Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XX (1915)
- Issue
- Heft 52 (24.12.1915)
- Date
- 1915-12-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 52 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 427 Carl stadt: W. Fraenkel. Cassel: N. N., Frau Lotte Prager. Crfliic: Hauptlehrer Frankenstcin. Dresden: Hirschfeld jim., Meiser. Emden: Herrn. Scligiiiatin. Erlangen: Ahr. Mcinliardt. Fest e n b e r g: Robert Herrmann. Frankfurt a. M.: R. Brandt, Aliee Cassel, Nathan Cassewitz, Julius Cronenberger, Hammerschlag. Fr. I)r. J. Horowitz, Siegi'r. l.e vite, L. Roseribjiseli. N. N, F r a!! s t a d t: Max Schwalbe. Frliburg: Dr. M. Melamkl. (i e v: Rosa und Jettehen Meyer. Göppingen: Synagogeiigi:meiiule. Gre u Ben heim: Sammlung. (j r. - S t r e h I i t z : R. Brand, Frau I)r. Jac. Hurowit/. Hamburg: Dr. A. Blau, Emil H. Eipstadt, Dr. Tannenwald. Harn: Synagogengemeinde. L a ״ g e 11 s e I b o I d: Abr. Kanthal. Lei[) zig: Liebes B־ Teichtner. - Mannheim: S. Isakmviu, Emil Rosenthal, Lion Wohlgemuth, Hermann Würzburger (סל. Mo 11 rin: Jul. Wolff. München: Baumeister Eliasberg. Nürnberg: Dr. J. Bantberger. Obernk i r c b e 11: Synagogeiigemeinde. O f f e n h;1 e 11: Syiiagogengeineimie. Oels: Joset Lachniann. P 11 i I i p p s b 11 r g: Synagogeiigemeinde. Posen: Frau Fanny Roseiibaiim. Ratibor: Max E. Ascher, L, Pinczower, Ad. Schuck. Rus t: Synagogeiigemeinde. Rvbnik: Fritz Priester. - Salmünster:- (lehr. Grünebaum. -- Salzh e n 11 e!1 d o r f: Synagogengemeinde. Sennf e I d: Synagogeiigemeinde. - Sch w e i 11 f u rt: S. I leußinger. — Storkow: Synagogengemeinde. Tarn o w i t z: E. Fischer. T et s c h e n: Otto Schwarz. UI Ist ad t: Sviiagogcngemeinde. Werben: M. Sehlexvinsky. Wismar: Aronsohn, Paul Bernhard, Adolt Karseboom. W i 11 s t o c k: Synagogengemeinde. Wronke: Siegm. Heim. - Würz bürg: Frau Pauline Schloß. Aus d. Felde: Lehrer A. Jaft'e, Leiitn. Leo Joel, Jul. Meyer, Unteroffiz. Willy Perlstein, Hilfsarzt M. Rapp, Ge fr. Hans Werner. Diverse Spenden unter 5 M.: 264,40 M. Gesamtbetrag: 73 935 M. Geldsendungen sind zu richten an: Hilfswerk für Palästina, Berlin W. 15, Postscheckkonto Berlin 4192. Die judäischen Kolonien Einem über die Lage der judäischen Kolonien im Oktober erstatteten Bericht von fachmännischer Seite entnehmen wir im folgenden einige wichtige Ausführungen. Hauptunterschiede zwischen den judäischen und galiläischen Kolonien. Nach den letzten authentischen Nachrichten aus Palästina hat sich die Lage der Kolonien sehr verschlinirnert. Solange der Krieg anhält und der Verkehr mit der Außenwelt abgeschnitten ist, wird die Lage der Kolonien immer kritischer werden. Aber die Kolonien Galiläas, die auf dem Getreidebau basieren, haben sich mehr oder weniger den augenblicklichen Verhältnissen anpassen können. Die Kolonien Judäas dagegen leiden während der Kriegszeit, insbesondere wegen des Vorherrsehens von Spezialkulturen, deren Produkte zum Export bestimmt sind. Während die Kolonien Galiläas gerade in dieser kritischen Zeit ihre Fähigkeit bewiesen haben, Schwierigkeiten zu widerstehen, haben im Gegensatz dazu die Kolonien Süd- Palästinas Hie schwersten Schäden• in dieser Zeit erlitten. Zu den Kriegsschwierigkeiten kam nun gerade für diese Kolonien der unerwartete Heuschreckeneinfall hinzu, von dein Galiläa nur in schwacher Weise betroffen wurde. Wir wollen in folgendem für die judäischen Kolonien die notwendigen Angaben darüber machen, welche Auslegungen gemacht wurden, um die Ernte des Jahres 1914 zu exportieren und dann die Schiidigungen darstellen, die die Ernte des laufenden Jahres durch die Heuschrecken erlitten hat. Ausfuhr der Produkte des Jahres 1914. Der Ausbruch •des Krieges bedeutete für die Ausfuhr aus den Kolonien nicht sofort die Schließung der syrischen Häfen. Man konnte, wenn auch in ungenügender Weise, eine gewisse Zeit hindurch die Orangen, den Wein und die Mandeln auf neutralen Schiffen exportieren, aber diese kamen immer seiteuer nach Jaffa, die Frachtlöhne wurden immer höher und wurden schließlich unerschwinglich.