Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XX (1915)
- Issue
- Heft 52 (24.12.1915)
- Date
- 1915-12-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 52 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 429 geachtet dessen zählen diese Abendkurse schon jetzt 200 Schüler aus den verschiedensten Kreisen der jüdischen Bevölkerung der Stadt. Zusammen mit diesen Kursen ist auch der alte jüdische Klub ״Hasamir“, der vor 8 Jahren, bald nach seiner Gründung, von der russischen Behörde geschlossen worden war, wieder ins Leben gerufen worden. Dieser Klub hat auch i eine jüdische Lesehalle eröffnet. Z11 Chanukah veranstalteten die ״hebräischen Abendkurse“ einen Makkabäer-Abend mit einer hebräischen Ansprache, hebräischen und jiidisehen Liedern, Deklamationen usw., der von vielen C)ästen, darunter auch von deutschen Offizieren und hohen Beamten besucht war. I dringenden Appell an die jüdische Bevölkerung, dem neugeschaffcnen ״Waaa li-z.edakfi u-metachä“ die weitgellendste Unterstützung angedeihen zu lassen, damit er imstande sei, seinen grollen und schweren Aufgaben gerecht zu werden. 1 An unsere Freunde und Leser! Ein neues Quartal, ein neuer Jahrgang der Jüdischen Rundschau beginnt. Alle, *die die I jüdische Rundschau während des letzten Jahres gelesen haben, wissen, welche Bedeutung das Organ der Zionistischen Vereinigung für Deutschland gerade jetzt besitzt. Werbet für die Verbreitung der Jüdischen Rundschau! monatlichen Betrag zur Unterstützung der in diesem (iouverneineiit sich aullialtcnden jüdischen I lüclitiingsfamilien, sowie zur I 'nterlialtimg 11;>!!סי׳a da rin» für die Kinder der Flüchtlinge. * Aul der vor kurzem in P e 1 e 1־ s b u r g abgehalteneh ZuVminienTainft der ״Schwarze1‘״'. in der die früheren Minister Schtsclieglowstow, Makno«', Maklakow. 11. a. die Hauptrolle spielten, wurde u. a. eine Resolution gegen die Aufhebung d e s ״A n s i e d 1 u 11 ״ s ra y o 11 s'1 und überhaupt jede Aemlermig in der Lage da־ Juden gefallt, ״da es sich her a u s g e s t e I I t hat, d a 11 d a s g e s a 111 t e J u d e 11 t u m 1 m V e r e i 11 m i t 1) e u t s e 11 I a 11 d g e g e 11 R u IS I a!1 d K r 1 e g־ f ii 11 rt“. (J u d e 11 \ e r f ״ I g u n g e 11 1 11 F 1 11 11 1 a ח d.) Der Kopenhagcner ,Jüdischen V<)iksstimme“ wird unter dem 10. Dezember über Stockholm berichtet: Laut ziiVerlä'Sigeii Informationen aus Finnland haben dort letzthin systematische Judenv e r f o l g u n g e 11 begonnen. Die tinnlaudische Polizei behandelt <l;'e Juden mit ausgesuchter Grausamkeit. Täglich erfolgeil neue Ausweisungen von Frauen und Kindern, auch von solchen, deren Frnälirer im Kriege sind. Es sind (icrüchte im Umlauf, denen zufolge die Magistratsbehörden die Aushändigung von Handelspatenten mul Handwerksdokumenten an Juden für das Jahr 1016 verboten haben. Falls dieses Verbot aiifrediterhalten wird,!)leihen die Juden in Finnland erwerbslos und selten ihrer völligen Aus- Weisung entgegen. * (Die S e I b s t b e s t e u e r u ח g de!' J u d e 11 i 11 Petersbur g.) Die Beratung der jüdischen Hilfskomitees, die schon im August stattfand, beschloß eine allgemeine Selhstbc Steuerung der Juden. Wie wir neulich mitgeteilt haben, wurden auf diese Weise blob in Moskau 100(101) Rubel monatlich gesammelt. Dasselbe