieymanu, Kurt Blumcnfcld anwesend, ferner die Mitglieder des Zentralkomitecs Jnsti/rat Dr. Max Boden hei- 111er, Dr. Elias Straus, Arnold Wiener, Dr. Aron S a 11 d 1 e r, Zahnarzt Hugo Sc h a chtcl, Dr. Julius Becker, Dr. Walter Stein, Berthold F e i w e 1, Kurt Rose n b a 1t m , Dr. Theodor Zlocisti, Dr. Adolf Friedemann, Dr. Adalbert Sachs, S. Schocken, Max Wöllstein er, Dr. Egon Rosenb c r g, Leopold Land a u, Georg K a r c s k i. 1)111011־ Vollmachten waren vertreten die Mitglieder des Zentralkomitees Felix Rosenblüth, Dr. Willy Victor, Dr. Arthur Pelz, J. L. Goitein, Dr. Julius Moses, Dr. Eduard Leszynsky, Rechtsanwalt Dr. Max K o 11 c 11 s c 11 e r. Der Vorsitzende, Herr l>. H antkc, cröffncte die Sitzung vormittags 10 Uhr mit einer Gedenkrede auf die während des Krieges gcfnllcncn Mitglieder, sowie auf den verstorbenen Präsidenten der Organisation David Wolffsoll 11 und das verstorbene Mitglied des Zentralkomitecs Dr. Karl Jeremias und erstattete sodann ein sein־ ausführliches Referat über die Lage der zionistischen Gesa in t - O r ga!1 i s a t io!1, die Lage in Palästina und die Pläne des Engeren Actions-Comitecs für die Zukunft. An den Bericht knüpfte sicli eine sehr umfangreiche Debatte, an der sich auch das Mitglied des E. A. C., Herr Dr. J aco bso!1, beteiligte. Die Debatte schloß mit der Abstimmung über folgende Resolutionen, welche der Gescliäftsfülirciule Ausschuß vorlcgtc: 1. Das •Zentralkomitee erklärt sich mit der vom Engeren Actions-Coinitce befolgten Politik einverstanden und spricht den! Engeren Actioiis-Oomitce sein volles Vertrauen aus. 2. Das Zentralkomitee fordert, daß alle deutschen Zionisten ihre zionistische Tätigkeit allein auf die Politik des Engeren Actions- Coinitees cinstcllcn und verwirft jede zioliistisciie Sondcraktion. 3. Das Zentralkomitee erklärt sich mit der Tätigkeit des Gcscliäftsführcndcn Aus- Schusses einverstanden und fordert alle dcutsehen Zionisten auf, den Geschäftsfülircndcn Ausschuß mit allen Kräften zu unterstützen. Der 1. Antrag wurde mit 23 Stimmen bei 3 Stimmenthaltungen angenommen. Zwei der vorgclcgtcn Vollmachten konnten nicht ausgeübt werden, da ein Mitglied immer nur ein anderes Mitglied vertreten kann. Ein Mitglied war bei der Abstimmung nicht mehr zugegen. ____ Nr. 2 Der 2. Antrag wurde einstimmig nommen. Der 3. Antrag wurde mit demselben Stimm- Verhältnis wie der erste Antrag angenommen Die Sitzung wandte sich dann einigen Einzclaufgaben der Zionistischen Vereinigung h!r Deutschland selbst zu, insbesondere der Jagendarbeit und der ״Jüdischen Rund, schau“. Der Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“ wurde der Dank des Zentralkomitees ausgesprochen. Die Sitzung schloß abends um 11 Uhr. Geheime russische Militärbefchle Neuerlich können wir hc/ciclinenile gc. heime Aktenstücke russischer Milütrin־- bürden zur Veröffentlichung hriiigcn. Ebenso wie die in unsere! vorletzten Nmn- 111er veröffentlichten geheimen rmsi.iin 11 Militärbefchle charakterisieren sie die offiziell gegen die Juden betriebene Hetze. III. T c I c g r a m in v o 111 S t a b e d c s 3(1. A r in e e k o r p s. Der Korpskominamlriir hat befohlen, zwecks Ausführung der Verordnungen gemalt dem hiegranniH׳ des Hauptcbefs der Vcrprovianticrungsariiive entsprechende Maßnahmen zu ergreifen: Auf Befehl des I löclistkomrnaiulicremlcti wird die zwangsweise Vertreibung der Einwohner vor dem Rückzug gänzlich aufgehoben, die Flüehtlinge, die freiwillig aus Galizien in unsere Gouvernements gehen, und die Grenzbewohner werden in die östlichen Teile der Gouvernements Wolhynien und Podolicn abtransportiert. Diejenigen, die nach Galizien ztirückkehrcn wollen, dürfen nicht zuriickgclialten werden, falls »lies aus militärischen Rücksichten zulässig ist. Galiz.ische Juden dürfen nicht in unser Bereich hereingelassen werden, und die, denen es bereits gelungen ist, mit den anderen Flüchtlingen in Rußland cinzudriiigen, müssen nach Galizien zuriickgcschickt werden. Die Juden haben sich augenblicklich längs der östeireirhisehen Grenze angcsicdclt, da sie früher aus de« Militär-Rayons entfernt und nicht nach Rußland hineingelassen wurden, lin Falle des Rückzuges unserer .Armeen und der Grenzübersclireitung müssen diese Siedlungen streng untersucht werden, d. 11. sie müssen umgangen werden, um Ansteckungen zu vermeiden. Notwendigenfalls darf auch Gewalt angewandt werden, um die Juden in die Richtung den Feinden entgegen zu treiben. ' Oberst Stawronin. IV. Befehl an die W i t e b s k c r Infanterie- Kompagnie N r. 237. Witcbsk, 25. August 191 י. In der letzten Zeit herrscht in einigen Stadien Mangel ai* Zucker, sowohl in den Geschäften wie auch in den Kommandanturen. Den Herren Koniman- (!euren wird daher empfohlen, für die Soldaten Sandzuekcr anzuschaffeu, und falls auch dieser imlü zu erlangen sein sollte, müssen Konfitüren der einfachstcn Sorte Verwendung finden. Diese Konfitüren dürfen nicht bei hiesigen jüdischen Firmen gekauft werden, sondern bei den reellen Firmen Boriii.um, Einem, lEssiu, Landrin und bei den hiesigen christlichen Firmen, da die Konfitüren der jüdischen Firmen für die Gesundheit sehr schädlich sind. Unterschrift: Oberst Oodsowski. V. Befehl an die mittlere Abteilung des 18. Armeekorps. H. Mai 1915. Nr. 1130־. .die Jtidcn sollen in die Richtung dem Feinde entgegen getrieben werden, keiner von. ihnen darf im Kriegsgebiet zurückge'lasscn werden. Der Chef der Abteilung Generalleutnant. VI. Das Finanzministerium Departement Okladnych Sborow. Abt. I. Nr. 9306. 23. Juli 1915. Zirkular. Der Gehilfe des Ministers des Innern, Generalmajor Dschunkowski, hat das Finanzministerium 'סי■ seinem Zirkular an die Gouverneure in Kenntnis gesetzt, in dem folgendes gesagt wird: Laut in das Polizeidepartement cingelaufcncn ungeprüften Nachrichten haben die Deutsehen die Absicht, den Wohlstand der russischen Bauernbevölkerung zu vernichten, im Sommer dies» Jahres an verschiedenen Stellen des Reiches dura!