׳ Die Schwierigkeit des Briefverkehrs, die ungeheuer hohen Frachten und das Verbot, syrische Produkte nach Aegypten ׳zu exportieren — wenigstens vom November 1914 bis zum März 1915 — dies alles charakterisiert die Verhältnisse in dem ersten halben Jahr des Krieges zwischen der Türkei und den Vierverbandsmächtcn in Beziehung auf den Export der Produkte. I’ r o v i s o r i s c h e Erlaubnis der ä g y p t is cli e 11 R e gier 11 11 g. Gegen Ende des Monats März gab die englisch-ägyptische Regierung, von ökonomischen und menschlichen Gesichtspunkten getrieben, die Erlaubnis des Imports von Orangen aus Syrien und Palästina und insbesondere des Weins aus unseren Kolonien. Solange man mit den neutralen Schiffahrtsgcsellschaften verhandeln konnte, hat man versucht, von dieser Erlaubnis Gebrauch zu machen. So konnte man 111 der Tat einen ziemlichen Teil der Ernte des vergangenen Jahres nach Aegypten bringen. Aber es war kaum der zehnte Teil dieser Ernte ausgei'ührt, als Aegypten wieder seine Häfen verschloß. Um diese Zeit teilte die Zollverwaltung in Alexandrien dem Konsul der Vereinigten Staaten auf dessen Anfrage mit, ״daß es nicht mehr dem Gesetze entspreche, den Hamid in Orangen und Wein mit einem ottomaiiischen Hafen fortzusetzen und daß jede Art von Import, von Transitverkehr und von Umladeverkehr vorn 31. Mai ab verboten sei.“ Unbedeutende Mengen Wein konnten freilich auch nach diesem Termin noch auf den wenigen Schiffen befördert werden, die Jaffa berührten und Waren nach Rarzelona oder Rotterdam brachten. Aber auch diese letzte ״Möglichkeit, die irn übrigen sehr unbedeutend war, hörte am 25. August auf, als über die syrischen Häfen die Blockade verhängt wurde. Deutsche Zionisten! Die Zionistische Vereinigung für Deutschland verlangt von ihren Mitgliedern den Kriegsbeitrag, damit sie arbeiten kann, ׳wie es die Zeit und ihr Ziel von ihr verlangt. Die Aufgaben, die uns gestellt sind, sind groß. Die Zahl unserer Freunde, die der aktiven Mitarbeit in unseren Reihen augenblicklich nicht zur Verfügung stehen, ist immer mehr gewachsen. Alle Kräfte müssen wir anspannen, wenn wir erreichen sollen, was notwendig und was möglich ist. Darum richten wir nochmals an jeden Zionisten, der dieser seine Pflicht bisher noch nicht nachgekonurien ist, die Aufforderung, uns nicht im Stich zu lassen. Den Minimal-Beitrag von 6 M. muß jedes Mitglied der Zionistischen Vereinigung für Deutschland entrichten. Wer es kann, tue mehr! Der Geschäftsführende Ausschuß der Zionistischen Vereinigung für Deutsch 1 and. Ueb ersieht des Verkaufs der Produkte von 1914. Weintrauben und Wein verkauf. Die Weinbauern-Genossenschaft hat ungefähr die Hälfte der Ernte des Jahres 1914 zu verkaufen vermocht. Orangen verkauf. Von den 600 000 Kisten, die die Gesamternte waren, konnten nur 120 000 Kisten verkauft werden. Die restlichen 80 ״/o sind verarbeitet worden, sind zum Teil von den Kolonisten verbraucht worden oder endlich auf den lokalen Märkten zum ganz geringen Preise von einigen Sons pro Kiste verkauft worden. Verkauf von Mandel n. Der Mandeherkauf ist unter verhältnismäßig günstigen Bedingungen vor sich gegangen. Die Kolonisten haben die Ernte des Jahres 1914 anstatt für 450 000 Frcs. für 300 OüÖ Frcs. verkauft.!111 ganzen beträgt der Verlust beim Verkauf der Ernte für 1914 1(4 Millionen Frcs. Dieser schon an und für sich beträchtliche Verlust wurde noch fühlbarer durch den hohen Preis der ins Land eingeführten Lebensmittel, wie auch durch die hohen Extraabgaben, die die türkische Regierung in Höhe von 200 000 Frcs. für unvorhergesehene Ausgaben forderte. Der Hcuschreckeneinfall. Der Verlust des Jahres 1914 war bei Berücksichtigung der außerordentlichen Kriegsverhältnisse immerhin erträglich, oder wenigstens er wäre es gewesen, wenn nicht, uin das Unglück voll zu machen, die in Palästina so seltenen Heuschrecken gerade in dieser Zeit gekommen wären, um die Wein- und Orangenernte des Jahres 1915 zu zerstören. Im Anfänge des März begann der Einfall der Heuschrecken. D e r K a m p f g e g e n d i e H