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Jüdische Rundschau · 1915-12-24 · Heft 52 (24.12.1915) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XX (1915)
Issue
Heft 52 (24.12.1915)
Date
1915-12-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 428 Nr. 52 U EDI SC H E RUNDSCHAU Be rechnu n g der Verl u s t «. Im ganzen entsprechen die Verluste durch die Heuschrecken in den judiiiselien Kolonien folgenden Ziffern: a) Verlust an Getreide, Gemüse und T Futter lÜOO'JO Frcs. b) ,, ״ Orangen I 250 00:» ״ c) ,, ״ Weinpflanzuiigcn 400 000 ״ d) ״ ,, Mandelp: lau zungen 200000 ״ e) ,, ״ Oliven und anderen Fruehtarten 25 000 ״_ Summa 1 075 000 Frcs. Die Abnahme in den Einnahmen der juduischen Kolonien in den letzten zwei Jahren betragt also 3(5 Millionen Francs, da H ■> Millionen Francs der Verlust durch die L:\portsdnvierigkeiten des Jahres 1914 beträgt. ן Diese Ziffern illustrieren in beredter Weise die/ ökonomische Lage der Kolonien Judäas, deren jüdische Bevölkerung jetzt 7 000 Seelen beträgt (2 735 Kolonisten, 940 yemenitische Arbeiter, ungefähr 1 000 aschkenasischc Arbeiter, 1 200 Handwerker und 1 100 Berufslose). Diese Bevölkerung hängt völlig von den Einnahmen aus den Pflanzungen ab. Jetzt, wo die Pflanzungen ohne Ernte bleiben und die Kolonisten kein Geld zu ihrem Unterhalt haben, herrscht natürlieh in Palästina eine grolle Unruhe über das Schicksal der jüdischen Bevölkerung Judäas und über die herrlichen Pflanzungen. Es ist begreiflich, da(! man dort unten darüber berät, wie man es erreichen könne, daß diese Be- Völkern»״ nicht in äußerster Notlage bleibt. Und wie soll man die Pflanzungen weiter aufrecht erhalten, wo so starke Kapitalien in ihnen investiert sind, die soviel Energie erfordern? Vom Hilfswerk für die notleidenden Juden Amerika. Das Amerikanisch- Jüdische Hilfskomitee teilt mit, daß die Beiträge für die durch den Krieg notleidenden Juden am 23. Oktober insgesamt die Summe von 1 184 746,18 Doll, erreicht naben. Auf der letzten Sitzung des Verteilungskomitees wurden folgende Beträge bewilligt: 100 000 Dollar für die Juden in den von den Deutschen lind Oesterreichern okkupierten Gebieten Russisch- Polens; 75 000 Doll, für die notleidenden Juden in Rußland; 50 000 Doll, für die notleidenden Jude» in Galizien; 1000 Doll, für die Juden in Kreta. Kanada. In Montreal ist nun aucli mit der Organisierung von Sammlungen zum Besten der durch den Krieg betroffenen Juden begonnen worden. Als Resultat des ersten ufrufes kamen in Montreal allein 5000 £ zusammen und man erwartet, daß die Endsumme für Montreal die Höhe von 12 000 £ erreichen wird. Das ist jedoch nur ein Anfang, dem energische Bemühungen folgen sollen, um in ganz Kanada bedeutende Beiträge zu sammeln. Die straffe Organisatiefn der zionistischen Bewegung hat sich bei der Organisierung dieser Sammlungen als sehr segensreich erwiesen. Die am 11. und 13. November in Montreal abgehaltene Jüdische Konferenz dürfte für den weitereii Ausbau dieser Hilfsarbeit von großer Bedeutung sein. Die Initiative zur Hilfsarbeit in Kanada ging von dem Präsidenten der Kanadischen Zionisten-Föderation, Herrn Clarence I. de S 0 1a , aus, der ursprünglieh mit einem aus Zionisten gebildeten Komitee arbeitete. Dieses Komitee lud dann die anderen jüdischen Körperschaften zur Mitarbeit ein, so daß bei der Konferenz alle maßgebenden jüdischen Instanzen vertreten waren. Oie Behörden Montreals haben die Delegierten der Konferenz auf Kosten der Stadt empfangen und die kanadische Regierung hat der Konferenz eine Begrüßung überreichen lassen. Schweiz- Die Juden der neutralen Schweiz haben jetzt ebenfalls Sammlungen für die notleidenden Juden Russisch- Polens und Galiziens cingclcitet. Eine erste Rate von 9000 Frcs. konnte bereits in die verschiedenen Bezirke, die ain meisten vom Elend heimgesucht sind, überwiesen werden. Südafrika. Das Zentral-!Hilfskomitee in London empfing vom ,.Relief-Fund for Jewish War Victims of British and Allied Nations and Palestinian Jcws’ Committee“ in Johannesburg den Betrag von 205 000 Frcs. für die jüdischen Opfer des Krieges. England. Die vom ״Jewish Chroniclc“ zu Ehren Baron Leopold von Rothschilds anläßlich seines 70. Geburtstages eröffnctc Sammlung