Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXI (1916)
- Issue
- Heft 1 (7.1.1916)
- Date
- 1916-01-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2651273-2651974-2651976--10447-2667869- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 4 J U E DI SC H E RUNDSCHAU 4 Nr. t mit sich, dal! man die zionistischen Anschauungen 1 im Hinblick auf die veränderten Zustände einer Prüfung imlerzog. Doch bestand keine Veranlassung, Ac1nlcnme.cn in organisatorischer oder propagamlistiseher lluisielit vorzunchmcn. Man widmete sieli indessen weniger der Gewinnung neue.־ Anhänger als der Vertiefung des Zionismus unter den ,Mitgliedern und der Konsolidation der organisatorischen Beziehungen innerhalh des Hundes. Die Mitglieder za hl beträgt 1(173. In dieser Zahl sind auch die Mitglieder des zumeist aus Antwcrpcncrn bestehenden Jugendvereins ״I laschachar“ in Scheveuingen embegriffen, während die in Holland wohnhaften Mitglieder des H e I g i s e h e 11 L a n d c s v e r b a 11 d e s getrennt organisiert sind. Die zionistische Stud e n t e 11 o r g;1 n i s a t i o n veranstaltete einen I erienkursus und bemühte sich, Propagandisten für die Landesorganisation heraiizubilden. In mehreren T a g e s z e i t u n g e n erschienen regelnd!lüg Berichte von zionistischer Seite. Der Buch- und lirosch ü r e 11 ■ V e r I a g des N. Z. B. gab einige Schriften heraus und erzielte einen schönen Umsatz. Fiir den ״Notfonds“ wurde eine umfassende Aktion durchgeführt, die ein gutes Lrgebnis zeitigte. Die hebräische K o 1111141 s s i o 11 befaüte sich mit der Vorbereitung eines hebräischen Lehrbuches. Die 1־ i 11 a n z v e r 11 ä 11 11 i s s e des Bundes waren befriedigend. Die Sammeltätigkeit für den J ii 11 i - sehen N a t i o n a I f o n d s bringt wachsende Lrträge. Der Landeskominissär des NF, Alfred Polak (Tilburg), bemüht sieh mit Lrfolg um eine straffe Organisation der NT-Arbeit und stand mit den lokalen Vertrauensmännern in regem schriftliehen, und mündlichen Verkehr. - - Wenngleich die Tagesordnung des Delegiertentages dies Thema nicht vorsah, so kam in den Debatten doch viellach der Gegensatz zwischen den Anhängern der .sogenannten ״ü c g e 11 wart s“• oder ״(i o I u s a r b e i t“ und dem Bundesvorstand, der diese Tendenz verwirft, zum Ausdruck.*) Lrstcrc beklagen die zu sehr verstaiidesmälüge Konstruktion der derzeitigen zionistischen Propaganda und den fühlbaren Mangel an Kontakt mit der jüdischen Masse, Die Stagnation mich außen, so führte ein Vertreter dieser Ansichten, Herr K. 1. Spits, aus, soll 11. a. durch «die Begründung eines jüdischen Volkshlattcs überwunden werden, da der ״Joodsclie Wächter" wegen seines mehr wissenschaftlichen Charakters für die Durchschnittsjuden nicht geeignet sei. Die ״Clnbliath Zion" solle mehr gepflegt werden. Der holländische Zionismus müsse durch Fühlung mit den gut jüdisch empfindenden breiten Schichten den blau früherer Jahre zuriickzugcwiuuen trachten. Derselbe Redner wendet sich auch gegen die durch die Buudesleitung vollzogene Anerkennung der N. Z. S. O. (Niederländische Zionistische Studenten- Organisation) als den Ortsgruppen gleichberechtigter Verein, dessen Mitglieder sich vier Jahre hindurch nicht in den Ortsgruppen betätigen dürfen. Lr hält, obwohl selbst Akademiker, diesen Zustand, der eine Trennung zwischen intellektucllcn und nicht intellektuellen