Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XX (1915)
- Issue
- Heft 51 (17.12.1915)
- Date
- 1915-12-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 51 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 419 Je!e *11 US gm va;ie cn ge :n, n- R: ile hr incn vc in nit eron ins ins im us- * ercn- 2fe! m me fen en, e n;erdesen zu- :rt ׳all, en; ren ein len. aut, ,uer /lan tuirg! ״Deutsch-israelitisch Osmanische Union“ Am Sonntag•, <ie11 12. Dezember fand in!Berlin im!,Brnderverein“ eine Besprechung• statt, die sich mit dem Programm und der künftigen Werbearbeit einer am (). Dezember in Berlin gegründeten ,,!) e u t s c 11 - i s r a e 1 i t i s c 11 Osin a!1 i .י c 11 e n U 11 i o 11“ befaßte. Diese (inindüng i t als Sclivvestergescllschaft der ,,Os 111a- 11 i s e 11 - i s r a e I i tische n U 11 i o n“ gedacht, die vor einiger Zeit, wie schon in der Jüdischen Rundschau beliebtet wurde, in Konstantinopel gegründet worden ist. Die Besprechung in Her-!in am 12. Dezember war eine Propagaiula-Ver- Sammlung und von einer grollen Zahl jüdischer Persönlichkeiten aus Deutschland beschickt. Sie wurde durch eine Ansprache des Kommerzienrats Gerson Simon eröffnet, welcher darlegte, daß die den Juden seit jeher sympathische Türkei durch die Ereignisse des Weltkriegs den deutschen Juden besonders nahe gerückt sei. Andrerseits müßten sich die deutschen Juden jetzt noch ganz anders als früher mit der (3stjüdischen Frage befassen. Kommerzienrat Gerson Simon besprach die von dem Jüdischen Hilfskomitee ,,Roter Halbmond“ ins Werk gesetzte Sammlung von Sanitätsmaterial, die Herr I)r. Alfred Nossig nach Konstantinopel gebracht hat, und die Gründüng eines ״Zentral-Hilfskomitees“ mit der Aufgäbe, die durch den Krieg herbeigeführte Notläge der Juden in Palästina zu mildern und Mittel für die Uebersiedluug von osteuropäischen Juden nach der Türkei bereitzustellen. Hierauf erstattete das Hauptreferat Herr Dr. Alfred Nossig, besprach die katastrophale Lage der Judenlieit des Ostens und die Aussicht, für die Ostjuden ein Abflußgebiet in der Türkei zu finden. Die Aufgabe der ״Deutsch-israelitisch Osmanischen Union“ gab er nach dem offiziellen Kommunique (dessen übrige Teile wir Raummangels halber nur zusammenfassend anführen), folgendermaßen wieder: ״Dl״ '׳Union“ ist keine KclonisatiensgesdlsehaP; sie verfolgt den ideellen Zweck innigerer Beziehungen zwischen Juden lind Osmaucn. Wohl aber wird sie den praktischen Bestrebungen durch Schutz, Vermittlung und finanzielle Förderung dienlich sein können. Als neuartige, den Zeitverhältnissen entsprechende Institution kann sie keiner der bestehenden Organisationen eingefügt werden. Dagegen ist ein Kooperations-Verhältnis zwischen der Union und diesen Organisationen höchst erwünscht, ja unerläßlieh. So vor allem mit dem ״Hilfsverein“, dessen Schulwerk für die Erziehungsbedürfnisse der jüdischen Einwanderer in der Türkei sorgen dürfte, Fenier mit den Kolonisationsgescllschaften, wie I.C. A., die A. J.K. O. und auch den rein wirtschaftlichen Instituten der Zionistischen »Organisation. Die tatkräftigste Förderung erwartet die Union von den B. B. - Logen. Bie Zusammensetzung des Vorstandes berechtigt zu der Erwartung, daß die Union auch mit den anderen großen jüdischen Organisationen Deutschlands in enger Fühlung bleiben wird. Das Zentral-Hilfskomitee hat sich der Union angeschlossen.