System wird jetzt auch in Petersburg unter den Juden durchgeführt, wo die Hilfsaktion vorläufig nur auf die Kosten der wenigen sehr Reichen und der grollen Scharen der jüdischen Armut ging, ohne daß der Mittelstand lind die diplomierte Intelligenz dabei beteiligt sein konnte. Um alle in Betracht komtneuden Kräfte lieranzu/.iehen, wurde die Judenheit der Stadt nach Berufen in besondere Korporationen verteilt. Der Vorstand jeder solchen Korporation ist dem Hilfskomitee verantwortlich für diese Steuer- Zahlungen der Mitglieder im Betrage von 5 gö des monatlichen Budgets. Auf diese Weise entstanden Verbindungen der jüdischen Aerzte, Zahnärzte, lngenieure, Handwerker, Bankbeamten, Rechtsanwälte, Journalisten und Künstler. Eigentümliche ״professionelle Vereine“! Nachrichten Berlin. Unsere Gesinnungsgenossen Gefreiter B. H e r zb e r g-Halberstadt (Jüdischer Turn- und Sportverein) und Dietrich!Matz, darf haben das Eiserne Kreuz bekommen. Unser Gesinnungsgenosse Martin L ö w e n 111 a I - Halle a. S. ist zum Oft'iziersstellvertretcr be fördert worden. Unser Gesinnungsgenosse Walter Frank-Hambürg (K. J.V.) ist gefallen. Cneinnitz. Am 5. Dezember fand in der Zionistischen Ortsgruppe die M a k k a b ä e r f e i e r statt, die unter starker Beteiligung sehr gut verlief, im Mittelpunkt der Feier, die deklamatorische (Frl. Deutsch, Herr K I i p s t e i 11) und musikalische Leistungen (Herr G e g n a . Herr Sonnabend, trau A sch hei m) bot,, stand die Festrede des Herrn Max Deutsch, die eine begeisterte Verherrlichung der Makkabäer, Dr. Herzis und Woltfsohns enthielt und mit dein Aufruf, diesen Männern 111 der Arbe!t turs Judentum nachzustreben, schloß. Allen Mitwirkenden, sowie Herrn Kantor Gold borg, der die Chanukahlichte entzündete, sei hcrzlichst gedankt. Köln. Bei Ausbruch des Krieges mußte der Verein H a s e h a c 11 a r wie die meisten anderen ähnlichen Vereine, seine Tätigkeit wesentlich einschränken. Viele Mitglieder, darunter die wertvollsten Arbeitskräfte, waren einberufen worden. Nach einer niclmvödiigeii Pause nahmen die zurückgebliebenen Vereinsmiigiieder, ihrer jüdischen Pflicht eingedenk, ihre Arbeit wieder auf. Jeden Freitag abend und Sonnabend nachmittag fand ein Vortrag über jüdische Geschichte und Literatur statt. An dem Abschiedsabend für die im November v. J. entrückenden jiidisehen Rekruten aus Galizien, von denen eine größere Anzahl Mitglieder des I laschacliar sind, nahm der Verein den größten Anteil. Als wehere größere Veranstaltung der vergangenen Somnter.-aison sei die H e r z I - (i e d e n k f e 1 e r am 4. Juli he! vorgchobeti, aul der Herr M. Goldreich-Beuel die Gedenkrede hielt. Bei d.eser Feier hat der Verein ״Haschachar“ die Pflanzung eines ״üaii-1 laschacliar“ im Herzlwalde beschlossen. Erfreulicherweise weist der Haschachar* garten schon eine bedeutende Anzahl von Geibäumen auf. Am 22. August er. (and die ordentliche General- Versammlung mii Neuwahlen statt. Der neugev.