Zionisten schaffe und den Zusammenhang der künftigen Propagandisten mit der Gefühlswelt der jüdischen Masse hindere, für gefährlich. Den Bedenken gegen die Zulassung der N. Z. S, O. als Verein im Sinne des Bundes-Statuts schlossen sich verschiedene Delegierte im Interesse der Ortsgruppen in den kleineren IJniversitäts- Städten an, während u. a. der Sprecher der N. Z. S. O. die Vorzüge der geschaffenen Neueinrichtung hervorhob und die Versicherung gab, dal! keineswegs eine Separation der Akademiker von den übrigen Zionisten beabsichtigt sei. Lndlich wurde das vom Bundes- Vorstande geschaffene fait accompli probeweise für die Dauer von drei Jahrei gutgeheilten. — Von der Ortsgruppe Arnheim war der Antrag eingebracht worden, der Bundesvorstand möge alljährlich auf dem Delegiertentagc diejenigen Zionisten, welche im verflossenen Jahre eine Mische 11 c eingegangen sind, namhaft machen und ihren Ausschluß a u s d e 111 N. Z. B. beantrag c 11. Ls braucht kaum gesagt zu werden, dal! dieser Antrag eine sehr eingehende und lebhafte Diskussion zur Folge hatte. Zunächst wurde die Kompetenz des Delcgiertcntages in bezug auf den vorliegenden Bcschlufiantrag ausgiebig erörtert. Nachdem die Kompetenzfrage bejahend beantwortet war, trat in erster Linie Herr Kuben Cohen als Vertreter der holländischen Misrachisten f ü r den Antrag ein, indem er ausfülirte, dal! die Mischehe die stärkste Unterminierung der jüdischen Volkskraft bedeute und daher in schärfstem Widerspruch zu den zionistischen Bestrebungen stehe. Herr Henri Edcrsheim (Amsterdam), Redakteur des J. W., gelangte auf •) Unter ״Gegenwarfsarbeit“ versteht man im Niederländischen Zionistcnbimd u, a. nationaljüdische, kulturelle oder soziale Arbeit innerhalb der Gemeinde, in Turn- und Sportvereinen und dergl. Auch die auf national-kulturelle Emanzipation der östlichen Juden gerichteten Bestrebungen gelten als azionistischc ״Ocgcnwartsarbeit“, Grund philosophischer und allgemein ethischer Betruchtuug zu einer Ablehnung des Antrages. Dann ergriff der jüdische Kasscnforschcr, Dr. meil. Alfred Waldenburg, das Wort, um die Verhängnisvolle Wirkung der Mischehe auf unseren nationalen Fortbestand nachzuw(.•11. Nach stundenlangen Dehatten wurde in später!׳...ehtstundc, unter Ablehnung aller übrigen zu diesem Punkte gestellten Anträge, der oben erwähnte Antrag der Ortsgruppe Arnheim mit 38 gegen ’!׳! Stimmen angenommen. — Fine Vakanz in der R c d a k t i o n s k o 111 in i s - sinn iles ס | ״ o d s c 11 e 11 W n c 111 0 r" wurde durch die Wahl von Frau O r 11 s t e i n -11 ס o f i e 11 ausgefüllt, die seit Jahren als zionistische Schriftstellerin Verdienstliches leistet. Die Kandidatur des Herrn B. A. K a 11 n (Amsterdam), der als Anhänger der ״Gegeuwarlsarheit" in der (ieneraldiskussion den Bundesvorstand scharf kritisiert hatte und diesem den mangelnden l ortsehritt des Zionismus in Holland zur Last legte, fand nach Stellung der Vertrauensfrage vom Tische des Bundesvorstandes so gut wie keine Unterstützung mehr, wie es sich ülwrliaupt gezeigt hat, dal! die hervorragende Befähigung und seltene Hingebung der liundcslcitting, vor allem ihres Präsideuten, selbst von den Gegnern ihrer Prinzipien in ungewöhnlichem Maße gewürdigt wird, — Als Ort des nächsten Delegiertentages wurde Haag gewählt, ־ - 111 11 i c h t - ö f f e 1111 i e h e r S i t z. u 11 g referierte