zugunsten der jüdischen Kriegs-Notleidenden hat mehr als 2000 £ ergeben. griechischen Kammerwahlen und die Juden in Saloniki An den soeben vor sich gehenden Wahlen in die griechische Kammer beteiligen sich auch die Juden Salonikis. Allerdings mag es für sie nicht leicht sein, in der von den Futentetnippen besetzten Stadt, in der sie, zumal mit den Mohammedanern, die Majorität der Bevölkerung aiismachen, ihrer politischen Ueber/eujgung Ausdruck zu geben: stehen sie doch vollkommen auf der Seife der Regierungspartei und i 111 schroffsten Gegensatz zur Politik der V e 11 i z e - listen. Schon bei den letzten K a m in e r w a h I c n gelang es den Juden Salonikis, ihre antivenizelistisehe 'Deputiertenliste durehzusetzen und fünf Juden in das;griechische Parlament zu entsenden, die trotz aller!Angriffe tler ״Interventionisten“ lest auf ihrem Neutralitätsstandpiiiikt beharrten. Die gewählten Depuitierten gehörten der jüdisch-nationalen Richtung an, einige von ihnen sind als führende :Mitarbeiter der zionistischen Bewegung bekannt. In die neue Wahlkampagne sind die Juden Salonikis wiederum mit großen] Flau eingetreten. Außer dem in französischer Sprache erscheinenden jüdisch-nationalen Tageblatt ״Courritr d e S a I o - n i q u e“ erschien während der letzten vierzehn Tage täglich eine spaniolisclie Ausgabe dieser Zeiturig ״El Progress o“, die ebenso wie die Zeitung ״El A v e 11 i r“ gratis verteilt wurden und immer wieder zur Wahl der Kandidaten der Gunaris- Partei auf forderten, Das Wahl manifest der jüdisch-nationalen ,WahlVereinigung, das am 2. Dezember publiziert wurde, enthält folgende Ausführungen: ״Die Ereignisse der letzten fünf Wochen haben mit vollster Deutlichkeit gezeigt, wie wir, die Anbänger von Gunaris, Recht hatten, als wir uns weit entfernt vom letzten Feldzug hielten, der als das , höchste Interesse Griechenlands die Auf rech tcrhaltungj der Neutralität forderte. Die Ereignisse haben uns gezeigt, wie sehr wir im Recht waren. Der Krieg, den manche schon an seinem Ende glaubten, dauert mit hartnäckiger Erbitterung fort und fordert an jedem Tage von den Völkern, die ihn mit immer neuen Opfern führen, Menschen von jeder Art. Eine Großmacht kann solche Schwächungen ertragen, aber für ein kleines Land, wie das unsere, noch dazu nach zwei Kriegen, würden sie den Ruin bedeuten. Die Partei von Vcnizelos wollte unser Land bei der ersten, sich bietenden Gelegenheit in diesen Krieg liineinziehcn. Im Gegensatz dazu will unsere Partei, die G u i!1 a ri s’, indem sie vor allem die Interessen des Landes berücksichtigt, die Neutralität aufrechterhnlten, solange es möglich ist, und sie will alle Anstrengungen auf die Erhaltung des Friedens setzen. Kaum war die Mobilisation angeordnet — mit dem Zwecke, die Neutralität zu schützen und eventuell die Integrität und die nationalen griechischen Intcressen zu verteidigen — als Herr Venlzelos, damals noch an der Macht, das Land in den Weltkrieg hineinziehen wollte, was der Meinung des Laiulesherrn und der tief begründeten Ueberzeugung der Armee widersprach. Dies führte die Demission des Herrn Vcnizelos und die Berufung des Ministeriums Zaimis herbei, das die hervorragendsten früheren Miirstcr und Staatstriämier des Landes umfaßte, alles Männer, die für die Neutralität für solange waren, als nicht das Interesse Griechenlands seinen Eintritt in den Krieg erfordere. Das Ministerium Zaimis war entschlossen, dem Lande neue Krisen zu ersparen und arbeite,e in diesem Sinne, während der inirans'gente Venizeios das Land in den Krieg hineinzuziehen suchte, die Ereignisse überstürzte und dadurch die Krone zwang, das Land wegen der neuen Situation zum zweiten Mal um die!1!lllllllllllll(il1;i!!lllll!lllf!lllllllllill | Die ״Jüdische Rundschau" j | in Russisch-Polen § § Die in Russisch-Polen bestehenden §j jj deutschen Postanstalien in Bendzin, g jj Czenstochau, Kalisch, Kolo, Konin, f§ 1 LodzjPabianice, Sieradz, Sosnowice, 1 jj Warschau, Wielun und Wloclawek I Ü nehmen Bestellungen auf die ״Jü- 1 1 dische Rundschau“ zum Abonne- I jj mentspreis von I I M. 1,75 vierteljährlich j jj entgegen. Ebenso werden Be- §§ Stellungen aus diesen Städten auch 1 § bei der Unterzeichneten Adininistra- ,jj H tion