e u s c 11 r e c k e n. Der Kampf gegen das Insekt ist versucht worden. Man hat große Summen dafür ausgegeben, um die Eier zu sammeln, um Gräben zu ziehen, um die Larven mit Seifeiilösuiig zu begießen. Man hielt vielleicht etwas zu viel Beratungen zwecks Bekämpfung der Heuschrecken ab. Man rechnete nicht genügend damit, daß die Insekten durch die Pflanzungen der Araber, die dem Einfall ziemlich passiv gegenüber-• standen, immer wieder von neuem ungezogen wurden. Die Summe von 200 000 Frcs., die innerhalb von drei Monaten für diesen Kampf ausgegeben wurde, erscheint im Verhältnis zu den erzielten Resultaten außerordentlich hoch, wenn man in Betracht zieht, daß die in der Tat geschützten Pflanzungen nur eine Boden fläche von 1500—1600 Dunam einnahmen. Hier ist der Ort, die Kulturen des Coccobazillus D’Herelle zu erwähnen, die das ägyptische Ackerbauministcrium zwecks Vernichtung der Heuschrecken benutzt hat. Man hat auch in Palästina eine Quantität dieses Mittels sich beschafft, aber erst Mitte Juni, als die Heuschrecken schon das Land verlassen hatten. Die Verluste durch die Heuschrecken. 1. Großkult u re n. a) Getreide, Das Getreide hat vcrhältnismäßig wenig gelitten, 11m, wo es bei Erscheinen der Heuschrecken noch grün war, wurde es von ihnen augefallen. Aber der Gesamtverlust ist nur wenig bedeutend und übersteigt bei allen Kolonien im Lande, inbegriffen den galiläischen, nicht die Summe von 150 000 Frcs. b) Futter- und Gemüsepflanzen. Die Futtcrpflanzungen (Klee und Runkelrüben, ebenso die Gemüsepflanzungen) Tomaten, Gurken, Zwiebeln, Kartoffeln wurden vollständig von den Heuschrecken vernichtet. Der Gesamtverlust in allen Kolonien beträgt 130 000 Frcs. 2. Spezialkulturen. a) Orangengärten. Die Ernte des laufenden Jahres ist völlig vernichtet worden. Auf 7665 Dunam Orangerien in Judäa sind nur 1 600 Dunam in Petach- Tikxvah verschont worden, ebenso wie einige Gärten in der Nähe von Jaffa. (Der Montefiore-Garten, der Garten von Mikweh Israel usw.) Alle arabischen Gärten, die einen Kranz von mehreren Kilometern, um Jaffa ausmachen, wurden nicht berührt. Die Er- Klärung hierfür liegt vielleicht in der Nähe des Meeres, dessen Nähe die Heuschrecken scheuen. Ohne den Pleuschrcckeneinfali hätten die jüdisehen Orangerien im Jahre 1915 auf eine Ernte von 700 000 Kisten rechnen können. Nun bringen die Gärten nicht mehr als 200000 Kisten. Der Verlust dieses Jahres beträgt also, wenn man den Preis der Kiste mit 250 Frcs. ansetzt, zusammen 1 250 000 Frcs. b) Weingärten, Die Weingärten sind in allen Kolonien von den Heuschrecken befallen worden. Sie haben nach den jüngsten Nachrichten in diesem Jahre überhaupt keine Ernte gebracht. In den KZlern von Rischon le Zion und Sichrem Jacob gibt es keinen Wein von 1915. Der Verlust beträgt, wenn man ihn nach den Ernten der Vorjahre berechnet, 400 000 Frcs. bei einer Bodenfläche von 10 718 Dunam. Um die Ernte des nächsten Jahres sicherzustellen, muß eine den Umständen entsprechende Steuer in sehr energischer Weise von den Kolonisten eingezogen werden. c) Mandclpflanz u 11 g e n. Nur ein kleiner Teil der Mandelpflanzungen ist in seiner Entwickelung gestört worden. Im ganzen ist ungefähr die Hälfte der Menge eines normalen Jahres geerntet worden. Der durch die Heuschrecken verursachte Verlust kann mit 200 000 Frcs. bewertet werden (750 Kantar ä 300 Frcs) für die 15 523 Dunam Mandelgärten. Unter den jungen Pflanzungen — 12123 Dunam in Judäa — haben die seit einem Jahr gepfropften Mandeln schwer gelitten. 70״״ der gepfropften Mandein sind vernichtet. d) Olivengärten. Diese größtenteils noch jungen Pflanzungen haben keinen sehr fühlbaren Schaden erlitten, Von den 4371 Dunam, die in den Kolonien und Farmen Judäas mit Olivenbäumen bepflanzt sind, haben erst ungefähr 1200 Dunam angefangen Früchte zu tragen. Der Schaden beträgt hier nicht mehr als 20000 Frcs. e) Diverse andere Frucht p fl anzungen. Die Aprikosen-, Apfel- und Pflaumen-Pflanzungen haben auf einer bebauten Fläche von 933 Dunam ebenfalls einen Verlust von einigen Tausend Francs.