der Vertreter des Landesverbandes im Zentralkomitee, Professor Dr. ür ns fein (Utrecht), über den Zustand der Weltorg a 11 i s a t i o 11. Wenn wir einen Rückblick auf die Tagung werfen, so darf feslgestellt werden, daß die Beteiliguug, und zwar bis zum Schlüsse der zweitägigen Verhandlungen, eine selten zahlreiche blich, die zionistische Zuversicht und Schaffensfreude der Anwesenden für die Zukunft des Zionismus in Holland gute Lrfolge versprechen mul beinahe die Gesamtheit der Teilnehmer der l!undesleitung volles Vertrauen entgegenbringt. Die Auseinandersetzungen über ״Gegenwarlsaibcit" sind allerdings nicht als beendet, sondern nur als vertagt anzuseheii. — Hinsichtlich der Stellung des N. Z. B. zur Politik des F. A, O. ist zwar kein Beschluß formuliert worden. Doch ergab sich aus den Verhandlungen von selbst, daß die vom F. A. C. bczeiduietcn Richtlinien seiner Tätigkeit von den niederländischen Zionisten gebilligt werden. Aus Palästina In der Jaffa er Volksküche werden jetzt täglich 100 Personen unterhalten, wovon 40 imentgcltlieh n'ml ()()",gegen Zahlung von 2—2 1/צ Mettalik (10 15 Cent.) gespeist werden. Audi in Sa ff cd und T i 11 e r i a s sind die Volksküchen von wohltätiger Wirkung. I'inein Bericht vom 6. Dezember aus Jaffa entnehmen wir folgendes: Sonnabend, den 4. Dez. veranstalteten die Schüler der hiesigen Musikschule eine musikalische Aufführung, die gläuzend vertief. Unter den Anwesenden befanden sich auch der deutsche und ö s t c r r e i c 11 i s c 11 c Botschafter sowie viele türkische Offiziere. Der Reinertrag des Abends, vier das in Anbetracht der herrschenden Krise ansehnliche Restiltat von 350 Francs erzielte, wird zur Bekleidung und Besclnihung armer Kinder verwendet. Die unter der Leitung des Herrn Hope 11 ko stellende Musikschule wies vorzügliche Leistungen auf. Das Schulorchester wurde von Fräulein Amsel dirigiert. Besonderen Beifall fand die hervorragende Wiedergabe des Mendelssohn-Konzerts durch Fräulein Deborah R a b i 11 o w i t z. lind die äußerst lobenswerte Darbietung des Chopin’schen Scherzos durch Fräuleirt Berger. Protestreden gegen die russischen Judenverfolgungen In einer von der ״Fabian Society“ am 1. Dezember in London veranstalteten Versammlung sprach Israel Zangwill gegen die Verfolgungen der nichtrussisehen Nationalitäten und besonders der Juden in Rußland. Zangwill schilderte die gegen die russischen Juden begangenen Grausamkeiten und erklärte, daß cs das eigenste Interesse der Verbündeten erfordere, daß sic zugunsten der Juden intervenieren und den Verfolgungen ein Ende machen, denn sonst könnte Deutschland mit Recht auf die Unrichtigkeit jener Meinung lüiiweiseii, die Verbündeten kämpften für die Freiheit der kleinen Völker. Mr. Cccil C h n s t c r t O 11 erklärte darauf, ,1.1(! wäre Zangwill nicht Jude, er für eine derartige Rede erschossen werden müßte. Da er aller Jude ist, so ist es natürlich, daß er für seine Brüder eintrilt. V.r bc• stritt entschieden, Antisemit zu sein. Allein als |;n״. lancier interessieren ihn ausschließlich englische An. gclegcnhciteii. Bernard Shaw meinte, daß er, als Nu-hpnde eigentlich erschossen werden müßte, weil er in allein mit Zangwill übereinstimme. Aelmliehe Erklärungen gaben die sozialistischen Führer llydcttian und andere Redner Zum Kapitel: ״Wohnrecht“.., Die erste Konferenz des ״Zentralen K r