ählte Vorstand ve, teilte die Vcreiiisarbcit in I Kommissionen: Schiur-, Vortrags-, Natioiiah'onds- und Bibl.o.hcks- Kommission. Für das Winterhalbjahr wurde nachstehendes Programm vorgesehen: jeden Freitag abend, Sonnabend früh und Sonnabend nachmittag: Sdiiurim Mission In der Neue* *״ Zürcher Zeitung vom 18. Dezember steht unter den ״Kleinen Mitteilungen“ eine Notiz ״Erlebnisse eines Judenmissionars“. Eis wird berichtet, was in den Kirchen von Wangen und Diibendorf Pastor Laub von der Basler Mission über die Erlebnisse in Rußland und Polen vor und nach Kriegsausbruch erzählte. Was er seinen andächtigen Zuhörern, diesem Zeitungsberichte nach, vortrug־, ist uns nicht neu: Leid und Not, Denunziation von Seite der ,,andersgläubigen Ortsgenossen“ und’1 Evakuierung durch die Kosaken. Pastor Laub war während dieser für die Juden so traurigen Zeit angeblich auch am Schauplatz ihres Elends, einigemal sogar in Gefahr, gefangen genommen zu werden. Aber er entkam immer wieder auf wunderbare Weise. Auf seiner Reise von Lodz über Warschau nach Wilna will er von seinen Anhängern überall freudig begrüßt worden sein. Wir wollen und können jetzt nicht nachprüfen, wie stark die Freude über den Missionar wirklich gewesen sein mag. Aber sehr, sehr eigentümlich berührt es, wenn wir die Schlußworte des Züricher Zeitungsreferats lesen ״Mit einem warmen Appell an die Anwesenden, der segenstiftenden Judenniission zu gedenken, schloß Pastor Laub diese interessanter! Ausführungen.“ So dient die Schilderung jüdischen Elends zur Propaganda für die Judenmission. Reform der öffentlichen Armenpflege in Jerusalem Einen interessanten Beitrag zur Reform der Armenpflege in Jerusalem und anderen Orten finden wir in Nr. 48 der Jerusalemer hebräischen Tageszeitung ״Hacherut“ vom 11. November. Es heißt dort: An die j ii d i s c h e 11 Einwohner Jerusalems! Der Herr Polizeidirektor von Jerusalem, N u r i Bei, schickt uns folgende offizielle Bekanntmachung zu mit der Bitte um Veröffentlichung im ״Hacherut“: ״Um das Bettelwesen in den Häusern, den Geschäften, in den Straßen und aul den Märkten grtindlieh zu unterdrücken, wurde dem vom Oberrabbinat begründeten ״Komitee für Wohltätigkeit und Arbeit“ (״waad li-zedakä u-metachä“) seitens der hiesigen Regierung die nötige Vollmacht erteilt. Das genannte Komitee verfolgt den Zweck, den Arbeitsfähigen Arbeit zu verschaffen lind den Arbeitsunfähigen die nötige Pflege zu gewähren. Jedem Juden liegt die große Pflicht ob, den.». Armen jeden materiellen und moralischen Beistand! zu gewähren. In Anerkennung des Wohltätigkeits-Ij sinnes und der Barmherzigkeit der jüdischen Be-1 völkerung haben wir das volle Vertrauen, daß alle, | sowohl Einzelne wie Anstalten, dieser Pflicht in vollem | Maße nachkommen werden. I Wir sind dessen sicher, daß das genannte Komitee | *lies daran setzen werde, um diesen Zweck voll und ganz zu erreichen. Im Falle aber, daß die Erreichung dieses Zweckes in irgendeiner Weise auf Hindernisse seitens der Bevölkerung stoßen würde, wird das genannte Komitee genötigt sein, von der öffentlichen Gewalt Gebrauch zu machen. Die Redaktion des ״Haclicrut“ wird gebeten, obiges zur Kenntnis der jüdischen Einwohnerschaft zu bringen. Der Polizeipräsident und Kreischet von Jerusalem. Nur i,“ Der ״Hacherut“ bringt seinerseits die lebhafteste Genugtuung weiter Jerusalemer Kreise über diese Verordnung zum Ausdruck, die ״Jerusalem von der Schande erlöse“ und eine wahre und zweckmäßige Wohltätigkeit erst ermögliche. Er schließt mit einem Redaktion und Verlag der ,Jüdischen Rundschau“. ZIONISTISCHE BEWEGUNG