“ Nach dem Referat des Herrn Dr. Alfred IN ossig setzte eine Diskussion ein. Aus der Mitte der Versammlung wurden die verschiedenartigsten Einwände erhoben, begründet und besprochen. Zum Schluß der freien Diskussion wurde eine Resolution angenommen, die den Gedanken der Pflege freundschaftlicher Beziehnagen zwischen den Juden Deutschlands und der Türkei begrüßt. Die gemeinsamen Interessen ]in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht sollen gewahrt und gefördert werden, damit auf dieser!Grundlage auch das Los der Ostjuden gebessert werden. kann, ln einer Besprechung der ausvärtigen Teilnehmer wurde in Aussicht genomtuen, durch Drucksachen, Versammlungen, Vor-!trüge und Wanderredner ohne Verzug eine Werbetätigkeit in Deutschland zu beginnen, um I baldigst Ortsgruppen der Union gründen zu können. Wenn entsprechende Mittel vorhanden win würden, soll zu der Gründung eines koin- I ״!erziehen Instituts geschritten werden, das den jüdischen Einwanderern in der Türkei Erwerbsmöglichkeiten in Landwirtschaft, Industrie, Gewerbe und I landwerk schaffen soll. Der allgemeine Gedanke, eine intensive vvirtschädliche und kulturelle jüdische Arbeit in der Türkei zu leisten und zu organisieren, erweist sich jetzt als sehr zeitgemäß und findet unter den deutschen Juden mehr Verständnis als früher. Dies ist auf das wärmste zu begrüßen. Trotz, der allgemeinen Sympathie für derartige Bestrebangen, die gerade in zionistischen Kreisen von vornherein vorhanden ist, kann man sich natürlicli gerade dort, wo eine genaue Kenntnis aller in Frage kommenden Verhältnisse, eine lauge praktische Erfahrung und der nicht erst durch die äußeren Vorgänge geweckte Wille zur positiven jüdischen Arbeit in der Türkei vorhanden sind, nicht der V e r p f 1 i c h t u n g entsehlagcn, das Arbeitsprogiamm und die Versprechungen zu p r ii f e n, die von Seite der Initiatoren der ״O sm an i s c 11 - is r a e 1 i t i s c h e n Union“ und nun ihrer Schwestergesellschaft, der ״Deutschi s r a c 1 i t i s c 11 ö s m a n i s c 11 e n IJ n i o n“, Deutsche Zionisten! Die Zionistische Vereinigung für Deutschland verlangt von ihren Mitgliedern den Kriegsbeitrag■, damit sie arbeiten kann, wie es die Zeit und ihr Ziel von ihr verlangt. . Die Aufgaben, die uns gestellt sind, sind groß. Die Zahl unserer Freunde, die der aktiven Mitarbeit in unseren Reihen augenblicklich nicht zur Verfügung stehen, ist immer mehr gewachsen. Alle Kräfte müssen wir anspannen, wenn wir erreichen sollen, was notwendig und was möglich ist. Damm richten wir nochmals an jeden Zionisten, der dieser seine Pflicht bisher noch nicht nachgekommen ist, die Aufforderang, uns nicht im Stich zu las'en. Den Minimal-Beitrag von 6 M. muß jedes Mitglied der Zionistischen Vereinigung für Deutschland entrichten. Wer cs kann, tue mehr! Der G e s c 11 ä f ts f ü h r e n d e Ausschuß der Zionistischen Vereinigung für Deutsch land. gemacht werden. Diese Verpflichtung ist um so größer, als es sehr bedauerlich wäre, wenn ein Scheitern der von Herrn Dr. Nossig propagierten Pläne zurückwirken würde auf die allgemeine Meinung über die Nützlichkeit, Möglichkeit und Notwendigkeit der jüdischen Arbeit und Kolonisationstätigkeit in der Türkei und speziell in Palästina. Bisher haben die Bemühungen des Henri Dr. Nossig auf dem Gebiete jüdischer Kolonisationstätigkeit in der Türkei einen sehr geringen Erfolg gehabt, was besonders deshalb in Erscheinung■ getreten ist, weil sie immer den Anschein einer besonderen Großzügigkeit hervorrufen wollen. Die hauptsächlich von Herrn Dr. Nossig propagierte A. J. K. O. (AHgemeine Jüdische Kolonisations- O r g a n i s a t i o n) hat besonders große Versprech ungen gemacht, ohne daß ein ihnen entsprechendes Resultat erzielt worden wäre. Der Grund liiefiir ist hauptsächlich darin zu suchen, daß diese ״allgemeine“ Kolonisations- Organisation selbst keine reelle Macht repräsentiert, aber andererseits die Prätention hat, eine zentrale Institution darzustellen, die über anderen auf demselben Gebiete arbeitenden Organisationen stellt. In Wirklichkeit ist dieses Patronatsverhältnis natürlich nicht vorhanden. An ähnlichen Fehlem leiden bedauerlicherweise auch die neu ins Leben gerufenen Gründüngen. Ihr Grundgedanke ist sympathisch, aber die Art der