i e g s i 11 d 11 s t r i e 11 e n - K o m i t c e s" in Ruft, land faßte, wie in russischen Blättern berichtet wird, ti, a. title Reihe von Resolutionen bezüglich der Aufhebung aller für die Juden hesteh e ״ de n Bcsclir ii 11 k u 11 g c 11 im Ifandel und in der Industrie. Auf Grund dieses Beschlusses riehtete das genannte Komitee durch Vermittlung des Ministers des Innern an den Ministerrat das Gereich, die Juden in ihren bürgerlichen Reihten der Hauptlievölkerung Rußlands gleiehzustellen. Dieses Gesuch ist u ti b e a n t w o r t e t geblichen. Es stellt sich überhaupt heraus, dal! das Ministerittm des Innern sich Gesuchen dieser Art gegenüber grundsätzlich ablehnend verhält. Aus diesem Grunde hat der Minister zahlreiche ähnliche Gesuche des ״Zentralen Krirgsindustrielleu-Komitccs“ bezüglich des Rechtes der jüdischen Fabrikbesitzer, ihre ״evakuierten" industriellen Betriebe au Orten außerhalb des Ansiedlungsrayons einzurichten, rundweg abgewiesen. Kriegsbeitrajr der Zionistischen Vereinigung für Oeiitsrhlnnd Der 3. Kricgsbcitrags-Atisxveis wird in Nr. 2' der ״Jüdischen Rundschau“ vom 11. Januar erscheinen. Wir bitten alle Gesinnungsgenossen, die ihre zionistische Kriegsstcuer noch nicht entrichtet halten, dies unverzüglich nacltztiliolen. Geldsendungen sind ־zu entrichten an die Zionistischc Vereinigung für Deutschland, Berlin W. 15, Sächsische Straße 8, Postscheckkonto Berlin 8091. Ausweis der׳ Zionistischen Vereinigung für Deutschland Schekel 1914/15: Dortmund 5,—, Bonn I,--, Din/ig ־, Hannover 50,—. 10,• , aus 11. ITItIc Zentralhureaii ein- Bronihcrg I, Fii'hsfettei! 1, Köln l'-V Berlin 2, . ..Essen 17, Nürnberg-Fürth 18,- Taruowitz. 2,-■••; direkt heim Zionistischen gegangen: Hamburg 361,--. Schekel 1915/16: Berlin 3.- Dresden 35, , Frankfurt a. M. 29, (ilogau 1, , llildesheiin 5,—, Idar 2, Nienburg 1, aus d. Felde 11, . Lnndcsbcitriige 1915: Berlin 3, . Berliner Vereinigung 3(1, , Zion. Jngcndvcrcin Berlin I, Danzig (Finzelheitrag) 3,- , Dortmund 51, , Hamburg 85,—, Hannover 50,• 18,• , Köln 3,—, Tarnowitz 33,—. Landcsbcitrhgc 1915: Breslau 210, a. M. 60, . klar (1,— Köhl 100,-. Propagandafonds 1916: Berlin: - .. Ilantke 200,., Dr. H, O. Hevtnauu 200,—, Sa״ •Rat Dr. Hemm Lcwy HK), , Dr. A, Maaß 20,-; Brom berg: Zahnarzt Meyersohn 5,־-; Düsseldorf:^ |oscf Mnver 5־,; (ilogau: Moritz Krisfeiler 5, Hildeshcim: Rosa Orkin 5. , Fränzchen Orkin 5, Idar: Nathan Baer 12,; Kattowitz: Banilinaitn Kromolowski 10,—; Nienburg: Grete Abraham 5,— aus d. Fehle: (iefr. Nathan 5,—, Feldassistcn/arzi Dr. Edgar Grüiibaiim 10,—, Beiträge unter 5, - 10,—. Diverse Spenden f. 1915: Aus d. Felde: 23, Frankfurt a. M. (>,■-. Eingang vom 9. Dezember 1915 bis 5. Januar .. c. l.'l 1. ״ . inmu. 1m \li UllS/lfv 02,— 1916 ■ Zion, 0, . Essen , Karlsruhe Frankfurt Dr. Arthur Dr. ft 1916: S c he k e I 1914/15: 115 - M., 1915/16: Mark; L a n d e s b c i t r ä g c 1915: 292.— M., 29 :1915 ־.- M., Mm 406, M.; Propagandafonds 1916: 602,. M. Gesamteingang: Schekel 1914/15: 3194, 1915/16: 372, M.; L 11 ה d c s b c i t r n g e HD 3600,50 M., 1916: 406,- M.; P r o p a g a 11 d a f 11 ״ ״ 1915: 9356,- M., 1916: 602,- M. *Sresse für Geldsendungen: Zionistische Vef rlniaung fUr Deutschland, Berlin W15, Sachstscn Straße 8. "nstscheckkonto: Berlin 8091, Da״kkon‘f, A. H. Heymann & Co., Berlin W56. Hinter 0 Kittuillschen Kirche 1.