entgegengenommen. §j | Administration der ״Slldis hen Hundsühau“ | H Berlin W. 15 Sächsische Str. 8. §j iillllilllllllillllilliuillllilllllllllilll! Entscheidung zu fragen. Die Kammer wurde aufgelöst und neue Wahlen wurden ausgeschrieben. Heute noch mehr als je zuvor gehen die Wahle« unter der Parole ״Krieg oder Frieden“ vor sich. Heute, wo der Krieg wiederum auf den Balkan spielt, muß noch mehr als zuvor das Volk über das Schicksal des Landes entscheiden. Der Wahlzettel wird die Entscheidung treffe«. Wer für die Regierungspartei stimmt, der stimmt damit für die Neutralität und den Frieden. Wer nicht für sie stimmt, indem er entweder für eine andere Partei votiert oder sich nicht an der Wahl beteiligt, der stimmt für die Kriegspartei und will unser Land dem Ruin entgegenführen. Aus allen diesen Erwägungen hat die nationaljüdisehe Wahlvereinigung, die erfolgreichen Anteil an den letzten Wahlen genommen hat, es für ihre Pflicht gehalten, sich wieder zu konstituieren und sicli mit denselben Prinzipien und derselben Basis wieder ans Werk zu machen wie vor der letzten Legislaturperiode, im Vertrauen auf die Unterstützung der überwältigenden Majorität der Bevölkerung, die die Sachlage heute noch so betrachtet, als da sie noch ganz ungeklärt war, und die uns umsomehr jetzt unterstützen wird, wo man sieh über den wirklichen Charakter der Dinge keine Illusionen mehr machen kann.“ Die Liste der von der mitiou:11 jüdischen Wahl- Vereinigung aufgestellten Kandidaten enthält die Namen : Leon G a 11 e g 11 o , Haimaki C o h e n , Salomori Meghir, Peppo M a 11 a 11 , Dr. Coffina. Das gleiche Programm, das diese Kandidaten vertreteil, wurde auch von der 111 o h a in m e d a n 1 s c h en Bevölkerung akzeptiert. us dem besetzten Gebiet istok. Die Stadtangelegenheiten werden jetzt on einem ״Bürgerkomite“ geleitet, das |1us 4 Polen, 4 Juden und 1 deutschen Vorsitzen- Iden bestellt. Die tatsächliche Geschäftsführung obliegt übrigens dem Vorsitzenden und die übrigen Komitemitglieder sind Ratgeber und Sachverständige. Die inneren jüdischen Gemeinde-Angelegenbeiten werden von einem jüdischen Gemeinderat — ״Waad ha’kahal“ — geregelt. Das ist eine neue demokratische Körperschaft, deren vierzig Mitglieder von allen Synagogenvorstehem gewählt werden. Dieser Rat ist* von ■den Behörden anerkannt und gilt als juristische Person. Fast alle jüdischen Woliltätigkeitsgesellschaften werden von ihm geleitet und sein monatliches Budget erreicht die Höhe von 20600 Rubel. Die Hauptarbeit dieses jüdischen Gemeinderats ist jetzt die Hilfeleistung für die kriegsnotleidende Bevölkerung und die Gründung von billigen Küchen für die vielen Arbeitslosen. (Bis 6000 Mittagessen werden täglich unentgeltlich verteilt). Außerdem vermittelt der Rat auch zwischen dem deutschen Oberbürgermeister und der jüdischen Bevölkerung in bezug auf die. Einfuhr aus Deutschland. Auf seine Veranlassung ist auch eine Gesellschaft zur Unterstützung der Frauen und Familien der cingezogenen Reservisten gegründet worden, die völlig ohne Mittel geblieben sind. Zur Chanukafeier veranstalteten die Zionisten den traditionellen Makkabäerabend, der diesmal zu einer grandiosen nationalen Demonstration wurde. Als der Abend zu Ende ging und die ״Hatikwah“ erscholl, ließ der deutsche Kommandant —- die deutschen Militär- und Zivilbehörden waren vertreten —- Offiziere und Soldaten sich erheben und so die jüdische National-Hvmne ehren. Die Sprachenfrage ist noch die ״brennendste“ Tagesfrage, die alle Sitzungen der lokalen Abteilung der ״Gesellschaft der Bildungs- Verbreitung unter den Juden“ noch immer in Anspruch nimmt. Sedlez. Nachdem die schlimmsten Schrecken des Krieges allmählich vergangen sind und die Stadt wieder ihre ruhigen Lebensformen anzunehmen begonnen hat, versucht auch die jüdische Intelligenz der Stadt, ihre Verbindungen wiederherzustellen und neu ins Leben zu rufen. Die chassidische J ugend gründete ״h e - b r ä i s c h e Abendkurs e“. Daß der Versuch kein leichter sein werde und auf große Hindernisse seitens der filteren cliassidischen Genossen, die das hebräische Studium noch als ketzerisch betrachten, stoßen müsse, war zu erwarten. U11-

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