Ausführung kann der Idee mehr schaden als nützen. Das gilt schon von der ״O s 111 a u i s c h - i s r a e 1 i t i s c h e n LJ 11 i o n“ in Konstantinopel. Die Mitteilungen über diese Gründung•, die bisher gemacht worden sind, sind weder präzise gefaßt noch in einzelnen wichtigen Punkten überhaupt richtig. Die Statuten dieser ״Usmaniscli-israclitischen Union“ sind bisher trotz der in die Presse lanzierten Meldungen nicht genehmigt und enthalten an sich keineswegs solche Befugnisse, die die Möglichkeit eines praktischen und positiven Arbeiten« verbürgen. Die Auswahl der Persönlichkeiten aber, die Herr Dr. Nossig zu Leitern dieser ״Osnmnischisraelitischen Union“ berufen hat, ist wohl nicht auf der ganzen Linie mit der Vorsicht vorgenoinmen worden, die notwendig, ja unerläßlich sein sollte. So ist der Sekretär der ״Osmanischisraelitischen Union“, Zia Bey Matalon, auf dessen Arbeit besondere Hoffnungen gesetzt wurden, soeben z u in Isla m übergetreten. Sofern die ״De u tsc 11 - i s r a e 1 i t i s ch O s m a 11 i s c h e U n i o n“ für die Verbreitung einer gewissen Stirn m u 11 g sorgen soll, kann sie nützlich sein, wenn nicht wieder Fehler gemacht werden. Aber es muß von vornherein festgestellt werden, daß auch die ״Deutschisraelitisch Osmanische Union“ keine Institution ist, die den Anspruch machen darf, als Sammelpunkt und Zentrale bestehender jüdischer Organisationen aufzutreten. Die A. J. K. O. allerdings dürfte mit der ״Deutsch-israelitisch Osmanischen Union“ durch eine gewisse Personalunion verbunden bleiben. Aber es ist kaum änzunehmen, daß sich der ״Hilfsverein der Deutsehen Juden“ und die I. C. A. durch die Neugründung irgendwie in ihren selbständigen Arbeiten werden beirren lassen. Die Zionistisehe Organisation kann es natürlich nur begrüßen, wenn sich'die Möglichkeit bietet, für die jüdische Arbeit in der Türkei bisher fernstehende Kreise zu gewinnen. Da inan aber gerade auf zionistischer Seite die Methode Dr. Nossigs kennt und selbst die jüdische Arbeit in der Türkei ganz ernst meint, ist die Bitte wohl am Platze, es möchten die dilettantische Aufmachung und die prätentiösen Gesten vermieden werden, die für positive Arbeit unnötig sind, ja ihr nur schaden. Positive Arbeit in der Türkei und speziell in Palästina werden natürlich die Wirtschaftliehen Institute der Zionistischen Organisation immer fördern, wie sie auch auf den Vorschlag der A. J. K. O. eingingen, die von dieser geplanten Versuche in Palästina zu übernehmen und durchzuführen. Kriegsbeitrag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland 2. Ausweis Achim: M. 6,— Tierarzt Wall. Bertin: M. 100,— Dr. H. G. Heymann; M. 30,— Josef Salzmann; M. 20,- Dr. Alfred Klee; M. 10,— Leo Herrmann (2. Rate), Dr. Fritz. Löwenstein, Dr, Erwin iMichrt, Henry Rychter (H.-C.), Dr. Egon Rosenberg, Dr. Alfred Schwarz; M. 6,— Walter Braun, San.-Rat Caspari, tda Caspari, Helene Hanna (John, D. Epstein, David Freund, Dr. Kirscliner (Nikolassee), Edm. Levy (H.-C.), Zahnarzt K. Lipowski, Herrn. Lissaner (H.-C.), Kiite Löwenberg, Heinrich Margulies (H.-C.), L. Pincoffs, Frau Dr. Sachs, Käte u. Frida Rom in (1. Rate), D. Schetzer, Erna Schrageiiheitn. Bismarckhiitte: M. (1, Jenny Goldsteiii. Breslau: M. 20,— Professor Klasmcr, Dr. Erich Pelz,; M. 10, Ign, Fürst, Redakt. Gottschalk, Frieda Kober, Max Kober; M. 6,— Leop. Altmann, Ludw. Aschner (H.-C.), Walter Danziger, R.-A. Jacobsohn, Else Kober, Lotte Pinczowcr, Bertha Wev], Hermann Weyl, Rose Weyl. Broinberg: M. 8,- Zahnarzt Herbert Meyersohn. Danzig: M. 10,- Dr. Js. Landau; M. 0,— Dipl.-Ing. Benno Hüller, Jenny Smolizanski-Tauber. Darmstadt: M. 6/— N. Lichtblau. Diedenliofen: M. 6, Dr. Fohlen. Dortmund: M. 10,-- Otto Weinberg; M. 6,— Zahnarzt Fabian, Fr. E. Weinberg. Dresden: M. 10,— Ludwig lkenberg. past! Zionisten! Zahlt den Kriegsbeitrag!