Oesterreich. (Zionistischer Distriktstag für Böhmen.) Am 12. Dezember fand in Prag der Distriktstag der zionistischen Korporationen Böhmens statt. Es waren anwesend 28 Delegierte «Jer Vereine und •1 Mitglieder des Distriktskomitees. Namens des abtrotenilen Distriktskornitees troffnete der Vizepräsident lind Geschäftsführer Herr Dr. Ernst Gütig den Distriktstag mit einer Anspräche, in der er nach Begrüßung der Delegierten die Verhältnisse skizzierte, unter denen das Distriktskoniitee seit Kriegsausbruch zu arbeiten hatte und die jetzt eine Neugestaltung desselben notwendig machen. Auf Vorschlag Dr. Gütigs wurden in das Präsidium berufen die Herren Ernst Bechert (Teplitz) Direktor Adolf Brod (Prag) und als Schriftführer Max Saudek (Koliri) und Dr. Felix Kornfeld (Prag). Herr Ernst Bechert gedachte hierauf der großen Verluste, welche die böhmische Organisation durch den Heldentod vieler Gesinnungsgenossen erlitten hat, die in gleicher Weise für iiir Vaterland wie ihr Volk gefallen sind, und des Todes von David W o 1 f f s o h n , dessen große Bedeutung er in warmen Worten würdigte. Im weiteren Verlaufe sei- 11er Rede erwähnte Herr Bechert die Umstände, welche eine Umgestaltung des Distriktskornitees als geboten erscheinen lassen und gab dem Wunsche Ausdruck, daß die heutige Tagung den Anfang einer neuen ersprießlichen Arbeit bedeuten werde. Herr Friedrich M a 11 thner entwickelte in länge- ,ren Ausführungen das Programm des künftigen Distriktskomitees. Seine Hauptaufgabe soll die feste Organisierung der Arbeit sein, die von einem ständigen Bureau geleitet werden soll. Herr Mauthner besprach ausführlich die Systematik der einzelnen Sammlungen und die Grundzüge der geplanten Neu- Organisation der Agitation, ln das neue Distriktskoniitee wurden gewählt: Friedrich Mauthner, Norbert Adler, Dr. Max Brod, Prof. Viktor Freud, Filipp Leben hart, Frl. Lise Welt sch, Prot. J. Wertheimer. AUS ALLER WELT Aus Amerika. Der vor kurzem verstorbene jüdische Philanthrop A. L, Reis in New York hinterließ der jüdischen Gemeinde 1 Million Dollar für die Gründung eines Krankenhauses, das seinen Namen tragen wird. * Auf der am 23. November in San-Franzisko abgehaltenen Konvention der ״American Federation of Labour“ wurde, dem Beispiel des ״Trade-Unio n s“-Kongresses in England fo'gend, eine Resolution für die Gleichberechtigung der Juden in allen Landern angenommen. Aus Russisch-Polen. (Vom ״Amerikanischen Hilfskomitee“ in W a r s c h a u.) ln einer Sitzung vom 15. 12. beschloß das Warschauer Komitee, das über die aus Amerika geschickten Gelder disponiert, folgende Summen zu bewilligen: Für die Kommission für die nach ihren Heimatstädten zurückkelirenden Flüchtlinge — 25 000 Rubel, für die Kommission zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit — 7 5Ü0 Rubel und für d.e Küchen in Nowogrudok und Sionim je 500 Rubel. Kleinere Summen wurden auch für die Schulen der Geineindekonunission bewilligt. Aus Rußland. Der amerikanische Konsul in Moskau wandte sich an die russische Regierung mit der l'itte. die im Gouvernement K a 1 11 z a zurückgeh. I.enen jüdischen Geiseln aus Galizien in Freiheit zu setzen. * Die ländlichen Verwaltungsbehörden der Gouvtrnements Nischni-Nowgurod bestimmten, einer amerikanischen Meldung zufolge, einen namhaften